ESV wird doch revidiert

Mitte September 2016 habe ich kurz darüber berichtet, dass der Verlag Crossway entschieden hat, den Text der englischsprachigen Bibelübersetzung ESV einzufrieren. Nach massiver Kritik rudert der Verlag nun zurück. In einer Pressemitteilung heißt es:

We have become convinced that this decision was a mistake. We apologize for this and for any concern this has caused for readers of the ESV, and we want to explain what we now believe to be the way forward. Our desire, above all, is to do what is right before the Lord.

Our goal at Crossway remains as strong as ever to serve future generations with a stable ESV text. But the means to that goal, we now see, is not to establish a permanent text but rather to allow for ongoing periodic updating of the text to reflect the realities of biblical scholarship such as textual discoveries or changes in English over time. These kinds of updates will be minimal and infrequent, but fidelity to Scripture requires that we remain open in principle to such changes, as the Crossway Board of Directors and the ESV Translation Oversight Committee see fit in years ahead.

Mehr: www.crossway.org.

Die überwältigende Wirkung des Evangeliums

Greg Gilbert  (Was ist das Evangelium?, Waldems: 3L, 2012, S. 145–146):

Wissen Sie, ich glaube, das Evangelium hätte die gleiche überwältigende Wirkung auf uns, wenn wir uns die Zeit nähmen, innezuhalten und ehrlich darüber nachzudenken. Wann haben Sie zum letzten Mal von den irdischen Kleinigkeiten des Lebens aufgeschaut und sich dem Grand Canyon des Evangeliums gestellt, dem, was Gott für uns getan hat? Seiner unergründlichen Gnade, in der er Menschen vergibt, die gegen ihn rebelliert haben! Seinem atemberaubenden Plan, seinen Sohn zu schicken, damit er an Ihrer Stelle leidet und stirbt! Wann haben Sie sich zuletzt der Tatsache gestellt, dass er die Herrschaft des auferstandenen Jesus überein Königreich mit vollkommener Gerechtigkeit aufrichtet und diejenigen, die durch sein Blut gerettet und erlöst sind, in einen neuen Himmel und auf eine neue Erde bringt, wo die Sünde und das Böse auf ewig besiegt sind!

Wie kann es dann sein, dass ich mir die Schönheit und Kraft und Größe dieses Evangeliums so oft und so lange aus meinen Gedanken verdrängen lasse? Warum werden meine Gedanken und Gefühle oft von so lächerlichen Dingen beherrscht, wie, ob mein Auto sauber ist oder was gerade in den Nachrichten läuft oder ob mir das Mittagessen heute geschmeckt hat, statt von diesen wunderbaren Wahrheiten? Warum organisiere und betrachte ich mein Leben so oft, als trüge ich Scheuklappen, statt im Licht der Ewigkeit? Warum durchdringt dieses Evangelium nicht ständig und vollständig meine Beziehung zu meiner Frau und meinen Kindern, meinen Kollegen und Freunden und den anderen Gemeindemitgliedern?

Ich weiß genau, warum: Ich bin ein Sünder und die Weltlichkeit wird in meinem Herzen bleiben und Krieg gegen mich führen, bis Jesus wiederkommt. Doch bis dahin will ich dagegen ankämpfen. Ich will gegen die geistliche Faulheit ankämpfen – gegen den benebelten Stumpfsinn, in den mich diese Welt ständig zu versetzen sucht – und ich will das Evangelium ganz in mich aufnehmen und es sich auf alles auswirken lassen: mein Handeln, Fühlen, Wünschen, Denken und Wollen.

Was ist das Evangelium? von Greg Gilbert

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Wie sieht es mit der Theologie in Amerika aus?

Was glauben Amerikaner über Gott, Erlösung, Ethik und die Bibel? Ligonier Ministries und Lifeway Research haben eine Umfrage gemacht und die Ergebnisse publiziert. Es lohnt sich, da mal reinzuschauen: thestateoftheology.com.

Angriff auf die Geschlechterforschung

Keine andere akademische Disziplin wird derart lächerlich gemacht wie die Geschlechterforschung, meint der Kunstwissenschaftler Daniel Hornuff im DEUTSCHLANDRADIO KULTUR.

Es lohnt sich, mal genauer in diesen Beitrag hineinzuhören. Zunächst werden Pappkameraden aufgebaut, z.B. durch die Behauptung, Kritiker der Gender Studies seien sich dessen gewiss, dass Geschlecht einer Person sei ausschließlich biologisch bedingt. Oder durch die Beobachtung, Kritiker seien sich untereinander völlig uneins.

Kurz: Ich kenne keinen Kritiker der Gender Studies, der in naturalistischer Manier einen Einfluss des Denkens oder/und der Tradition auf das Geschlecht abspricht. Und: Wären sich Kritiker in allem uneins, dann kritisierten sie nicht ein und dieselbe Sichtweise auf das soziale Geschlecht. Umgekehrt spricht doch die Tatsache, dass es unter den Kritikern zum Teil erhebliche Meinungsverschiedenheit gibt, für die Ernsthaftigkeit ihrer Arbeit.

Anschließend schreibt Daniel Hornuff dann Kritikern der Gender Studies bestimmte Eigenschaften zu, darunter:

  • sie greifen die Wissenschaft allgemein an;
  • sie sind blasierte Schreihälse;
  • sie wollen die Geschlechterforschung grundsätzlich abschaffen;
  • sie haben das kritische Denken durch Ideologie ersetzt;
  • sie sind von anti-akademischer Arroganz geprägt;
  • sie sind Dogmatiker (im Gegensatz zu den exponieren Verfechtern der Gender Studies);
  • es gibt eine große Schnittmenge zwischen Kritikern der Geschlechterforschung und Rechtspopulisten.

Das Beispiel zeigt mal wieder, wie wunderbar Politiker, Journalisten, Kultur- und Kunstwissenschaftler u.s.f. im Auftrag der Populismuskritik ihre Gegner populistisch herabwürdigen. Diese Form der Verteidigung ist mindestens so pauschalisierend, wie eine Denkweise, die die Geschlechterforschung in Bausch und Bogen verbannen will. Hornuff hat sich mit keinem Argument der Genderkritiker sachlich auseinandergesetzt, z.B. mit dem starken Argument, dass das soziale Geschlecht nicht vom biologischen Geschlecht abgetrennt werden kann. Viel hilfreicher wären das ehrliche Gespräch und ein kritischer Diskurs, der auch die These zulässt, die Gender Studies wollten unter dem Schutzmantel der Wissenschaft diskusrfrei eine neue Ethik kanonisieren.

Hier der Beitrag:

 

Amsterdamer Database of NT Conjectural Emendation

Freunde und Kritiker der Textkritik dürften an der Amsterdam Database of New Testament Conjectural Emendation ihre Freude haben. Offiziell wird die Datenbank auf der Jahreskonferenz der Society of Biblical Literature (SBL) in San Antonio (USA) im November herausgegeben.

Amsterdamer

Die durchkritisierte Religion

Das Christentum ist in den vergangenen fünf Jahrhunderten einmal komplett durchkritisiert worden: von den Naturwissenschaften, der Aufklärung und aus den eigenen Reihen. Ist die Kritik damit abgeschlossen oder bleibt noch etwas übrig, das sich zu bemängeln lohnte? Christian Röther hofft auf eine Erneuerung der Kirche durch Assimilation und kennt denjenigen, der es schaffen könnte.

Zeitgenössische Religionskritiker wiederholen meist nur, was schon andere vor ihnen formuliert haben. Kein Wunder: Was will man noch bemängeln an einer Religion, die einmal komplett vom Kopf auf die Füße kritisiert wurde? Die inzwischen Theologie betreibt mit der „historisch kritischen Methode“ und so ihre eigenen Fundamente schonungslos seziert.

Natürlich gibt es dennoch einiges zu kritisieren am Christentum. Aber vielleicht muss die Kritik erneut von innen kommen, um etwas zu bewirken? Wie damals bei Luther. Ein Mann schickt sich an, in der größten Kirche einiges auf den Prüfstand zu stellen, was lange als gesetzt galt: den Zölibat, den Umgang mit Homosexualität, die Rollen der Geschlechter. Sein Name, Sie ahnen es: Papst Franziskus.

Na dann!

Hier der DLF-Beitrag:

 

ETS und die Ethik

091916 1444 ShouldanEva1Stan Gundry ist Senior Vizepräsident bei Zondervan Academic und ehemaliger Präsident der Evangelical Theological Society (ETS). Die ETS ist eine 1949 gegründete Theologenvereinigung mit hohen Standards bzgl. dem Schriftverständnis. In der Lehrbasis heißt es: „Die Bibel allein und die Bibel in ihrer Gesamtheit ist das geschriebene Wort Gottes und ist daher  in den originalen Handschriften (Autographen) unfehlbar. Gott ist eine Trinität von Vater, Sohn und Heiliger Geist, jede Person ist ungeschaffen, im Wesen eins, gleich in Macht und Herrlichkeit.“

Etliche Theologen aus Deutschland haben sich übrigens der ETS angeschlossen.

Im vergangenen Jahr hat die ETS wegen aktueller Trends in der amerikanischen Rechtssprechung eine Resolution zu Fragen bzgl. Ehe und Gender verabschiedet. Darin heißt es:

1. We affirm that all persons are created in the image and likeness of God and thus possess inherent dignity and worth.
2. We affirm that marriage is the covenantal union of one man and one woman, for life.
3. We affirm that Scripture teaches that sexual intimacy is reserved for marriage as defined above. This excludes all other forms of sexual intimacy.
4. We affirm that God created men and women, imbued with the distinct traits of manhood and womanhood, and that each is an unchangeable gift of God that constitutes personal identity.

Zurück zu Stan Gundry. In einem Offenen Brief hat er nun die Resolution aus dem Jahr 2015 infrage gestellt und eine größere Vielfalt innerhalb der ETS gefordert. Denny Burk erörtert in seinem Blog die Vorgänge und kommt zu dem Schluss:

The ETS has shown little interest in drawing more boundaries or in strictly enforcing the current boundaries. If that situation holds, shouldn’t we expect more presentations from members affirming gay marriage? Gundry is arguing that this is exactly the kind of Society we need to be. I am wondering how many members agree with him. I could be wrong, but my sense is that the vast majority of ETS members don’t agree with him. But having said that, I see no evidence that the Society has the will to do anything about it.

I have no plans to spearhead another effort to amend ETS’s doctrinal basis. But members should recognize that ETS is a democratic society. Thus ETS will be what its members allow it to be. Our policies allow for members to affirm gay marriage so long as they base their arguments on the Bible. If the members allow this slow-motion drift in the direction of affirming gay marriage, they should not be surprised when the Society is eventually gutted of its evangelical identity. And that is something that Carl Henry, Roger Nicole, and the other founders never intended for ETS.

Möglicherweise sind diese Vorgänge Indizien für einen revisionistischen Trend. Sollte es in der ETS keinen substantiellen Widerstand geben, wird das in Nordamerika zu weiteren Konfusionen innerhalb der evangelikalen Szene führen. Abzusehen ist ausserdem, was das für weniger gefestigte Vereinigungen außerhalb Nordamerikas bedeutet.

Hier die ganze Geschichte von Denny Burk: www.dennyburk.com.

What Is the Meaning of Sex? by Denny Burk (2013-10-31) von Denny Burk

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CREDO: Warum Lehre wichtig ist

Die neue Ausgabe des Magazins CREDO ist erschienen. Das Thema lautet diesmal „Doctrine Matters“. Folgende Hauptbeiträge sind enthalten:

  • YOU ARE WHAT YOU THINK
    Tearing Down Popular Theological Fallacies (David B. Garner)<
  • THINK GOD’S THOUGHTS AFTER HIM
    An Apologetic for Doctrine (Jeremy Kimble)
  • DOES THEOLOGY MAKE A DIFFERENCEIN THE PASTORATE
    (Scott Sauls)
  • CALLING ALL THEOLOGIANS … SERIOUSLY, ANYONE?
    (Matthew Barrett)
  • WATCH YOUR DOCTRINE
    A Letter to a New Pastor (Raymond Perron)

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Ausserdem beschreibt Fred Zaspel die Pflege des geistlichen Lebens unter B.B. Warefield in „Old Princeton“:

The decided effort was not just to produce scholars but to “build up Christian men.” Theological learning is a given at a seminary, of course, and the learning of Old Princeton gained for it an international reputation. But from the beginning measures  were  put  in  place  to  accomplish  the  specifically “religious” goal also: morning and evening student-led prayer gatherings, daily chapel services, Wednesday evening faculty sermons focusing on the Christian life, two Sabbath Day services, classroom prayers as often as the professor deemed fitting, multiple reading assignments of specifically “religious” works  (such  as  Owen’s  Spiritual  Mindedness),  and  so on. It is not surprising to hear students testify, re-calling  their  days  at  Old  Princeton,  that  “religious  truth filled the very air” and that unless the student was given to genuine piety he just did not fit in.

Hier der Link: Doctrine%20Matters.pdf.

Digitalisierung der Vatikanbibliothek

Es ist ein historisches Projekt. Den Abschluss der Digitalisierung der Vatikanische Bibliothek werden wir wahrscheinlich nicht mehr erleben, da es bei bisheriger Taktung noch mehr als 100 Jahre dauern würde, sämtliche Dokumente ins Internet zu bringen. Schade, dass ausgerechnet dem Vatican das Geld dafür fehlt, die Frequenz zu erhöhen. Da kommen sicher noch Schätze und Überraschungen ans Licht.

Das Unterfangen, die Apostolische Bibliothek des Vatikans zu digitalisieren, wird die spektakulärste Sammlung alter Bücher der Welt zugänglich machen. Die 1451 gegründete Bibliothek des Papstes hütet Schätze wie die als Vatikanischer Vergil bekannte 1600 Jahre alte Kopie der „Aeneis“ oder das älteste gebundene Heft des Lukas-Evangeliums sowie Seiten von Dantes Göttlicher Komödie, illustriert von Botticelli. Seit einigen Jahren laufen verschiedene Modernisierungsprojekte für die ehrwürdige Bibliothek, darunter eine Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg.

Der 53-Jährige koordiniert das Team, das die Wälzer Seite für Seite scannen und online der Welt zugänglich machen soll. 50 Leute, darunter Experten aus Japan, arbeiten an dem Projekt, das NTT selbst mit 18 Millionen Euro finanziert. „Wenn Geld keine Rolle spielen würde, könnten wir den Einsatz spielend auf das Fünffache ausweiten“, erzählt Massari. „Aber darüber hinaus würden wir wahrscheinlich nicht genug Experten mit den passenden Fähigkeiten finden.“

Vatikan-Archivare legen fest, welche Dokumente zuerst kommen und welche von der Digitalisierung ausgenommen werden, weil selbst das Öffnen die brüchigen Stücke zerstören könnte. Dann präparieren Restauratoren die Handschrift für den Scan im Labor. Der Scan selbst benötigt zwischen 60 bis 90 Sekunden pro Seite. Danach prüft laut Massari ein Tutor, ob die Details stimmen: Ist die Farbwiedergabe gut? Sind Seiten falsch herum oder gar vergessen worden? Sind alle Randnotizen, die Gelehrte vor Hunderten von Jahren hinterließen, abgebildet? Bei diesem Aufwand kann die Digitalisierung eines Manuskriptes eine Woche in Anspruch nehmen. Oder einen Monat.

Nach einer erneuten Prüfung durch Restauratoren wandert das Original anschließend zurück ins Archiv – idealerweise für immer. Wenn die Online-Bilder eine Top-Qualität lieferten, gebe es „nahezu null Bedarf“, die sensiblen Werke je wieder anzufassen, sagt Massari. Ein enormer Gewinn für Wissenschaftler weltweit – und auch für interessierte Laien, sofern sie denn mit handschriftlichem mittelalterlichen Latein oder Griechisch etwas anfangen können.

Mehr: www.n-tv.de.

Zehn Tipps für Theologiestudenten

Kevin DeYoung hat zehn Tipps für Leuten, die sich durch ein Studium auf den geistlichen Dienst vorbereiten:

  • Engagiere dich in der Ortsgemeinde.
  • Schöpfe das Studienangebot aus.
  • Vergiss Beziehungen nicht.
  • Pflege ein Hobby.
  • Nimm dir einen Sabbat.
  • Vergiss nicht: Es ist bloß eine Note.
  • Dein Leben steht nicht still.
  • Sei vorsichtig – du weißt mehr als die meisten in der Gemeinde.
  • Sei vorsichtig – du weißt viel weniger, als du denkst.
  • Finde deine Identität in Christus.

Hier: www.evangelium21.net.

„Ich sehnte mich nach einer normalen Familie“

Wie immer wieder zu lesen ist, hat die Wissenschaft bewiesen, dass Kinder keine leiblichen Eltern brauchen und sie bei schwulen oder lesbischen „Eltern“ auch gut aufgehoben sind. Wichtig seien allein die „behüteten Verhältnisse“ (vgl. hier).

Brandi Walton aus Südkarolina (USA) ist als Kind in einem lesbischen Haushalt aufgewachsen. In einem persönlichen „Schreiben“ erzählt sie, wie schwer es für sie war, im Haushalt gemeinsam mit zwei Frauen aufzuwachsen.

In einem Zuhause ohne Anwesenheit eines Mannes groß zu werden, hat mir persönlich geschadet. Alles, was ich von der Zeit an, als ich ein kleines Mädchen war, wollte, war eine normale Familie. Als ich Abitur gemacht habe, waren meine Gedanken nicht ganz da, wo sie hingehörten. Während meine Freunde vom College begeistert waren, war ein Teil von mir gar nicht anwesend, und ich wusste, dass ich mich vollständig fühlte, bis ich es finde. Anders als die anderen um mich herum, hatte ich den Wunsch, meine eigene Familie zu gründen und Stabilität zu gewinnen. Das führte zu zwei äußerst ungesunden Beziehungen.

Die Studien, die behaupten, uns ginge es genauso gut oder besser als unsere Kollegen, die bei richtigen Eltern aufwuchsen, sind in den meisten Fällen schwerlich wissenschaftlich und repräsentieren nicht alle von uns.

Hier ihre ganze Geschichte: thefederalist.com.

Esoterik in der Kirche

Es ist erfreulich, dass die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen das Thema mal auf den Tisch bringt. Wenn die Kraft des Evangeliums im Raum der Kirche sich mangels Verkündigung nicht mehr entfalten kann, wenden sich die Kirchgänger allen möglichen verschmutzen Quellen zu. Sogar hauptamtliche Mitarbeiter der Kirchen suchen sich Hilfe bei der Esoterik.

Kai Funkschmidt schreibt („Je nach Religion ändert sich der Götterhimmel und die Requisiten und so“, EZW-Texte 244, S. 17–18):

Spannend wird es nun, weil sich zunehmend nicht nur Gemeindeglieder und Bildungseinrichtungen für Esoterik begeistern. Sondern gelegentlich integrieren auch Pfarrer esoterische Themen in ihre Arbeit beziehungsweise in ihre persönliche Frömmigkeit. Damit kommt das Phänomen im institutionellen Kern der Kirche an. Der prominenteste Fall ist der des seit 2010 emeritierten ehemaligen Fernsehpfarrers Jürgen Fliege, ordinierter Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland. Dokumentiert sind außerdem viele weitere Fälle, zum Beispiel der eines sächsischen Pfarrers, der die Genehmigung einer Nebentätigkeit alsTai-Chi-Lehrer beantragte, oder der eines hessischen Studentenpfarrers, der Kundalini-Yoga anbietet. Einige Krankenhausseelsorger bedienen sich schamanischer Techniken oder praktizieren als Geistheiler, Gemeindepfarrer nutzen das auf indianischen Initiationsritualen beruhende „Vision Quest“ in Jugendarbeit und Konfirmandenunterricht, andere beschäftigen sich mit Reiki, einem Angebot der Heilung mit einer kosmischen Energie, das wegen seiner scheinbaren weltanschaulichen Neutralität und seiner niedrigen Zugangsschwelle (meist reichen zwei bis drei Kurse, um den Meistergrad zu erlangen) attraktiv erscheint. In der Evangelischen Kirche im Rheinland gab es einen jahrelangen Streit um die „Tätigkeit einer Pfarrerin als Feng-Shui-Lehrerin, der schließlich disziplinarrechtlich gelöst wurde und mit ihrem Ausscheiden aus dem Dienst endete.

Spätestens in dem Moment, wo sich das Verkündigungsamt einer religiösen Organisation für esoterische Ansätze öffnet, stellen sich die theologischen Fragen nach Identität und Kern der eigenen Botschaft in aller Schärfe. Trotz großer Skepsis von Kollegen und kirchenleitenden Stellen sind kirchenjuristische Herangehensweisen (Disziplinär- und Lehrzuchtverfahren) unbefriedigend und auf eine Handvoll Extremfälle beschränkt. Dennoch bleibt der Weg, esoterische Anreicherungen in die eigene Glaubens- und Berufspraxis aufzunehmen, konfliktbehaftet, insbesondere dann, wenn er nicht im Verborgenen, sondern offen geschieht. Häufig erklären Pfarrer, die sich auf diesen Weg begeben, dass ihr Interesse zunächst im privaten Bereich geweckt wurde, als sie zufällig merkten: „Es funktioniert“ (Geistheilung, Wünschelrutengehen etc.). Auslöser war also nicht ein empfundener Mangel in der Seelsorgepraxis, obwohl später v. a. in diesem Bereich esoterische Vollzüge als Perspektivenerweiterung eingesetzt werden.

ESV wird nicht mehr revidiert

EsvstudybibleDer Verlag Crossway hat bekannt gegeben, dass der Text der beliebten englischsprachigen Bibelübersetzung ESV nach der diesjährigen Revision (es wurden 52 Worte geändert) nicht mehr bearbeitet werden soll. Der Text bleibt ab jetzt also stabil. In der Mitteilung des Herausgebers heißt es:

Beginning in the summer of 2016, the text of the ESV Bible will remain unchanged in all future editions printed and published by Crossway—in much the same way that the King James Version (KJV) has remained unchanged ever since the final KJV text was established almost 250 years ago (in 1769). This decision was made unanimously by the Crossway Board of Directors and the ESV Translation Oversight Committee. All future Crossway editions of the ESV, therefore, will contain the Permanent Text of the ESV Bible—unchanged throughout the life of the copyright, in perpetuity.

Hier die vollständige Pressemitteilung des Verlags: www.esv.org.

Juristen wollen Rechte sozialer Eltern stärken

In dem Beitrag Die Neuordnung der Elternschaft habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass auf dem 71. Deutschen Juristentag in Essen über die Elternschaft gestritten wird. Inzwischen ist die Tagung vorüber und die FAZ informiert über die Beschlüsse zum Familienrecht (FAZ vom 16.09.2016, Nr. 217, S. 4).

Es gibt eine schlechte und eine gute Nachricht:

Im Familienrecht will der DJT vor allem die Rechte von sozialen – also nicht genetischen – Eltern stärken. So soll etwa bei einer Zeugung durch Samenspende schon die Einwilligung des Mannes in die künstliche Befruchtung dazu führen, dass er abstammungsrechtlich als Vater gilt. Gleiches soll für private Samenspenden geregelt werden, wenn Mutter und Vater vor der Zeugung erklärt haben, dass dem genetischen Vater keine Elternposition zukommen soll. Eine deutliche Mehrheit erhielt die Forderung, eingetragenen Lebenspartnern die gemeinschaftliche Adoption von Kindern zu erlauben. Kinder sollen nach dem Willen der familienrechtlichen Abteilung des DJT in Zukunft von Geburt an zwei Mütter haben können. Es sei „die Möglichkeit vorzusehen, dass die lesbische Partnerin der Geburtsmutter bereits bei der Geburt die rechtliche Elternschaft erlangt“, heißt es in einem Beschluss. Zudem sollen auch die übrigen Regeln zur künstlichen Befruchtung auf lesbische Paare anwendbar sein.

Nicht durchsetzen konnte sich der Antrag, auch die Elternschaft von mehr als zwei Personen rechtlich anzuerkennen. Relevant ist das vor allem in Fällen schwuler und lesbischer Paare, die sich zur Zeugung von Kindern zusammen tun. Verfassungsrechtlich wäre dies aber problematisch, da das Bundesverfassungsgericht bisher zu dem Grundsatz steht, dass ein Kind nicht mehr als zwei Eltern haben solle.

G. Machens Paulusbuch aus der Sicht von R. Bultmann

Bei Recherchen zur Paulusexegese bin ich auf die Wiederveröffentlichung einer interessanten Buchbesprechung gestoßen. Rudolf Bultmann rezensierte 1924 das Buch The Origin of Paul’s Religion (1921) von Gresham Machen in der Theologischen Literaturzeitung 49, Nr. 1 (1924), S. 14–14. William Dennison hat den Text 2009 neu herausgegeben (Rudolf Karl Bultmann, „Rudolf Bultmann’s Review of J. Gresham Machen’s, The Origin of Paul’s Religion“, Zeitschrift für neuere Theologiegeschichte 16, Nr. 2 (2009): S. 236–240).

Obwohl sich Bultmanns Würdigung des Buches in Grenzen hält und er echte Innovationen vermisst, konnte er der Lektüre durchaus etwas abgewinnen:

„Der Hauptwert des Buches besteht m. E. in der übersichtlichen und ruhigen Darstellung der Entwicklung der Forschung, in der klaren Herausarbeitung von Für und Wider bei den einzelnen kritischen Fragen. Und in dieser Hinsicht hat das klare und durch geschickte Formulierungen ausgezeichnete Buch Anspruch auf Dank.“ (S. 237–238)

Wirklich aufschlussreich finde ich allerdings etwas anderes. Gresham Machen lag viel an dem Nachweis, dass die liberale Theologie mit ihrem Ausschluss des Übernatürlichen auf einem Holzweg war (vgl. Christentum und Liberalismus: Wie die liberale Theologie den Glauben zerstört). In seinem Paulusbuch zeigt er, dass die Religion des Apostels Paulus nicht rein innerweltlich erklärt werden kann. Er behauptet das Paradox, die einzige natürliche Erklärung für Religion des Paulus sei es, zu akzeptieren, dass es – anders als die Naturalisten es annehmen – in ihr übernatürliche Faktoren gebe.

Nachdem Bultmann Machens Sicht kurz skizziert hat, legt er in einer unverhüllten Weise seine eigenen Denkvoraussetzungen offen, die freilich Konsequenzen für die methodische Herangehensweise haben. Bemerkenswert deutlich wird dabei der Grundkonflikt einer Bibelexegese auf den Punkt gebracht, die selbstverständlich davon ausgeht, dass unsere Welt für Gottes Wirken verschlossen bleibt. Die eigenen Denkvoraussetzungen, der Naturalismus also, verbietet es, das, was in den Bibeltexten gesagt wird, zu glauben. Bultmann oder seine Schüler sind gezwungen, Wunder natürlich zu erklären.

Bultmann schreibt:

„Ich kann diese Anschauung [gemeint ist die Anschauung G. Machens; R.K.] nicht teilen, die zum Verständnis der Geschichte des supranaturalen Faktors als eines Faktors neben anderen bedarf, und die das supranaturale Geschehen so gut wie das natürliche der methodischen geschichtlichen Betrachtung unterwirft. Als ‚Naturalist‘ im Sinne des Verf. bin ich der Meinung, daß in der Fragestellung des Historikers schon der Verzicht auf die Annahme supranaturaler Faktoren vorausgesetzt ist; und ich glaube, daß der Konflikt zwischen dem ‚naturalistischen‘ Verständnis der Geschichte und ihrer ‚supranaturalistischen‘ Deutung auf anderem Boden ausgetragen werden muß als dem der methodischen, historischen Erforschung der Quellen und der darauf gegründeten Rekonstruktion des Geschichtsverlaufs.“

Als Einführung in G. Machens Denken empfehle ich den Vortrag von Stephen Nichols (gehalten auf der E21-Konferenz 2016):

 

Was läuft in der Sonntagsschule falsch?

Sowohl in Nordamerika als auch in Europa verlieren Kirchengemeinden viele Jugendliche. Die Ursachen dafür sind zahlreich. Natasha Crain, Mutter von drei Kindern, meint, dass auch die Art und Weise, wie wir unsere Kinder unterrichten, eine Rolle spielt. Sie hat fünf Vorschläge für die Unterweisung der Kinder in der Sonntagsschule.

Hier die Zusammenfassung: www.evangelium21.net.