Unchanging Witness

Donald Fortson und Rollin Grams haben eine umfangreiche Monographie zum Thema „Homosexualität“ herausgegeben.

Der Verlag schreibt über das Buch:

9781433687921 cvr webThe Body of Christ is going through a time of severe fracture. Schism is taking place on a scale not seen since the 16th century, and the reasons for this come into clear focus on the issue of homosexuality. The gay Christian movement and revisionist theologians and exegetes have set up an array of arguments, often mutually exclusive, in favor of homosexual practice. This book addresses these arguments on a single point: Can they withstand the evidence of the primary sources?

In Unchanging Witness, Donald Fortson and Rollin Grams articulate the consistent orthodox view—historically held everywhere, always, and by all—by presenting primary sources throughout Christian history and by interpreting the biblical texts in their cultural contexts. Following a chapter on the gay Christian movement, the first part of the book examines church history from the patristic period to the present day, including the revisionist readings of the last few decades. It concludes with an excursus on the Church’s various views on slavery and women, in contrast to the consensus view on homosexual practice. The second part of the book engages the biblical material relevant to the current debate. Primary sources from the Ancient Near East, Jewish, Greek, and Roman literature are discussed alongside the biblical passages.

Topics treated include the story of Sodom, Israel’s unique prohibition against homosexual acts, the meaning of “soft men” in Greek literature, the various understandings of homosexual orientation in antiquity (including Paul), and the “nature versus nurture” argument in philosophy and Paul’s letter to the Romans. Throughout, the authors survey the conflicting and changing arguments of revisionist readings and contend that, in light of the overwhelming evidence of the relevant texts, the real issue is not one of interpretation but of biblical authority and Christian orthodoxy.

Unchanging Witness: The Consistent Christian Teaching on Homosexuality in Scripture and Tradition von S. Donald Fortson, Rollin G. Grams

Preis: EUR 28,79

8 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 25,77

Mogelpackung Ganztagsschule

Deutschlands Schulen werden seit 15 Jahren mehr und mehr in Ganztagsschulen umgewandelt. Das ist – so sieht es die Politik – ein politisches Investitionsprogramm für die Zukunft von Bildung und Betreuung. Für manche Schüler ist jedoch ein ganzer Tag in der ungeliebten Klasse die reinste Qual. Sie brauchen mehr Zeit für sich. Die FAZ schreibt:

Schon jetzt verbringen Eltern durchschnittlich nur noch 28 Minuten am Tag mit Zuwendung und Betreuung ihrer Schulkinder, stellte kürzlich das Statistische Bundesamt fest. Nein, Schule darf nicht zur Ersatzlebenswelt für die Kinder werden, denn sie vermag nur in besonderen Fällen vergleichbar viel oder mehr als das zu leisten, was elterliche Zuwendung und Erziehung und selbstbestimmtes Entdecken außerhalb jeglicher Institution bieten können. Tatsächlich brauchen Kinder eine ausgewogene Balance zwischen schulischem Bildungsbeitrag, elterlicher Erziehung und persönlicher (Frei)Zeitgestaltung.

Hier der sehr informative Artikel: www.faz.net.

Zur Idee einer „Abrahamischen Ökumene“

Hanna Josua schreibt in seiner 2005 von der Ev. Theologischen Faculteit in Leuven angenommenen Dissertation (erschienen als Hanna Nouri Josua, Ibrahim, der Gottesfreund, Tübingen: Mohr Siebeck, 2016, S. 626) zum Konzept der „Abrahamischen Ökumene“:

Die Rezeption der Abrahamgestalt ist in den religiösen Traditionen so unterschiedlich, dass eine theologische Basis in einer gemeinsamen Gestalt nicht gegeben ist – wollte man nicht jeden der einzelnen Partner seines identitätstiftenden „Vaters“ berauben. Ein islamischer Ibrāhīm allein, in dem sich, wie aufgezeigt, Leben und Botschaft Muhammads spiegeln, kann sowohl Juden als auch Christen schwerlich zugemutet werden.

In jener schicksalhaften Begegnung Muhammads mit der christlichen Delegation von Naǧrān rief er diese zu einem kalima sawā’ (Wort des Ausgleichs), einem „zwischen uns und euch gleich angenommenen Wort“ (3,64) auf. Dies mag zunächst wie das Bemühen um einen kleinsten gemeinsamen Nenner klingen – und so wird es im Dialog heute auch meist verstanden. Dieser Nenner ist, „niemandem zu dienen außer Gott und ihm nichts beizugesellen“, der tauḥīd, der reine Monotheismus also. Und es ist gerade Ibrahim, der in den folgenden Versen eindeutig von Juden und Christen abgegrenzt wird. Vielmehr wird der ibrahimische Gedanke verbunden mit der jüdisch-christlichen Enteignung und dem Ruf zur millat Ibrāhīm, die eben nicht nur aus dem tauhīd besteht – sonst könnte man geneigt sein, die millat Ibrāhīm und die „Abrahamische Ökumene“ als gleiche Konzepte zu betrachten. Durch die Parallelisierung Ibrāhīms mit Muhammad bis hin zur Identifizierung mit ihm und die Projektion sämtlicher islamischer Glaubensinhalte und -riten auf Ibrahim, kann er jedoch kein gemeinsames, quasi neutrales Wort in der Mitte mehr sein.Das entzieht einer theologischen Ökumene auf der Basis von Abraham Ibrahim von beiden Seiten die Grundlage. Vielmehr ist die Idee einer abrahamischen Religion – millat Ibrāhīm! – eine genuin islamische Idee, nämlich das Argument, das Juden und Christen eben gerade nicht in ihrem Glauben belassen will, sondern zu dem neuen und zugleich alten ursprünglichen Glauben der Unterwerfung unter den einen Gott ruft – zum Islam. Eine Rückkehr zu Ibrāhīm als dem Ur-Vater und Ur-Propheten ist darum immer auch eine Rückkehr zum Islam als der Ur-Religion, der fiṭra.

Ibrahim, der Gottesfreund: Idee und Problem einer Abrahamischen Ökumene (Hermeneutische Untersuchungen zur Theologie) von Hanna Nouri Josua

Preis: EUR 129,00

41 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 96,30

Evangelikale streiten über Familienbild

Das Onlineportal Evangelisch.de berichtet über eine innerevangelikale Diskussion um das Familienbild. Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), hat eine Musikproduktion des Liedermachers und Pastors Jörg Swoboda auf der Online-Präsenz der Deutschen Evangelischen Allianz empfohlen:

„Sollte Gott gesagt haben?“ Jene skeptische Ur-Frage, die die Welt ins Chaos stürzte, treibt auch heute viele in die Orientierungslosigkeit. Anstatt daran festzuhalten, dass Gottes Wort das qualifizierteste Benutzerhandbuch des Lebens ist, wird Misstrauen gesät. Die Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau, lebenslänglich in liebegetränkter Treue gestaltet, wird hinterfragt und umdefiniert: Warum sollte es nicht auch Mann mit Mann oder Frau mit Frau sein? Stimmt es überhaupt, dass die Menschheit nur aus männlichen oder weiblichen Spezies besteht? Gibt es nicht stattdessen viel mehr Geschlechtertypen? Warum sollten Körperteile entscheidend dafür sein, ob ein Mensch Mann oder Frau ist? Ist das Geschlecht nicht vielmehr anerzogen statt konstitutionell? Brauchen Kinder wirklich Vater und Mutter? Und ist die Ehe überhaupt noch zu retten oder nicht doch besser durch Lebensabschnitts-partnerschaften abzulösen? Kommen Erotik und Sexualität wirklich zur Blüte, wenn sie in die Gefangenschaft der Ehe eingebunden sind? Und warum sollte man Ehen nicht konsequent begraben, wenn die Liebe abkühlt?  – Es ist Jörg Swoboda zu danken, dass er diese Fragen nach Liebe, Ehe, Zusammenleben ohne Trauschein, Fortpflanzung, Scheitern und Versöhnung in seiner neuen CD thematisiert.

Der Vorsitzende der DEA, Michael Diener, reagierte mit einer Stellungnahme im sozialen Netzwerk Facebook. Evangelisch.de schreibt:

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener, reagierte darauf mit der Klarstellung, dass es sich bei diesen Worten „um eine persönliche Äußerung des Generalsekretärs“ handele und ausdrücklich nicht um eine Verlautbarung der Evangelischen Allianz, wie der Informationsdienst „idea“ berichtet. Er warf Steeb vor, mit diesem Statement andere Beziehungsformen als die Ehe von Mann und Frau zu diskriminieren. Steeb und auch der Liedermacher sollten sich fragen, wie die Liedtexte auf ungewollt kinderlose Ehepaare oder Singles wirkten, so Diener. Er empfehle „Zurückhaltung dabei, die eigenen Erfahrungen auf die pluralen biblischen Texte zu übertragen.“

Die Stellungnahme wirft allerlei Fragen auf. Lässt man sich auf die Argumentationsfigur von Michael Diener ein, könnten man z.B. fragen, ob es überhaupt noch erlaubt sein könne, davon zu reden, dass jeder Mensch ein Sünder sei. Denn so eine Aussage kann ja ebenfalls von vielen Menschen als diskriminierend aufgefasst werden. Für besonders erklärungsbedürftig halte ich allerdings die von Diener in Facebook gemachte Aussage (das Statement scheint dort inzwischen gelöscht worden zu sein), dass er Steebs Sicht der Ehe „absolut nicht teilt“. Er teilte mit, dass man seiner Meinung nach für die Ehe von Mann und Frau sein könne, ohne andere Beziehungsformen zu diskriminieren.

In einer Pressemitteilung des Geschäftsführenden Vorstand der DEA aus dem Dezember 2015, wurde die Sichtweise, wie sie in der Empfehlung von Hartmut Steeb zum Ausdruck kommt, noch empfohlen. Wörtlich hieß es damals:

Die Deutsche Evangelische Allianz hat sich im größeren Kontext unter dem Titel „Sucht der Stadt Bestes“ im Jahr 2009 so positioniert: „Wir wenden uns ebenso gegen die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der geschlechtlichen Orientierung… Wir begegnen Vertretern einer anderen geschlechtlichen Orientierung mit Respekt und Würde, sehen allerdings praktizierte Homosexualität – wie andere Formen der außerehelichen Sexualität – grundsätzlich als unvereinbar mit der für den christlichen Glauben maßgebenden biblischen Ethik an. Wir wenden uns außerdem gegen Versuche, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften der im Grundgesetz herausgehobenen klassischen Ehe gleichzustellen …“

Es ist erstaunlich, dass sich der Vorsitzende der DEA von dieser Position nicht nur absetzt, sondern auch jene kritisiert, die sie vertreten. In der Pressemitteilung der DEA hieß es zudem: Der Artikel in der WELT vom 14. Dezember 2015 greife „eine ganze Reihe zentraler Themen auf. Wir sind unserem Vorsitzenden Dr. Michael Diener dankbar für viele eindeutige Aussagen, etwa zum missionarischen Zeugnis gegenüber jedermann, auch gegenüber Muslimen und Juden.“ Die Nachrichtenagentur IDEA hatte im November 2016 freilich darüber berichtet, dass Michael Diener sich hinter das „Nein“ der EKD-Synode zur Judenmission gestellt habe (vgl. hier).

Fragen über Fragen. Ich kann der DEA nur wünschen, dass diese Dinge schnell geklärt werden.

Die Logik der Bibelauslegung

Auch wenn die Schrift eine bestimmte Wahrheit vielleicht nicht explizit angibt, können wir wahre Aussagen machen, hinter denen die Autorität der Schrift steht – vorausgesetzt, sie werden von den Aussagen der Schrift richtig, also gemäß den Prinzipien logischen Denkens, abgeleitet. Andreas. J. Köstenberger nennt in einem hilfreichen Artikel ein fast schon klassisches Beispiel:

Ich würde gerne jedes Mal fünf Cent einstreichen, wenn ich das Argument höre, dass wir davon ausgehen können, dass Jesus Homosexualität geduldet hat, weil er dieses Thema nie explizit angesprochen hat. Dabei übersieht man freilich, dass Jesus Folgendes unmissverständlich klargestellt hat: „Habt ihr nicht gelesen, dass der, welcher sie schuf, sie von Anfang an als Mann und Frau schuf und sprach: ‚Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und es werden die zwei ein Fleisch sein‘?“ (Matthäus 19,4–5). Es ist schwierig, aus dieser starken Bekräftigung der zweigeschlechtlichen Ehe zu schließen, dass Jesus die gleichgeschlechtliche Ehe geduldet hat.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

Je mehr Mutter, desto besser

Wie viel Zeit sollen Eltern mit ihren Kindern verbringen? Eine aktuelle Studie zeigt, dass viel auch viel hilft – zumindest bei Müttern. DIE WELT schreibt:

Je mehr Zeit eine Mutter mit ihrem Kind im Alter zwischen drei und sieben Jahren verbringt, desto stärker werden die kognitiven und sozialen Fähigkeiten des Kindes ausgeprägt. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern der University of Essex und des University College London, die jetzt im „Economic Journal“ veröffentlicht wurde. Zu den kognitiven Fähigkeiten zählen Denken, Wahrnehmung, das Problemlösen, Sprache und Gedächtnis. Darüber hinaus hat die Untersuchung festgestellt, dass erstgeborene Kinder stärker von der Zeit profitieren, die ihre Mutter mit ihnen verbringt als Geschwister, die später geboren werden.

Mehr: www.welt.de.

Professor: Die Studenten schweigen lieber

Nach Auffassung des Philosophieprofessors Daniel Bonevac meiden viele Studenten unter dem Eindruck der Politischen Korrektheit inzwischen bestimmten Themen. Es würde nicht mehr frei diskutiert, so wie das früher der Fall gewesen sei. Besonders in ethischen Fragen sei ein offener Diskurs kaum noch möglich. THE COLLEGE FIX, eine Plattform der „The Student Free Press Association“, schreibt:

In jüngster Zeit stellte Bonevac fest, dass die Untersuchung konservativer Gesichtspunkte zu moralischen Fragen wie Abtreibung, sexueller Moral, bejahendem Handeln und restriktiver Einwanderung in einem Klassenzimmer fast unmöglich geworden ist.

Hier mehr: www.thecollegefix.com.

Gott ehren

John Piper legt 1Petrus 4,15–16 aus. Dort steht:  „Niemand aber unter euch leide als ein Mörder oder Dieb oder Übeltäter oder als einer, der in ein fremdes Amt greift. Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht, sondern ehre Gott mit diesem Namen.“

Der „Fall Galilei“

Vor 9 Jahren ging ich in einem Vortrag auf das umgestaltete Christsein von Brian McLaren ein. McLaren reiste damals durch evangelikale Ausbildungsstätten, um für seine Vision eines progressiven Christseins zu werben. Sein therapeutisches Anliegen beschrieb ich damals mit den Worten:

So wie vor 500 Jahren die Reformatoren den Glauben vom mittelalterlichen Weltbild befreiten, müssen wir gemäß McLaren den Glauben vom Protestantismus der Moderne entkoppeln. Die Reformatoren entwickelten ein post-katholisches Weltbild. Der Auftrag der weltweiten Kirche heute besteht darin, ein post-protestantisches Weltbild zu entwickeln. Wir müssen die Kompatibilität von Glaube und Postmodernismus erzeugen. Meistern wir diese Herausforderung, kann sich der post-protestantische Glaube in den gegenwärtig emergierenden Gesellschaften fruchtbar ausbreiten.

Da diese Vision inzwischen 10 Jahre alt ist, sei es erlaubt, ein kleines Fazit zu ziehen. Also ganz kurz: Obwohl die Emergente Bewegung, zu deren Gründern McLaren gehört, öffentlich als Bewegung kaum noch wahrnehmbar ist, haben sich ihre Ideen in etlichen Gemeindebünden und Ausbildungsstätten ausgebreitet. Das zeigt sich nicht nur im Umgang mit der Bibel, sondern auch in ethischen Fragen und Antworten. Belebt haben diese Ideen  allerdings weder die Gemeinden noch die Mission. Im Gegenteil: Der Missionsbegriff wurde so stark geweitet, dass fast alles Mission ist und kaum noch zur Buße aufgerufen wird. Evangelisation wird klein, Transformation groß geschrieben. Weniger die Transformation der Welt, mehr die Transformation der Gemeinden.

Nun aber zu meinem eigentlichen Anliegen: Brian McLaren verwies in seinen Vorträgen immer wieder auf den „Fall Galilei“, dessen Einsichten von der Kirche militant bekämpft worden seien. Anstatt anzunehmen, dass die Zeichen auf Veränderung stehen, habe die Kirche mit ihrer Engstirnigkeit die Fakten geleugnet und blind an der Tradition festgehalten. Heute würden die Christen  einen ähnlichen Fehler machen wie die Kirche damals. Grundlos widersetzen sie sich dem postmodernen Denken und blockierten damit den Erfolg der Kirche.

Ich war mit dieser Deutung von Galilei überhaupt nicht einverstanden und sagte damals:

Der in diesem Zusammenhang erwähnte „Fall Galilei“ hat sich etwas anders zugertragen, als von Brian McLaren dargestellt. Galilei wurde nicht nach Rom bestellt, weil es einen Konflikt zwischen „reiner“ Wissenschaft und „reinem“ Glauben gab, sondern weil die Kirche von ihm verlangte, seine Theorie eines heliozentrischen Weltbildes als Hypothese darzulegen. Galilei, der keine naturwissenschaftlichen Beweise für seine Behauptungen vorlegen konnte, brach diese Vereinbarung mit der Veröffentlichung seines Dialogo. Kurioser Weise hatte die Inquisition naturwissenschaftlich Recht, während Galilei mit seiner Kritik der peripatetischen Bibelauslegung richtig lag. Nie wurde Galilei mit dem Tod bedroht, da keine Häresie vorlag. Folter wurde zwar im Rahmen des Prozesses von 1633 formal als „territio verbalis“ angedroht. Galilei war damals allerdings bereits 70 Jahre alt und wusste, dass die Inquisition Menschen ab 60 nicht mehr folterte. Da Galilei als treuer Katholik von seinen guten Kontakten zur Kurie profitierte, war er nie in einem Gefängnis … Lydia Jaeger fasst den Sachverhalt wie folgt zusammen: „Der Heilige Stuhl kämpfte bei seinem Streit mit Galilei nicht so sehr für den biblischen Glauben als für eine Theologie, die ihre kritische Distanz zur Wissenschaft einer gewissen Epoche verloren hatte. Unter diesem Gesichtspunkt warnt uns der Galilei-Prozess nicht vor einem ‚zu viel Bibel‘, sondern vor einem ‚zu viel Wissenschaft‘, die dem durch die Kirche verbreiteten Weltbild einverleibt wurde.“ (Wissenschaft ohne Gott?, Bonn: VKW, 2007, S. 24).

Der Physiker Christopher Jefferson hat kürzlich die Einschätzung, Galilei sei vor allem wegen wissenschaftlicher Gründe angefeindet worden, untermauert. In seinem Artikel „Opposition to Galileo was scientific, not just religious“ schreibt er:

In 1614, when the telescope was new technology, a young man in Germany published a book filled with illustrations of the exciting new things being discovered telescopically: moons circling Jupiter, moon-like phases of Venus, spots on the Sun, the rough and cratered lunar surface. The young man was Johann Georg Locher, and his book was Mathematical Disquisitions Concerning Astronomical Controversies and Novelties. And while Locher heaped praise upon Galileo, he challenged ideas that Galileo championed – on scientific grounds.

Hier: aeon.co.

Weihnachtsaktion 2016

Wir sind in der Adventszeit angekommen und feiern bald schon wieder das Weihnachtsfest. Ich möchte mich auch diesmal bei allen TheoBlog-Lesern herzlich für das Interesse und die Diskussionsbeiträge bedanken!

Etliche Besucher haben in diesem Jahr wieder Bücher, DVD’s oder Elektroartikel über TheoBlog bei Amazon bestellt (mehr dazu hier) oder über den Buchladen geordert. Einige Spenden zur Unterstützung des Blogs habe ich ebenfalls erhalten. Vielen herzlichen Dank dafür! Das ist eine große Ermutigung!

Die Kosten für die Arbeit übersteigen freilich die Einnahmen. Falls jemand mit einer Spende über Paypal oder die angegebene Bankverbindung dem TheoBlog unter die Arme greifen möchte, kann er das über das Formular hier tun. Wir freuen uns sehr darüber!

229565Wie üblich will ich mich durch eine kleine Aufmerksamkeit erkenntlich zeigen. Jeder Blog-Leser hat die Chance, in der Weihnachtszeit ein Päckchen zu empfangen. Das Päckchen enthält diesmal das gerade erschienene Buch:

  • Hendrik J. Koorevaar u. Mart-Jan Paul (Hg.): Theologie des Alten Testaments: Die bleibende Botschaft der hebräischen Bibel, Gießen: Brunnen Verlag, 2016.

 

Der Verlag schreibt über das Werk:

Was sind die inhaltlichen Hauptlinien des Alten Testaments?Welche bleibende Botschaft will es dem Leser damals wie heute vermitteln? In welchen Zusammenhang fügen sich die einzelnen Bibelbücher ein, und wie lassen sich ihre Aussagen im größeren Rahmen des gesamten biblischen Kanons verstehen?

Dieses Buch gibt eine Übersicht über den internationalen Stand der Forschung zur Theologie des Alten Testaments. Es entwickelt die eigene literarische Methodik des „strukturell-kanonischen Ansatzes“, um die Botschaft des Alten Testaments zu entfalten. Ausgehend von einem rekonstruierten ursprünglichen Aufbau der hebräischen Bibel werden die im Buch Genesis aufgenommenen Themenlinien durch den gesamten Kanon hindurch untersucht. Dabei werden die einzelnen Themen entfaltet, darunter Schöpfung, GottesWille, Sünde und deren Überwindung, messianische Verheißung, Gottesdienst und Land. Diese Linien werden dann fortgeführt in die zwischentestamentliche Zeit und das Neue Testament. Auf dieseWeise erhält der Leser Einblick in die Hauptlinien von Gottes Oenbarung und versteht den Zusammenhang, in den sich die Aussagen der Bibel einfügen – um so die bleibende Botschaft der hebräischen Bibel zu entdecken.

Neben den Herausgebern und Autoren aus Belgien, Holland und den USA haben aus Deutschland Walter Hilbrands, Herbert Klement, Siegbert Riecker und Julius Steinberg mitgewirkt.

Um Empfänger des Buches werden zu können, sind folgende drei Punkte zu beachten:

  • Sie müssen TheoBlog regelmäßig lesen (Vertrauenssache).
  • Sie müssen mir über das Kontaktformular Ihre E-Mail-Adresse mitteilen (und dabei unbedingt das Stichwort: „Weihnachtspäckchen“ in der Mitteilung erwähnen).
  • Am 20. Dezember werde ich von meiner jüngsten Tochter unter allen übersandten Adressen einen Empfänger über ein Losverfahren auswählen lassen und die gewählte Person kontaktieren (Vertrauenssache). Nach Übersendung der Postanschrift schicke ich das Päckchen an den Gewinner.

Vielen Dank fürs Mitmachen!

Theologie des Alten Testaments: Die bleibende Botschaft der hebräischen Bibel von

Preis: EUR 40,00

1 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 40,00

Was wird eigentlich an evangelikalen Ausbildungsstätten gelehrt?

Ulrich Parzany hat wieder einmal eine wichtige Frage gestellt: Was wird eigentlich an den Seminaren gelehrt, aus denen die zukünftigen hauptamtlichen Mitarbeiter in Gemeinden und Missionswerken kommen? Die Nachrichtenagentur idea meldet:

Der Vorsitzende des „Netzwerks Bibel und Bekenntnis“, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), hat evangelikale Christen aufgefordert, sich über die theologischen Einstellungen von Dozenten an evangelikalen Ausbildungsstätten beispielsweise zum Thema Homosexualität zu informieren. Anlass für Parzanys Aufruf auf der Internetseite des Netzwerks sind von ihm positiv bewertete Aussagen von Pfarrer Werner Neuer (Schallbach bei Lörrach) – Dozent am Theologischen Seminar St. Chrischona. Neuer hatte bei einer öffentlichen Diskussion am 18. November in Freiburg die badische Landessynode aufgefordert, ihren Beschluss, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften kirchlich zu trauen, zurückzunehmen. Er begründete dies mit sechs Thesen. Die Bibel als das Fundament und die Norm aller kirchlichen Lehre lehne ausgelebte Homosexualität eindeutig ab, sagte Neuer: „Es gibt keine einzige Bibelstelle, die praktizierte Homosexualität bejaht.“

Mehr: www.idea.de.

Konferenz: Wahre Anbetung

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Evangelium21 wird am 09. und 10. Dezember in der FEG München-Mitte eine Regionalkonferenz Süd zum Thema „Wahre Anbetung“ veranstalten. Referenten sind Vaughan Roberts, Philip Percival, der zusammen mit Vaughan Roberts der St. Ebbe’s Gemeinde in Oxford (England) dient, und Pastor Rudi Tissen aus dem Leitungskreis des Josia-Netzwerks.

Der Flyer kann hier abgerufen werden: Flyer_V3.pdf. Eine Anmeldemöglichkeit gibt es hier: www.evangelium21.net.

Frankreich: Ein verstörendes Verbot

Das oberste französische Verwaltungsgericht hat die Ausstrahlung eines TV-Werbespots verboten, der glückliche Jugendliche mit Downsyndrom zeigt. Begründung: Der Clip könne auf Frauen, die abgetrieben haben, verstörend wirken.

PRO schreibt:

Das Video „Dear Future Mom“ (Liebe zukünftige Mutter) darf im französischen Fernsehen nicht gezeigt werden. Das hat das oberste Verwaltungsgericht im Land entschieden. Der zweieinhalbminütige Clip, den ursprünglich die italienische Organisation „CoorDown“ 2014 veröffentlicht hat, zeigt glückliche Kinder und Jugendliche mit Downsyndrom. Sie wollen Mütter, die ein Kind mit Trisomie 21 erwarten, ermutigen und sprechen in die Kamera: „Habe keine Angst.“

Dann erklären sie der potentiellen Mutter, dass ihr ungeborenes Kind später viele Dinge werde tun können, wie etwa sprechen und ihr sagen, dass es sie lieb hat. Auch glücklich sein, in die Schule gehen und schreiben lernen, sei mit Downsyndrom möglich, ebenso wie reisen, arbeiten und Geld verdienen. Gleichzeitig werde der Alltag aber auch manchmal „schwer, sehr schwer, fast unmöglich“ sein. Dann ist die Frage eines Jugendlichen ergänzt: „Aber ist das nicht so für alle Mütter?“ Schließlich zeigt das Video, wie sich die betroffenen Kinder und die Mütter umarmen und vor Freude strahlen.

Dass dieses Video im französischen Fernsehen nicht gezeigt werden darf, hat das oberste Verwaltungsgericht in zweiter Instanz bestätigt und damit ein schon früher ausgesprochenes Urteil in der Revision bekräftigt. Unter anderem hieß es in der Urteilsbegründung, dass die Bilder auf Frauen, die abgetrieben haben, möglicherweise „verstörend“ wirken könnten, berichten französische Medien.

Mehr: www.pro-medienmagazin.de.

VD: RO

7. Evangelium21-Konferenz 2017

E21-Konferenz 2017

R. Bohren: Lachen und Weinen

Rudolf Bohren schreibt (Dem Worte folgen, 1969, S. 100–101):

In der Nachfolge Jesu lebt die Gemeinde als Seelsorgerin nicht ein entrücktes Dasein, sondern kennt sich als ein wissendes Stück der versöhnten Welt, nimmt in der Nachfolge Jesu teil an der Lust und am Weh der Welt Sie steht unter der Mahnung: »Freuet euch mit den Fröhlichen, weinet mit den Weinenden« (Röm 12,15). Die Gemeinde weiß zwar um die Kürze der Zeit, die das Lachen und Weinen relativiert (1Kor 7,29 f); aber sie wird deshalb nicht gemahnt, das laute Lachen der Welt zu temperieren. Sie wird ausdrücklich zuerst zum Mitlachen und dann auch zum Mitweinen aufgerufen, d.h. sie soll teilnehmen, herzlich teilnehmen an den Freuden und Leiden der Kreatur. Nur im Mitlachen und Mitweinen, im Mitfühlen mit den Weltkindem kann die Gemeinde ihr Amt der Seelsorge ausüben. Gerade dies haben wir in der Kirche weithin verlernt, daß es eine Seelsorge des Mitlachens gibt. »Schmunzeln ist auch eine Gnade, von der leider die Theologen nicht schreiben.«

Die Zweifel an „Amoris laetitia“ und Aquinas

Mit dem Apostolischen Schreiben „Amoris Laetitia“ hat Papst Franziskus die Türen für die Situationsethik recht weit geöffnet und damit eine innerkirchliche Diskussion angestoßen, die nicht zur Ruhe kommt. Kürzlich haben sich sogar vier Kardinäle dem Papst mit fünf „Dubia“ (dt. Zweifel) frontal in den Weg gestellt. Der progressive Kardinal Kasper erkennt in „Amoris laetitia“ hingegen einen willkommenen Paradigmenwechsel. Zugleich behauptet er, Franziskus könne den bewährten Lehrer der Kirche, Thomas von Aquin, für sich in Anspruch nehmen. Kapser schreibt in STIMMEN DER ZEIT:

Man wird „Amoris laetitia“ nur verstehen, wenn man den Paradigmenwechsel nachvollzieht, den dieses Schreiben unternimmt. Ein Paradigmenwechsel ändert nicht die bisherige Lehre; er rückt sie jedoch in einen größeren Zusammenhang. So ändert „Amoris laetitia“ kein Jota an der Lehre der Kirche und ändert doch alles. Der Paradigmenwechsel besteht darin, dass „Amoris laetitia“ den Schritt tut von einer Gesetzes- hin zur Tugendmoral des Thomas von Aquin. Damit steht das Schreiben in bester Tradition. Das Neue ist in Wirklichkeit das bewährte Alte.

Bringt also Papst Franziskus nur den großen Lehrer Thomas von Aquinas zur Geltung?

Der katholische Systematiker Helmut Hoping (Freiburg) ist da anderer Meinung und erklärt in der FAZ vom 19.11.2016 (Nr. 127, S. 15), dass die in Anschlag gebrachten Zitate von Thomas von Aquin aus dem Kontext gerissen seien. Thomas könne gar nicht für eine reine Tugendethik beansprucht werden, da er die Tugenden in eine Normenethik eingebetet habe. Er unterscheide zwischen Handlungen, die in sich böse seien und Handlungen, die zwar allgemein verboten, aber unter bestimmten Umständen erlaubt seien. Ein Beispiel für die zweite Kategorie wäre die Tötung eines Menschen zum Zwecke der Selbstverteidigung. Die aquinischen Texte, die „Amoris Laetitia“ aufrufe, entstammten der zweiten Kategorie, obwohl bei Aquin der Ehebruch als eine in sich schlechte Handlung beschrieben werde.

Helmut Hoping:

Das achte Kapitel von „Amoris laetitia“ nimmt Thomas von Aquin für einen neuen Umgang in der Pastoral für Personen, die sich in sogenannten „irregulären“ Situationen befinden, in Anspruch. Es fällt auf, dass sich kein einziges der angeführten Thomaszitate auf die Ehe oder den Empfang der Sakramente bezieht, obwohl es um diese Materie in „Amoris laetitia“ doch einschlägig geht. Beim ersten Zitat geht es um den Fall, dass jemand die höchste Tugend der Liebe besitzt und ohne schwere Sünde ist, dennoch angesichts widriger Umstände Schwierigkeiten haben kann, in Übereinstimmung mit einer einzelnen sittlichen Tugend zu handeln, da diese nicht gefestigt genug ist, was selbst bei Heiligen im Einzelfall möglich ist. Daraus leitet „Amoris laetitia“ mildernde Umstände für Personen in „irregulären“ Situationen ab, etwa für Personen, die durch ein sakramentales Eheband gebunden sind, die mit einer anderen Person aber wie Eheleute zusammenleben.