Erstaunliche Gnade

220px John NewtonDer DLF hat einen kurzen Beitrag über John Newton und das Lied „Amazing Grace“ zusammengestellt. Wer war John Newton? Ich zitiere mal aus Wikipedia:

Ab August 1755 nahm er eine Stelle als Tidensachverständiger beim Zollhaus Liverpool an. 1762 berichtete er in Briefen an den Baptisten-Pastor John Fawcett von seiner Hinwendung zum christlichen Glauben. Am 29. April 1764 wurde er zum Diakon vereidigt und im Juni zum anglikanischen Priester (Church of England) ordiniert. Seine weit beachtete Biographie erschien erstmals im August 1764.

Zusammen mit dem Dichter William Cowper schrieb Newton mehrere geistliche Lieder. Sein bekanntestes Lied Amazing Grace (dt.: erstaunliche Gnade) entstand im Dezember 1772, als Newton Vortragsreihen über die Pilgerreise zur seligen Ewigkeit von John Bunyan hielt und die Neujahrspredigt 1773 über (1 Chr 17,16 ELB) vorbereitete. Darin beschreibt er u. a. seine Errettung als eine von Gott erwiesene Gnade. Im Juli 1779 wurde Amazing Grace in den 428 Seiten umfassenden Olney-Hymnen veröffentlicht, deren Lieder alle von Newton und Cowper stammen.

1763 schrieb Newton das Buch A Review of Ecclesiastical History, in dem er sich kritisch zum Kolonialismus äußert: „Uns wird von Kindesbeinen an beigebracht, jene zu bewundern, die in der Sprache der Welt grosse Kapitäne und Eroberer genannt werden, weil sie darauf brannten, Mord und Schrecken in jeden Teil des Globus zu tragen und durch die Entvölkerung von Ländern ihre eigenen Namen zu verherrlichen, während der Geist der Grossherzigkeit des heiligen Paulus fast überhaupt keine Beachtung findet.“

Newtons Biographie wurde zum wichtigen Anstoß für William Wilberforce, dessen Leben im Film Amazing Grace von 2006 dargestellt ist. William Wilberforces große Errungenschaft ist sein wesentlicher Beitrag zur Abschaffung der Sklaverei im englischen Empire.

Hier der Beitrag:

 

Peter Hintze zum Leiden

Wer einen Beleg dafür braucht, dass Theologen viel Unsinn erzählen, hier ist er: Peter Hintze sagte heute in der Bundestagsdebatte zur Sterbehilfe mit großem Pathos:

Leiden ist immer sinnlos.

Schaeffer und die Gesellschaftstransformation

Ich mehrmals erlebt, wie über Francis Schaeffers Position zur Gesellschaftstransformation diskutiert wurde. Glaubte er an die Transformation der Kultur durch den christlichen Glauben? War er ein Optimist oder ein Pessimist? Wie stand er zum Verhältnis von Verkündigung und Evangelisation?

Hier nimmt er selbst Stellung, ein Jahr vor seinem Heimgang:

Enzyklika „Laudato si“

Die Umweltenzyklika von Franziskus polarisiert. Es gibt vie Lob für den „grünen Papst“, aber auch viel Kritik. Von Wirtschaft hat er keine Ahnung, meint der Volkswirt, Publizist und Katholik Michael Rutz.

Hier die gute Analyse:

Der Papst verfolgt hier ein Gesellschaftsmodell, das mit dem der westlichen Demokratien wenig gemein hat. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn es sich nicht um dem Papst der größten Kirche der Welt handelte, die sich in langen Kämpfen der Kirchengeschichte zu einem freiheitlichen Menschen- und Gesellschaftsbild durchgerungen hat und es mit freiheitlichen und demokratischen Macht­systemen zu vereinigen wusste.

In diesem päpstlichen Sendschreiben ist davon nicht viel übrig. Niemand wird dem Papst die ernsthafte Sorge um das ökologische System des Erdballs absprechen können, dafür hat es tatsächlich an zu vielen Stellen Schaden genommen. Aber wie kommt er darauf, dafür das marktwirtschaftliche System haftbar zu machen? Wer hat ihn da beraten? Wer hat ihm die Theorie und Praxis der knappheitsanzeigenden und ressourcenschonenden Preisbildung vorenthalten?

Warum hat man ihm die katastrophalen Misserfolge jeder Planwirtschaft nicht ausreichend dokumentiert? Und weitere Fragen: Wieso hat er sich in dieser Enzyklika nicht mit den Vorzügen der sozialen Marktwirtschaft auseinandergesetzt und ihren verteilungspolitischen Maßgaben? Warum hat er vielleicht das »Kapital« von Karl Marx, aber nicht das von Reinhard Marx gelesen, in dem Wirtschaft und Gesellschaft daran gemessen werden, »ob sie der Personenwürde und Freiheit des Menschen dienen oder sie beeinträchtigen«, weshalb »der sozialistische Kollektivismus für die Kirche nie eine bedenkenswerte Alternative« sein könne?

Vor allem aber: Wie kommt er darauf, dass eine nachhaltige Umweltpolitik und marktwirtschaftliche Mechanismen im Gegensatz zueinander stünden?

Mehr: www.christundwelt.de.

Ohne mich

Die Redakteurin Liane Bednarz beschreibt für Christ & Welt, warum sie aus der Evangelischen Kirche in Deutschland ausgetreten ist und was sie an der Katholischen Kirche anzieht. Authentisch und irgendwie verständlich! Ein tieferer Blick hinter die Kulissen der Katholische Kirche dürfte freilich zeigen, dass dort die Nöte vergleichbar groß sind. Das Zeugnis verdeutlicht insgesamt, dass wahrheitssuchende Menschen sich vom „sozialen Evangelium“ betrogen fühlen und der Bedarf für einen geistlichen und intellektuellen Aufbruch immens ist. Kyrie eleison.

Man verstehe mich bitte nicht falsch: Natürlich ist auch ein religiöser empathieloser Rigorismus abzulehnen, der nur noch auf das Jenseits starrt und sich allein um das eigene Seelenheil sorgt. Aber die Umdeutung zentraler biblischer Begriffe wie »Friede« und »Gerechtigkeit« in diesseitige Politik schreckte mich zutiefst ab. Und meistens, wenn ich diese Irritation gegenüber Vertretern der evangelischen Kirche zum Ausdruck brachte, stieß ich auf Verständnislosigkeit.

Eigentlich wurde fast alles, was in der Bibel steht, relativiert. Im Jahre 2013 mit der »Orientierungshilfe« sogar das grundsätzlich auf die Ewigkeit angelegte Versprechen der Ewigkeit der Ehe. Wenn man selbst miterlebt hatte, wie allein der Vers »Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen« (Markus 10,2), die Ehe von zwei Menschen ungeachtet aller Turbulenzen an dem einstigen Versprechen hat festhalten lassen, war man verwundert. Gleichzeitig, auch das soll nicht verschwiegen werden, hat mich der enorm strenge, oftmals antiintellektuelle Kurs einiger Freikirchen abgeschreckt. Und so bin ich jahrelang zwischen evangelischen Landeskirchen einerseits und Freikirchen andererseits mäandert.

Im Mai 2011 schließlich kam es für mich zu einer Wende. Ausgelöst durch das Buch »Das katholische Abenteuer« des Journalisten Matthias Matussek begann ich, mich mit dem Katholizismus zu beschäftigen, und entdeckte in diesem eine aus meiner Sicht stringentere und sowohl intellektuelle als auch im Herzen verankerte Form der Suche nach der ewigen Wahrheit, die letztlich zu meinem Austritt führte.

Ich erlebe vor allem in den Predigten katholischer Priester insgesamt eine größere Ernsthaftigkeit der Erhabenheit Gottes und der Frage nach dem Jenseits gegenüber. Auch wenn ich damit vielen Menschen in der evangelischen Kirche ihren tiefen Glauben selbstverständlich nicht absprechen möchte. Konvertiert bin ich noch nicht, da ich immer noch offene Fragen habe. Aber ich glaube, ich befinde mich auf dem Weg dorthin.

Mehr: www.christundwelt.de.

VD: AG

Margot Käßmann im Gespräch

Andreas Main hat für den DLF mit Margot Käßmann über den Theologen Heinz Zahrnt gesprochen. Das Interview ist in vielerlei Hinsicht interessant und ernüchternd, da man etwas über Zahrnt und viel über Margot Käßmann hinzulernt.

Hier die Antwort auf die Frage, was von Zahrnt über die Auferstehung Jesu zu erfahren ist:

Es ist egal, ob das Grab leer oder voll war. Sondern das Entscheidende ist, dass die ersten Jünger – ich würde auch sagen Jüngerinnen, Zahrnt hätte das nicht gesagt, diese Erfahrung gemacht haben, dass der Tod nicht das letzte Wort hatte in der Geschichte des Jesus von Nazareth. Ob er im Grab lag oder nicht, ist dafür überhaupt nicht entscheidend. Entscheidend ist die Erfahrung, dass der Tod nicht die Macht hat.

Ob da eine historische Leiche ist, ist nicht relevant. Genauso wenig ist es relevant, ob da ein Kind in einer Krippe lag, wie Lukas das erzählt und es wahrscheinlich gar nicht wahr ist. Ich meine, das ist doch auch eine Frage, die er da sehr klar stellt: Hängt denn der Glaube daran, ob eine Leiche im Grab war? Daran hängt doch nichts – an dieser Frage. Der Glaube hängt an etwas ganz anderem.

Das gesamte Gespräch gibt es hier:

Gott kann nicht sterben: Das Heinz-Zahrnt-Lesebuch von

Preis: EUR 19,99

2 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 19,99

Heiligung im Alltag

Die Herold Schriftenmission hat das Buch Heiligung im Alltag von John Piper herausgegeben. In diesem kleinen Buch sind drei seiner Predigten niedergeschrieben, in denen Piper uns biblische Ratschläge für den täglichen Kampf gegen die Sünde und für ein geheiligtes Leben darbietet. Die angeführten Bibelstellen zeigen, dass wir dies allein aus Gottes Kraft heraus tun können, und im Vertrauen auf den Sieg Jesu am Kreuz. Nur so können wir ein Leben führen, das Gott ehrt und das erfüllt ist mit der Freude an unserem Erlöser.

Im Vorwort schreibt Jonathan Parnell:

Trac159Wir glauben an einen großartigen und gütigen Gott, der alles tun kann, was seinem Willen entspricht. Und von dieser Tatsache ausgehend wollen wir uns mit einem Thema beschäftigen, das uns alle betrifft: Wir möchten Ihn in seiner Größe erkennen und lernen, wie sich seine Güte und seine Allmacht auf unser Leben auswirken. Der dreieinige Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist – ist völlig unabhängig und absolut souverän, doch sein Handeln ist niemals willkürlich. Das Hauptziel unserer Existenz ist, dass wir uns an Ihm erfreuen und Ihn verherrlichen. Deshalb ist die persönliche Heiligung für das Christenleben so wichtig!
Gottes Erlösungsplan umfasst nicht nur die bedingungslose Erwählung und das stellvertretende Opfer Christi für unsere Sünden, sondern auch das Wirken des Heiligen Geistes in uns Gläubigen, der uns vor Gott heiligt, indem Er in unser Leben einzieht und beginnt, uns Stück für Stück Christus ähnlicher zu machen. Mit dieser großartigen Veränderung möchten wir uns auf den nächsten Seiten beschäftigen, indem wir sowohl in die Vergangenheit wie auch in die Zukunft schauen. John Piper schreibt dazu: „Die einzige Sünde, die wir überwinden können, ist eine bereits vergebene Sünde.“ Unsere vergebenen Sünden dürfen wir im Licht des Kreuzes sehen (ein Ereignis, das hinter uns liegt), wo Christus den Zorn Gottes für unsere Sünden auf sich nahm und unsere Schuld tilgte. Dies gibt uns die Kraft, die wir im täglichen Kampf gegen die Sünde so dringend brauchen. Doch wir schauen auch nach vorn, in die Zukunft, wo ewiges Leben und unendliche Freude auf uns warten, die Christus für uns erworben hat. Das Fundament hierfür ist bereits gelegt: Jesus hat alles vollbracht, um uns diese Segnungen zu garantieren! Und diese Tatsache gibt uns auch heute schon die nötige Kraft im Kampf gegen die Sünde. „Die Sünde kann einen Menschen, der weiß, dass sein gegenwärtiges und zukünftiges Leben in Christus geborgen ist, nicht mehr versklaven.“ (John Piper) Gottes Weisheit umfasst Zeit und Ewigkeit: Das vor 2000 Jahren vollbrachte Werk Jesu und Gottes Verheißungen für unsere Zukunft treffen sich in der Gegenwart, wo Er uns die Kraft gibt, der Sünde zu widerstehen. Auf diese Weise wachsen wir in der Gnade und leben aktiv in der Heiligung. Diese Broschüre enthält drei Predigten des amerikanischen Pastors John Piper, in denen es um das tägliche Leben in der Heiligung geht. (Er behandelt vor allem zwei Bibelstellen: Philipper 2,12-13 und Römer 6,5-10.) Ob du nun gegen eine bestimmte Sünde ankämpfst oder dein Glaube durch schwierige Umstände herausgefordert wird – dieses kleine Buch soll dich dazu ermutigen, die Kraft zu nutzen, die Gott uns gibt, damit wir ein Leben führen, das Gott ehrt.

Das übrigens unentgeltliche Buch kann bei der Herold Schriftenmission per E-Mail unter info@herold-schriftenmission.de mit der Bestellnummer 159 bestellt werden.

Verletzten Wunder die Naturgesetze?

Verletzen Wunder die Naturgesetze? Daniel von Wachter meint: Nein! In seinem Vortrag:

  • „Miracles are not violations of the laws of nature because the laws do not entail regularities“

plädiert er für eine neue Sichtweise der Naturgesetze:

Some have tried to make miracles compatible with the laws of nature by re-defining them as something other than interventions. By contrast, this article argues that although miracles are divine interventions, they are not violations of the laws of nature. Miracles are also not exceptions to the laws, nor do the laws not apply to them. The laws never have exceptions, they never are violated or suspended. They probably are necessary and unchangeable. They apply to divine interventions too. We need to reconsider not miracles but laws. The main claim of this article is that laws of nature do not entail regularities, and that therefore miracles do not violate the laws. We need a new theory of the laws of nature, the tendency theory.

Hier der Aufsatz als PDF-Dokument: Wachter-2015-regularities-2015-05-21.pdf.

Professor Wachter hat zu diesem Thema kürzlich auch einen Vortrag an der ETH Zürich gehalten. Hier ein Mitschnitt:

Journal of the International Society of Christian Apologetics

Das Journal of the International Society of Christian Apologetics wird jährlich seit 2008 von der Internationalen Gesellschaft für christliche Apologetik herausgegeben. Rob Bradshaw hat sie freundlicherweise online zugänglich gemacht: theologicalstudies.org.uk.

Grüne werden an ihren Sex-Ideologen zugrunde gehen

Die Grünen waren im Südwesten auf dem Weg zur Volkspartei. Dank einiger Ideologen verspielen sie das. Hoffentlich!

Hier ein Kommentar von Thorsten Krauel:

Es gibt die breite Schicht der Menschen, die eine gleichgeschlechtliche Verbindung oder eine Geschlechtsumwandlung als etwas Alltägliches empfinden, solange das eine individuelle Glücksentscheidung statt eine politische Vorbildhaltung ist. Das alles wird von den Vulgär-Vorkämpfern einer „Genderpflicht“ und einer „Ehe für alle“ verschüttet, weil sie den Eindruck erwecken, eine Ideologie der Minderheitenmacht durchpauken zu wollen. Wenn man das humorvoll sehen wollte, könnte man sagen, bald werden reine Männerrunden vorsichtshalber behaupten, einige der Männer seien früher einmal Frauen gewesen.

Will man es realistisch sehen, dann muss leider gesagt werden: Die Stuttgarter Sexualkundepläne sind eine Jungpionierindoktrination zum Sozialismus in Neuauflage, nur diesmal gegen heterosexuelle Eltern statt gegen Kapitalisten. „Allzeit bereit!“ Wofür? Für die Achtung anderer Lebens- und Bewusstseinsformen? Nein. Die Stubenneurotiker der oktroyierten Sexualvielfalt erziehen Grundschüler zur Verachtung der Mehrheit. Darauf läuft es hinaus. So hat sich die Mehrheit die Ausweitung frühkindlicher Bildung nicht vorgestellt.

Mehr: www.welt.de.

CD: TJ

Eduard Lohse (1924–2015)

Der Theologe Eduard Lohse ist am 23. Juni 2015 im Alter von 91 Jahren verstorben. Der ehemalige Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und Alt-Abt des Klosters Loccum war zwischen 1979 und 1985 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

In meiner Jugend habe ich mich gelegentlich sehr über Bischof Lohse geärgert, z.B. über seinen Anlauf, eine Schneise zur Theologie Bultmanns zu schlagen. Einen besseren Zugang hatte ich zu seinem jüngeren Bruder, der gute Lehrbücher herausgegeben hat. Hier ein längeres, wunderschönes Zitat aus der Dogmengeschichte von Bernhard Lohse (Epochen der Dogmengeschichte, 8. Aufl., 1994, S. 132–134):

Freilich, so sehr die Ergebnisse des pelagianischen Streites in der Sündenund Gnadenlehre einen großen Fortschritt darstellen, so ist doch manches ungeklärt geblieben oder auch noch nicht zureichend erläutert worden. Das gilt einmal für die Auffassung von der Sünde. Zwar hat Augustins Anschauung von der Sünde als Begierlichkeit keinen Eingang in die Konzilsentscheidungen gefunden. Aber das hindert doch nicht, daß faktisch die Gleichsetzung von Sünde und Begierlichkeit sich weithin durchsetzte. Das gilt fast für das gesamte Mittelalter. Gewiß hat sich für keinen der großen mittelalterlichen Theologen die Sünde in der Begierlichkeit erschöpft. Aber die Leibfeindlichkeit sowie die asketische Grundrichtung des gesamten Mittelalters sind doch ohne jenen augustinischen Gedanken nicht verständlich. Hier bedurfte es einer Vertiefung, ja eines Neuansatzes im Verständnis der Sünde.

Dazu ist es im Mittelalter nicht mehr gekommen. Erst Luther hat hier die Schwächen der augustinischen Auffassung von der Sünde überwunden und die Lehre von der Sünde wirklich weitergeführt. Zwar kann Luther gelegentlich wie Augustin sagen, daß der Zeugungsakt durch das Lust-Begehren sündig geworden ist und daß sich die Sünde durch die Zeugung fortpflanzt. Aber Luther hat doch in der Regel unter der Begierlichkeit sehr viel mehr verstanden als nur die geschlechtliche Begierde, nämlich den Ichwillen des Menschen, der sich gegen Gott durchsetzen will, der Gott nicht Gott sein lassen will. Luther ist sich an diesem wichtigen Punkt des Unterschieds von Augustin durchaus bewußt gewesen. Er hat klar gesehen, daß bei Augustin wie auch bei Hieronymus und manchen anderen die Sünde in starkem Maße mit der Leiblichkeit des Menschen gleichgesetzt wird; darum habe man Sünde und Gnade im Sinne der antiken Unterscheidung von Leib und Geist verstanden. Paulus dagegen verstehe den ganzen Menschen als »Fleisch«, und wiederum könne auch der ganze Mensch »geistlich« sein, sofern er nämlich durch den Glauben an Gott erneuert wird. Luther hat einmal über den Unterschied in der Fassung dieser wichtigen Begriffe gesagt: »Ohne rechten Verstand dieser Wörter (nämlich Geist und Fleisch) wirst du weder diese Epistel Sanct Pauli (den Römerbrief) noch kein Buch der Heiligen Schrift nimmer verstehen. Drum hüt dich vor allen Lehrern, die anders dieser Wort brauchen, sie seien auch, wer sie wollen, ob gleich Hieronymus, Augustin, Ambrosius, Origenes und ihresgleichen und noch höher wären.« Erst durch Luther ist der asketische Akzent, den die Bekämpfung der Sünde bis dahin hatte, überwunden zugunsten eines totaleren Sündenverständnisses.

Daß das möglich war, liegt aber nicht nur an der Neufassung des Begriffes der Begierlichkeit, sondern an der neuen Theologie Luthers überhaupt. Luther hat die Sünde als Personsünde verstanden, die der Mensch in seinem ganzen Wesen vollzieht und die letztlich gleichbedeutend mit dem Unglauben und dem mangelnden Vertrauen gegen Gott ist. »Sünde heißt in der Schrift nicht allein’das äußerliche Werk am Leibe, sondern alles das Geschäfte, das sich mit reget und weget zu dem äußerlichen Werk, nämlich des Herzens Grund mit allen Kräften.«76 Luther wußte, daß der sündige Trieb so tief im Menschen wurzelt, daß er sich sogar die äußere Demut zunutze machen kann: »Rechte Demut weiß nimmer, daß sie demütig ist; denn wo sie es wüßte, so würde sie hochmütig von dem Ansehen derselben schönen Tugend.«77 Von da aus kann für Luther nicht mehr das Ende des gesamten Heilungsprozesses des Menschen als Höhepunkt der Rechtfertigung gelten — dabei wäre der Ichwille in der sublimen Form der asketischen Selbstbeobachtung noch nicht überwunden —, sondern der Anfang gewinnt die entscheidende Bedeutung.

Dieses neue reformatorische Sündenverständnis, das in gleicher Weise von einer bloßen Historisierung der Sünde wie von ihrer Einengung auf das Gebiet des Sexuellen entfernt ist, hat in der Augsburgischen Konfession von 1530 treffenden Ausdruck gefunden: Wir lehren, »daß nach dem Fall Adams alle Menschen, die auf natürliche Weise geborenwerden, mit der Sünde geboren werden, das heißt ohne Furcht Gottes, ohne Glauben gegen Gott und mit der Begierlichkeit, und daß diese Urkrankheit oder dieser Urfehler wahrhaft Sünde sei, indem sie heute Verdammnis und ewigen Tod über diejenigen bringt, die nicht durch das Wasser und den Heiligen Geist wiedergeboren werden«.

Einer Lobby zu Diensten

Durch den Versuch, mit ihrem Bildungsplan Minderheiten politische Zugeständnisse zu machen, hat Grün-Rot im „Ländle“ genau jene Kulturkampfstimmung erzeugt, die Ministerpräsident Kretschmann immer vermeiden wollte. Die Gender-Ideologie spaltet das Land.

Rüdiger Soldt schreibt für die FAZ:

Es ist erstaunlich, wie ignorant sich gerade die Grünen, aber auch alle anderen Parteien seit Jahrzehnten gegenüber den Schattenseiten der zum Teil wissenschaftsfeindlichen Gender-Theorie verhalten. Schon der Hinweis, dass es sich um eine Zeitgeist-Theorie von begrenzter Reichweite handelt, wird als reaktionäre Aussage unter Bannfluch gestellt.

Das ist schon vor dem Hintergrund unverständlich, dass die Grünen gerade ihre frühere Toleranz gegenüber Pädosexuellen aufarbeiten müssen.

Zudem ist die Vorstellung, eine Gesellschaft könne völlig frei von Diskriminierung sein, weder realistisch noch unter jeder Bedingung erstrebenswert. In einer solchen Gesellschaft würde alles unter Diskriminierungsverdacht gestellt, das Ressentiment würde zur Tugend. Unterstellte Diskriminierung kann auch zur Denunziation genutzt und machtpolitisch missbraucht werden.

Moderne demokratische Gesellschaften müssen Diskriminierungen und Bedrohungen individueller Freiheit ständig aufs Neue subsidiär regeln. Ein Tugendwächter an jeder Straßenecke garantiert nicht zwangsläufig Fortschritt. Diejenigen Grünen, die vor vielen Jahren mal mit den Ideen des amerikanischen Kommunitarismus geliebäugelt haben, hatten jedenfalls mehr Vertrauen in gesellschaftliche Autonomie.

Mehr: www.faz.net.

Baden-Württemberg und das LSBTTIQ-Netzwerk

Die rot-grüne Landesregierung in Baden-Württemberg schafft Fakten. In dieser Woche hat die Sozialministerin des Landes eine Zielvereinbarung über die Zusammenarbeit mit der „LSBTTIQ-Community“ ausgehandelt und unterzeichnet. Hinter dem Lesbisch-Schwul-Bisexuell-Transsexuell-Transgender-Intersexuell-Queer-Netzwerk stehen ungefähr  70 Gruppen, Vereine und Organisationen, die nun auf die Förderung durch die Landesregierung zählen dürfen.

Es geht um folgende Ziele:

1. Die Landesregierung setzt den Aktionsplan „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ einschließlich der aufgeführten Maßnahmen und einer breiten Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel um.

2. Die Kooperationspartner verfolgen die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen des Aktionsplans und entwickeln den Aktionsplan weiter.

3. Das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg erhält dafür finanzielle Unterstützung im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel.

4. Die Kooperationspartner arbeiten konstruktiv und partnerschaftlich zusammen und treffen sich mindestens einmal im Jahr, um den vertrauensvollen und nachhaltigen Dialog fortzuführen. Der Austausch wird auf Ebene des zuständigen Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren koordiniert.

5. Zur Weiterentwicklung des Aktionsplans treten die Kooperationspartner in den Dialog mit gesellschaftlich relevanten Gruppen wie beispielsweise Parteien, Trägern der Freien Wohlfahrtpflege, Kirchen, Familien-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Verbänden, Akteuren aus Sport, Kultur und Wissenschaft.

6. Die Landesregierung setzt sich mit geeigneten Initiativen für die Anerkennung und Gleichstellung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgendern, intersexuellen und queeren Menschen ein.

Die Zielvereinbarung gibt es im Wortlaut auf der Internetseite des Sozialministeriums. Den in der Charta erwähnten Aktionsplan  „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ gibt es hier: Aktionsplan_Akzeptanz_und_gleiche_Rechte.pdf.

Vishal Mangalwadi: Schafft der Westen sich selbst ab?

Hier geht es zum Vortrag des indischen Philosophen Vishal Mangalwadi:

VD: GS

Christian Wegert: Was ist Evangelium21?

E21-Konferenz 2016: Gott beim Wort nehmen

Vormerken:

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