„Da traf es mich wie ein Schlag“

Das Timotheus-Magazin hat mit Benjamin Schmidt, dem Leiter der Herold-Schriftenmission gesprochen. Er beschreibt dort, wie Gott ihn in seiner Liebe zu sich gezogen hat:

Meine Eltern sind Christen und haben uns Kindern schon von klein auf das Evangelium erzählt und Nachfolge vorgelebt. Mein Vater, ein Prediger, war und ist für mich ein großes Vorbild. Er hat Christus sehr lieb und hatte viel Kenntnis über Gottes Wort. Und obwohl meine Eltern ein ganz klares Verständnis von Rechtfertigung aus Glauben allein besaßen und uns vermittelten, war meine Sicht sehr moralisch. Ich war der Meinung, Gott ist mit mir zufrieden, wenn ich seine Gebote halte. Als Teenager habe ich krampfhaft versucht danach zu leben, doch natürlich immer wieder versagt. Also sagte ich mit 15 Jahren, dass Gott mich in Ruhe lassen soll. Seine Ansprüche waren für mich zu hoch und mein Leben mir zu wertvoll, um mir ständig etwas von Ihm vorschreiben zu lassen. Damit begann ein sechsjähriger Weg in Alkohol, Sex und Drogen. Ich war immer auf der Suche nach Erfüllung, aber fand sie nicht. Mit 21 Jahren, als ich körperlich und seelisch völlig am Boden war, fiel mir eine Karte mit einem Bibelvers in die Hände, die mein Vater mir Jahre zuvor gegeben hatte. Es war Sacharja 4,6: »Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.« Da traf es mich wie ein Schlag und ich verstand, dass Gott genau weiß, wie unfähig ich bin und dass Er alles getan hatte, damit ich von meiner Schuld frei komme. Heute weiß ich, dass Gott zu Seiner Zeit das in mir getan hat, wovon Paulus im 1. Korinther 2,14 und 2. Korinther 4,6 spricht. Sein Heiliger Geist hat mir die Augen geöffnet, damit ich das Evangelium verstehe, Er hat mir die Herrlichkeit Christi, meines Erlösers, gezeigt. Und das zog mich zu Ihm.

Mehr: timotheusmagazin.de.

Der moralische Relativismus ist tot

CT hat einen interessanten Beitrag mit dem Titel „Der moralische Relativismus ist tot“ veröffentlicht. Gezeigt wird dort, dass sowohl Konservative als auch Liberale an eine (zwar jeweils verschiedene) transzendente, moralische Grundlage appellieren.

Many Christian preachers, apologists, evangelists, and writers have taken heed of the declining numbers, but decades of pitting “Christian worldview” against “moral relativism” left habits that are hard to break. You’ll still hear Christians assume that the reason for so much rampant immorality in our culture is because people reject objective right and wrong. Many still assume that discussions over morals are likely to end with, “Well, that’s your truth, but I have mine.” Make no mistake: Disputes over morality are as strong as they have ever been. But if we view these disputes through the lens of “moral relativism,” it’s not only our understanding of our culture that will suffer. Our evangelistic witness will also be severely blunted.

Hier: www.christianitytoday.com.

Homo Deus

Der Historiker Yuval Noah Harari glaubt, dass wir Menschen bald eine nächste Evolutionsstufe erreichen. Dank neuer Technologien werde der gottgleiche Homo Deus den Homo sapiens verdrängen.

Das Buch Homo Deus wird vom Verlag mit den Worten vorgestellt:

In „Homo Deus“ stößt er vor in eine noch verborgene Welt: die Zukunft. Was wird mit uns und unserem Planeten passieren, wenn die neuen Technologien dem Menschen gottgleiche Fähigkeiten verleihen – schöpferische wie zerstörerische – und das Leben selbst auf eine völlig neue Stufe der Evolution heben? Wie wird es dem Homo Sapiens ergehen, wenn er einen technikverstärkten Homo Deus erschafft, der sich vom heutigen Menschen deutlicher unterscheidet als dieser vom Neandertaler? Was bleibt von uns und der modernen Religion des Humanismus, wenn wir Maschinen konstruieren, die alles besser können als wir? In unserer Gier nach Gesundheit, Glück und Macht könnten wir uns ganz allmählich so weit verändern, bis wir schließlich keine Menschen mehr sind.

Was meint der israelitische Historiker mit dem Begriff Homo Deus? Dem SPIEGEL sagte er:

Ganz wörtlich: einen Menschen, der Fähigkeiten erlangt, die in traditionellen Vorstellungen Göttern vorbehalten sind. Manches davon haben wir längst erreicht, insofern müsste schon der heutige Mensch seinen Vorfahren wie ein Gott vorkommen. Für den größten Teil der Geschichte erwarteten die Menschen von ihren Göttern Lösungen für praktische Probleme. Man war krank, man betete zu Gott. Es fiel kein Regen, und die Ernte war bedroht, man betete zu Gott. Heute haben die Wissenschaft und der technische Fortschritt für die meisten dieser Probleme Lösungen gefunden, die viel besser sind als die unzuverlässigen Götter. Die Konzepte, die wir im 21. Jahrhundert noch mit Religionen verbinden – das Jenseits etwa oder die moralischen „Werte“ – sind nur Überreste des Göttlichen. Durch die ganze Geschichte hindurch haben die Religionen ihr Angebot angepasst, in einer steten Fluchtbewegung vor dem Fortschritt. Sobald sie merkten, dass ihre Hilfe am Krankenbett oder in der Landwirtschaft nicht mehr gefragt war, nahmen die Religionen neue Fantasieleistungen in ihr Angebot auf, die von der Wissenschaft noch nicht abgedeckt wurden, eben das „Leben nach dem Tod“.

Der SPIEGEL fragt zurück: Die zentrale Fähigkeit des biblischen Schöpfergottes ist aber die Erschaffung von Leben. Worauf Harari antwortet:

Daran arbeitet der Mensch gerade. Ich glaube, dass die wichtigsten Produkte der Ökonomie des 21. Jahrhunderts nicht mehr Autos, Textilien und Esswaren sein werden, sondern Körper und Gehirn und Bewusstsein, also künstliches Leben. Und es gibt drei Wege, wie sich der Mensch zum Homo Deus „upgraden“ kann: erstens Bioengineering, zweitens Cyborgs, drittens anorganisches Leben. Wenn das gelingt, werden wir Götter sein.

Na, wenn sich Yuval Noah Harari da nicht gewaltig irrt. Schnell kann aus dem Homo sapiens ein Homo satanas werden.

Siehe auch meine in die Jahre gekommene Kritik des Transhumanismus: entwertung.pdf.

Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen von Yuval Noah Harari

Preis: EUR 24,95

58 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 24,95

Tablet oder Papier?

Lesen wir mit Tablet und Smartphone anders als im gedruckten Buch? Welchen Einfluss hat das Lesegerät auf unsere Fähigkeit, das Gelesene zu erinnern? Welche darauf, sich ins Lesen auch zu vertiefen?

Fridtjof Küchemann aus der FAZ-Redaktion setzt sich in seinem Artikel „Wo stand das jetzt gerade noch?“ genau mit solchen Fragen auseinander. Mehr als hundertfünfzig Wissenschaftler aus mehr als dreißig Ländern haben sich Ende 2014 zur Initiative E-Read zusammengeschlossen, um die Leseprozesse im digitalen Zeitalter zu erforschen.

Die allgemeinen Vorteile von digitalen Lesegeräten sind nicht von der Hand zu weisen: ihre Speicherfähigkeit, die leichte Verfügbarkeit schier grenzenloser Textmengen, die Möglichkeit, die Größe der Buchstaben und die Helligkeit des Hintergrunds auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen. Wer in Texten sucht oder den Verweisen auf andere Texte direkt nachgehen will, wird die Vorteile des Bildschirmlesens schätzen.

Es gibt aber auch ein großer „ABER“:

Andererseits hat das Lesen am Bildschirm auch seine Nachteile. In ihrem zwei Jahre alten Buch „Words On Screen“ fasst die Linguistin Naomi Baron den Forschungsstand so zusammen: Das Lesen gerade längerer Texte sei auf dem Bildschirm schwieriger, das vertiefte Lesen, das Erinnern des Gelesenen, der persönliche Zugang und die emotionale Beteiligung fielen schwerer. Das Erinnerungsvermögen, erklärt der Niederländer Aariaan van der Weel, Buchwissenschaftler an der Universität Leiden, werde durch die physische Verortung des Gelesenen begünstigt: Wir verknüpfen bestimmte Textpassagen mit ihrer Position in einem konkreten Buch. Wenn wir beim Lesen scrollen oder auf demselben Gerät verschiedene Texte läsen, werde das verhindert.

Theresa Schilhab, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Aarhus, sieht diesen Verzicht auf physische Anker, der mit dem Gebrauch digitaler Multifunktiönsgeräte einhergeht, in noch größerem Rahmen! Schon Babys würden mit iPads beruhigt, abgelenkt oder unterhalten und wendeten sich immer weniger der gegenständlichen, physischen Welt zu. Unsere unmittelbaren Erfahrungen nähmen ab. Das multimediale Füllhorn führe dazu, dass wir uns mit der wirklichen Welt immer weniger beschäftigten. „Ich möchte nicht nahelegen, dass diese Entwicklung ein Irrweg ist“, formuliert die Forscherin vorsichtig, „aber ich wäre froh, wenn wir uns ernsthafter mit den Folgen beschäftigen worden, die das für unser Lernen oder für unser Verständnis von der Welt haben könnte.“

Mir persönlich ist die Umstellung auf das digitale Lesen schwergefallen und ich trauere meiner Bibel samt den Anstreichungen immer wieder nach. Da ich aber viel auf Reisen bin, überwiegen die Vorteile der digitalen Reader. Das Mitschleppen von Büchern während der Zugfahrten ist – von Ausnahmen abgesehen – Vergangenheit. Die Software Logos erlaubt es mir, auf eine umfängliche Bibliothek zuzugreifen, vorausgesetzt, ein WLAN steht zur Verfügung. Bücher, mit denen ich häufiger arbeite, habe ich auf dem lokalen Speicher meins Tablets gesichert, darunter mehrere Bibeln. So mache ich inzwischen das persönliche Bibelstudium auf dem Tablet unter Logos. Eine feine Sache, aber dennoch nicht unproblematisch. Folgende Beobachtung kann ich bestätigen:

Selbstverständlich könne auf einem Tablet genauso eindringlich gelesen werden wie in einem Buch, stellt Adriaan van der Weel klar, es sei nur sehr viel weniger wahrscheinlich. Die Verbreitung von ausschließlich für das Lesen vorgesehenen digitalen Geräten wie dem Kindle oder dem Tölino halte sich in Grenzen. Und auf den Smartphones und Tablets konkurriere das Lesen mit der nächsten Whatsapp-Nachricht, einem Youtube-Clip öder dem raschen Blick in die Facebook-Timeline. Ablenkung sei ein Merkmal dieser Geräte, und es könne auch zum Merkmal von Texten werden, die eigens für diese Geräte entstanden seien. „Das Lesen hat Effekte, die wir nicht bewusst suchen, die aber beim Lesen gedruckter Texte gut zum Tragen kommen“, erläutert van der Weel: „der Rückzug aus der sozialen Umwelt, die Anregung der Phantasie, die Entwicklung von Empathie, die Entwicklung und Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit und der Disziplin, die Erweiterung des Wortschatzes oder abstraktes Denken.

Die digitalen Lesegeräte werden sich weiter verbreiten und wohl langfristig durchsetzen. Dennoch hoffe ich, dass uns die gedruckten Bücher noch lange erhalten bleiben. Ich liebe in diesem Fall das Arrangement.

Fridtjof Küchemann hat einen feinen Beitrag geschrieben (FAZ vom 22.03.2017, Nr. 69, S. 9). Vielen Dank!

Nachtrag vom 24.03.2017: Der Artikel steht inzwischen online: www.faz.net.

Al Mohler über die Reformation

Albert Mohler über die Reformation

Albert Mohler, Redner der diesjährigen Konferenz, über die Grundsätze der Reformation und die Frage aller Fragen: "Wer ist Gott?" #e21 #konferenz17 #albertmohler #sola #500jahrereformation

Posted by Evangelium21 on Mittwoch, 22. März 2017

Gott wahrhaft lieben

Luther sagte 1515/1516 in seiner Vorlesung zu Römer 9,3:

Einer über die Maßen herrlichen und wahrhaft apostolischen Liebe entstammt also dies Wort: »Ich habe gewünscht« usw., einer Liebe sowohl zu Christus als zu den Juden. Denn er wünscht Christus aus dieser überschwänglich großen Liebe zu ihm großen Ruhm von den Juden. Und damit er diesen Ruhm habe, wollte er selber gerne von ihm geschieden sein, ohne ihn aber zu hassen. Diese unter ihrem Gegenbild verhüllte Liebe ist die allerstärkste und größte, wo einer durch das Zeichen des höchsten Hasses gegen sich selbst die höchste Liebe zum andern offenbar macht. So wünscht er auch den Juden höchstes Heil, und damit sie dieses Heil erlangten, wollte er gerne seines Heils verlustig gehen. So tut er es auch an einer anderen Stelle (2.Kor 12,15), wo er sagt: »Ich aber will sehr gerne hingeben und hingegeben werden für eure Seelen.«

Merke: Diese Worte kommen denen wunderlich, ja töricht vor, die sich heilig dünken und Gott mit der Liebe sündigen Begehrens lieben, d.h. um ihres Heils und um der ewigen Ruhe willen oder um der Hölle zu entgehen, d. h. nicht um Gottes, sondern um ihrer selbst willen. Sie schwätzen davon, dass die »geordnete« Liebe bei sich selbst beginne, und jeder müsse zunächst sich selbst das Heil wünschen, danach wie sich, so auch dem Nächsten. So denken sie, weil sie nicht wissen, was das heißt: selig und erlöst sein. Es sei denn, sie verstehen darunter ein vergnügliches Dasein führen und es sich gutgehen lassen, wie es sich ihre Phantasie ausmalt, wo doch »Seligsein« heißt, den Willen Gottes und seinen Ruhm in allen Dingen wollen und nichts Eigenes wünschen weder hier noch im zukünftigen Leben.

Für die aber, die Gott wahrhaft lieben mit der Liebe eines Kindes und Freundes, die nicht von Natur da ist, sondern allein vom Heiligen Geist kommt, sind diese Worte wunderschön und Zeugnisse eines Vorbildes von vollkommener Art. Solche fügen sich freiwillig in jeglichen Willen Gottes, auch in die Hölle und den ewigen Tod, wenn es Gott so will, dass sein Wille völlig geschehe. So sehr suchen sie nichts von dem, was das Ihre ist.

 

Die Vorlesung zum Römerbrief 1515/16 wurde von Evangelium21 neu aufgelegt und kann über den 3L Verlag wahrscheinlich bereits auf der E21-Konferenz in Hamburg erworben werden.

Martin Luther – Aus Liebe zur Wahrheit von

Preis: EUR 19,90

73 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 19,90

Musste Jesus sterben?

Am kommenden Wochenende werde ich am ITG-Studienzentrum in Innsbruck über das christliche Sühneverständnis sprechen. Das Thema wird heute kontrovers diskutiert. Besonders der Gedanke eines stellvertretenden Sühneopfers wird häufig bestritten. Schon 1986 schrieb John Stott in seinem wahrscheinlich wichtigsten Buch Das Kreuz: „Keine Begriffe des theologischen Wortschatzes rund um das Kreuz haben mehr Kritik hervorgerufen, als ‚Genugtuung‘ und ‚Stellvertretung‘.“

Während wir daran gewöhnt sind, davon zu sprechen, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat (vgl. Apg 4,10; 5,30), macht es uns gewisse Schwierigkeiten, zu akzeptieren, dass die Kreuzigung ebenso Gottes Bestimmung war. Dabei spricht die Bibel durchaus davon, dass in der Kreuzigung Gott seinen Sohn in den Tod gegeben hat und er sterben musste. Während wir auf der einen Seite daran festhalten, dass die Menschen durch ihre Sünde den unschuldigen Sohn ans Kreuz gebracht haben und Jesus sich freiwillig hingab, halten wir Golgatha zugleich für eine Heilstat Gottes.

Einige Beispieltexte:

Ein sehr starker Text ist Röm 8,32:

„Er [Gott, vgl. V. 31], der seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“

Apg 2,23 spricht davon, dass Jesus von Nazaret gemäß Gottes „unumstößlichem Ratschluss“ (griech. ὡρισμένῃ βουλῇ, ōrysmenē boulē) getötet werden musste. Jesus starb folglich, weil Gott es so geplant hat. In Apg 2,22–24 lesen wir:

„Israeliten, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, einen Mann, der sich vor euch als Gesandter Gottes ausgewiesen hat durch machtvolle Taten und Wunder und Zeichen, die Gott – wie ihr selbst wisst – mitten unter euch durch ihn getan hat, ihn, der nach Gottes unumstößlichem Ratschluss und nach seiner Voraussicht preisgegeben werden sollte, habt ihr durch die Hand gesetzloser Menschen ans Kreuz geschlagen und getötet. Ihn hat Gott auferweckt und aus den Wehen des Todes befreit, denn dass er in dessen Gewalt bleiben könnte, war ja unmöglich.“

In Apg 4,28 erklärt gemäß dem lukanischen Bericht die Gemeinde in einem gemeinsamen Gebet, dass Herodes und Pontius Pilatus zusammen mit den Heiden und dem Volk Israel getan haben, was Gottes Hand und „Ratschluss zuvor bestimmt hatte, damit es geschehen sollte“. Auch die Leidensankündigungen in den Evangelien sprechen davon, dass Jesus leiden musste. In Mk 8,31 schreibt der Evangelist über Jesus:

„Und er begann sie zu lehren: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten und den Hohen Priestern und den Schriftgelehrten verworfen und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.“

Markus gebraucht für das „Muss“ seines Totes das griechische δεῖ (dei), welches eine Notwendigkeit bezeichnet. Das Verbum steht für eine göttliche, unabwendbare Bestimmung (vgl. Bauer, WB6, Sp. 343 u. EWNT, Bd. 1, Sp. 668–671; siehe auch die Untersuchung: W. J. Bennett, „The son of man must …“, in: Novum Testamentum 17 (1975), Nr. 2, S. 113–129). In den dann folgenden Leidensankündigungen gebraucht Markus das passivum divinum und drückt damit aus, dass Jesus von Gott dahingeben wurde (vgl. Mk 9,31; 10,33).

Bei Lukas ist die Rede von der Notwendigkeit des Leidens und Sterbens Jesus ebenfalls zu finden. Bevor der Menschensohn wiederkommt, „muss [griech. δεῖ, dei] er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht“ (Lk 17,25). „Der Menschensohn muss [griech. δεῖ, dei]“ – lesen wir in Lk 24,7 – „in die Hände von sündigen Menschen ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.“

Im Johannesevangelium ist ähnlich von einem „Muss“ des Erhöhtwerdens des Menschensohnes die Rede. Joh 3,13–15 sagt beispielsweise:

„Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Menschensohn. Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss [griech. δεῖ, dei] der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.“

Wer schützt Luther?

Eine zutreffende Beobachtung von Ulrike Jureit aus ihrem Artikel „Wer schützt Luther vor seinen Lobrednern?“ (FAZ vom 17.03.2017, Nr. 65, S. 14):

Die aktuellen Anstrengungen zum Reformationsjubiläum 2017 verdeutlichen hinlänglich den Wunsch, sich identifikatorisch auf den 31. Oktober 1517 zu beziehen. Es scheint kaum noch möglich, historische Großereignisse zu vergegenwärtigen, ohne danach zu fragen, welches Identitätsangebot diese Vergangenheit für uns heute bereithält. Das überrascht nicht, wenn man sich vor Augen hält, dass unsere Erinnerungskultur, vor allem in Deutschland aufgrund der Geschichte des Nationalsozialismus, bereits seit Jahrzehnten zu einer von Identitätsfragen gesteuerten Naherinnerung neigt. Sie macht es überaus beschwerlich, historische Bezugsereignisse früherer Epochen in ihrer zeitgenössischen Komplexität jenseits vorschneller Skandalisierangen und affektgesteuerter Mitmachangebote zu vergegenwärtigen. An den zunehmend touristisch und kommerziell gestalteten, gleichwohl als authentisch deklarierten Orten will Geschichte offenbar weniger erlernt, reflektiert oder verstanden, sie will vor allem erlebt und gefühlt werden.

Schöne neue Gender-Welt

Der Artikel „Schöne neue Gender-Welt“ stammt aus dem Jahr 2015 und ist nicht mehr aktuell. Ich habe ihn deshalb wieder aus dem Blog genommen.

R.K.

VD: J.L.

Neue Gemeinden braucht das Land

Ich stimme Stefan (und Tim Keller) zu:

Deshalb stimme ich Timothy Kellers These im Prinzip und auch aus eigener Erfahrung zu. Man muß erstmal eine gesunde, auf das Evangelium ausgerichtete, Gemeinde gründen, die dann als Anschauungsobjekt für andere Gemeinden in der Region dienen kann. Dadurch werden bestehenden Gemeinde herausgefordert aber auch ermutigt, biblische Prinzipien in ihrem eigenen Gemeindekontext einzubauen.

Wenn wir uns eine Rückkehr zum Evangelium in Deutschland wünschen und Gemeinden, die aus der Kraft dieses Evangeliums leben, dann kann es durchaus sinnvoll sein, zu versuchen bestehende Gemeinden zu verändern. Es wird aber darüber hinaus nötig sein, auch an Orten wo es schon protestantische Gemeinden gibt, neue Gemeinden zu gründen, die sowohl eine Außenwirkung auf Menschen haben, die noch keine Christen sind, die aber auch ein Ansporn und ein Vorbild für bestehende Gemeinde am Ort sein können.

Mehr: inara.tv.

500 Jahre Reformation

Flyer Reformationsjubilaum 2017 web Seite 1Die STH in Basel (Schweiz) organisiert 2017 eine Ringvorlesung zum Thema „500 Jahre Reformation“. Es heißt dazu:

Im Jahr 2017 werden 500 Jahre Reformation gefeiert: am 31. Oktober 1517 hat Luther seine Ablassthesen in Wittenberg veröffentlicht. Die Reformation von Luther, Zwingli, Menno Simons und vielen anderen war keine rein akademische Angelegenheit. Sie wollte eine Erneuerung von Kirche und Gemeinde durch Rückbesinnung auf die Bibel. Was ist daraus heute geworden? Die STH Basel versteht die Anliegen der Reformatoren als aktuellen Auftrag. Was würden die Reformtoren heute, auf der Grundlage der Bibel stehend, zu sagen haben? Die Dozenten der STH Basel stellen sich diese Frage in einer Ringvorlesung und an einem Studientag, dem «STH-Reformationstag». Und sie wollen, wie die Reformatoren, für die Gemeinde und vor Menschen aus den Gemeinden sprechen. Dazu laden wir herzlich ein.

Hier der Flyer: Flyer-Reformationsjubilaum-2017-web.pdf.

Es wird eng mit der Denkfreiheit

Gina Thomas beschreibt in „Es wird eng mit der Denkfreiheit auf dem Campus“ (FAZ vom15.03.2017, Nr. 63, S. 11) die zunehmende Kontrolle der Sprache an den britischen Universitäten. Sowohl linke als auch konservative Beobachter registrieren eine exzessive Gleichmacherei an den Hochschulen. Durch Verbote werden umstrittene Redner, Stoffe und Ideen einfach verbannt.

Das Adam Smith Institute ist eine neoliberale Denkfabrik, die sich für die freie Marktwirtschaft einsetzt. Sie konstatiert eine linksliberale Überrepräsentanz im britischen Hochschulwesen und warnt, dass die in den Geistes- und Sozialwissenschaften besonders vorhandene ideologische Homogenität nicht nur die freie Rede auf dem Campus gefährde, sondern konservative Regierungen auch veranlassen könne, Forschungsgelder zu kürzen. Als Grundlage für die Feststellung eines deutlichen Linkstrends seit den sechziger Jahren dienen Auskünfte über das jüngste Wahlverhalten von Akademikern. Diese werden neben ältere Bestandsaufnahmen des Oxforder Soziologen A.H. Halsey gestellt, dessen Ermittlungen in dem Zeitraum zwischen 1964 und 1992 bereits eine deutliche Abkehr von den Konservativen verzeichneten.

Die „Konformismus-Falle“ ist längst von den Universitäten in die breite Öffentlichkeit durchgesickert:

Das Wechselspiel von Reglementierung und Konformismus, das die Denkfreiheit auf dem Campus einschränkt, sickert naturgemäß in die Öffentlichkeit durch. Wie in den Hochschulen haben die Denkpolizisten auch bei anderen Institutionen wie dem Schulsystem und der BBC bewirkt, dass sich bestimmte Vorstellungen schleichend durchsetzen und zur Norm werden. Genau dies beabsichtigte das Engsoz-Regime von Orwells Ozeanien mit der Einführung des Neusprech. „Sie hatte nicht nur den Zweck, ein Ausdrucksmittel für die Weltanschauung und geistige Haltung zu sein, die den Anhängern des Engsoz allein angemessen war, sondern darüber hinaus jede Art anderen Denkens auszuschalten.“

Erdoganismus in Reinkultur

Heiko Maas fühlt sich „in Berlin als Justiz- und Verbraucherschutzminister mehr als wohl“ und steht voll hinter Martin Schulz, der seiner Meinung nach die richtigen Themen anspricht. Die richtigen Themen, das bedeutet für Schulz wie Maas: mehr Macht dem Staate! Deshalb hat Heiko Maas auch einen Gesetzentwurf vorgelegt, der sich so liest, als stamme er aus dem Roman „1984“ von George Orwell.

Harald Martenstein hat des Ministers Kampf gegen „Hatespeech“ trefflich kommentiert:

In Zukunft sollen Facebook, Twitter, Youtube, WhatsApp et cetera verpflichtet werden, alle „offensichtlich rechtswidrigen Inhalte“ zu löschen, und zwar zum Teil schon innerhalb von 24 Stunden. Ansonsten drohen den Internetfirmen Strafgelder von bis zu 50 Millionen Euro. Aber was, zum Teufel, ist „offensichtlich rechtswidrig“? Gerichte brauchen oft mehrere Instanzen, um es herauszufinden. Nun sollen diese Firmen entscheiden, sie werden zu Hilfssheriffs ernannt. Sie sind Fahnder und Richter in einem. Wenn sie zu milde urteilen, sind sie selber dran, Millionenstrafen.

Ich halte das für einen Angriff auf das Prinzip der Gewaltenteilung, für Erdoganismus in Reinkultur. Renate Künast von den Grünen ist sogar das noch zu wenig Diktatur. Sie will „Diskriminierung“ aus dem Netz löschen lassen, und zwar ausdrücklich auch solche, die „noch nicht strafbar“ ist. Irre, oder? Ein Tweet oder eine Nachricht auf WhatsApp, die nicht strafbar sind, sollen einfach gelöscht werden, nur, weil der Text nach Ansicht von Renate Künast „diskriminierend“ sein könnte. Meinungsfreiheit? Vergesst es. Renate, wann kommt eigentlich die gute alte Briefzensur wieder?

Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen. Dieser Satz ist von George Orwell.

Mehr: www.tagesspiegel.de.

Empfohlen sei zusätzlich die Analyse von Markus Reuter. Er schreibt:

Der Gesetzentwurf ist sehr weit gefasst und betrifft deutlich mehr Dienste als die großen marktdominanten und meinungsbildenden sozialen Netzwerke Facebook und Twitter, die in der bisherigen Debatte immer als Grund für das Gesetz herhalten mussten. In der weiten Definition des Gesetzentwurfes sind auch Messenger wie WhatsApp enthalten. Zudem könnten laut Gesetzestext kommerzielle Maildienstleister sowie Datenspeicherdienste wie Dropbox betroffen sein, selbst wenn das Justizministerium sowohl in der Begründung wie auch uns gegenüber sagt, dass diese nicht darunter fielen. Am Ende zählt aber nur der Gesetzestext.

Würde der Entwurf Gesetz werden, macht man die betroffenen Netzwerke ohne vorhergehende richterliche Überprüfung zu Ermittler, Richter und Henker über die Meinungsfreiheit. Nutzer könnten sich nur noch im Nachhinein gerichtlich gegen eine Löschung ihrer Inhalte wehren. Dass sich die Nutzer prinzipiell gegen Löschentscheidungen wehren können ist gut, doch eine zeitliche Verschiebung bis zum Gerichtstermin kann dazu führen, dass ein Inhalt dann nicht mehr relevant ist.

Gleichzeitig würde das Gesetz zu einer Ausweitung automatischer und gefährlicher Zensurmechanismen führen. Diese können die beanstandeten Inhalte auf der kompletten Plattform aufspüren und löschen, sowie ein erneutes Hochladen verhindern. Diese Filter existierten schon gegen Kinderpornografie und neuerdings gegen nicht näher-definierte „Terrorpropaganda“. Nun werden diese Filter mit dem Gesetzentwurf auf weitere Straftatbestände ausgeweitet.

Die Union hält den Gesetzentwurf übrigens nur für „einen ersten, kleinen Schritt in die richtige Richtung“.

1984 von George Orwell

Preis: EUR 12,00

72 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 7,95

Identitätsfindung in der Postmoderne

41Il9gIBcQL SX311 BO1 204 203 200Jonas Erne hat das Buch Das komponierte „Ich“: Identitätsfindung in der Postmoderne rezensiert:

Der Untertitel lautet „Identitätsfindung in der Postmoderne und das christliche Menschenbild“. Der Inhalt basiert auf zwei Vorträgen, die Ron Kubsch 2010 und 2011 gehalten hat. In der Einleitung geht es um die Frage nach dem Subjekt. Wer bin ich? Diese Frage ist in unserer Zeit sehr wichtig geworden. Lange Zeit war die Identität keine so große Frage. Sie wurde durch die Einbettung in die Familie, den Ort und die Kirche von außen vorgegeben. Durch die Industrialisierung und später die Globalisierung wurde das Leben in immer mehr Teile aufgespalten, und an jedem dieser Teile, wie Beruf, Gemeinde, Familie, Vereine, und so weiter, wurde (und wird) erwartet, dass jeder eine bestimmte Rolle spielt. So stellt sich halt schon immer mehr diese Frage: Wer bin ich? Die Persönlichkeit wird plötzlich als etwas „Flüssiges“ gesehen, was sich ständig verändern kann, und der Gestalter dieser Persönlichkeit ist das einzelne Subjekt.

Im zweiten Teil beschreibt Ron Kubsch „Postmoderne Identitätserfahrungen“. Hier schreibt er von einer „Bastel-Mentalität“, also dass Menschen anfangen, ihre Identität zu basteln und im Laufe der Jahre ständig überarbeiten. Er zitiert den Leiter des Berliner Jugendkultur-Archivs, welcher schreibt, dass junge Menschen immer wieder zwischen den verschiedenen Subkulturen wechseln. Zygmunt Bauman, einer der wichtigsten Soziologen der Postmoderne, spricht von einem „Nomadentum“, also dem ständigen Umherreisen zwischen verschiedenen Subkulturen und Identitäten. Es werde jegliche Festlegung bewusst vermieden, so Bauman.

Mehr: jonaserne.blogspot.de.

Die Gender-Lobby kämpft am Stehpult

Birgit Schmid setzt sich in der NZZ mit der Macht der Gender Studies auseinander:

Das Geschlecht sei politisch, sagte die Gender-Forschung weiter und erhob diesen Satz zum Programm. Und gerade deshalb wird ihr wissenschaftlicher Anspruch heute immer öfter infrage gestellt. Man wirft ihr vor, die Wissenschaft zur Kampfzone zu machen und die Vorlesung zur Predigt. Darf sich etwas Wissenschaft nennen, dessen Vertreterinnen eher eine Gesinnung eint, statt dass sie für ihre Theorie Beweise liefern? Zumal sich die Theorie – die Unterschiede zwischen den Geschlechtern hätten nichts mit Biologie zu tun – aus der Verneinung naturwissenschaftlicher Standardtheorien ergibt. So sagt der deutsche Biologe Hans Peter Klein, die Vorstellungen der Gender-Studies beruhten auf einer rein sozialwissenschaftlichen Deutung, was sie «in den Zustand einer Ideologie» erhebe. In der «NZZ am Sonntag» schrieb er: Eine Lehre, die selbst hinter der Biologie patriarchalisches Denken vermute, müsse damit rechnen, dass sie von führenden Evolutionsbiologen als «universitäre Pseudowissenschaft» bezeichnet werde oder diese sie «mit dem Kreationismus, der biblischen Schöpfungslehre, vergleichen, der ebenfalls aus weltanschaulichen Gründen biologische Tatsachen leugnet».

Was er mit dem Glauben meint, wird klar, wenn man Aussagen von Judith Butler liest, deren Name in jeder Gender-Vorlesung fällt. Aussagen wie: «Anatomie ist ein soziales Konstrukt.» Butler findet es willkürlich, dass Frauen und Männer nach Brüsten oder Penis sortiert werden. Statt mit Geschlechtsmerkmalen könne man das geradeso gut mit der Haarfarbe tun oder der Grösse. Für sie ist alles dasselbe.

Mehr: www.nzz.ch.

Norbert Bolz im Gespräch

Im Gespräch mit Wolfgang Herles skizziert der Medienwissenschaftlicher Norbert Bolz eine Metakritik der Mediendemokratie. Hörenswert, analytisch, hilfreich!

Philosophie nach ihrem Ende von Norbert Bolz

Preis: EUR 28,00

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