K. Bockmühl: Theologie der Anpassung

Klaus Bockmühl schreibt über die Krise der Gegenwartstheologie („Aufgaben der systematischen Theologie heute“, in: Denken im Horizont der Wirklichkeit Gottes: Schriften zur Dogmatik und Theologiegeschichte, Abt. 2, Bd. 1, 1999, S. 105-121, hier S. 114):

Ein gut Teil heutiger Theologie ist Theologie der Anpassung an den Geist des »We never had it so good« mit seinem gezähmten Gottesgedanken und der Ab­lehnung jeglichen Urteils über die Sünde des Menschen. Im allgemei­nen scheint die Botschaft der Theologie an die Öffentlichkeit zu lau­ten: Doch, es gibt einen Gott, aber wir können versprechen, daß er sich nicht einmischt. Die Theologie vermittelt, gewollt oder unge­wollt, den Eindruck der Unwirklichkeit Gottes. 

J. Nicolosi: Scham und Bindungsverlust

Joseph Nicolosi gilt als sehr erfahrener Psychotherapeut und arbeitet seit vielen Jahren mit Männern, die homosexuell empfinden und darunter leiden (ichdystone Homosexualität). Zusammen mit seinem Therapeutenteam hat er weit über eintausend Männer begleitet. 2008 ist sein dreiteiliges Buch Shame and Attachment Loss: The Practical Work of Reparative Therapy erschienen.

Seit kurzem arbeitetet die DIJG freundlicherweise an der Übersetzung des Buches. Der erste Teil ist inzwischen fertig und kann hier kostenfrei als E-Book heruntergeladen werden: www.dijg.de.

Laura Waters Hinson – die Filmemacherin

Was soll aus mir nur werden? Diese Frage stellen sich viele; besonders natürlich Leute, die mit der Schule fertig sind und über ihre Ausbildung nachdenken. Und wenn jemand auch noch kreativ ist, kann es richtig vertrackt werden.

Im nachfolgenden Video erzählt Laura Waters Hinson authentisch, wie aus ihr eine Produzentin von Dokumentarfilmen geworden ist. Eine gute.

Vielleicht hilft das ja dem einen oder anderen.

Kalifornien: Christliche Studentenarbeit zieht sich zurück

Antidiskriminierungsgesetze und die Forderung nach konsequenter Gleichbehandlung können zu bizarren Ergebnissen führen. Vor vier Jahren hat in den Vereinigten Staaten von Amerika das höchste Gericht entschieden, dass Universitäten in Kalifornien christliche Studentengruppen zwingen können, nicht-christliche Leiter einzuführen. „InterVarsity Christian Fellowship“, vergleichbar mit dem SMD in Deutschland, gab nun bekannt, dass sie sich aus den Campus der staatlichen Universitäten in Kalifornien zurückziehen. Aufgeben werden sie allerdings nicht.

The California campuses are not the first from which InterVarsity has had to withdraw in an official capacity. In 2011, Vanderbilt University in Nashville, Tenn., also adopted an all-comers policy. Rather than sign an agreement pledging to consider non-Christians for leadership positions, InterVarsity’s Graduate Christian Fellowship and about a dozen other Christian groups moved off campus. Other private colleges have followed Vanderbilt’s lead, though not at the pace some campus Christian ministries feared. In May, InterVarsity leaders at Bowdoin College in Brunswick, Maine, had to step down because they would not sign a similar policy requiring them to allow lesbian, gay, and other non-heterosexual students to be leaders.

And while Vanderbilt’s policy made ministry more difficult, Christian groups there haven’t disappeared. In a message to InterVarsity donors, Jao said the end of acceptance for Christians on college campuses creates an opportunity.

“Our position will cost us,” he said. “But I think the campus-access challenge gives students an opportunity to say, some might be afraid to pay the price, but not this generation of world changers. … Throughout the country, we’ve found that our staff and student leaders respond to derecognition with greater creativity, boldness, and risk-taking. And, perhaps more importantly, they’ve deepened their convictions as disciples, evangelists, and leaders.”

Mehr: www.worldmag.com.

Gewalt und theologische Tradition im Islam

Martin Rhonheimer, Autor des Buches Christentum und säkularer Staat: Geschichte – Gegenwart – Zukunft (Herder, Freiburg i. Br. 2012, siehe meine Rezension hier), hat in der NZZ die Frage der Gewalt im Namen Allahs erörtert:

Zu Beginn waren die Muslime im muslimischen Herrschaftsgebiet meistens eine Minderheit. Ihre Herrschaft gründete auf der grossen Zahl der «dhimmis», der «Schutzbefohlenen». Juden, Christen und andere «Schriftbesitzer» galten nicht als «Ungläubige»: Sie konnten als «dhimmis» ihr Leben behalten, auch wenn sie keine Muslime wurden. Die heute vom IS gejagten Jesiden gelten nicht als «Schriftbesitzer», für sie gibt es daher nur die Alternative: Konversion zum Islam oder Tod. Die islamische Theologie besitzt keine argumentativen Ressourcen, um das Vorgehen des IS als «unislamisch» zu verurteilen. Es gibt im Islam nämlich kein generelles Tötungsverbot. Es gibt hingegen eine generelle Tötungslizenz: «Ungläubige», die sich der Konversion zum Islam widersetzen, sollen getötet werden. So heisst es in Sure 9, 5: «. . . tötet die Heiden, wo immer ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf! Wenn sie sich aber bekehren, das Gebet verrichten und die Almosensteuer geben, lasst sie ihres Weges ziehen! Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben.»

Der Islam ist seinem Wesen nach mehr als eine Religion. Er ist ein kultisches, politisches und soziales Regelwerk, will religiöse und politisch-soziale Ordnung in einem sein. Und er war von Anfang an kriegerisch. Der Islam will das «Haus des Islam» auf der ganzen Welt verbreiten. Es geht ihm dabei nicht so sehr um religiöse Bekehrung der Nichtmuslime als um ihre Unterwerfung unter die Scharia. In Sure 2, 256 heisst es: «In der Religion gibt es keinen Zwang.» Glaube lässt sich eben nicht erzwingen, Unterwerfung unter das islamische Recht aber sehr wohl. Sich diesem Zwang zu widersetzen, kann tödlich sein. Historisch war die islamische Einheit von Politik und Religion zwar meist nur Programm und selten Realität. Andere politische Machtzentren entstanden, die sich nicht unter der geistlichen Führung eines Kalifen befanden. Und gemäss islamischer Lehre konnte der Kampf (Jihad) gegen die Nichtmuslime genau dann unterbrochen und mit den Ungläubigen ein Waffenstillstand geschlossen werden, wenn für weitere Expansion keine Aussicht auf Erfolg bestand. Das führte zu langen und oft friedlichen Perioden der Koexistenz. Zudem sind muslimische Minderheiten in nichtmuslimischen Ländern verpflichtet, sich an die lokale Rechtsordnung zu halten.

Mehr: www.nzz.ch.

Vier Stunden WhatsApp pro Tag

Die Studie Media Activity Guide 2014 bietet interessante Einblicke in unser mediales Leben. basicthinking.de schreibt:

Mit was verbringen die Kids, Teenager und Twens noch so ihre Zeit? Auf jeden Fall nicht mit Lesen von klassischen Print-Produkten. Mit Tageszeitungen halten sich die Jungs und Mädels nur sechs Minuten auf. Dafür rund eine Stunde mit Computer- und Videospielen, besonders auf Smartphones und Tablets. Und 152 Minuten surfen sie tagein, taugaus durchs Internet. Davon verbringen sie 45 Minuten auf Facebook, Twitter und ähnlichen sozialen Netzwerken.

Wenn man die bereits genannten Zahlen zusammenzählt, kommt man bereits auf eine erstaunliche Stundenanzahl. Medien sind somit eine [sic!] ganz wichtiger Dreh- und Angelpunkt in unserem Leben, besonders bei der jüngeren Generation. Das ist an sich keine neue Erkenntnis.

Für Bus- und Bahnfahrer wahrscheinlich nicht ganz überraschend: Besonders viele junge Frauen verbringen fast vier Stunden am Tag mit Diensten wie WhatsApp.

Das ist eindeutig zu viel Zeit! Lieber mal ein Buch lesen oder von Angesicht zu Angesicht miteinander „klönen”. Übrigens: Eine gute Zeitung mit einem leckeren Kaffee; das hat was.

Hier mehr: www.basicthinking.de.

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Siehe zum Thema auch: Wider die digitale Scheinwelt.

Über den „Unsozialismus“ beim SPIEGEL

Bettina Röhl gewährt in ihrem Artikel „Die Zwei-Klassen-Gesellschaft beim ‚Spiegel‘“ einen Blick hinter die Kulissen des einflussreichen Unternehmens und berücksichtigt dabei nicht nur die aktuellen Querelen.

Das ideell hoffnungslos überfrachtete sozialistisch-genossenschaftliche Modell von den Arbeitnehmern, die im Betrieb die Macht übernehmen, ist im “Spiegel” exemplarisch gescheitert. Die internen Grabenkämpfe paralysierten die Mitarbeiter-KG regelmäßig.

Von Anfang an war es dem erlauchten Kreis der “Spiegel”-Redakteure, die sich ganz unsozialistisch für die eigentlichen Gewinnproduzenten hielten, ein Dorn im Auge, dass die “Putzfrauen” neben ihrem üppigen Gehalt am Jahresende ebenfalls Kasse aufgrund auch ihrer Gewinnbeteiligung machten. Viel besser wäre es doch, gar kein eigenes Putzpersonal einzustellen und eine Reinigungsfirma zu engagieren.

Die Herrenreiter-Tendenzen in der Redaktion standen stets im krassen Widerspruch zu der weiterhin verfolgten Linie “Im Zweifel linksaußen”. Links schreiben, rechts leben ist kein unbekanntes Phänomen.

Tatsächlich wurden die Redakteure schnell zu saturierten Kapitalisten, die ihre Pfründe unter keinen Umständen und zu keinem Zeitpunkt mit irgendjemand wieder teilen wollten. Und da ist man schnell bei dem aktuellen Geschehen im Spiegel.

Eigentlich könnte die Mitarbeiter-KG selbstherrlich durchregieren. Doch dazu ist sie aufgrund innerer Befindlichkeit offenkundig nicht in der Lage, obwohl sie in einer sehr komfortablen Lage ist. Denn sie ist nicht nur Mehrheitsgesellschafterin, sondern führt auch das Tagesgeschäft. Stattdessen hält sie sich anlehnend an Gruner+Jahr fest und freut sich, wenn die entmachtete Erbengemeinschaft nach Rudolf Augstein mit ihrem 24-Prozent-Anteil noch da ist.

Außerdem hat das sozialistische Experiment einen Schönheitsfehler. Statt etwa neue Abteilungen für TV oder online im Zuge einer allgemeinen Expansion aufzumachen und die Mitarbeiter der neuen Dienstleistungen ganz selbstverständlich in den Kreis der Kommanditisten aufzunehmen, gründete der “Spiegel”, durchaus marktüblich, für Sonderaufgaben gesonderte Tochterfirmen – zum Beispiel Spiegel TV oder Spiegel online. Deren Mitarbeiter schaffen für das marktübliche Lohnniveau ihrer Branchen, sehen am Jahresende aber keinen Kapitalistenertrag auf ihrem Konto.

Hier mehr: wiwo.de.

Fünf feministische Mythen widerlegt

Etliche Mythen, die im Raum des Feminismus verbreitet wurden, halten sich sehr hartnäckig und beeinflussen sogar politische Entscheidungen. Deshalb ist es gut, wenn die Philosophin Christina Hoff Sommers aus Liebe zur Wahrheit fünf dieser Mythen widerlegt. Gemeint sind folgende US-amerikanischen „Überzeugungen“:

  • Mythos 1: Frauen machen die Hälfte der Weltbevölkerung aus, erarbeiten zwei Drittel der Arbeitsstunden der Welt, empfangen 10% des Welteinkommens und besitzen weniger als 1% des weltweiten Eigentums.
  • Mythos 2: Zwischen 100.000 und 300.000 Mädchen sind in den USA zur sexuellen Sklaverei gezwungen.
  • Mythos 3: In den Vereinigten Staaten sind 22% bis 35% der Frauen, die in der Notaufnahme von Krankenhäusern landen, Opfer häuslicher Gewalt.
  • Mythos 4: Eine von fünf Frauen wird in der Schule sexuell missbraucht.
  • Mythos 5: Frauen verdienen bei gleicher Arbeit nur 77 Cent für jeden Dollar, den ein Mann verdient.

Hier mehr: time.com.

Wo die Kirche Evangelium lehrt, gibt es Verfolgung

Martin Luther schreibt in seiner Vorlesung zu Gal 5,12:

Alles in allem: die Kirche muß Verfolgung leiden, wenn sie das Evangelium rein lehrt. Das Evangelium predigt die Barmherzigkeit und Ehre Gottes und öffnet den Blick für die Bosheit und die List des Teufels, ja, es malt ihn mit seinen Farben und reißt ihm die Larve der göttlichen Majestät herunter, durch die er der ganzen Welt Eindruck macht, d. h. das Evangelium zeigt, daß alle Kultübungen, Religionsübungen, Ordensstände, die von Menschen erdacht sind, ferner alle Traditionen von dem Zölibat, von Speisen etc., dadurch die Menschen Vergebung der Sünden und die Rechtfertigung erwerben wollen, gottlose und dämonische Lehren sind. Durch keine Sache wird der Teufel mehr gereizt, als durch die Predigt des Evangeliums, die nimmt ihm die Larve Gottes weg und verrät, was er in Wahrheit ist, nämlich der Teufel und nicht Gott. Darum ist es unmöglich, daß dort, wo das Evangelium blüht, keine Verfolgung statthabe oder aber der Teufel ist mit Sicherheit noch gar nicht richtig getroffen, sondern höchstens leicht berührt. Wenn er wirklich getroffen wird, ruht er nicht, sondern fängt furchtbar an zu toben und alles zu verwirren.

Er schuf sie als Mann und Frau

Hier ein hochkarätig besetztes Plenum zu dem heißen Thema „Mann und Frau“. Konkret geht es um das komplementäre Rollenverständnis. Das Gespräch fand am 7. Juni 2014 statt. Teilnehmer sind Kathy Keller, Tim Keller, Kathleen Nelson und John Piper.  Don Carson moderiert das Gespräch.

Seelsorge Vertiefungskurs II

Vertiefung II nov2014 web bDer „Seelsorge Vertiefungskurs II“ bietet auch in diesem Jahr interessante Themen an:

  • Psychopathologie und Psychiatrie (Referent: Dr. med. Christoph Jung)
  • Gesprächsführung in der Seelsorge (Referent: Ron Kubsch)
  • Praxisfelder Ehe- und Familienseelsorge (Referent: Thomas Jeising)

Wir treffen uns wieder in der Nähe von Salzburg im wunderschönen Österreich. Noch sind einige wenige Plätze frei!

Weiterführende Informationen und eine Möglichkeit zur Anmeldung sind in diesem Folder zu finden: Vertiefung_II_nov2014_web_b.pdf.

Gebet und Gottes Souveränität

Der Neutestamentler Thomas Schreiner predigte kürzlich über das Thema „Gebet und Gottes Souveränität“. Predigttext ist Apostelgeschichte 12. Hörenswert.

Evangelikale und interreligiöser Dialog

Das neue Missionsparadigma, demgemäß Mission nicht mehr nur der Ruf des Sünders zum Glauben an Jesus Christus ist, sickert so langsam zur Basis der evangelikalen Bewegung durch. Anna Lutz kommentiert für das Medienmagazin pro die Tagung „MissionRespekt“ mit den Worten:

Islam und Christentum sind wahrlich nicht dasselbe. Und ja, es ist wichtig, über Christenverfolgung in muslimischen Ländern und salafistische Problemgruppen in Deutschland zu sprechen, auch von Seiten der Allianz. Stehenbleiben dürfen die Gläubigen an diesem Punkt aber nicht. Im Gegenteil, sie müssen zeigen, dass sie es besser können. Dass sie Willens sind, den Kontakt zu Andersgläubigen zu suchen, Unterschiede stehen lassen können und für das Gemeinwohl zusammenarbeiten wollen. Denn auch das ist Mission. Und das sollte zu allererst die Deutsche Evangelische Allianz fördern.

Nein, der gemeinsame Einsatz für das Gemeinwohl oder der Dialog mit Andersgläubigen mag eine gute Sache sein, ist aber eben keine Mission!

Os Guinness: Die Gefahr der „messbare Ergebnisse“

OS PowerNachfolgend ein Zitat aus dem neuen Buch von Os Guinness:

Every age is fooled by its own fashions, and it is time to subject this modern idolatry of opinion and numbers to decisive Christian thinking. For modern people, numbers are the key to control, but humans are more than aides de camp to the almighty computer. We would of course scorn anyone who put their half-baked preferences, momentary whims, and brazen desires above serious concerns for truth. So why do we bow to opinion polls that are mostly just such emotions gathered with statistical scientific precision and expressed under the halo of grand numbers?

Consider the trend toward numbers in the light of original sin, for example, and it would be obvious that any democratic people’s “we” is just as corruptible, if not more so than any autocratic ruler’s “I.” If we do not want mass democracy to degenerate into a new and subtle tyranny of King Demos and his regime of numbers, we must recognize and resist the trend. Ten million ignorant assertions, even when magnified and accelerated in a hundred million tweets and “likes,” still never add up to truth or wisdom.

What matters here, however, is not the danger to democracy but to the church. We therefore need to trace the overall damage of such worldly thinking. It develops Christians with an eye for the bandwagon rather than the Bible, for popularity rather than principle, and with a greater sensitivity to horizontal pressure than to vertical authority. It renders Christians vulnerable to the mob-masters of the virtual age, the high-tech wizards who can corral the opinion of millions within minutes. (This is a crucial factor in the cataclysmic suddenness of the triumph of the sexual revolution over the Jewish and Christian faiths that have shaped Western civilization for 2,000 years.) The result is a church befuddled over the difference between success and faithfulness, hesitant to buck the going trends, fearful to stick her neck out and find herself in the minority, and reluctant to risk the loneliness of pursuing the true and the excellent regardless of all outcomes—in short, a church fatally weakened because it is worldly. In today’s world, the courage of Athanasius contra mundum would be scorned as Athanasius marooned on the wrong side of history.

Mehr hier: thegospelcoalition.org.

Das Nützlichkeitsprinzip

Der Biologe Richard Dawkins empfahl kürzlich über Twitter die Abtreibung aller Föten mit Downsyndrom. Obwohl er sich inzwischen dafür entschuldigt hat und dabei die (nur) 140 Twitter-Zeichen für die Radikalität seiner Aussage verantwortlich machte, werden diesem „Vorstoß“ weitere folgen. Die Kräfte werden sich in diesem Feld ähnlich entfalten, wie in der Sterbehilfe-Debatte: Jeder muss das selbst entscheiden. Keiner darf hier dem anderen reinreden.

Dominik Klenk analysiert diesen Trend auf einer Metaebene und macht den Verlust der „biblischen Gravitation“ verantwortlich.

Unser Problem sind nicht die Dawkinse dieser Welt, sondern der Verlust der biblischen Gravitation und der Sprachfähigkeit in den Gemeinden, die auch vor den Schaltzentralen der verfassten Kirchen nicht Halt macht, wo in ethischen Fragen zunehmend die unsägliche Sowohl-als-auch-Rhetorik Raum greift. Wir müssen darum wieder neu lernen, die Eckpunkte einer Anthropologie grundlegend und klar auf der Basis der biblischen Botschaft zu beantworten und unseren Kompass zu justieren. Hier liegt der Auftrag christlicher Ausbildungsstätten. Wo Christen sprachfähig werden, da können sie sich fröhlich in die öffentliche Diskussion einmischen: nicht nur reagierend, sondern agierend; nicht nur reaktiv, sondern proaktiv; nicht nur defensiv, sondern offensiv und Kultur prägend. Wir sind nicht mit der hoffnungsvollsten Botschaft der Welt ausgestattet, um verlegen darüber zu schweigen. Christen sind keine Endverbraucher der Liebe Gottes. Die Geschichte lehrt nicht nur von ihrem messianischen Ende her: Dawkinse kommen und gehen – die Botschaft der Liebe bleibt.

Sehr lesenswert! Hier mehr: www.fontis-verlag.com.

Das Märchen vom fairen Kaffee

Fairtrade ist „in”. Wer Produkte kauft, die „gerecht gehandelt werden“, macht die Welt ein bisschen besser. Nach der „Bio-Welle” kann die Fairtrade-Branche in Deutschland Umsatzsprünge verzeichnen und wird sich gemäß einer Trendstudie des Zukunftsinstituts Frankfurt ähnlich positiv entwickeln. Die Verbraucher sind bereit, für fair gehandelte und produzierte Waren, tiefer in die Tasche zu greifen. Besonders die Deutschen glauben an diese Idee. In keinem Land der Welt nimmt der Konsum von Fairtrade-Kaffee so rasant zu wie hierzulande.

Die Wochenzeitung DIE ZEIT hinterfragt das jetzt kritisch und spricht sogar vom „Märchen über fairen Kaffee“. Die Zeitschrift schreibt:

Die Idee klingt verlockend. Wer nur ein paar Cent mehr ausgibt, verändert die Welt. Zwar nur ein kleines Stückchen, aber immerhin. Irgendwo auf der Welt geht es einem Arbeiter, der Säcke mit Kaffeebohnen auf einen Lastwagen wuchtet oder Beeren vom Strauch sammelt, besser. Weil er seine Produkte über Fairtrade verkauft. In der Eigenwerbung heißt es: “Bei Produkten mit dem Fairtrade-Siegel haben Sie die Gewissheit, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Bauern und Beschäftigten durch Fairtrade-Preise und -Prämie verbessert werden.”

Besonders die Deutschen glauben dieser Darstellung. In keinem Land der Welt nimmt der Konsum von Fairtrade-Kaffee so rasant zu wie hierzulande. Doch glaubt man einer wachsenden Zahl von Wissenschaftlern, dann sind wir damit vor allem eins: hoffnungslos naiv.

So fanden kürzlich Wissenschaftler der University of London heraus, dass die Löhne in Betrieben in Uganda und Äthiopien ohne Fairtrade-Label zum Teil nicht nur ähnlich hoch, sondern sogar höher und die Arbeitsbedingungen besser waren. “Laut unseren Untersuchungen war Fairtrade kein effektiver Mechanismus, um das Leben der ärmsten Landbevölkerung, der angestellten Arbeiter, zu verbessern”, sagte Studienautor Christopher Cramer dem Guardian.

Der Wirtschaftsjournalist Markus Rohwetter erklärt dem ERF, warum er trotz des Schwindels Fairtrade-Produkte kauft.