Evangelische Kirche erwägt Fusion mit den Grünen

Es ist die Meldung des Tages:

„Die Idee entstand durch einen kuriosen Zufall“, erläutert der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. „Ich wollte mir gerade das Programm des aktuellen Kirchentages vornehmen, griff aber versehentlich zum Parteitagsprogramm der Grünen, das aus irgendwelchen Gründen direkt daneben lag. Aber erst nach etwa einer halben Stunde bemerkte ich, dass ich das falsche Heft in der Hand hatte.“ Der Unterschied sei aufgefallen, weil in dem Parteiprogramm etwas von Trennung von Kirche und Staat stand, womit das Oberhaupt einer aus Steuern finanzierten Vereinigung selbstverständlich wenig anfangen kann.

Auch die grüne Partei denkt schon seit längerem über einen Zusammenschluss mit der EKD nach.

Vorsicht! Satire der Internetseite: Messe in Moll.

Tiki Küstenmacher: „Das Gottesbild weitet sich“

Gott9 0Der evangelische Theologe Werner Tiki Küstenmacher versucht seit mehr als 30 Jahren, das Bild von Kirche mit seinen Cartoons und Büchern zu beeinflussen. Sein aktuelles Buch trägt den Titel „Gott 9.0 – Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird“. Darin entwickelt Küstenmacher ein Stufen-Modell von Religion – und Glaubenszweifel wird hier zu einer tragenden Säule. Das Buch ist populär und es ist irreführend (eine Buchkritik wurde hier 2011 veröffentlich).

Der DLF hat Tiki Küstenmacher die Möglichkeit gegeben, seine gnostische self-made-Religion vorzustellen:

Nur wer sich eindeutig zu seinem Gott bekennt, wer regelmäßig betet und meditiert, findet zu einem tieferen Glauben. Mit dieser Behauptung räumt Werner Tiki Küstenmacher gleich zu Beginn auf. Religion sei nichts Konstantes, sondern wie der Mensch auf Entwicklung angelegt, sagt der evangelische Autor und Karikaturist:

„Ich wurde immer gewarnt von den Predigern: Man darf sich seinen Glauben nicht selber zusammenbasteln. Du musst das nehmen, was du da vorfindest. Aber dann hab ich gemerkt: Die Menschen haben sich immer ihren Glauben aus verschiedenen Quellen zusammengestellt.“

Eine seiner Kernbotschaften ist: Gottesbilder sollten nicht festgefügt sein, sondern sich entwickeln. Niemand solle sich seinen Glauben vorgeben lassen, weder von der Kirche noch von anderen Religionsführern. Vielmehr plädiert der evangelische Pfarrer dafür, sich den persönlichen Glauben immer wieder neu durch Nachdenken, Lesen und Diskutieren anzueignen. Und dabei durchaus über die Grenzen der eigenen Religion hinauszuschauen. Natürlich kann man das, was dabei herauskommt, für einen religiösen Flickenteppich halten und fragen: Was bleibt von der Tradition, wenn jeder auf seinem individuellen Glaubenstrip ist?

„Es gibt einen schönen Spruch von Richard Dawkins, dem Religionskritiker. Der sagt: Du bist auf jeden Fall ein Atheist, du glaubst nicht mehr an Zeus, du glaubst nicht mehr an Thor, oder an was deine Vorfahren geglaubt haben. Indem ich mich zu einem Glauben bekenne, habe ich mich auch von anderen Glaubensformen, die es davor gab, verabschiedet. Dass wir uns weiter entwickeln, bestimmte Glaubenssätze, Glaubensüberzeugungen hinter uns lassen, das gehört zum Glauben dazu.“

Hier der Audiomitschnitt:


Ich empfehle auch: Erleuchtung durch integrale Spiritualität?.

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Wie alt sind die Kirchgänger?

Jim West hat gestern in seinem Blog eine Grafik veröffentlicht, die zeigt, wie alt Kirchgänger verschiedener Denominationen und Anhänger sonstiger religiöser Gemeinschaften in Nordamerika sind. Treffend die Andeutung, dass dieses Ergebnis nicht widerspiegelt, dass in den letzten Jahren mit exorbitantem Aufwand versucht wurde, junge Leute in die Gemeinden zu locken. In der Katholischen Kirche gibt es mehr junge Leute als bei den Südlichen Baptisten.

Hier die Grafik:

VD: JW

Pornografie: „Nein“ und doch „Ja“

Halee Gray Scott hat für CT einen guten Artikel über Pornografie geschrieben.

Porn advocates argue that pornography feeds our innate and uncontrollable instincts, and that healthy adults should explore those instincts freely. Christians know better. We are right to exhort each other to make every thought captive to Christ and to live into our new life in him.

But, as we have learned from abstinence campaigns, Christians need to offer a robust teaching that goes beyond simply repeating “this is wrong.” I saw the benefits of abstinence once I recognized what premarital sex did to my soul and witnessed the example of others choosing a better path. Likewise, when we argue against porn, we ought to, as an English proverb advises, “Use soft words and hard arguments.” Here, we find an ally in social science, which has linked porn with troubling biological, neurological, and relational outcomes.

The commentators and researchers are, in part, right: Porn isn’t just an individual moral problem. It strikes to the heart of what it means to be human. This is why Paul urges believers to “flee from sexual immorality. All other sins a person commits are outside the body, but whoever sins sexually, sins against their own body” (1 Cor. 6:18). Sexual sin can affect us in profound and devastating ways. Some sins we can fight. Others we must flee—even when temptation is only a Google search away.

Mehr: www.christianitytoday.com.

Endlich frei!: Pornografie – Der Kampf um Reinheit in der Kraft der GNADE! von Heath Lambert

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Wer zweimal mit derselben pennt …

Wo „freie Liebe“ propagiert wird, geht es oft weder frei noch lieb zu. Das ist sozialpsychologisch erklärbar, meint André Kiesreling in einem Beitrag für die FAS und beruft sich dabei auf aktuelle Untersuchungen (Ausgabe vom  05.06.2016,  Wissenschaft, S. 62).

An der Sexualmoral der Studentenbewegung blieb vor allem in Erinnerung, dass sie nicht nur die Ehe, sondern auch jede andere Form einer festen und verpflichtenden Zweierbeziehung ablehnte: Kein Besitzdenken mehr und keine exklusiven Bindungen, stattdessen offene Beziehungen, ausgehängte Schlafzimmertüren in Wohngemeinschaften und das Gelöbnis ewiger Untreue. Die Erziehungswissenschaftlerin Karla Verlinden hat nun an einige unter den damaligen Adressaten dieser Moral die Frage gestellt, wie sie das fanden. Nicht ohne Bitterkeit halten die Ehemaligen fest, dass auch die versprochene Befreiung vom angeblichen Zwangscharakter der bürgerlichen Lebensformen nicht ohne Zwang auskam. Die Idee, ungebunden zu leben, war nicht nur eine Option für den, der die Abwechslung schätzt, sondern ein Konzept ohne honorige Alternative und mit heftigen Sanktionen gegen jeden, der es anders sieht und anders will.

VD: JS

Sexualität und Beziehungen bei den »68ern«: Erinnerungen ehemaliger Protagonisten und Protagonistinnen (Histoire) von Karla Verlinden

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Die „Micha-Initiative“ und ihre Defizite

Mit diesen Worten stellt sich die „Micha-Initiative“ vor:

Die Micha-Initiative ist eine weltweite Kampagne, die Christinnen und Christen zum Engagement gegen extreme Armut und für globale Gerechtigkeit begeistern möchte. Sie engagiert sich dafür, dass die Nachhaltigkeitsziele/Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen umgesetzt werden. Bis 2030 soll weltweit Armut beseitigt werden.

Holger hat sich die Kernargumente der sogenannten „Micha-Initiative“ angeschaut und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis:

„Micha“, so scheint mir doch, ist leider auf der völlig falschen Fährte. Man hat dort nicht erkannt: Armut ist ein Produktions-, kein Verteilungsproblem. Was schafft Wohlstand? Und was hat bisher schon dazu geführt, dass der Planet nicht nur eine Milliarde, sondern sage und schreibe sechs Milliarden gut ernährt? Wie ist es denn zu diesem Wunder gekommen? Es ist recht einfach: Arbeit, Fleiß, Unternehmertum, Investitionen und gute Ideen und nochmals gute Ideen. Unsere menschliche Kreativität, unser Reichtum an Ideen, braucht einen Raum der Freiheit, in dem die Ideen sich untereinander befruchten und sich aneinander reiben können; und am Ende stehen neue Produkte, die auf Märkten getestet werden, so dass die weniger guten ausgeschieden werden. Das ist eine Skizze des demokratischen (rechtsstaatlichen) Kapitalismus. In den freiheitlich geprägten Ländern des Nordens konnte er sich durchsetzen. (Mehr über die „Große Transformation“ hier.)

Anreize zum fleißigen und intelligenten Arbeiten – das, was uns wirklich voran bringt, wird bei „Micha“ so gut wie gar nicht thematisiert. Daneben steht natürlich das großzügiges und freiwillige Abgeben von erworbenem Reichtum, Taten der Barmherzigkeit, Nothilfe, gemeindliche Diakonie, Spenden an Hilfswerke, doch leider wird über das englische „charity“ in „Micha“-Kreisen fast schon die Nase gerümpft. Das sei ja wohl zu wenig; man müsse doch an die Strukturen und die globalen Zusammenhänge ran. Diese Wohltätigkeit, die schon eine lange Geschichte in der westlichen Welt hat, wird nur zu oft schlecht gemacht. Dabei hat sie mitunter Großartiges bewirkt – ohne dass man sich die „Weltgemeinschaft“ auf die Fahnen geschrieben hat. Neben „charity“ darf die gegenseitige Hilfe in Selbsthilfe- und Arbeitervereinen nicht unerwähnt bleiben. Vor der Etablierung des modernen Wohlfahrtsstaates gab es in einigen Ländern eine Wohlfahrtsgesellschaft, in der Hilfe zivilgesellschaftlich z.B. in den „friendly societies“ organisiert wurde (s. Stephen Davies‘ Vortrag dazu hier).

Als dritte Säule der christlichen Antwort auf das Armutsproblem sind Institutionen oder Ordnungen Gottes zu nennen. An erster Stelle stehen hier die Familie und die Kirche, denn sie reichen die Werte und Tugenden weiter, die Menschen zur Kultivierung, Weiterentwicklung und Bewahrung der Schöpfung und zum Abgeben von Reichtum anhalten.

Mehr: lahayne.lt.

Das neue Unbehagen in jüdischen Gemeinden

Fast ein dreiviertel Jahrhundert nach Auschwitz könnte man meinen, der Antisemitismus sei ausgetrieben. Eine internationale Tagung in Berlin scheint das Gegenteil zu beweisen. Demnach gibt es immer wieder neue Erscheinungsformen des Antisemitismus.

Antisemitismusforscher Olaf Glöckner vom Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam sagt in einem DLF-Beitrag:

Aus den deutschen Ergebnissen können wir herauslesen, dass es massive Konsequenzen in der jüdischen Bevölkerung in Deutschland gibt. Wenn also knapp 20% in dieser Umfrage angegeben haben, sie vermeiden es ständig oder zeitweise, einen jüdischen Veranstaltungsort aufzusuchen. Und auch 19% der in Deutschland befragten Juden haben angegeben, dass sie in letzter Zeit vermieden haben, an ihrer Äußerlichkeit als Jüdin oder Jude erkannt zu werden.

Mal reinhören:


„Psychische Erkrankungen“ bei islamistischen Tätern?

Viele  islamistische Attentäter bekommen bescheinigt, dass sich ihre Gewaltbereitschaft mit einer psychischen Erkrankung paart und deshalb ihr religiöser Eifer nicht oder nur bedingt ins Kalkül gezogen werden darf. Demzufolge haben die mörderischen Attentate nichts mit dem Islam zu tun.

Aber helfen uns diese Diagnosen weiter? Schon Anfang Juni hat die Jüdische Rundschau zu diesem Phänomen einen Beitrag veröffentlicht und dabei das epidemische Auftreten eines Vorwandes hinterfragt.

Deutsche Behörden, genau wie ihre amerikanischen, russischen, europäischen und australischen Gegenstücke, wollen sich nicht mit der moslemischen Einwanderung beschäftigen. Es ist viel leichter mehr Geld in Psychatrien zu schaufeln.

Und was ist eine „psychische Krankheit“ überhaupt? 

Im Westen wird die Überzeugung, dass Sie Menschen töten müssen, um 72 Jungfrauen im Paradies zu bekommen, als eine psychische Erkrankung angesehen. Im Islam hingegen ist das ein Mainstream-Gedanke. 89 % der Pakistanis glauben an Geister, die auch in den islamischen Schriften vorkommen. 89 % der Tunesier glauben an Zauberei. 72 % der Iraker glauben an den „bösen Blick“. 20 % der Afghanen haben einem Exorzismus beigewohnt. Die saudi-arabische Religionspolizei hat extra eine Anti-Hexerei-Einheit und es gibt wirklich Hexen-Prozesse. 

Ideen und Verhaltensformen, die im Westen mit „psychischer Erkrankung“ verbunden werden, sind Mainstream in Teilen der moslemischen Welt, wo sich ein prä-rationales mittelalterliches Universum auftut.

Die Maßstäbe westlicher Psychiater zählen nicht viel in der moslemischen Welt, wo Hexerei ein großes Problem ist, wo Verschwörungstheorien zu Juden gedeihen und wo Geister für Geisteskrankheiten verantwortlich sind. Deine Tochter zu töten oder eben auch Nicht-Moslems, ist ein gesellschaftlich akzeptiertes Verhalten. Die moslemische Welt hat fundamental andere soziale Normen als wir. Das beinhaltet auch unterschiedliche Ansichten zum Thema (geistige) Gesundheit.

Moslemischen Terrorismus als Wahnsinn zu betiteln ist gemütlich, aber nutzlos. Es ist eine Möglichkeit den schwierigen Fragen, die uns der Islam stellt, aus dem Weg zu gehen.
Aber dieses dauernde Ausweichen ist auch eine Art Krankheit.

Mehr: juedischerundschau.de.

Mission und Transformation

Buchhinweis:

41Zu8+bvIVL SX341 BO1 204 203 200In den letzten Jahren hat die missionale Theologie weltweit für Aufsehen gesorgt. Ihre Vertreter leiten aus der Reich Gottes-Perspektive die kirchliche Verpflichtung ab, die Gesellschaft zu verändern, zum Beispiel, indem sie sich für den Umweltschutz oder „Soziale Gerechtigkeit“ einsetzen.

Auch in Deutschland wird um den Wert und das Profil der Gesellschaftstransformation gerungen. So war etwa die Jahrestagung des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie (AfeM, heute genannt: Evangelischer Arbeitskreis für Mission, Kultur und Religion) dem Thema „Evangelisation und Transformation“ gewidmet (die Referate sind erschienen in Robert Badenberg u. Friedemann Knödler (Hg.). Evangelisation und Transformation: „Zwei Münzen oder eine Münze mit zwei Seiten?“  Edition afem Mission reports. Nürnberg u. Bonn: VTR u. VKW, 2013). Auch die Staatsunabhängige Theologische Hochschule Basel (STH) veranstaltete 2014 eine Ringvorlesungsreihe über „Mission und Transformation“.

Harald Seubert hat die Vorträge dieser Reihe nun in einem Band herausgegeben. Enthalten sind Beiträge von Rolf Hille, Peter Beyerhaus, Steffen Schweyer, Andreas Loos und Klaus W. Müller. Eingeleitet wird die Publikation durch einen Vortrag, den der Herausgeber im Jahre 2014 vor dem Professorium und den Doktoranden der STH gehalten hat.

Seubert begrüßt das in den letzten Jahrzehnten neu erwachte Interesse an den Fragen der Inkulturation. Das Evangelium gibt seiner Meinung nach keiner Kultur den Vorrang, sondern beurteilt alle Kulturen nach seinem eigenen Maßstab. Allerdings bedürfe es bei aller notwendigen Hinwendung zu Kultur keiner „unkritischen Übernahme säkular entwickelter Interkulturalitätskonzeptionen, sondern deren theologischer Kritik und Aufnahme von der Mitte des Evangeliums her“ (S. 20). „Die Welt umarmen“ reiche nicht. Der Band führt ausgewogen in die Hauptposition der aktuellen Missionswissenschaft ein und ist somit ein wichtiger Beitrag im Klärungsprozess.

Mission und Transformation: Beiträge zu neueren Debatten in der Missionswissenschaft von

Preis: EUR 29,90

62 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 21,32

E21-Regionalkonferenz West: Vorträge online

Vom 1. bis 2. Juli 2016 fand die erste Evangelium21-Regionalkonferenz West in Bonn statt. Hauptredner war der Evangelist Pete Woodcock aus England. Das Thema „Jesus nachfolgen“ entfaltete er anhand spannender Vorträge aus dem Matthäusevangelium. Pastor Michael Martens aus Syke hat ebenfalls einen Vortrag über die ersten Verse aus dem Jakobusbrief gehalten.

Ergänzt wurden die Hauptvorträge durch Workshops zu folgenden Themen:

  • Evangelism – how to summarise and tell the gospel (Pete Woodcock, nur auf Englisch)
  • How to be a content woman (Anne Woodcock, nur auf Englisch)
  • Den Kindern das Evangelium bringen (Judith Hickel)
  • Hat Gott auch die Künstler geschaffen? – Kunst und christliche Weltanschauung (Victoria Parsons)
  • Seht unsern Gott! – Christuszentrierter Einsatz von Musik in der Gemeinde (Rudolf Tissen)

Sämtliche Vorträge, Fragerunden und Workshops sind inzwischen im Internet hier abrufbar.

Credo Vol. 6/2 2016

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Die neue Ausgabe des Magazins Credo ist da. Das Hauptthema lautet: Prophet, Priester und König. Dabei ist ebenfalls eine Rezension zu dem bemerkenswerten Buch: Confessing the Impassible God: The Biblical, Classical, & Confessional Doctrine of Divine Impassibility (RBAP, 2015).

Die Ausgabe kann hier heruntergeladen werden: Prophet%20Priest%20King.pdf.

Confessing the Impassible God: The Biblical, Classical, & Confessional Doctrine of Divine Impassibility von Ronald S. Baines

Preis: EUR 32,78

7 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 26,11

Impulse zum Zweifeln

Torsten Hebel sprach kürzlich im Evangeliumsrundfunk (ERF) über seine Abkehr vom christlichen Glauben und die Entdeckung eines neuen Glaubens (vgl. auch hier und hier). Ich finde es in Ordnung, wenn jemand seine Entkehrung kommuniziert und ich nehme ihm ab, dass es ein Verlust von Heimat war und einen Trauerprozess einschloss.

Nicht ganz verstehe ich, warum er für seine Botschaft die große christliche Bühne sucht. Und: Müssen ihm ein christlicher Verlag und ein Missionswerk wie der ERF dafür eine Plattform bieten? Aber nun gut, ich muss nicht alles verstehen.

Eine Sache würde ich allerdings gern wissen. Warum wird Torsten in der Talksendung nicht eine kritische Frage gestellt? Hätte es bei diesen steilen Thesen nicht Gelegenheiten dafür gegeben oder gar Notwendigkeiten geben müssen?

Einige Beispiele: Er rückt die christliche Unterweisung und Evangelisation von Kindern in den Raum des geistlichen Missbrauchs. Er hat sich vom christlichen Glauben gelöst, weil ihm die Antworten des Evangeliums intellektuell unglaubwürdig erscheinen (sein Glaube wurde mit Argumenten ausgehebelt). Wo aber sind die Gründe für seinen neuen Glauben? Gott ist kein Substantiv, sondern ein Verb (ach so). Gott ereignet sich. Einem Kind müssen wir sagen, dass es wertvoll ist, dass es fehlerlos ist, dass es gut ist, wie es ist. Worauf übrigens die Moderatorin sagt: „Auf jeden Fall!“.

Das alles darf man ja behaupten. Aber ist es überzeugend? Nur als Beispiel: Nehmen wir einmal an, es stimmte, dass jeder Mensch vollkommen auf dieser Welt sei. Woher stammen dann die moralischen Übel, mit denen wir uns herum plagen, der Mord, der Diebstahl, der Neid, die Gewalt? Müssten wir nicht minimal eine Versuchbarkeit des Menschen und einen Versucher annehmen? Und auf welcher Grundlage können wir denn sagen, dass jeder Mensch wertvoll ist? Dient uns nicht gerade die jüdisch-christliche Auffassung von der Ebenbildlichkeit des Menschen als stabiler Rechtfertigungsgrund, während derzeit prominente Menschenbilder zwar den Wert und die Würde behaupten, aber in große Begründungsschwierigkeiten kommen?

Als Torsten schließlich erklärt, dass wir aufhören sollten, uns Wahrheiten um die Ohren zu hauen (Warum dann eigentlich das missionarische Auftreten?), gelangen wir zum dramaturgischen Höhepunkt der Sendung. Die Moderatorin wünscht sich nämlich genau das: „Ist es im Leben nicht so, dass wir eigentlich auf dem Weg sind und keiner eigentlich eine richtige Antwort hat. Das ist ja Glauben, es ist nicht Wissen.“ Worauf Torsten Hebel antwortet: „Wenn wir uns darauf einigen können, dass wir alle Suchende sind, und wir sind alle auf diesem Weg … und aufhören, uns irgendwelche Wahrheiten um die Ohren zu hauen und auch noch: Du musst so glauben, wie ich glaube, … schlechter Weg, sondern Demut und Liebe, das sind die zwei Kennzeichen eines Menschen, der glaubt. Wenn wir uns da treffen können, dann haben wir schon …“.

Die Moderatorin ergänzt: „Das wäre großartig!“.

Das sind keine guten Nachrichten!

Hier der Videomitschnitt:

Passives und offensives Martyrium

Ich kann den Ausführungen von Michael Wolffsohn in dem Artikel „Kann eine Bombe Mensch sein?“ in vielem nicht folgen. Aber der Kontrast zwischen dem dschihadistischem und jüdisch-christlichem Martyrium ist trefflich herausgearbeitet (FAZ vom 18.07.16, Nr. 165, S. 8):

Märtyrer sind seit jeher eine politische Waffe. Sie kann entweder defensiv oder offensiv sein. Beide Varianten gab und gibt es. Muslimische Selbstmordattentäter verstehen und präsentieren sich als Märtyrer. Sie meinen und hoffen, direkt ins Paradies zu gelangen, wo sie seelische sowie körperliche Genüsse und 72 Jungfrauen erwarten.

Muslime, Juden und Christen benutzen (in unterschiedlichen Sprachen) den gleichen Begriff, verbinden mit ihm allerdings ganz und gar Unterschiedliches. Ein Märtyrer ist für Juden und Christen jemand, der sich selbst für seinen Glauben, für seinen Gott, opfert. Sich selbst opfert – und keine anderen dabei tötet oder ermordet. Für Juden und Christen personifizieren Märtyrer das rein defensive Leid. Ihr Tod ist unfreiwillig, sie haben ihn nicht selbst gewählt. Theologisch vereinfacht entspricht ihr Tod „Gottes unergründlichem Ratschluss“. Ihrem Verständnis zufolge ist allein Gott Herr über Leben und Tod, nicht der Mensch. So gesehen, sind die Mörder dieser Märtyrer Instrumente Gottes. Keiner weiß, weshalb Gott diese ungeheure Ungerechtigkeit zulässt, jeder stellt die Menschheitsfrage nach der Gottesgerechtigkeit beziehungsweise Theodizee.

Ganz anders die heutigen muslimischen Selbstmordattentäter. Ihr Märtyrertum ist offensiv. Sie sind das handelnde, andere Menschen ermordende Subjekt. Theologisch betrachtet, gleicht dieses Märtyrertum in doppelter Hinsicht Ketzerei. Ob Muslim oder nicht, bei einem Selbstmordanschlag erhebt sich ein Mensch zum Herrn über Leben und Tod anderer Menschen. Er, nicht Gott, vernichtet fremdes Leben und das eigene. Ausgehend von den Grundannahmen des Judentums, des Christentums und auch des Islams, also fundamental theologisch gedacht, ist das nichts anderes als Ketzerei, denn letztlich wagt es ein Mensch, Gott „Nachhilfe“ zu geben. Wenn das keine Gotteslästerung ist, was dann?

Der Islam und die Gewalt von Eberhard Troeger

Preis: EUR 9,99

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Postmoderne: „Jeder hat recht“ ist unlogisch

Der Religionsphilosoph Professor Daniel von Wachter hat in einem Interview dem Medienmagazin pro über das Denken der Postmoderne den Wahrheitsrelativismus scharf kritisiert:

Daniel von Wachter: Postmodernismus ist nicht eine Analyse des Denkens der Mehrheit der heutigen Menschen, sondern besteht aus bestimmten Behauptungen bestimmter Autoren. Zum Beispiel: Es gibt keine objektive Wahrheit; es gibt keine Wirklichkeit, die von uns unabhängig ist; Vernunft und Wissenschaft sind nur Herrschaftsinstrumente; Texte haben keine zu entdeckende Bedeutung. Interessant ist, dass die vier Hauptautoren dieser Art von Rhetorik – Lyotard, Derrida, Rorty, Foucault – alle einen sozialistischen Hintergrund haben.

Wie denken Postmodernisten über den christlichen Glauben?

Die Postmodernisten greifen die bloße Tatsache an, dass das Christentum eine Lehre hat; eine Botschaft, die wahr sein soll. Sie greifen die christliche Lehre nicht so an, wie es redlich und sinnvoll wäre, indem sie ihr Argumente entgegenhalten und sagen: Das ist falsch aus den und den Gründen. Stattdessen behaupten sie, Wahrheit und Wirklichkeit gebe es gar nicht. Zweitens greifen die Postmodernisten die Lehre der Christen an, dass die Bibel Gottes Wort und verbindliche Quelle der Lehre sei. Wieder geben sie keine Argumente, sondern sie sagen: Ein Text hat gar keine zu entdeckende Bedeutung. Jeder schafft sich seine eigene Bedeutung.

Wenn es keine Wahrheit gäbe, wäre jede Meinung gleichermaßen richtig?

Es hat keinen Sinn, zu sagen: „Wenn jemand das anders sieht als ich, dann hat er ebenfalls recht.“ Das ist ein Widerspruch, es ist unvernünftig, so etwas zu sagen. Die Idee, dass man so einen Widerspruch „aushalten soll“, wird oft als menschlich und liebevoll dargestellt. Es ist aber unlogisch, wenn ich etwas glaube und das Gegenteil auch für richtig halte. Das bringt niemanden weiter. Wir wollen doch wissen, was richtig ist, und uns entsprechend entscheiden. Man darf die Wahrheit nicht gegen die Liebe ausspielen. Daher sollte man nicht sagen: Damit ich mehr Liebe übe, darf ich niemandem mehr widersprechen. Es ist sogar liebevoller, wenn ich versuche, ihn zu überzeugen, weil ich ja will, dass der andere auch die Wahrheit, also die richtige Auffassung erlangt. Manchmal ist es zum Beispiel in einer Gemeinde richtig zu sagen: „Wegen dieser Meinungsverschiedenheit trennen wir uns nicht“. Aber es ist töricht zu sagen: „Ich meine X, aber ich will nicht sagen, dass Nicht-X falsch wäre.

Mehr: www.pro-medienmagazin.de.

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Siehe dazu auch: Ron Kubsch: „Warum das Christentum für François Lyotard eine Emanzipationserzählung ist“, mbstexte085.pdf sowie „Vom Ende der großen Erzählungen Jean François Lyotard und das Das postmoderne Wissen“, mbstexte003.pdf.

Die Postmoderne: Abschied von der Eindeutigkeit von Ron Kubsch

Preis: EUR 5,59

4 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 5,59

Josia-Konferenz: Vereint – jetzt und für immer

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Mitte September startet die diesjährige Josia-Konferenz für junge Leute. Hier einige Informationen zur Veranstaltung:

Jesus hat kurz vor seinem Tod am Kreuz – kurz vor dem wichtigsten Ereignis der ganzen Geschichte – seinen Jüngern die vielleicht tiefsten und wichtigsten Lehren seines ganzen Dienstes weitergegeben. Er sprach von übernatürlichem Frieden, echter Hingabe, wahrer Freude, ewigem Leben, unvergleichlicher Herrlichkeit und vor allem von einer unauflösbaren Einheit – mit dem Vater, mit den Jüngern und mit ihm selbst. „Vereint – jetzt und für immer“, unter diesem Thema wollen wir die Abschiedsworte Jesu in fünf textauslegenden Predigten studieren und darüber hinaus die Zeit nutzen, um gemeinsam zu singen, zu beten, herausfordernde Seminare zu besuchen und Gemeinschaft zu genießen. Hauptreferent ist Pastor Waldemar Justus.

Sonstige Eckdaten:

Datum: 16. bis 18. September 2016
Ort: Freie Christliche Bekenntnisschule Gummersbach
Thema: Vereint – jetzt und für immer (Johannes Kapitel 13 bis 17)
Zielgruppe: 14-30 Jährige
Kosten: 60 Euro für das ganze Wochenende

Es werden zudem vielfältige Seminare angeboten:

  • Being Busy – Zeitmanagement und Prioritäten (Jörn Hägele)
  • Bibelstudium intensiv: Das Buch Habakuk (Simon Mayer)
  • Christozentrische Seelsorge (Ron Kubsch)
  • Das Grauen der Götzen (Lars Reeh)
  • Das große Ganze (Jonathan de Oliveira)
  • Evangelisation mit Herz und Verstand (Johan Hong)
  • Gemeinden gründen: Gaben einsetzen und geistlich wachsen neben Studium oder Beruf (Frank Liesen)
  • Georg Müller – Ein gewöhnlicher Mensch und sein außergewöhnliches Leben mit Gott (Robin Dammer)
  • Gottes gute Ordnung: Frauen in der Gemeinde (Seminar für Frauen) (Alena Heistermann)
  • Heiligung in Christus (Mathias Penatzer)
  • Ich bin es LEID! Wie kann Gott mich lieben und gleichzeitig leiden lassen? (Jochen Klautke)
  • Ich wachte auf und griff zum Smartphone (Hanniel Strebel)
  • Jesus und dein Geld (Ludwig Rühle)
  • Mann Gottes sein (Seminar für Männer) (Alex Heistermann)
  • Mehr als 1000 Goldstücke – Teens und Jugendliche für Gottes Wort begeistern (Rudi Tissen)
  • „Spieglein, Spieglein, an der Wand,…“ – Wie erlebe ich wahre Zufriedenheit? (Seminar für Frauen) (Elke Rühle)
  • Warum erlebe ich so wenig mit Jesus? (Boris Giesbrecht)

Einen Flyer gibt es hier: Josia_Konferenz_2016_Flyer.pdf.