Die Unterwerfung der Welt

Die folgende Rezension ist zuerst in der Zeitschrift GLAUBEN UND DENKEN HEUTE erschienen (Nr. 18, Ausgabe 2/2016. S. 49):

61OdCK20GEL SX326 BO1 204 203 200Der Historiker Wolfgang Reinhard, emeritierter Professor für Neue Geschichte an der Universität Freiburg, ist ausgewiesener Experte für die Geschichte der Päpste und der Konfessionalisierung. In den achtziger Jahren veröffentlichte er eine viel beachtete Geschichte der europäischen Expansion in vier Bänden (Stuttgart: Kohlhammer, 1983–1990). 2001 erhielt er den renommierten Historikerpreis (Preis des Historischen Kollegs).

Nun hat er sein Hauptwerk gründlich überarbeitet und als Gesamtdarstellung aus einem Guss beim Verlag C. H. Beck herausgegeben. Das Buch enthält 1648 Seiten, wobei das Quellen- und Literaturverzeichnis über 300 Seiten zählt.

Unterwerfung der Welt führt durch die Anfänge Europas in der Antike über das Mittelalter bis hin zu den Dekolonisationsprozessen im 20. Jahrhundert. Der Autor beherrscht den Stoff souverän und kann ihn hervorragend an den Leser bringen. Obwohl immense „Wissensmengen“ zu vermitteln sind, liest sich das Buch anregend und flüssig, egal ob es um Sklavenhandel, die Handelswege oder die Vereinnahmung der Polargebiete geht. Die zahlreichen eingearbeiteten Karten, Tabellen und Grafiken erleichtern den Zugang.

Dass Reinhard bei aller Liebe zu den groben Zügen die Details im Blick behält, merkt man besonders, wenn er zu Gebieten schreiben, mit denen man sich als Leser schon eingehender auseinandergesetzt hat. Im Zusammenhang der von Jonathan Edwards und George Whitfield ausgelösten Erweckungsbewegung berichtet er etwa über die Welle der Hochschulgründungen, die damals ausgelöst wurde. Sogar auf die theologischen Unterschiede zwischen lutherischer, katholischer und reformierter Heidenmission geht er ein, „ist doch eine reformierte Bekehrung eine intellektuell sehr viel anspruchsvollere Angelegenheit als das, was die Katholiken für die Taufe vorauszusetzen pflegten“ (S. 528).

Immer wieder erhalten die Eroberten die ihnen gebührende Aufmerksamkeit. So beschreibt er den islamischen und atlantischen Sklavenhandel in seiner Tragik und Grausamkeit. Der Autor verfällt allerdings nicht in den Stil, der in postkolonialistische Theoriebildung verbreitet ist, sondern bleibt bei einer nüchternen Darstellung.

Das monumentale Buch wird meines Erachtens für lange Zeit ein Standardwerk zur Globalgeschichte bleiben.

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Der Buchhinweis kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden: W.Reinhard.Unterwerfung.pdf.

Zweifelhafte Therapeutisierung

Es gibt sie, die unglaublich umsichtigen und klugen Psychologen, die mit bewundernswerter Menschenkenntnis und -liebe Erschöpfte oder Traumatisierte begleiten. Heute las ich den Bericht eines Psychologen, der als Mitarbeiter von „Ärzte ohne Grenzen“ in Kriegsgebieten und Krisenregionen Menschen mit enormen psychischen Beschwerden unterstützt hat (Krieg, Kultur und Psyche, NERVENHEILKUNDE 6/2016, S. 375–377).

Unumwunden beschreibt er die Folgen von Kriegsstress:

Die Folgen des Krieges sind häufig belastender als die Erfahrung selbst. Krieg kann Flucht, Vertreibung und den Verlust der Heimat bedeuten; ein jahrelanges Dahinvegetieren in Flüchtlingslagern, ohne Beschäftigung und ohne eine vernünftige Perspektive für das weitere Leben. Krieg reißt Familienverbände auseinander, die für Schutz, Versorgung und Identität standen. Krieg bedeutet Armut, Zunahme von sexueller und häuslicher Gewalt sowie Betäubung mit Alkohol und Drogen – manchmal mit billigen und giftigen Haushaltschemikalien wie Klebstoffen oder Schuhputzmitteln. Traumatisierung als punktuelles Ereignis ist nicht das Hauptproblem. Weit mehr Menschen leiden unter dem scheinbar niemals endenden Stress des Überlebens unter widrigen Bedingungen, der sich in Form von Angst, Misstrauen, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Grübeln, Schlafstörungen und Schmerzen zeigt.

Wahrscheinlich muss man es selbst durchgemacht oder eben in diesen Gebieten gearbeitet haben, um zu verstehen, was für Qualen das sind. Das ist mit vielen seelischen Wehwehchen, die wir hier haben, nicht vergleichbar.

Besonders interessant finde ich, was für persönliche Konsequenzen der Psychologe aus seinen Erfahrungen gezogen hat. Er musste feststellen, dass die klassischen diagnostischen Kriterien und Krankheitsbilder (ICD/DSM) in diesen Gebieten nicht mehr greifen. Sein Fazit:

Durch meine Arbeit in Krisengebieten hat sich mein Leben verändert. Meine langjährige Begeisterung für Psychotherapie ist weitgehend erloschen. Manche unserer Probleme erscheinen mir nicht mehr so bedeutsam. Seelisches Leiden bei uns zuhause sehe ich jetzt oft als Epiphänomen der Postmoderne mit ihrem nicht einlösbaren Versprechen von Glück, Authentizität und Selbstverwirklichung. Unendliche, Wahlmöglichkeiten in fast allen Lebensbereichen und die Angst vor falschen Entscheidungen fördern Selbstzweifel und Ambivalenz. Die zunehmende Therapeutisierung der Gesellschaft in unserer Kultur erlebe ich als problematisch. Zwischen Mobbing, Burnout Trauma, Anpassungs-, Bindungs- und Persönlichkeitsstörungen, Depression und Suchtverhalten, scheint der Lebensraum für Normalität immer geringer zu werden. Zum Leben gehörende Krisen und Konflikte erfahren durch Diagnosen, neue Krankheitsmodelle und der Interaktion mit Behandlern eine professionalisierte Aufwertung, die vielleicht nicht immer hilfreich ist.

Das Verständnis psychiatrischer Kränkheitsbilder erscheint mir – ohne Berücksichtigung des soziokulturellen Hintergrundes – unvollständig. Werte und Normen, Individualisierung, Wohlstand, Religiosität sowie soziale Strukturen einer Gesellschaft bilden nicht nur den Kontext in dem psychiatrischer Erkrankungen klassifiziert werden, sondern sie sind auch Teil ihrer Entstehung.

Einfach klasse!

VD: CJ

Biblischer Kapitalismus

Der DLF nutzt die Berufung von Michael Pence als US-Vize-Präsident, um vor der Unmenschlichkeit eines – wie sie sagen – „biblischen Kapitalismus“ zu warnen.

Der neue US-Vize-Präsident, Michael Pence, gehört zu einem Kreis, der sich „Radical Christian Right“ nennt. Diese radikale christliche Rechte kämpft gegen Abtreibung und bestreitet den Klimawandel. Und sie propagiert einen biblischen Kapitalismus: Wer glaubt, wird reich und wer reich ist, gilt als von Gott gesegnet. Für Arme ist da wenig Platz.

Mit mindestens zwei Behauptungen wird der Redakteur der Sendung recht haben: 1) Das Wohlstandsevangelium ist ein falsches Evangelium. 2) Das Wirtschaftssystem in den USA funktioniert schon längst nicht mehr nach den Gesetzen des freien Marktes, da wichtige Entscheidungen in multinationalen Konzernzentralen getroffen werden (Was ist mit der FED?).

Bei aller begreiflichen Sorge bezüglich der neuen US-Regierung: Dass ein freier Markt zu mehr Armut führt, ist ein Gerücht.

Hier der Beitrag:

 

Politische Korrektheit führt zur geistigen Knechtschaft

Unter dem Deckmantel der Politischen Korrektheit wird die Meinung an die Moral gebunden. Damit wird die Gesellschaft zum Opfer eines politisch motivierten „Tugendterrors“.

Nachfolgend einige Zitate aus einem Beitrag, den Norbert Bolz am 4. Januar 2017 im TAGESSPIEGEL veröffentlicht hat:

… man wird politisch aggressiv, wenn man theoretisch nicht mehr weiter weiß. Unsere Gesellschaft wird so zum willenlosen Opfer eines Tugendterrors, der in Universitäten, Redaktionen und Antidiskriminierungsämtern ausgebrütet wird.

Die neuen Ingenieure der Seele arbeiten mit Sprachcodes, Gruppenidentitätszuschreibungen und Trainingscamps für „sensitivity“ und „awareness“. Hier ist die offene Diskussion freier Individuen längst durch Zensur, Einschüchterung und Indoktrination ersetzt worden. In der Vergangenheit diskriminierte Gruppen sollen durch positive Gegendiskriminierung Wiedergutmachung erfahren. Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht. Abweichende Meinungen werden heute schärfer sanktioniert als abweichendes Verhalten. Diese Sanktionen laufen zumeist nicht über Diskussionen, sondern über Ausschluss.

Es gibt keine Freiheit des Denkens ohne die Möglichkeit einer öffentlichen Mitteilung des Gedachten. Und das gilt nicht nur für die wenigen Schreiber, sondern gerade auch für die vielen Leser. Gedankenfreiheit bedeutet für die meisten Menschen nämlich nur die Möglichkeit, zwischen einigen wenigen Ansichten zu wählen, die von einer kleinen Minderheit öffentlich Redender und Schreibender verbreitet worden sind. Deshalb zerstört das Zum-schweigen-bringen abweichender Meinungen die Gedankenfreiheit selbst.

Deshalb gibt es auch keine großen Denker mehr. Abweichende Meinungen, die sich doch noch aus der Deckung wagen, werden sozial bestraft.

Mehr: causa.tagesspiegel.de.

Eine Gemeinde für das 21. Jahrhundert

D Jackman Eine Gemeinde fuer das 21 JahrhundertDas 21. Jahrhundert stellt christliche Gemeinden vor enorme Herausforderungen. In einem Vortrag, der zum Ausgang des 20. Jahrhunderts auf einer Konferenz in England gehalten wurde, weist David Jackman auf Fehlentwicklungen innerhalb der evangelikalen Bewegung hin und mahnt zur Besinnung auf das Wesentliche. Sein Ruf nach evangeliumszentrierten Gemeinden, solider biblischer Lehre, mehr Vielfalt in den Strukturen, einer opferbereiten Diensteinstellung und geistlichen Realismus ist im wahrsten Sinne des Wortes „auferbauend“ und „erfrischend“.

David Jackman meint:

„Wenn wir sehen wollen, wie das Evangelium in Kraft verkündigt wird und wie der Herr Jesus in unserem Land verherrlicht, angebetet und verehrt wird, dann wird die Gemeinde des 21. Jahrhunderts eine Gemeinde sein, die niederkniet vor dem Kreuz, vereint mit Christus in seinem Tod, damit wir mit ihm auferweckt werden in seiner Kraft. Es wird eine Gemeinde der Buße sein, vollkommen von dem Gott der Gnade abhängig; eine Gemeinde, … die sich unter die gewaltige Hand Gottes demütigt, damit er sie erhöhen möge zur rechten Zeit (seiner, nicht ihrer).“

Der Vortrag von David Jackman wurde mit freundlicher Genehmigung des Christian Focus Verlags von Evangelium21 ins Deutsch übersetzt und kann hier heruntergeladen werden:
D.Jackman_Eine_Gemeinde_fuer_das_21_Jahrhundert_(Edition-E21).pdf.

David Jackman ist Hauptreferent auf der E21-Regionalkonferenz in der Schweiz vom 20.–21. Januar 2017.

Das „Wahrheitsministerium“

Der Ruf nach einem „Wahrheitsministerium“ wird lauter. Volker Kauder sagte im November 2016 der WELT AM SONNTAG: „Wenn das Netz weiter lügt, ist mit Freiheit Schluss.“

Eine Art Stiftung Warentest für Kommunikation im Netz kann allerdings – so meint Jürgen Kaube heute – nicht funktionieren: Das Problem sei im Fall der Fake-News nicht ihre Produktion, sondern die Empfänglichkeit für sie. Das ist zumindest mal die halbe Wahrheit. Recht hat Kaube jedenfalls, wenn er wie ein Schelm die Tatsachenbehauptung aufstellt, die Lüge sei erst mit dem Internet gekommen:

Überhaupt sagten bis soeben noch alle die Wahrheit: die Eheleute einander, die Bürger dem Finanzamt, die Eltern den Kindern, die Chefs den Beschäftigten und diese ihnen, die Kirche den Gläubigen und die Sportler den Dopingkommissionen. Darum konnten auch die Massenmedien, allein schon um nicht negativ aufzufallen, gar nicht anders, als ihrerseits stets bei den Tatsachen zu bleiben. Bis vor kurzem gab es beispielsweise gar keine „Bild“-Zeitung. Lange war sie eine Erfindung von Günter Wallraff. Der hat – wahrscheinlich, wir wollen ja nichts Falsches behaupten – im neunzehnten Jahrhundert auch das Wort „Ente“ erfunden. Dann aber kam am Ende des zwanzigsten das Internet, und mit ihm kam die Lüge. Das falsche Gerücht, die erfundene Neuigkeit hielten Einzug, und wurden immer schneller verbreitet und verwirrten immer mehr Leute. Seitdem leben wir im postfaktischen Zeitalter, in der Epoche der „Fake-News“ wie es spätestens seit diesem Wochenende überall heißt, weil der amerikanische Präsident das Wort verwendet hat.

Köstlich!

Mehr hier: www.faz.net.

Sollte Gott gesagt haben?

R Kubsch Sollte Gott gesagt haben 1Der niederländische Theologe Herman Bavinck sagte vor rund 100 Jahren über seine Kollegen Folgendes:

„Oft haben sie nichts mehr zu predigen, weil die [Kritik] ihnen Kraft und die Herrlichkeit des Evangeliums geraubt hat … Unzufrieden mit ihrer Lage, suchen viele einen Ausweg, indem sie sich in die Politik, in die Diakonie oder in humanitäre Projekte einbringen und in genau diesem Maße aufhören, Diener des Wortes und Verwalter der Geheimnisse Gottes zu sein.“

Viele Prediger glauben auch heute nicht an die Kraft des göttlichen Wortes und verkündigen deshalb ihre eigenen Ideen und zielen auf Weltverbesserung, Lebenshilfe, Unterhaltung und billigen Trost ab.

In einem Booklet, das auf ein während der E21-Konferenz 2016 in Hamburg gehaltenes Seminar zurückgeht, skizziere ich die Entwicklung der neuzeitlichen Bibelkritik von den Anfängen bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. Ich gehe dabei auf aktuelle Versuche ein, zwischen Vertretern und Gegnern der Bibelkritik zu vermitteln.

Ein Auszug:

Die spätmoderne Bibelkritik verlor unter dem Einfluss der neuen Hermeneutik den Wirklichkeitsbezug der biblischen Überlieferung und konzentrierte sich auf linguistische Auslegung. Herausstechendes Kennzeichen ihres Ertrages ist – neben begrüßenswerten Beobachtungen zur Sprache – die Vielstimmigkeit der Deutungen. Es kann keine verbindliche Interpretation
eines Bibeltextes mehr geben (vgl. Abb. 2).

Heute distanzieren sich etliche Ausleger sowohl von radikaler Kritik als auch vom Deutungspluralismus und schlagen eine geistlich-symbolische Lesart der biblischen Offenbarung vor. Auf einem „dritten Weg“ suchen sie nach dem Geist der Texte. Doch auch ihnen ist es nicht gelungen, den garstigen Graben zu überbrücken. Es zeigen sich ähnliche Schwierigkeiten, wie wir sie aus der alexandrinischen Schule (Clemens u. Origenes) kennen. Da der symbolische Gehalt in der Regel jenseits des wörtlichen Textsinns gewonnen wird, ist der Willkür Tür und Tor geöffnet und obendrein wird der historische Sitz der Erzählungen desavouiert oder bleibt zumindest offen.

Das E21-Booklet kann hier als PDF-Version heruntergeladen werden: R.Kubsch_Sollte_Gott_gesagt_haben_(Edition-E21).pdf.

Gedruckte Booklets gibt es bei der E21-Regionalkonferenz in der Schweiz oder in Leipzig am nächsten Wochenende oder können hier als Druckerzeugnis bestellt werden.

Gender in Hamburg

Manche Politiker lieben es, ihre Bürger zu erziehen. Dass sie Interessenvertreter sind und sich gesellschaftliche Mehrheitsinteressen in der Politik wiederfinden sollten, geht leider zu oft unter. Jetzt hat der Hamburger Senat unter Olaf Scholz beschlossen, den Bürgern der Stadt eine Genderkur zu verpassen. Zum Anlass teilt der Senat in seinem 63 Seiten zählenden Aktionsplan mit:

Die Belange und Interessen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, sowie von Trans*- und Inter* (LSBTI*) sind selbstverständlicher Teil einer modernen Gleichstellungspolitik. In Hamburg sollen alle Menschen jeder geschlechtlichen Identität und jeder sexuellen Orientierung gleiche Anerkennung und Teilhabe erfahren und selbstbestimmt leben können. Um die aktuellen Herausforderungen zur Gleichstellung der geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen anzugehen, ist in dem Koalitionsvertrag „Zusammen schaffen wir das moderne Hamburg“ über die Zusammenarbeit in der 21. Legislaturperiode der Hamburgischen Bürgerschaft die Entwicklung eines Aktionsplans zur Akzeptanz und Anerkennung der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt vereinbart worden.

Mathias von Gersdorff kommentiert:

Der Hamburger Senat hat am 10. Januar 2017 einen sogenannten „Aktionsplan für Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“ beschlossen. Wie der Name schon sagt, ist die Implementierung der Akzeptanz sexueller Vielfalt – also Gender – wichtigstes Ziel des Erlasses.

Der Erlass sieht in 11 Handlungsfeldern von der Kindheit bis ins Alter über 90 Einzelmaßnahmen vor, um Gender in der Gesellschaft zu verankern. Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, erklärte hierzu: „Wir wollen aktiv eine Kultur der Anerkennung und Offenheit für vielfältige Lebensformen fördern.“

Die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen soll regelmäßig ausgewertet und fortgeschrieben werden. Man wird also nicht locker lassen, solange die Hamburger Bürger nicht die geforderte „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ verinnerlichen. Der Aktionsplan sieht im Grunde eine regelrechte Gehirnwäsche vor.

Mehr: mathias-von-gersdorff.blogspot.de.

Was entvölkert unsere Kirchen?

Franz Overbeck (1837–1905):

„Nichts entvölkert unsere Kirchen so sehr, als dass man es in ihrem Gottesdienst so viel mit den persönlichen Ansichten ihrer Prediger zu tun hat.“

Hier noch einmal der Verweis auf das Essay „Gnadenlose Neuzeit“ von Norbert Bolz, aus dem ich das Zitat habe.

Fachtagung für Philosophie

Die Arbeitsgemeinschaft Wort & Wissen bietet vom 13. bis 15. Januar 2017 wieder eine „Fachtagung Philosophie“ an. Folgende Themen sind geplant:

  • Prof. Dr. Daniel von Wachter: Wie freie Personen (und Tiere) Vorgänge in Gang setzen können (Libertäre Theorie der Willensfreiheit)
  • Dr. Markus Widenmeyer: Warum der Mensch nicht physikalisch determiniert sein kann
  • Dr. Thomas Jahn: Warum der freie Wille (k)ein Problem ist
  • Roderich Nolte: Kant und die Gottesbeweise
  • Dr. Reinhard Junker: Entstehung von Vogelfeder und Vogelflug – Sind evolutionäre Hypothesen testbar?

Die Gesamtleitung hat Dr. Thomas Jahn.

Mehr Informationen hier: Programm_FT_Phil_2017.pdf.

Seelsorge Aufbaukurs II (3/2017)

Im Seelsorge Aufbaukurs II vom 12.-17. März 2017 am Bodensee sind folgende Themen geplant:

  1. Das seelsorgerliche Gespräch (Referent: Ron Kubsch)
  2. Gesprächsführung und Fallbeispiele (Referenten: Thomas Jeising u. Ron Kubsch)
  3. Resilienz und Stresskompetenz (I u. II) (Referentin: Rahel Sondheimer)
  4. Seelsorge im Angesicht von Krankheit und Tod (Referent: Thomas Jeising)
  5. Seelsorge an Jugendlichen (I–III) (Referent: Pfarrer Heinz Bogner)

Den Flyer gibt es hier: Aufbau_maerz2017.pdf

Noch sind ein paar Plätze frei.

Zu unbiblischen Tendenzen nicht schweigen

Ein klares Statement von Friedemann Wunderlich, dem Leiter der Mission für Süd-Ost-Europa (Freudenberg bei Siegen):

Wer Judenmission ablehne und vor Vertretern des Islam und vor der Weltöffentlichkeit das Kreuz ablege, „der verweigert Jesus Christus den Gehorsam“, so Wunderlich. Mit dieser bibelkritischen Haltung zerstöre sich jede Kirche und Gemeinde. Wer zu diesen Entwicklungen schweige, mache sich mitschuldig: „Aber Gott lässt sich seine Ehre auch nicht von christlichen Kirchen, Freikirchen und Verbänden nehmen.“ Laut Wunderlich haben Verantwortliche aus der Evangelischen Allianz, den Gemeinschaftsverbänden und von freikirchlichen Werken einst „in stürmischen Zeiten klare geistliche Signale“ gegeben. Heute führe die offen zur Schau getragene Bibelkritik zu zunehmender Entfremdung der Gläubigen gegenüber diesen Organisationen und oft auch gegenüber den örtlichen Gemeinden. Aber an der Basis gebe es „noch viele einfache, normale Jesus-Nachfolger, die jeden Tag die Bibel so lesen, wie es Christen über Jahrhunderte getan haben und die kritiklos diesem Wort vertrauen“. Wunderlich: „Wir brauchen keine postmodernen, postfaktischen oder historisch-kritische Lesebrillen.“ Das uneingeschränkte Vertrauen in Gottes Wort sei die Überlebensgrundlage für alle Mitarbeiter in der Weltmission: „Christliche Organisationen, die Gottes Wort infrage stellen, sind Irrlichter für die Gläubigen.“

Mehr: www.idea.de.

Zygmunt Bauman (1925–2017)

Zigmunt BaumanDer streitbare jüdisch-polnisch-britische Soziologe Zygmunt Bauman ist am 9. Januar 2017 im Alter von 91 Jahren gestorben. Er gehörte zu den bedeutenden Geisteswissenschaftlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und gilt als ein Wegbereiter postmodernen Denkens. In seinem Hauptwerk Flüchtige Moderne (in dt. Sprache 2003) beschrieb er, wie DER SPIEGEL korrekt berichtet, „die Schattenseiten der postmodernen Gesellschaft: Überbetonung des Marktes, ungefilterte Kommunikation, Fehlen von Gemeinsamkeiten“.

Linken Kategorien und einer spätmodernen Anthropologie blieb Bauman bis ins Alter treu, obwohl er mit der kommunistischen Partei in Polen brach und die Spassgesellschaft mitunter scharf kritisierte („Postmoderne ist ein Freibrief, zu tun, wozu man Lust hat, und eine Empfehlung, nichts von dem, was man selbst tut oder was andere tun, allzu ernst zu nehmen“ (Ansichten der Postmoderne, 1995, S. 9)). Ein Zitat aus einem Interview, dass er im Jahre 2005 der ZEIT gegeben hat, bündelt wesentliche Thesen seines Denkens. Einerseits finden wir darin seine berechtigte Kritik an einer konsum- und interessengeleiteten Lebensweise, andererseits auch das Lob auf den Menschen, der sich selbst Gesetz ist.

Wir leben heute in der flüchtigen oder flüssigen Moderne, wie ich sie nenne, in Konsumgesellschaften, in denen menschliche Beziehungen auf flüchtigen Genuss beschränkt sind. Menschen sind nur so lange wertvoll, wie sie Befriedigung verschaffen. Zwei elementare Bedürfnisse stehen einander in diesen Gesellschaften entgegen: der Wunsch, im aufgewühlten Meer einen sicheren Hafen zu haben, und das Bedürfnis, zugleich ungebunden zu sein, die Hände frei zu haben, über Spielräume zu verfügen. Wer sich aus Bindungen lösen kann, muss sich nicht anstrengen, um sie zu erhalten. Er kann sie als freier Konsument genießen und dann wegwerfen. Aber wenn jeder eine menschliche Beziehung zum Umtausch in den Laden zurückbringen kann, wo bleiben dann Räume, in denen das Gefühl moralischer Verantwortung für den anderen wachsen kann? In der traditionellen modernen Ethik galt es, Regeln zu gehorchen, die postmoderne Moral aber verlangt von jedem, selbst Verantwortung zu übernehmen. Nun ist der Mensch als Vagabund unterwegs, der individuell entscheiden muss, was gut ist, was böse. Das war so lange eine gute Nachricht, bis der Konsum die zwischenmenschlichen Beziehungen kolonisierte.

Angesichts solcher düsteren Analysen leuchten die Kraft und Schönheit der jüdisch-christlichen Sicht auf das Leben gerade zu auf. Der Gott der Bibel bietet dem Menschen nämlich Bindung, Freiheit und Heimat an. Doch mit einem Gott, der dem Menschen Würde und Verantwortung schenkt, wollte Bauman nicht mehr rechnen. Für ihn war das „ein schöner Traum, den wir nicht aufhören werden zu träumen“. Freiheit ist nach Bauman nur zum Preis von Ambivalenz, Uneindeutigkeit und Ungewissheit zu haben.

Die Postmoderne: Abschied von der Eindeutigkeit von Ron Kubsch

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Was wird der Mensch?

Alexander Armbruster und Roland Lindner beschreiben in der FAZ („Was wird der Mensch?“, 07.01.2106, Nr. 6, S. 21), wie die Künstliche Intelligenz langsam aber stetig ins alltägliche Leben vordringt. Die Firma Mayfield Robotics, eine Tochter des Boschkonzerns, will noch 2017 einen Hausroboter auf den Markt bringen (siehe ein Promovideo hier).

In der FAZ ist zu lesen:

Tatsächlich hat Mayfield großen Wert darauf gelegt, seinen Hausroboter, der noch in diesem Jahr für rund 700 Dollar auf den Markt kommen soll, zu einem freundlichen Geschöpf zu machen. Am Design hatte ein früherer Angestellter des zum Unterhaltungskonzern Walt Disney gehörenden Zeichentrickstudios Pixar großen Anteil, und Kuri erinnert an den Roboter „Eve“ aus dem Pixar-Film „Wall-E“.

Kuri soll ein Helfer und Gefährte im Haushalt sein, eine Art nützliches zusätzliches Familienmitglied. Der Roboter kann zum Beispiel mit Kindern Verstecken spielen und sie begrüßen, wenn sie aus der Schule zurückkommen. In Abwesenheit seiner Besitzer kann er dank integrierter Kameras auch das Haus überwachen und warnen, wenn ihm etwas verdächtig vorkommt. Er ist auf Rollen unterwegs und lernt Dinge über den Haushalt seiner Besitzer, etwa wem welches Zimmer gehört, versteht Stimmenkommandos, gibt aber selbst nur niedliche Pieptöne von sich. Mayfield-Vorstandschef Michael Beebe sagt, ihm sei es wichtig gewesen, Kuri eine liebenswerte Persönlichkeit zu geben. Zum Beispiel, dass er mit dem Kopf nicken kann, wenn man ihn streichelt. Beebe beteuert, es sei nicht zu befürchten, dass sein Roboter jemals von selbst eine finstere Seite entwickeln könnte: „Er hat ein inniges Wesen und würde nicht einmal sarkastisch sein.“

Es wird also eine Frage der Zeit sein, bis der Familienbegriff auf Roboter ausgedehnt wird.

Zur kritischen Sicht auf das Thema empfehle ich einen Klassiker des großen Joseph Weizenbaum:

  • Weizenbaum, Joseph: Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft, 9. Aufl. Aufl. Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1994.

Martin Luther – Aus Liebe zur Wahrheit

Berthold Schwarz hat 2016 eine Buchausgabe zu Martin Luther besorgt:

51+cQ1yL5QL SX327 BO1 204 203 200Der Verlag schreibt:

Martin Luther hat bereits zu seinen Lebzeiten polarisiert. Die einen waren fasziniert von ihm und von der Wiederentdeckung des biblischen Evangeliums von der Gnade. Sie ließen sich von ihm zu neuer Christus- und Glaubenstreue einladen. Die Entdeckung der Bibel als Lebens- und Glaubensbuch sowie die anbetende Anschauung des Gekreuzigten faszinierte viele. Andere waren ihm weniger wohlgesonnen. Sie wünschten ihm die Pest an den Hals, weil er mit seinen an der Bibel orientierten „Reformen“ ganz Europa in Aufruhr versetzte und die gewohnten Ordnungen von Kirche und Obrigkeit zu gefährden drohte.

Luther selbst blieb zeitlebens der „Liebe zur Wahrheit“ verpflichtet, so wie er sie verstand. Was diese Liebe zur Wahrheit bei ihm bedeutete, das will dieses Buch 500 Jahre nach dem Bekanntwerden der 95 Thesen gegen den Ablasshandel im Jahre 1517 in Erinnerung rufen und auf die eine und die andere Weise neu zur Sprache bringen.

22 Autoren haben in unterschiedlich gewichteten Beiträgen die Vielfalt der Gedanken Luthers zur Reform der Kirche „an Haupt und Gliedern“ oder Aspekte ihrer Wirkungsgeschichte ausformuliert. Dadurch können auch heute wieder interessierte Christen Luthers Bemühungen um ein an Christus (solus Christus), an der Bibel (Sola scriptura), an der Gnade (sola gratia) und am Glauben (sola fide) orientiertes Christenleben erstmals oder vertieft kennenlernen, und dabei auch wahrnehmen, was es in der Konsequenz heißen kann, zur Ehre Gottes zu leben (soli Deo gloria). Deshalb ist das Buch auch in diese fünf Kategorien nach den „sola-Begriffen“ unterteilt, die klassisch das reformatorische Erbe zusammenfassen. Diesen Oberbegriffen sind die Einzelbeiträge thematisch zugeordnet …

Die Erinnerung an Luthers „Liebe zur Wahrheit“ auf unterschiedlichen Gebieten, zu unterschiedlichen Themen, geschieht letztlich im Sinne von „alles zur Ehre Gottes“, des Gottes, der diesen unscheinbaren Mönch zu einem mächtigen Werkzeug in der Verkündigung seines Wortes und in der Reformation seiner christlichen Kirche auserkoren hat. Es ging und geht ja dabei stets zuerst um Gott und seine Sache, erst danach um Martin Luther, einem seiner fehlerhaften und doch treuen Mitarbeiter. Luther selbst lehnte es bekanntlich vehement ab, als Christen seiner Zeit sich nach ihm „Lutheraner“ nennen wollten: „Wie keme ich armer stinckender madensack datzu, das man die kynder Christi solt mit meynem heyloszen namen nennen?“ In diesem Sinn, Ihnen allen eine spannende und dabei Mut machende Lektüre.

Als Autoren haben mitgewirkt: Michael Kotsch, Gottfried Hermann, Reiner Andreas Neuschäfer, Berthold Schwarz, Karl-Heinz Vanheiden, Armin Wenz, Reinhard Slenczka, Friedhelm Jung, Helge Stadelmann, Ron Kubsch, Bernhard Kaiser, Uwe Siemon-Netto, Daniel Facius, Thomas Jeising, Rolf Sons, Jan van de Kamp, Ulrike Treusch, Christian Lehmann, Ralf-Thomas Klein, Joachim Kummer, Walter Hilbrands, Christian Hermann.

Ein Inhaltsverzeichnis kann hier heruntergeladen werden: IHVZ_luther_schwarz.pdf.

Martin Luther – Aus Liebe zur Wahrheit von

Preis: EUR 19,90

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Mülheimer führt größtes Evangelikalen-Netzwerk

Pastor Ekkehart Vetter ist neuer Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz. Die ist das größte Netzwerk Evangelikaler in Deutschland. Die WAZ stellt den Leiter des Netzwerkes vor:

„Christlich sein und rechts sein, das passt nicht zusammen. Mit Bush, Trump und Pence habe ich nichts zu tun. Deren Positionen teile ich nicht“, sagt der 60-jährige Pastor. Und fügt auch gleich verschmitzt hinzu: „In den 80ern habe ich mit der Friedensbewegung gegen die Nachrüstung demonstriert.“ Vetter weiß, wie man Vorurteile ins Wanken bringt. Er wird ständig mit ihnen konfrontiert.

Er will, jenseits der Klischeevorstellungen, mit den Menschen ins Gespräch kommen. Die US-Verhältnisse sind auf Deutschland nicht übertragbar. Gleichwohl, die Glaubenspositionen, die er und seine Mitstreiter vertreten, etwa im Hinblick auf Homosexualität oder den Lebensschutz, besitzen Provokationspotenzial. Denn quer zum Zeitgeist stehen sie schon. „Diese Positionen muss natürlich niemand teilen, aber ich erwarte Respekt.“ Evangelikal heißt so viel wie auf das Evangelium, also die Bibel bezogen. Die Frage ist nur, wie die Bibel jeweils gedeutet wird.

Mehr hier: www.waz.de.