Pascals Pensées neu aufgelegt

41PS8WIaIIL SX354 BO1 204 203 200Nachfolgend ein Buchhinweis aus Glauben und Denken heute 1/2017:

  • Blaise Pascal, Pensées – Gedanken, editiert und kommentiert von Philippe Sellier. Aus dem Französischem übersetzt und mit einer Konkordanz von Sylvia Schiewe. Darmstadt: WGB, 2016. ISBN-10: 3534232984, 434 S., 49,00 Euro.

Pascals Pensées zählen zu den bedeutenden theologisch-philosophischen Texten europäischer Tradition. Die mehr als 800 Fragmente, die nach Pascals Tod gefunden wurden, enthalten eine wirkmächtige Apologie des christlichen Glaubens, deren Stil und Scharfsinnigkeit nach wie vor fasziniert. Das Buch des berühmten Mathematikers und Philosophen prägt die philosophische und theologische Diskussion bis heute. Seine Überlegungen zum Verhältnis zwischen Mensch und Gott, zu den Erkenntnismöglichkeiten der Wissenschaft und den Hoffnungen auf ein ewiges Leben, sind ebenso wie die berühmte „Wette“ unvergessen und immer wieder Mittelpunkt religionsphilosophischer Debatten.

Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft in Darmstadt hat die maßgebliche Standardedition der Pensées von Philippe Sellier im Jahr 2016 erstmals in deutscher Sprache zugänglich gemacht. Die Ausgabe folgt der von Pascal selbst mutmaßlich beabsichtigten Anordnung und gilt als Meilenstein der Pascal-Forschung. Der lebendige und erzählerische Stil der Übersetzung erleichtert die Annäherung an den großen christlichen Denker.

Die Anmerkungen Salliers glänzen durch Klarheit und Sachlichkeit. Ergänzt wird der Text im Anhang durch ein Personen- und Stichwortregister sowie durch eine Konkordanz,die die Fragment-Nummern bedeutender Pensées-Ausgaben angibt. Der Satz, der den Text gemäß der 2. Sellier-Ausgabe vollständig wiedergibt, enthält am Rand zudem eine Marginalkonkordanz mit den Fragment-Nummern der wichtigsten Ausgaben (Sellier 2, Lafuma u. Brunschvicg). Im deutschsprachigen Raum setzt diese Ausgabe für die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Buch den Standard.

Pensées / Gedanken: Ediert und kommentiert von Philippe Sellier von Blaise Pascal

Preis: EUR 49,95

53 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 37,95

Textkritik des Neuen Testaments II

Herzliche Einlandung zum Seminar „Textkritik des Neuen Testaments II“ mit Prof. Dr. Martin Heide in München.

Bei der Textkritik geht es um die Suche nach dem zuverlässigen Grundtext des Neuen Testaments. Grundlage der Textkritik ist der Vergleich mehrerer handschriftlicher Fassungen eines Textes. Im zweiten Teil des Seminars werden vor allem praktische Übungen anhand ausgewählter Textpassagen des NTs machen, um ein Gefühl für die Komplexität der Überlieferung und die Bedeutung der Textforschung für eine gesunde Theologie zu bekommen.

Prof. Dr. Martin Heide ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Manuskriptforschung und wird neben Weiterführungen zum ersten Seminar auch die praktischen Übungen anleiten. Es ist deshalb wichtig, eine aktuelle Ausgabe des griechisches NTs mit zum Seminar zu bringen.

Mehr Informationen hier: www.bucer.de.

Joh1 16

Textkritische Anmerkungen aus dem NA 28 zu Joh 1,16 (Logos Bibelsoftware).

Die unterschätzten Büchermacher

Was macht eigentlich ein Lektor? Hier ein netter Beitrag der 3SAT-Kulturzeit über die unsichtbaren Büchermacher:

„Mit uns spricht seit sechs Monaten keiner“

DAS ERSTE und ARTE zeigen nun doch den Film „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“, nachdem sie zuvor eine Ausstrahlung abgelehnt hatten. Der Film läuft an diesem Mittwoch um 22.15 Uhr im ERSTEN. Im Anschluss wird in der Sendung Maischberger von 23.45 Uhr an über den Film diskutiert. Die ARD und ARTE haben das Gespräch mit den Machern des Film leider gescheut. Die FAZ hat hingegen mit dem Regisseur Joachim Schroeder gesprochen. Ein Auszug:

FAZ: Sie verweisen darauf, dass die Mehrheit in den Gesellschaften Deutschlands und Frankreichs nicht wahrhaben will, wie sehr jüdische Mitbürger in diesen Ländern inzwischen in Bedrängnis geraten sind. Es gibt doch aber immer wieder Gelegenheiten, bei denen sich Politik und gesellschaftliche Gruppen für das Judentum, für die Erinnerung an den Holocaust und für den Staat Israel einsetzen.

Joachim Schroeder: Die deutsche Erinnerungskultur ist zu einem leeren Ritual verkommen – verbunden mit deutschem Aufarbeitungsstolz. Der Historiker Eberhard Jäckel brachte es fertig zu sagen: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“ Der Antisemitismus drückt sich heute antizionistisch aus. Der Hass gegen Juden wurde kollektiviert. Israel ist heute der Paria unter den Staaten. Dabei ist es für Antisemiten völlig egal, was der Staat Israel tut – es geht um dessen Existenz.

Mehr: www.faz.net.

Bonhoeffer: Vom Reichtum der Zusammengehörigkeit in schweren Zeiten

Dietrich Bonhoeffer schrieb am 24. Juni 1943 aus dem Gefängnis (D. Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung: Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, 1983, S. 41):

Was für ein Reichtum ist in solchen bedrängten Zeiten eine große, eng miteinander verbundene Familie, wo einer dem anderen vertraut und beisteht. Ich habe früher bei … Verhaftungen von Pfarrern manchmal gedacht, es müsse doch für die Alleinstehenden unter ihnen am leichtesten zu ertragen sein. Damals habe ich nicht gewußt, was in der kalten Luft der Gefangenschaft die Wärme, die von der Liebe einer Frau und einer Familie ausgeht, bedeutet und wie gerade in solchen Zeiten der Trennung das Gefühl der unbedingten Zusammengehörigkeit noch wächst …

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Logos Basic ist die kostenlose Version des marktführenden professionellen Bibelprogramms. Seit ein paar Tagen gibt es eine kostenlose deutschsprachige Einführungsversion der Software. Um Basic Deutsch herunterzuladen, ist nur eine Anmeldung  für den Newsletter erforderlich.

Mehr Informationen hier: de.logos.com.

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Wohlstandsnarzissmus

Der SPIEGEL beschreibt, wie der Grünen-Abgeordnete Volker Beck beim Parteitag erzwungen hat, die „Ehe für alle“ programmatisch festzuschreiben. Nicht alle Grünen sind begeistert, aber nun ist es klar: „Mit uns wird es keinen Koalitionsvertrag ohne die Ehe für alle geben“, heißt es im Programm der Grünen für die Bundestagswahl 2017. Eine geile und tolle Partei! Es wäre geradezu irre, wenn sie an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten und es somit erst gar nicht zu Koalitionsverhandlungen käme.

Im Blick auf die „Ehe für alle“ würde das allerdings nicht viel bringen, denn hinter solchen programmatischen Slogans und dem Genderismus steckt eine implantierte Ideologie, die längst auch die anderen Parteien erfasst hat. Der Philosoph und Wissenschaftsjournalist Alexander Grau hat sich an eine Deutung solcher spätmodernen „Entgrenzungsbestrebungen“ gewagt und bringt sie mit dem Wohlstandsnarzissmus in Verbindung. „Ganz nach dem Lied aus Pippi Langstrumpf: ‚Ich mach’ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt.‘“

Hier ein Auszug:

Denn das auf Selbstverwirklichung gepolte Individuum der Spätmoderne möchte keine Grenzen kennen. Am allerwenigsten so kontingente wie das Geschlecht. Denn Grenzen sind der maximale Skandal einer auf Selbstentfaltung und Selbstinszenierung fixierten Gesellschaft. Nach der weitgehenden Beseitigung aller sozialen Zwänge steht nun folgerichtig die Aufhebung natürlicher Determinationen auf der Tagesordnung. Zu diesem Zweck gibt es zwei Strategien: Entweder, man stellt die Existenz biologischer Geschlechter generell infrage und versucht sie als soziales Konstrukt zu entlarven. Oder man marginalisiert sie, indem man das gefühlte Geschlecht über das biologische Geschlecht stellt.

Letztere Strategie ist dabei eindeutig Erfolg versprechender. Denn zum einen muss man sich nicht auf die unsinnige Behauptung einlassen, es gäbe gar keine biologischen Geschlechter. Vor allem aber befriedigt die Vorstellung, dass die reale Welt zweitrangig ist, sondern allein meine inneren Vorstellungen, Wünsche und Idiosynkrasien der Maßstab dessen sind, was als Wirklichkeit zu gelten hat, die naiv-narzisstischen Grundbedürfnisse des nach Sinn suchenden Wohlstandsbürgers. Ganz nach dem Lied aus Pippi Langstrumpf: „Ich mach’ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt.“ Und wenn ich mich eben als nicht-binär, pangender, transweiblich, cross-gender oder inter* fühle, dann hat das so zu sein. Befindlichkeiten werden zum Maßstab wissenschaftlicher Taxonomie. Und zur Not muss halt ein Uterus transplantiert werden.

Dass diese eigenwillige Form von Wohlstandsnarzissmus überhaupt seine intellektuellen Reservate an einschlägigen Universitätsinstituten verlassen hat, ist dabei das eigentliche Ärgernis. Denn unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaftlichkeit werden tausende Studenten mit kruden Theorien vollgestopft und schließlich in die Welt entlassen. Da sie aber kaum eine Qualifikation haben und lediglich bizarre Theoriefragmente im Kopf, finden sie nur dort Unterschlupf, wo man im Zweifelsfall auch so ganz gut durchkommt: im Kunst-, Kultur- und Medienbereich. Dort sitzen sie an den Hebeln der Meinungsbildung und beginnen, den eigenen Jargon und die ihm implantierte Ideologie durchzusetzen. Wer sich diesem Druck widersetzt, wird als intolerant oder diskriminierend denunziert.

Da niemand in den etablierten Parteien als gestrig gelten will, wird so über die Jahre aus der ehemaligen Ideologie politischer Splittergrüppchen offizielle Regierungsprogrammatik. Selbst in der CDU findet sich niemand, der Rückgrat genug hat, dem ganzen Irrsinn Einhalt zu gebieten.

Mehr bei CICERO: cicero.de.

Os Guinness im Interview

Collin Hansen hat kürzlich mit dem Soziologen Os Guinness gesprochen. Das Ergebnis ist sehr hörenswert. Guinness erörtert die geistliche Krise des amerikanischen Evangelikalismus, äußert sich zur Wahl von Präsident Trump, zur Flüchtlingskrise und zur Apologetik von Francis Schaeffer (Schaeffer, so Os Guinness, hat zu wenig Bücher gelesen, war allerdings ein herausragender Apologet im persönlichen Gespräch).

Skizziert: Die Kirche im Westen hat vor den kritischen Anfragen der Moderne kapituliert. Die Naivität der Evangelikalen hat viel mit dem fehlenden Blick für die große Perspektive zu tun. Sie verstehen die geistesgeschichtlichen Zusammenhänge nicht (etwa bei dem Versuch, die sexuelle Revolution zu deuten). Der Mensch meint, ein „Homo Deus“ zu sein. Die große Herausforderung für die Christen heute ist die beharrliche Treue gegenüber Gott.

Hier das Gespräch:

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Nachtrag vom 20.06.2017: Hanniel hat die wichtigsten Aussagen des Interviews verschriftlicht.

Fool’s Talk: Recovering the Art of Christian Persuasion von Os Guinness

Preis:

0 gebraucht & neu erhältlich ab

Lexikon zu Glaube und Wissenschaft

Nachfolgend ein Buchhinweis aus Glauben und Denken heute 1/2017:

  • Paul Copan; Tremper Longman III; Christopher L. Reese; Michael G. Strauss (Hrsg.), Dictionary of Christianity and Science: The Definitive Reference for the Intersection of Christian Faith and Contemporary Science, Grand Rapids (Michigan): Zondervan, 2017. ISBN-10: 0310496055. 704 S., ca. 46,00 Euro

Dictionary bDas Lexikon für Christentum und Wissenschaft enthält mehr als 450 Einträge zu Schlüsselbegriffen, Theorien, Persönlichkeiten, Bewegungen und Debatten rund um Themen über den christlichen Glauben und die Wissenschaft. Geschrieben wurden die Artikel von über 150 internationalen Fachleuten, darunter Winfried Corduan, William Lane Craig, William A. Dembski, Douglas Groothius, Angus Menuge oder Peter S. Williams.

Die Einträge reichen von kurzen Artikeln wie „Abtreibung“ (Francis J. Beckwith), „Benjamin Libet“ (C. Eric Jones) oder „Intelligent Design“ (William A. Dembski) bis hin zu großen Themen wie „Adam und Eva“ oder „Evolution“. Bei kontroversen Themenstellungen werden verschiedene Sichtweisen nebeneinandergestellt. So verteidigt Todd S. Bell die Auffassung, dass Adam und Eva als historische Personen explizit von Gott geschaffen worden sind (S. 19–23). Tremper Longman III befürwortet hingegen die Sichtweise, die heilsgeschichtliche Theologie kollabiere nicht, falls Adam und Eva keine historischen Figuren waren (S. 23–27). Bei der Interpretation neutestamentlicher Verweise auf Adam (vgl. Röm 5) seien wir nicht darauf angewiesen, primitive Lesarten der Urgeschichte in Anspruch zu nehmen (Logmann III beruft sich auf James Dunn).

Die gegensätzlichen Sichtweisen werden nicht „ausgefochten“, sondern wirklich nur gegenübergestellt. Das kann Leser einerseits frustrieren, andererseits kommt man auf diese Weise zu einer authentischen Darstellung der jeweiligen Position und kann eigene, vertiefende Standpunkte entwickeln.

Das Lexikon für Christentum und Wissenschaft ist damit ein hervorragendes Hilfsmittel für Pastoren oder Dozenten, die sich einen Überblick über die aktuellen Positionen und Debatten rund um Glaube und Wissenschaft verschaffen wollen. Die genannte weiterführende Literatur ist aktuell, so dass der Pfad für notwendige weiterführende Studien geebnet ist. K. Scott Oliphint bemerkt in seiner Buchempfehlung treffend: „Der Band ist ein Ort, um zu starten, wenn Fragen bezüglich dem Verhältnis von Christentum und Wissenschaft aufkommen“.

Spaltet Religion die Welt?

Sandra Maischberger diskutierte mit ihren TV-Gästen über den Religionskrieg des „Islamischen Staates“ und das Verhältnis der Katholiken zur Abtreibung. Der Erkenntnisgewinn ging gegen null, meint Hans Hütt. Ein Satz in seinem Kommentar gefällt mir:

Die Radioandachten der evangelischen und der katholischen Kirche morgens um 6:35 Uhr im Deutschlandfunk bezeugen eine bestürzende Einfalt.

Hütts Lobeshymne für Heiner Geißler, der wahrscheinlich zu viel Gotthold Ephraim Lessing und Kurt Flasch gelesen hat, kann ich nicht nachvollziehen. Verziehen!

Hier der Kommentar: www.faz.net. Die Sendung kann hier für die nächsten Tage eingesehen werden: www.daserste.de.

Papst Franziskus beruft Abtreibungsbefürworter

Falls die Meldung stimmt, wäre das ein herber Rückschlag für die Befürworter des Lebensrechts und eine „Überschreitung“ innerhalb des Vatikans. Die Nachrichtenagentur kath.net meldet, dass Papst Franziskus den Anglikaner Nigel Biggar an die Päpstliche Akademie für das Leben berufen habe. Biggar vertritt die Auffassung, Abtreibung bis in die 18 Woche könne legalisiert werden. Er sagte in einem Gespräch mit Peter Singer:

I would be inclined to draw the line for abortion at 18 weeks after conception, which is roughly about the earliest time when there is some evidence of brain activity, and therefore of consciousness. In terms of maintaining a strong social commitment to preserving human life in hindered forms, and in terms of not becoming too casual about killing human life, we need to draw the line much more conservatively.

Kath.net meldet:

Mit dem anglikanischen Geistlichen Nigel Biggar hat Papst Franziskus einen Wissenschaftler an die Päpstliche Akademie für das Leben berufen, der die Ansicht vertritt, Abtreibung solle bis 18 Wochen nach der Empfängnis legal sein.

Biggar ist Professor für Moral- und Pastoraltheologie an der Universität Oxford und leitet deren Zentrum für Theologie, Ethik und das öffentliche Leben. Er ist außerdem Kanoniker an der Christ Church Cathedral.

In einem Dialogforum mit dem australischen Ethiker Peter Singer sagte Biggar im Jahr 2011, ein ungeborenes Baby sei nicht dasselbe wie ein Erwachsener oder ein voll entwickelter Mensch. Es sei daher auch anders zu behandeln. Er würde die Grenze für Abtreibungen bei 18 Wochen nach der Empfängnis ansetzen. Dies sei der „früheste Zeitpunkt, zu dem Gehirntätigkeit und damit Bewusstsein nachgewiesen“ werden könne, sagte Biggar.

Ein Jahr später sagte er bei einer Rede an der Mayo Klinik in Minnesota, Abtreibung sei nicht in jedem Fall Mord.

Mehr: www.kath.net.

Kultur des Todes (4): Schmuck aus Embryonen

Mehrere Nachrichtenagenturen melden, dass eine Australische Firma Schmuck aus „überschüssigen“ Embryonen herstellt. Bei Katholisches.info ist zu lesen:

Die „Entmenschlichung durch Egoismus und Geldgier“ nennt Infovaticana die Geschäftsidee eines australischen Unternehmens. Baby Bee Hummingbirds stellt aus menschlichen Embryonen Schmuck her. Ob Armbänder, Ringe oder Halsketten, alle Schmuckstücke haben gemeinsam, daß ihr „Kernmaterial“ von Embryonen stammt, die nie geboren werden.

Die australische Webseite Kidspot berichtet über Belinda und Shaun Stafford. Das Paar hat drei Kinder, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden. Sie haben beschlossen, die überzähligen Embryonen in Schmuck verwandeln zu lassen. Bei künstliche Befruchtung fallen, zur Steigerung der Erfolgsaussichten, in den meisten Staaten mehr Embryonen an, als der Frau eingepflanzt werden.

Damit wirft diese künstliche Technik zahlreiche neue ethische Fragen auf. Darunter die Frage, was mit den „überschüssigen“ Embryonen geschehen soll, wenn der „Bedarf“ an Schwangerschaften gedeckt ist. Das Unternehmen springt in die Bresche und bietet für die ethische Not eine zweifelhafte Lösung an – und für sich eine lukrative Einnahmequelle.

Die australische Firma verwendet Muttermilch, Plazenta, Nabelschnur oder Haare als Utensilien, aus denen Schmuck für die Kundinnen hergestellt und ihnen als „Erinnerungsstücke fürs Leben“ verkauft werden.

Der Zynismus scheint gar nicht bewußt zu werden. Kinder, die gezeugt, aber nie geboren werden, denen das Leben also willkürlich „geschenkt“, dann aber genommen wird, sollen Bestandteil von Schmuck werden, die Erinnerungsstücke „fürs Leben“ sind. Damit wird die völlige „Verfügbarkeit“ des Lebens zelebriert.

Belinda und Shaun ließen von Baby Bee Hummingbirds aus den „überflüssigen“ Embryonen, ihren Kindern, eine Halskette und Ringe fertigen.

Siehe auch den englischsprachigen Artikel bei desiringGod: www.desiringgod.org.

Sologamy

Die traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau erscheint heute vielen als eine Sache von gestern. Für einen neuen Trend braucht es in der Partnerschaft kein Gegenüber mehr, nur noch Gefühle für sich selbst. Hoch lebe die Sologamy!

Bento schreibt:

Nicole wird oft daran erinnert, sich selbst zu lieben: Immer, wenn sie auf den schlichten silbernen Ring an ihrem Finger schaut. Der Ring steht für ihre Ehe. Ihre Ehe mit sich selbst.

Denn Nicole hat sich geheiratet – symbolisch natürlich, rechtlich anerkannt ist die sogenannte „Sologamy“ nicht. „Vor sechs Jahren war ich auf einer Hochzeit von Freunden“, erzählt die Geschäftsfrau aus dem Silicon Valley, „Die beiden wollten ihre Liebe mit ihren Gästen teilen. Sie haben eine Zeremonie veranstaltet, auf der sich all ihre 120 Gäste die Liebe zu sich selbst geschworen haben.“

Die narzisstische Kultur treibt seltsame Blüten und führt – da bin ich mir sicher – immer mehr in die Vereinsamung.

Mehr: www.bento.de.

VD: WH

Die 68er und ihre gleichförmige Mitte-links-Republik

Der Schriftsteller Maxim Biller meint in der ZEIT, die 68er haben an den Universitäten einer gleichförmigen Mitte-links-Republik den Boden bereitet. Ein sehr lesenswertes Interview. Hier einige Auszüge:

Die siebziger Jahre waren eine bleierne, eine ganz dunkle Zeit. Die Meinungsführer, die in der Nach-68er-Zeit in Schulen und Hochschulen auftraten, waren blind propalästinensisch und wüst antiisraelisch. Und wenn man sich heute fragt, woher die inzwischen völlig akzeptierte Israel-Feindschaft in deutschen Mitte-links-Kreisen stammt, dann muss man sagen: Sie kommt aus der Zeit nach 1968, als die PLO das Goldene Kalb der deutschen Täterkinder war. Das alles fiel mir sofort auf, zum Beispiel auf Anti-Atomkraft-Demonstrationen in Brokdorf, bei denen ich als Teenager ein paarmal dabei war. Wer nicht nach Brokdorf mitfuhr, der gehörte schon nicht mehr dazu. Es gab auch diesen Hass auf Amerika und diese absurde Humorlosigkeit der Linken. Und diese endlosen Zweiergespräche über Beziehungen, das war ganz schlimm.

Die Hamburger Uni hat mich gelangweilt, das war Kindergartenniveau. Ich bin dann nach München gezogen, wo das Niveau viel höher war. Die Professoren dort waren wesentlich konservativer, und ich hatte mit ihnen natürlich oft Stress, weil sie keinen Widerspruch duldeten, und das duldete wiederum ich nicht. Aber als Student wusste man sofort, mit wem man es zu tun hatte. Leider gab es in München auch die MG, die Marxistische Gruppe. Und diese Splittergruppe hat unsere Seminare und Vorlesungen terrorisiert. Die störten mit Geschrei und wirren Fragen und redeten Blödsinn. Wolfgang Frühwald, ein Germanist, war mein Professor. Mit seinen Ausführungen zur Literatur hätte ich mich am liebsten die ganze Zeit beschäftigt, aber immer kamen irgendwelche MG-Fanatiker herein und taten so, als wollten sie diskutieren. Gleichzeitig hatte ich Kommilitonen, von denen ich wusste, dass sie auf Schulungen von Marxisten gehen. Das habe ich alles nicht verstanden. 

Mehr: www.zeit.de.

Glauben und Denken heute 1/2017

Die Ausgabe 1/2017 der Zeitschrift Glauben und Denken heute ist online. Enthalten sind folgende Beiträge:

Artikel

  • Daniel Facius: Editorial
  • Thomas Schirrmacher: 10 Jahre Studienzentrum Chemnitz
  • Ron Kubsch: Sollte Gott gesagt haben?
  • Eric Beach: Was Pastoren von Martin Bucer lernen können
  • Ron Kubsch: Warum werden wir Gott nicht los?
  • Wilhelm Lütgert: Kant als Idealist und als Realist
  • Hanniel Strebel: Personalentwicklung aus christlicher Weltsicht betreiben

Rezensionen

  • John Frame: A History of Western Philosophy and Theology (Hanniel Strebel)
  • Reinhard Junker: Genesis, Schöpfung und Evolution (Markus Widenmeyer)
  • Marius Timmermans: Heidelberger Trilogie (Ron Kubsch)

Buchhinweise

  • Blaise Pascal: Pensées – Gedanken (Ron Kubsch)
  • Irene Dingel: Reformation: Zentren – Akteure – Ereignisse (Ron Kubsch)
  • Christoph Wolf: So hatte Gott sich das gedacht … (Ron Kubsch)
  • Paul Copan; Tremper Longman III; Christopher L. Reese; Michael G. Strauss: Dictionary of Christianity and Science (Ron Kubsch)
  • Ron Kubsch: Das komponierte „Ich“ (Jonas Erne)

Die Ausgabe kann hier heruntergeladen werden: gudh_1_2017_b.pdf.