Der Bibel vertrauen – in schweren Stunden

Gewöhnlich führen wir die Debatten um die Vertrauenswürdigkeit der Heiligen Schrift im Eiffelturm theologischer Seminare. Dabei sind es die existentiell herausfordernden Momente, in denen unsere Theologie sich bewährt oder nicht bewährt.  Am 15. Mai 1984 starb der christliche Apologet Francis Schaeffer. Seine Witwe Edith, beschrieb später den Trost, den sie in jenen schweren und einsamen Stunden seines Todes empfing. Sie wurde getröstet, weil sie der biblischen Zusage des ewigen Lebens vertrauen konnte.

Edith schrieb:

Es war genau vier Uhr am Morgen, als er seinen letzten sanften Atemzug tat … und dann war er gegangen. Wie eindeutig und klar war es nun – er war nicht mehr da. Ich konnte nur mehr beobachten, dass er gegangen war. Ich kann mich für den Zeitpunkt (4 Uhr morgens) genauestens verbürgen. Was seine Gegenwart beim Herrn betrifft, musste ich meine Bibel aufschlagen, um mir Sicherheit zu verschaffen. Dass jemand beim Herrn ist, kann ich nur wissen, weil es die Heilige Schrift so sagt. Ich hatte keinerlei mystische Erfahrung. Ich möchte Ihnen hier und jetzt gestehen: Noch nie wurde mir die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift so wichtig wie in diesem Moment. Zweiundfünfzig Jahre lang – solange ich ihn kannte – kämpfte mein Mann für die Wahrheit, und auch für die Wahrheit der Inspiration und Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift. Doch nie war ich stärker beeindruckt vom Wunder einer absolut zuverlässigen Botschaft von Gott, einem unerschütterlichen Wort Gottes, als ausgerechnet in jenem Moment!

Ich brauchte weder eine mystische Erfahrung, um zu beweisen, dass Francis an einen anderen Ort gegangen war, noch musste ich eine solche Erfahrung vortäuschen; vielmehr wusste ich, dass er an jenen Ort gegangen war, der für ihn bereitet war und dass es ihm jetzt gutging. Dies konnte ich wissen, indem ich meine Lieblingsbibel aufschlug (und auch seine – wir hatten jeder mehrere Bibeln) und darin erneut las: ausgewandert aus dem Leib bedeutet beim Herrn sein – und das ist weit besser. Es ist weit besser für den, der beim Herrn ist, allerdings nicht für die Hinterbliebenen. Gott weiß alles um den Schmerz der Trennung und trifft Vorkehrungen, diese Trennung einst für immer und ewig aufzuheben. Auch das weiß ich nur, weil die Bibel es mir sagt. Mir tun alle Menschen leid, „die keine Hoffnung haben“, nur weil sie nicht wissen, welcher Teil der Bibel bloßer Mythos ist und welchem Teil man möglicherweise vertrauen kann.“

(Aus: Edith Schaeffer, Dear Family: The L’Abri Family Letters, 1961–1986; San Francisco: Harper & Row, 1989, S. 388f., gefunden hier, Übersetzung: Ivo Carobbio).

Wie können wir denn leben?: Aufstieg und Niedergang der westlichen Kultur von Francis Schaeffer

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Gender-Spezialisten am laufenden Meter

Wie langsam deutlich wird, vernichtet der Mindestlohn Minijobs. Aber alles kein Problem, denn die Gender-Politik schafft ja neue Stellen. Hildegard Strausberg spricht über die neuen Jobs, die durch die Geschlechtserforschung entstehen:

Denn längst hat sich unsere mächtige Gender-Lobby eine veritable Vermarktungsindustrie aufgebaut. Jedenfalls gibt es 146 entsprechende Professuren an Universitäten – plus weiteren fünfzig an Fachhochschulen. Nur mal ein Vergleich: Das entspricht nahezu der Anzahl unserer 191 Pharmazieprofessuren in der Bundesrepublik und liegt bald doppelt so hoch wie die Anzahl der Professuren in Altphilologie, von denen es – noch – 113 gibt.

Und natürlich produzieren diese Gender-Lehrstühle im ganzen Lande “Gender-Spezialisten” am laufenden Meter. Also Tausende von jungen Leuten, die man eigentlich für die Arbeitslosigkeit ausbildet. Es sei denn, man erfindet Anschlussverwendungen, die allerdings eindeutig in die Kategorie “künstliche Arbeitsbeschaffung” einzuordnen sind.

Hier: m.welt.de.

Peter O’Brien in München

Stefan Beyer hat freundlicherweise die Veranstaltung „Paulus und das Gesetz“ mit Peter O’Brien in München beschrieben.  Nachfolgend ein Bericht und Kommentar von Simon Mayer über die Vorträge des Neutestamentlers aus Sydney:

Peter O’Brien in München

Peter O’Brien, langjähriger Professor am Moore Theological College in Sydney (Australien) und Autor zahlreicher Bücher, darunter vielbeachtete Kommentare zum Epheser-, Philipper-, Kolosser-, Philemon- und Hebräerbrief, war von 21. bis 23. März zu Besuch in München.

Am Samstag hielt er am Martin Bucer Seminar eine Vorlesung, in der er die Teilnehmer unter dem Titel „Fröhliche Bürger in Gottes Königreich“ in vier Einheiten durch den Philipperbrief hindurchführte.

O Brien01In der ersten Einheit zeigte Prof. O’Brien die tiefe Verbundenheit auf, welche der Apostel Paulus für die Gemeinde in Philippi empfand: Sein Dankgebet kommt von ganzem Herzen und Gott selbst ist Zeuge für die große Zuneigung, die er für die Gläubigen hegt (Phil 1,3-8). Es ist gerade diese Zuneigung, die ihn dann dazu bringt, auch im Bittgebet für die Philipper einzustehen und um noch mehr Liebe und Erkenntnis zu beten (Phil 1,9-11). O‘Brien erklärte weiterhin, wie im Philipperbrief der ungewöhnliche Fortschritt des Evangeliums deutlich wird und Paulus sich darüber trotz seiner Gefangenschaft freut, da es ihm nicht um den eigenen Ruf, sondern ausschließlich die Ausbreitung der Herrschaft Christi geht (Phil 1,12-26).

Die zweite Einheit behandelte die Thematik eines des Evangeliums würdigen Lebensstils. Diese Aufforderung von Paulus in Phil 1,27 betrifft sowohl den Umgang mit und das Zeugnis gegenüber Außenstehenden, d.h. Nichtchristen (Phil 1,27-30), als auch den Umgang mit Geschwistern im Herrn, welcher von Einheit, Demut und Liebe geprägt sein sollte (Phil 2,1-4). Das ultimative Vorbild für solch einen Lebensstil ist Jesus Christus, der sich selbst zuerst bis zum Tod am Kreuz erniedrigte und anschließend vom Vater erhöht wurde (Phil 2,5-11). Diesem Beispiel sollen wir als Christen nachfolgen.

Das Leben des Paulus war das Hauptthema in der dritten Einheit. Nachdem O’Brien verdeutlicht hatte, dass wir uns z. B. in der Politik nach Menschen mit einem vorbildlichen, integren Lebensstil sehnen, solche Menschen jedoch leider eine Seltenheit sind, zeigte er anhand von Phil 3,1-14, wie der Apostel sein eigenes Leben sowohl als negatives als auch als positives Beispiel benutzt. Paulus genoss vor seiner Bekehrung größte Privilegien und konnte alle möglichen Errungenschaften vorweisen, dies alles war aber wertlos (Phil 3,4-6). Denn man konnte in theologischer Hinsicht nicht weiter daneben liegen als Paulus: Er vertraute auf seine eigene Gerechtigkeit aus dem Gesetz. Erst nach seiner dramatischen Lebenswende auf der Straße von Damaskus hatte er das richtige Fundament ausgemacht: Die Gerechtigkeit Gottes, die da kommt aus Glauben (Phil 3,7-9). Ausgehend von diesem Fundament konnte er nun auch die richtigen Ambitionen entwickeln: Das Vergangene – die eigene Sündhaftigkeit – hinter sich zu lassen und dem Ziel der vollständigen Gleichförmigkeit Christi nachzujagen (Phil 3,10-14).

Zuletzt behandelten wir das Dilemma unerhörter Gebete in Philipper 4. Die Aufforderung des Paulus, sich um nichts zu sorgen, sondern alles im Gebet vor Gott zu bringen (Phil 4,6), scheint auf den ersten Blick eine allzu theoretische Lösung zu sein, die nichts mit unserer Lebensrealität zu tun hat. Prof. O’Brien zeigte jedoch auf, wie der Friede, von dem Paulus in Vers 7 spricht, kein subjektives Gefühl ist, sondern der objektive Friede der Erlösung, die Christus für uns geschaffen hat. Dies ist auch der Grund für die Gewissheit, die alle Christen bezüglich ihrer zukünftigen Herrlichkeit haben dürfen – selbst wenn wir in der Gegenwart mit schlimmsten äußeren Umständen zu tun haben. Gott wird all unseren Mangel ausfüllen, nicht zwingend in materieller oder körperlicher Hinsicht, aber in geistlicher Hinsicht in Jesus Christus (Phil 4,10-20).

Am Montagabend sprach Peter O‘Brien dann noch in der FEG München-Mitte über „Paulus und das Gesetz“. Zuerst betonte er dabei sowohl die Wichtigkeit als auch die Komplexität des Themas: Es ist wichtig, da Paulus‘ Verständnis des Gesetzes eng mit seinem Verständnis des Evangeliums verbunden ist und es ist komplex, da in den neutestamentlichen Briefen scheinbar widersprüchliche Aussagen zum Gesetz gemacht werden. So bestätigt Paulus das Gesetz einerseits (Röm 3,31) und sagt anderseits, dass wir nicht mehr unter dem Gesetz stehen (Röm 6,14). Was also ist die Stellung des Christen zum Gesetz? O’Brien zeigte zuerst auf, dass wir das mosaische Gesetz immer in seinem heilsgeschichtlichen Kontext sehen müssen; es war im Alten Testament vor der Ankunft Jesu Christi gegeben worden und sein Zweck war nicht die Vermittlung von Heil, sondern die Offenbarung der Persönlichkeit Gottes und der Sündhaftigkeit aller Menschen (Röm 3,20). Dennoch wussten schon im Alten Testament Menschen um ihre Vergebung. Wie war diese Vergebung möglich? Allein dadurch, dass Jesus Christus das Gesetz in jeder Hinsicht für uns erfüllte (Mt 5,17). Gleichzeitig sind wir als Christen deshalb nicht Antinomisten – wir sind nicht gegen das Gesetz. Sondern in der Kraft des Heiligen Geistes soll das Gesetz nun auch in uns zur Erfüllung kommen (Röm 8,4). Paulus redet hierbei nicht von dem mosaischen Gesetz, sondern von dem Gesetz des Christus (Gal 6,2). Wir sind daran gebunden, weil wir auch an Christus gebunden sind. D.h. das mosaische Gesetz ist für uns als Christen nicht mehr direkt anwendbar, aber es zeigt uns Prinzipien auf, es hilft uns zu verstehen, was Gott von uns will. Die höchste Form der Erfüllung des Gesetzes ist die Liebe (Röm 13,8-10).

Wir sind dankbar für die gemeinsame Zeit mit Peter O’Brien. Er hat uns einerseits als Experte des Neuen Testaments anhand von allerlei Details aufgezeigt, dass ein tiefgründiges Studium von Gottes Wort unerlässlich ist und wir niemals am Ende desselben angelangt sein werden. Andererseits hat er durch sein sorgendes Pastorenherz immer wieder auch deutlich gemacht, welche Auswirkungen die entdeckten Wahrheiten auf unser Leben haben sollten. Man hat ihm angemerkt, dass es ihm nicht um seine eigene Ehre, sondern um Gottes Reich geht. Sein Zeugnis darüber, dass er und andere Geschwister in Sydney nicht nur regelmäßig für das Martin Bucer Seminar in München, sondern die ganze Christenheit in Deutschland beten, hat diese Tatsache unterstrichen und uns ermutigt, unserem wunderbaren Herrn treu zu sein und mit ganzem Herzen zu dienen.

Simon Mayer, Student am Martin Bucer Seminar in München

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Der Vortrag über “Paulus und das Gesetz” kann hier mit deutscher Übersetzung (Matthias Lohmann) abgerufen werden:

The Epistle to the Philippians: A Commentary on the Greek Text (New International Greek Testament Com (Eerdmans)) von Peter T. O’Brien

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SBJT 18 (4) 2014

Bald feiern die Christen Ostern. Die neue Ausgabe des Journals SBJT ist der Auferstehung von Jesus Christus gewidmet. Folgende Beiträge sind enthalten:

  • SBJT 18 4 Winter 2015 Full Journal Web  verschobenStephen J. Wellum Editorial: Reflections on the Glorious Resurrection of our Lord Jesus Christ
  • Mitchell L. Chase “From Dust You Shall Arise:” Resurrection Hope in the Old Testament
  • Raymond Johnson Matthew 27:51-54 Revisited: A Narratological Re-Appropriation Lee Tankersley Raised for Our Justification: The Resurrection and Penal Substitution
  • A. B. Caneday God’s Incarnate Son as the Embodiment of Last Day Resurrection: Eternal Life as Justification in John’s Gospel
  • David Schrock Resurrection and Priesthood: Christological Soundings from the Book of Hebrews Ted Cabal Defending the Resurrection of Jesus: Yesterday, Today and Forever
  • SBJT Forum
  • Book Reviews

Das Journal kann hier heruntergeladen werden: SBJT-18-4-Winter-2015-Full-Journal-Web.pdf.

God’s Kingdom Through God’s Covenants: A Concise Biblical Theology von Peter J. Gentry, Stephen J. Wellum

Preis: EUR 20,18

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Was hat Semantik mit Religionsfreiheit zu tun?

Erzbischof Charles Chaput hat kürzlich festgestellt:

Das größte Problem unserer Kultur ist nicht die gleichgeschlechtliche Ehe oder die globale Erwärmung. Es ist nicht die Finanzierung der Abtreibung oder die Staatsverschuldung. Dies sind wichtige Fragen, klar. Doch das tiefer liegende Problem, dasjenige, welches uns lähmt, ist, dass wir Wörter wie Gerechtigkeit, Rechte, Freiheit und Würde, benutzen, ohne die Bedeutung ihres Inhalts zu teilen. Wir sprechen die gleiche Sprache, aber die Worte meinen nicht das Gleiche.

Mehr Katholisches dazu und zum LGBT-Lobbyismus gibt es hier und hier.

Ist die Theologie dein Götzendienst?

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Liebe (übrigens auch zwischen Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis, vgl. dazu Institutio I,1). Gott offenbart sich denen, die ihn lieben. Liebe ist dabei nicht romantisch zu verstehen. Die Liebe erweist sich dort, wo wir sein Wort bewahren und tun, was Gott gefällt. Gute Theologie setzt einerseits die Liebe zu Gott voraus und sucht andererseits, die Liebe zu Gott zu fördern. Denn: „Das Ziel aller Weisung ist die Liebe, die aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben kommt“ (1Tim 1,5).

Theologie, die meint, ohne Liebe auskommen zu können, verkommt schneller als wir meinen, zum Götzendienst. Marshal Segal stellt uns 9 interessante Fragen:

  • Führt dich deine Theologie näher zu Gott?
  • Mobilisiert dich deine Theologie?
  • Befreit dich deine Theologie, Opfer der Liebe für andere zu geben?
  • Hält deine Theologie dich dazu an, begierig zu lernen?
  • Macht dich deine Theologie demütig?
  • Sortiert deine Theologie aus, was du wertschätzt und priorisierst?
  • Weckt deine Theologie in dir Mitgefühl?
  • Ist Jesus die Mitte deiner Theologie?
  • Fördert deine Theologie die Sehnsucht nach Heiligkeit?

Ich würde noch hinzufügen:

  • Treibt dich deine Theologie ins Gebet und in die Anbetung?
  • Baut deine Theologie die Gemeinde auf?

Hier mehr: www.desiringgod.org.

Killjoys: The Seven Deadly Sins von Desiring God

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Aus Lehrplänen sind „Leerpläne“ geworden

Ein „historischer Analphabetismus“ greife an deutschen Schulen um sich, sagt Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Kaum ein Schüler kenne sich noch in der jüngeren deutschen Geschichte aus. Stattdessen sei die Worthülse „Kompetenzen“ in aller Munde.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, beklagt das „Diktat der Kompetenzenpädagogik” an deutschen Schulen, die die jungen Leute nur noch standardisieren und auf ökonomische Verwertbarkeit trimmen wollten. Er teile entsprechende Klagen der deutschen Kunsthistoriker, die heute in Mainz tagen, sagte Kraus im Deutschlandradio Kultur. Aus Lehrplänen seien längst „Leerpläne“ geworden.

Eine Kompetenzenpädagogik tut so, als könnte man jungen Leuten Kompetenzen beibringen ohne konkrete inhaltliche Basis. Also: Medien-Kompetenz, Download-Kompetenz, Just-in-time-Kompetenz, Google-Kompetenz. Solche Dinge sind angesagt, klingen modern, aber der mentale und inhaltliche Unterbau fehlt.

Hier geht das empfehlenswerte Interview des Deutschlandradios (eine Mitschrift hier):

 

VD: AW

City Church goes LGBT

Vor einigen Tagen gab die Leiterschaft der „City Church San Francisco“ (CCSF) bekannt, dass sie ihre ablehnende Einstellung gegenüber dem LGBT-konformen Lebensstil korrigiert. In Zukunft werde von Mitgliedern mit LGBT-Orientierung keine sexuelle Abstinenz mehr erwartet, da diese Erwartung dem Evangelium von Jesus Christus widerspreche.

Obwohl Kenner der Szene rund um den kulturrelevanten Gemeindebau nicht völlig überrascht sein dürften, birgt dieser Richtungswechsel eine gewisse Sprengkraft. Die CCSF bekennt sich einerseits zum historischen Christentum und zur Theologie drei bedeutender reformierter Bekenntnisschriften, nämlich dem Heidelberger Katechismus, dem Helvetischen Glaubensbekenntnis und der Dordrechter Lehrregel. Ihre Entstehung geht außerdem auf Inspirationen zurück, die die Gründer in den 90er-Jahren der renommierten „Redeemer Presbyterian Church“ in New York City unter Tim Keller entnommen haben. Außerdem ist die Gemeinde missionarisch ausgerichtet und in verschiedene Gemeindegründungsprojekte involviert. Dass sie sich jetzt die Sexualethik der „progressiven Evangelikalen“ zu eigen macht, wird  Auftakt weiterer Diskussionen über den kulturattraktiven Gemeindebau sein.

Ich empfehle die gewiss provokative Analyse von Owen Strachan, der sich übrigens auch allgemeiner zum progressiven Evangelikalismus geäußert hat. Ergänzend dazu vier kurze Gedankenanstöße aus dem Bauch heraus:

(1) San Francisco an der Westküste ist so etwas wie die Hauptstadt der Schwulenbewegung. Die Stadt mit ihrem inoffiziellen Symbol der Regenbogenfahne wurde zum Inbegriff der Gegenkultur. Der „Meinungsdruck“, dem dort Andersdenkende ausgesetzt sind, ist besonders groß (freilich ist die Stadt eben auch so etwas wie ein Trendsetter).

(2) Der Schwenk der CCSF hat nichts mit der theologischen Position von Tim Keller zu tun. Der Leiter der „Redeemer Presbyterian Church“ in Manhatten (!) hat seine Sichtweise mehrfach eindeutig zum Ausdruck gebracht, erst kürzlich wieder in der Besprechung zweier Bücher zum Thema.

(3) Die Erklärung der CCSF weist eklatante theologische Schwächen auf. Ich gehe mal davon aus, dass dazu in den nächsten Wochen allerlei geschrieben wird. Hinweisen möchte ich kurz auf das in Stellung gebrachte Argument, Christen sollten nicht über andere Christen richten. Es gibt ein falsches und ein unerlässliches Richten. So verwerflich ein hochmütiger Richtgeist ist, das Urteilen auf der Grundlage des biblischen Wortes ist nicht nur Auftrag, sondern Notwendigkeit der Kirche. Wir sollen allerdings nicht über das Wort Gottes Recht sprechen, sondern unter dem Wort Gottes. Das „Helvetische Bekenntnis“, auf das sich die CCSF unter anderem gründet, gebietet beispielsweise das Prüfen mit der größten Sorgfalt und Klugheit aus dem Wort Gottes. Es ist Kennzeichen der wahren Kirche, dass sie alles nach der Vorschrift des Wortes Gottes tut und alles, „was ihm widerstreitet, von sich weist und Christus als einziges Haupt anerkennt“ (Artikel 29). Gerade das Richten auf der Grundlage subjektiver Meinung, das meiner Erfahrung nach all jene selbstverständlich praktizieren, die das Richten verbieten wollen, ist ein Fallstrick.

(4) Schnell Klarheit schaffen! Je länger man in der Schule oder auf dem Arbeitsplatz damit wartet, sich zu Christus zu bekennen, desto schwerer fällt es. Das Beste ist es, so schnell als möglich unverkrampft Einblick in die eigenen Glaubensüberzeugungen zu geben. Gemeindegründungsprojekte sind gut beraten, ganz ähnlich in den wichtigen Fragen der Lehre und Ethik von Anfang an Transparenz herzustellen. Das Warten macht es nicht einfacher. Im Gegenteil, der Anpassungsdruck, dem gerade kulturattraktive Gemeindeprojekte ausgesetzt sind, macht es schwerer.

Is God anti-gay? (Questions Christians Ask) by Sam Allberry (2013) Paperback von Sam Allberry

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Chroniken von Narnia

Die Chroniken von Narnia sind wahrscheinlich das in den letzten Jahrzehnten am heftigsten angefeindete Stück Kinderliteratur. Nicht nur einzelne Interessensgruppen attackieren die Bücher für ihre dezidiert christliche Moral, auch selbst literarisch im Christentum verwurzelte Schriftsteller wie etwa die Harry Potter Autorin JK Rowling kommen über die Art, wie C.S. Lewis mit Susan Pevensie umgeht, nicht hinweg. Das Blog SonntagsGesellschaft liefert eine „unapologetische“ Verteidigung der Narniachroniken:

Dass die Chroniken letztendlich nicht vielmehr seien, als die in eine Welt voller Fabelwesen transponierte Bibel habe ich so mehr als einmal vernommen. Davon ausgehend, dass Propaganda für egal welche Denkrichtung selten Grundlage guter Literatur sein kann, nicht gerade eine Ermutigung, sich endlich einmal in Lewis Werk einzuarbeiten.

Zuletzt allerdings kam ich dann günstig an die Hörbücher und musste im Verlauf des Zuhörens den Großteil meiner Vorurteile über Bord werfen.

Tatsächlich sind die meisten der sieben Narnia-Bücher gute, auch überdurchschnittlich gut geschriebene, Kinderbücher. Ja, natürlich haben Sie Ihre predigenden Elemente, etwa wenn wir in Prinz Caspian akzeptieren sollen, es sei richtiger einem kleinen Kind und den Anweisungen eines nur von diesem zu sehenden Löwen zu folgen, als dem von den anderen und ebenfalls Narnia verpflichteten Kindern und den Regeln des Narnia von The Lion, the Witch and the Wardrobe. Aber das ist nicht halb so übel wie der Jargon der Eigentlichkeit und der Zivilisationshass die zum Beispiel das viel gelobte Momo beschwört. Man lese dazu den herrlich bissigen Verriss in der Bahamas.

Vor allem aber: Meist herrscht bei Lewis das Primat der Literatur, Moral wird durch Darstellung vermittelt, nicht durch plumpe Propaganda, und das wiederum hebt ihn schon deutlich über die meisten Kinderbuchautoren. Erinnert sei an Philip Pullman oder an Dumbledores Monologe in Harry Potter.

Hier mehr: sonntagsgesellschaft.wordpress.com.

Die Chroniken von Narnia: Gesamtausgabe von Clive S Lewis

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„Kinder am Ende des Lebens”

Leben und Leiden oder der Tod auf Verlangen: In Belgien erlaubt ein Gesetz seit vergangenem Jahr aktive Sterbehilfe auch bei unheilbar kranken Kindern und Jugendlichen. Ein Vorbild für Deutschland, wo Sterbehilfe noch ein Tabu-Thema ist? Was macht ein Leben überhaupt aus? Welches Leiden ist unerträglich? Wäre der Tod etwa für schwerstbehinderte Kinder nicht die humanere Lösung?

Karla Krause geht diesen Fragen nach im neuen ARD radiofeature „Kinder am Ende des Lebens – Ein Feature über Palliativmedizin und Sterbehilfe“. Sie spricht mit Ärzten aus beiden Ländern und besucht Kinder und deren Eltern in einem Berliner Kinderhospiz und zu Hause.

Im Kinderhospiz spricht Karla Krause auch mit Osagie. Er leidet an einer unheilbaren Erbkrankheit. Osagie liebt das Leben. Selbst wenn er wie in Belgien das Recht auf Sterbehilfe hätte, würde er sich gegen diesen Schritt entscheiden: „Ich will lieber das Leben haben, anstatt nichts zu haben. Ich würde das nie so machen, ich würde mich immer entscheiden zu leben.“

Zu hören ist das neue ARD radiofeature ab Mittwoch, 25. März 2015, in sieben Wort- und Kulturwellen der ARD und im Internet unter www.radiofeature.ard.de.

Sendetermine:

  • SWR 2 Mittwoch, 25. März 2015, 22:05 Uhr
  • BR 2 Samstag, 28 März 2015, 13:05 Uhr
  • SR 2 Samstag, 28. März 2015, 17:05 Uhr
  • Nordwestradio (RB) Sonntag, 29. März 2015, 16:05 Uhr
  • NDR info Sonntag, 29. März 2015, 11:05 Uhr
  • WDR 5 Sonntag, 29. März 2015, 11:05 Uhr
  • hr2-kultur Sonntag, 29. Januar 2015, 18:05 Uhr

Gewalt im Namen Gottes?

Hier noch kurz der Hinweis auf zwei apologetische Veranstaltungen:

  • Heute Abend spricht Dr. Christian Hofreiter (Direktor von Ravi Zacharias Ministries Deutschland) in der FEG München-Mitte um 19.30 Uhr über das Thema: „Gewalt im Namen Gottes. Intoleranz der Religionen“.
  • Morgen, am 21. März, gibt es von 10.00 bis 17.00 Uhr am MBS-Studienzentrum in Bielefeld eine Vorlesung zu dem Thema: „Die Strafe liegt auf ihm …“: Das „stellvertretende Sühneopfer“.

Zum Inhalt der Veranstaltung in Bielefeld:

„Keine Begriffe des theologischen Wortschatzes rund um das Kreuz haben mehr Kritik hervorgerufen, als ‚Genugtuung‘ und ‚Stellvertretung‘“, schrieb John Stott 1986 in seinem vielleicht wichtigsten Buch: Das Kreuz. Die Sühnetat von Jesus Christus ist einerseits biblisch so vielfältig und profund bezeugt, dass sie mit Recht zum Herz des christlichen Glaubens gezählt wird, andererseits musste Josef Blank bereits 1986 feststellen: „Wahrscheinlich begegnet heute keine Lehre des Christentums größeren Schwierigkeiten als die traditionelle Lehre, daß uns Jesus Christus durch seinen stellvertretenden Sühnetod am Kreuz von unseren Sünden erlöst hat.“Dass Gott sich in der Person seines Sohnes stellvertretend für die gefallene Menschheit hingibt und Tod und Fluch als Strafe für die Sünden der Menschen trug und sie so mit Gott dem Vater versöhnte, ist ein schon sehr früh beschriebenes Verständnis des Kreuzestodes. Der Rationalismus der Aufklärung hat allerdings einen radikalen Bruch mit der Vorstellung eines stellvertretenden Opfers ausgelöst. Durch die „aufgeklärten“ Weichenstellungen haben sich in der Neuzeit humanisierende Sühnetheologien durchgesetzt und das biblische Sühneverständnis weitgehend an den Rand gedrängt. Dieses Seminar zeichnet die Entwicklung nach und will dazu beitragen, die verschiedenen biblischen Deutungen für das Geschehen auf Golgatha besser zu verstehen. Die Botschaft, dass Jesus Christus für uns Menschen eine vollkommene Sühne erwirkt hat, wird dabei hervorgehoben und durch exegetische Studien begründet.

Ausserdem nochmals der Hinweis auf die Vorlesung mit Peter O’Brien, ebenfalls am 21. März in München.

Kommt das bioethische Armageddon?

Gentechnik, wir müssen reden: Die Biomediziner sind sich selbst nicht mehr geheuer. Nach den ersten Manipulationen an Keimbahn-Zellen steht fest, dass Menschenzüchtung keine reine Hypothese mehr ist. Die Gentechniker schaffen Fakten. Durchgesickert ist, dass „chinesische Forscher ihre Keimbahn-Experimente an menschlichen Zellen längst beendet und die Manuskripte ihrer Arbeit zur Begutachtung auf den Schreibtischen anderer Wissenschaftler liegen”.

Joachim Müller-Jung schreibt für die FAZ:

Das, was in der Biomedizin in diesen Tagen geschieht, könnte man kaum treffender beschreiben als Hans Magnus Enzensberger: Er diagnostizierte, allerdings schon vor vierzehn Jahren, eine „manische Phase“ in den Lebenswissenschaften. Die Resultate dieser nicht abreißen wollenden Phase der unerschütterlichen Fortschrittsbesessenheit sind mit den Klonier- und Stammzelldebatten und mit dem Streit um die Embryonenselektion in der Petrischale immer wieder neu zutage gefördert worden. Was nur wenige dabei wirklich kümmerte: Die Auseinandersetzungen wurden am Ende meistens in einem sonderbar abgebrühten psychologischen Setting geführt, in dem die letzte Barriere, die von Jürgen Habermas ins Spiel gebrachte „Gefahr der Menschenzüchtung“, als fernes Szenario, ja als reine Hypothese, behandelt wurde. Fern der Wirklichkeit also. Wir können heute sagen: Diese Phase des Visionierens und apokalyptischen Herumspekulierens ist einer für viele sicher nun beklemmenden Gewissheit gewichen. Denn die Wissenschaft hat inzwischen Fakten geschaffen. Die gentechnische Manipulation der menschlichen Keimbahn ist in einer Weise Wirklichkeit geworden, die nun endgültig auch die hellsichtigsten Geister der vergangenen Debatte überraschen dürfte.

Mehr: www.faz.net.

Stephen Westerholm über die Neue Paulusperspektive

Das 2014 in einer ausführlichen Rezension vorgestellte Buch Justification reconsidered von Stephen Westerholm ist inzwischen in einer deutschen Übersetzung erschienen:

UnknownDer deutsche Verlag schreibt über das Buch:

Rechtfertigung allein aus Glauben – das ist nicht nur die zentrale Erkenntnis der Reformation, sondern das A und O des Evangeliums. Und gerade diese entscheidende Lehre von der persönlichen Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben an Jesus wird in jüngster Zeit massiv angegriffen. Theologen wie N.T. Wright, E.P. Sanders, James G.D. Dunn und Douglas A. Campbell üben mit ihrer “Neuen Paulusperspektive” immer mehr Einfluss aus und werden bereitwillig angenommen. An theologischen Ausbildungsstätten versteht man den Begriff der Rechtfertigung plötzlich ganz anders und meint, bibeltreue  Christen hätten Paulus jahrhundertelang falsch verstanden. Der Paulus-Experte Stephen Westerholm untersucht die Argumente der Neuen Paulusperspektive und prüft sie anhand der Bibel. Seine gründliche Studie hilft uns, die biblische Lehre der Rechtfertigung besser zu verstehen und gegen unbiblische Auffassungen zu verteidigen. Weil dieses Buch eine so herrliche Wahrheit des Evangeliums klar herausstellt, ist es nicht nur eine Pflichtlektüre, sondern auch ein Genuss.

Angriff auf die Rechtfertigung: Die Neue-Paulus-Perspektive auf dem Prüfstand von Stephen Westerholm

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Greg Gilbert im Gespräch

Der Hauptredner der diesjährigen E21-Konferenz, Greg Gilbert, spricht hier gemeinsam mit Kevin DeYoung über das Thema „Was ist der Auftrag der Kirche?“. Kevin DeYoung hat übrigens für die E21-Konferenz im Jahr 2016 zugesagt.

Noch sind Anmeldungen für die Konferenz im April 2015 möglich!

Was ist das Evangelium? von Greg Gilbert

Preis: EUR 7,50

3 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 6,99

D.A. Carson: Das Evangelium

Kürzlich hat der Neutestamentler D.A. Carson in Themelios das Evangelium erklärt, also gesagt, was das Evangelium ist und was es nicht ist. Hier ein Interview, in dem er ebenfalls über das Wesen des Evangeliums spricht:

Vorträge von D.A. Carson mit deutscher Übersetzung können auf der Internetseite von Evangelium21 abgerufen werden: www.evangelium21.net.

Einleitung in das Neue Testament: Mit einem Geleitwort von Rainer Riesner von Douglas J. Moo, D.A. Carson

Preis: EUR 50,00

73 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 41,98

Der neue Sündenbegriff

Michael Herbst zitiert in seiner Seelsorgelehre bei Marianne Gronemeyer einen spätmodernen Sündenbegriff (Michael Herbst, Beziehungsweise  2012, S. 569):

„Ich werde an meinem einzigen Leben schuldig, wenn ich nicht ein Optimum an persönlicher Erfüllung erreiche.“

beziehungsweise: Grundlagen und Praxisfelder evangelischer Seelsorge von Michael Herbst

Preis: EUR 39,00

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