»Ich bin dreimal getauft«

Fast jeder Christ in freikirchlichen Kreisen kennt Freunde, die zwei- oder dreimal getauft sind. (Wahrscheinlich bleibt es bei der dritten Taufe, da diesmal alle Haare unter Wasser waren und die geistliche Einstellung sowohl beim Täufling als auch beim Pastor stimmte. Oder wäre der Jordan doch noch besser geeignet?) Es gibt Schätzungen, nach denen 4 von 10 Baptisten (gemeint sind die Südlichen Baptisten in den U.S.A.) wiedergetauft sind. Für die Statistik ist das sicher gut. Aber stehen solche Entwicklungen für eine biblische Theologie?

Christen aus Rumänien sind über das Phänomen der massenhaften Wiedertaufe, das nun auch ist Osteurope Einzug hält, zu Recht beunruhigt und suchen nach den Gründen.

Hier mehr: trevinwax.com.

Kommentare

  1. „Fast jeder Christ in freikirchlichen Kreisen kennt Freunde, die zwei- oder dreimal getauft sind. “

    Ich bin Christ in freikirchlichen Kreisen und kenne niemanden, der zwei- oder dreimal getauft ist. Und dies obwohl ich Dutzende von Menschen begleitet habe, die den Weg in unsere Gemeinde gefunden haben.

  2. Lieber Ron,

    das Problem scheint mir vor allem die theologische Unsicherheit und die arminianische Frömmigkeit („meine Entscheidung ist entscheidend“) in den Gemeinden zu sein. Viele Menschen, die zum Glauben an Jesus kommen und aus Tradition als Kind mal getauft wurden, bekommen in den Gemeinden erklärt, dass nur eine „Glaubenstaufe“ gilt und werden so verunsichert und zur Wiedertaufe gebracht (ich spreche aus schmerzlicher Erfahrung). Ich kann es den Zwei- bis Mehrfachtäuflingen kaum verübeln, dass sie sich so verhalten – das Problem sind m. E. die Hirten!

    Liebe Grüße, Johannes

  3. @Stewart: Na wunderbar!

  4. @Johannes: So ist es.

  5. @Ron
    Gar nicht wunderbar, sondern eine ganz nüchterne Feststellung, die zumindest dem ersten Satz „fast jeder freikirchliche Christ“ widerspricht.

    Man kann ja durchaus eine Streitrede gegen ein abweichendes Taufverständnis halten und dabei Missstände in anderen Denoninationen anprangern. Aber dann sollte man zumindest dort faktensicher sein, wo man Fakten behauptet.

  6. Alexander meint:

    Wenn ich das richtig sehe, beißt sich der Hund hier letztlich doch in den Schwanz. Die rumänischen Baptisten wettern zwar (zurecht!), dass bei den amerikanischen Baptisten Erwachsene doppelt und dreifach getauft werden (wohlgemerkt: Mehrfachtaufe als Erwachsene!). Sie taufen aber ihrerseits Christen ’nochmal‘, die aus katholischen oder orthodoxen Familien stammen, weil sie eben die (Klein-)Kindertaufe nicht anerkennen. Die Argumente sind die allbekannten: Persönliche Entscheidung und Verständnisfähigkeit. Von den drei Kriterien, mit denen sich die Rumänen von den Amerikanern unterscheiden wollen (bessere Katechese, ‚Bundescharakter‘ der Taufe, höhere persönliche Kosten eines christlichen Bekenntnisses) ist keines wirklich valide. Das dritte wird mit zunehmendem Abstand von der kommunistischen Verfolgung schwächer werden. Das zweite versteht ‚Bund‘ offenbar nicht im Sinne einer ‚Bundestheologie‘. Und die Katechese geht wie gesagt von der Taufe als Zeichen der ‚persönlichen Entscheidung‘ aus. Theologisch unterscheiden sie sich in der Tauffrage von ihren amerikanischen Brüdern, wie mir scheint, also höchstens in Nuancen. Wer die Säuglingstaufe für gültig hält und die ‚Glaubenstaufe‘ eines bereits als Kind Getauften als ‚Wiedertaufe‘ betrachtet, für den sind auch die rumänischen Baptisten (leider) keine Verbündeten. Nichtsdestotrotz: Sie sind Brüder im Herrn, die um des Glaubens willen in der Vergangenheit vieles erlitten haben!
    Was mich bei einem Baptisten immer interessiert, ist die Frage: Was passiert mit einem Kind gläubiger Eltern, das ungetauft stirbt? Hier gerät das baptistische Taufverständnis notgedrungen ins Schwimmen.

  7. @Stewart: Ich habe nicht gesagt, dass fast jeder freikirliche Christ zwei- dreimal getauft ist, sondern fast jeder jemanden kennt, der zwei- dreimal getauft ist. Du gehörst nicht dazu und es wird noch viele andere geben, die nicht dazu gehören. Gut so. Wo ist das Problem?

  8. @Alexander
    http://www.ag.org/top/beliefs/gendoct_11_accountability.cfm

    Das ist zwar nicht baptistisch, sondern pfingstlerisch, aber es gibt keine wesentlichen Unterschiede zum baptistischen Taufverständnis.

    @Ron
    Gut.

  9. Alexander meint:

    @Stewart, ich kenne die Argumentation, sie ist nicht schlüssig. Wenn ein Kind schon zum Reich Gottes gehört, *bevor* es in der Lage ist, seinen Glauben zu artikulieren, dann nicht allein deswegen, weil Gott das arme fühverstorbene Kind „liebt“, wie dort steht, sondern weil er das Kind von seiner Sünde reingewaschen und ihm Christi stellvertretenden Sühnetod am Kreuz angerechnet hat. Es gibt keinen Weg ins Reich Gottes ohne Vergebung der Sünden. Wenn das aber schon für kleine, frühverstorbene, unmündige Kinder gilt, warum soll man dann überhaupt Kindern gläubiger Eltern die Taufe, das Zeichen der Reinigung von der Sünde verweigern?
    Hier ist Mitternacht, ich muss ins Bett.

  10. @Alexander
    Ich halte die Argumentation durchaus für stimmig, allerdings nicht vor dem Hintergrund eines sakramentalen Taufverständnis, das die Taufe als Sündenabwaschung versteht.

    Was rettet: Taufe oder/und Glaube? Glaubenstaufende Freikirchen sehen mit Markus 16,16 den Glauben als entscheidend an, nicht die Taufe, die glaubenslose Taufe des nicht glaubensfähigen Kleinstkindes ist vor diesem Hintergrund wirkungslos.

  11. ich bin auch 3 x getauft worden
    2x als ungläubiger in der evangelischen kirche getauft worden
    der grund war ich habe den ersten taufschein verloren.
    und das dritte mal als gläubiger in der freikirche

  12. Alexander meint:

    @Stewart, in brüderlicher Freundschaft: bitte genau lesen! Ich habe nicht gesagt, dass die Taufe mit der Sündenabwaschung gleich zu setzen ist, sondern dass sie ein *Zeichen* der Reinigung von unseren Sünden ist. Was Du ablehnst, ist die Tauf-Wiedergeburtslehre, die sich in vielen Landeskirchen findet. Ich kann Dir hier nicht die gesamte reformierte Tauftheologie erklären, und würde Dich daher bitten, Dich an entsprechender Stelle kundig zu machen, zur Einführung bspw. Calvin, Institutio 4,14-16. (www.calvin-institutio.de)
    Wenn der Glaube Deiner Ansicht nach entscheidend ist, dann nochmal die Frage: warum kommen artikulationsunfähige, frühverstorbene Kleinkinder in den Himmel, denen Deiner Argumentation nach doch das entscheidende Kriterium – eigener ausdrucksfähiger Glaube – fehlt?
    Mein letztes Wort, sonst gibt es hier einen Endlosthread.

  13. @Alexander
    Mir geht es nicht ums Rechthaben, deshalb referiere ich nur den Standpunkt. Und als ehemals Angehöriger der ev-luth Landeskirche ist mir zumindest die lutherische Tauftheologie nicht fremd. Aber Calvin lese ich noch, versprochen.

    Zur Frage der Kinder haben die Assemblies of God Stellung genommen.

    LG, Stewart

  14. Hallo,

    inhaltlich will mich hier nicht weiter äußern, als Lutheraner mit einem weitestgehend ebensolchen Taufverständnis würde u.U. etwas viel Staub aufwirbeln. Aber ich will kurz etwas posten, was ich im Diskussionsteil eines anderen Blogs gefunden habe und was vielleicht gut hier her passt. (Mich hat es um ehrlich zu sein erschüttert.) Es zeigt, dass Ron so weit nicht daneben liegt, zumindest mit Blick auf die USA. In Deutschland ist mir solches allerdings noch nicht untergekommen.

    Beste Grüße,
    Andreas

    Quelle: http://theologica.blogspot.com/2007/08/grudem-response-to-piper.html

    „Anonymous said…
    Jessica,

    Interesting question. Among the Baptists themselves, I have been required to be rebaptized 3 times! Since then I have been convicted for complying, as I believe my first baptism was valid. Each time I was not permitted as a member(without being re-baptized) because of some doctrinal difference in the church I was coming from.
    Philip’s response to the Eunich (in the KJV) seems to give us the only requirement for baptism… „If you believe, you may.“ I am beginning to disagree (from prayer and scripture) with the practice of rebaptizing. (One of the reasons that I am leaving the Primitive Baptists.)The requirement is the faith in the believer, not the soundness of the church that performs the ordinance.

    John
    Texas
    8/10/2007 07:40:00 AM

    Brantley said…
    Baptism is a public profession of faith. Why would a true Christian attempt to sow seeds of argument in a church by refusing baptism? The only reason I can see for not wanting to be baptised again is a pride issue. I am a born again Christian and I’ve made that a public profession in the form of baptism. If a Church I wanted to join wanted me to make that profession again infront of their Church body, I would do so gladly.
    8/10/2007 10:24:00 AM“

  15. Ich wurde zweimal getauft. Einmal als Kind und einmal als Erwachsener. Als ich zum Glauben an Jesus Christus kam, beschäftigte ich mich bald auch einmal mit der Tauffrage und kam zum Schluss, dass die Taufe erwachsener Menschen die richtige (lies: biblische) Art der Taufe darstellt. Da ich aber nichts überstürzen wollte und mir über den „Wert“ meiner als Säugling erhaltenen Taufe unsicher war, wartete ich zunächst ab, mich erneut taufen zu lassen.

    Mehrere Gelegenheiten zur Taufe lies ich so verstreichen in der Überzeugung, dass mir Gott den richtigen Zeitpunkt dazu noch zeigen würde (oder eben auch dass dieser nie kommen wird).

    Vor einigen Jahren kam dann doch dieser Moment, dass ich mich erneut taufen lies. Die Umstände zu dieser Taufe – welche ich allerdings zum Teil erst später erfuhr – bestätigten mich darin, dass diese Entscheidung auch vor Gott richtig war. Also alles reine Erfahrungstheologie 😉

    Wenn jemand als Kind bereits getauft wurde, würde ich diese Person nicht drängen es erneut zu tun. Er/sie sollte diesen Schritt aber zumindest einmal prüfen.

    Eine „Wiedertaufe“ aus dem Grund dass die vorhergegangene Taufe durch die „falsche“ Gemeinde durchgeführt wurde oder als erneutes öffentliches Bekenntnis des eigenen Glaubens lehne ich allerdings ab. Denn in diesem Sinne, davon bin ich überzeugt, ist die Taufe ein einmaliges Sakrament, das nicht wiederholt werden muss/kann.

  16. @Alexander
    Du hast ganz sicher Recht, dass keiner (auch Kinder nicht) ohne Vergebung gerettet werden kann. Man kann dabei aber mMn nicht Kinder und Erwachsene vergleichen. Ein Erwachsener wird aus Glauben gerecht gesprochen, ein Kind nicht. Wenn man davon ausgeht, dass Kinder gerettet werden (was ich tue), dann geschieht die Vergebung aufgrund ihrer Unmündigkeit.
    Glaube und Taufe sind im NT gekoppelt, Unmündigkeit existiert unabhängig von der Taufe. Deshalb sehe ich keine Möglichkeit, Gerechtsprechung von Kindern mit der von Erwachsenen theologisch zu vergleichen.

    Ich glaube die Taufe wirklich zu verstehen ist extrem komplex. Ich bin da auch noch nicht am Ende meiner Studien angekommen.
    Wenn Taufe ein öffentliches Bekenntnis ist (wofür ich keinerlei bibl. Grundlage sehe), vor wem hat dann der äthiopische Kämmerer bekannt? Wenn Taufe die Reinwaschung von Sünde ist, warum wurde dann Jesus getauft? Was bedeutet es, dass Paulus die Johannesjünger in Ephesus erneut getauft hat?

    Keine Fragen, die man jetzt hier diskutieren kann/sollte aber ich wollte sie mal in den Raum stellen. Eins kann man jedenfalls sagen: Die meisten der vorherrschenden Tauf“verständnisse“ werden dem biblischen Befund nicht gerecht – sei es Landeskirche, Southern Baptists oder deutsche Freikirche.

  17. Alexander meint:

    @Johannes: nicht ganz klar, was Du mit „Vergebung aufgrund ihrer Unmündigkeit“ meinst. Verschrieben? „trotz“ statt „aufgrund?
    Hier meine drei Pence: Wahrscheinlich muss man mit der Souveränität Gottes radikal ernst machen. Wenn selbst der Gaube, aus dem wir gerecht gesprochen werden, Gottes Gabe ist, warum sollte Gott diesen Glauben nicht auch unmündigen Kindern gewähren? Damit bleibt Gott sich selbst treu (Er rettet aus Gnade durch Glauben) und man vermeidet das Problem, durch die Bindung des Glaubens an irgendein Kriterium (‚Mündigkeit‘) faktisch wieder eine Schwelle zu errichten, über die ein Kind erst drüber kommen muss. Apg 2,38f verbindet die Taufe übrigens nicht in erster Linie mit dem Glauben sondern mit Gottes Verheißung der Vergebung der Sünden und der Gabe des Heiligen Geistes. Beides zu empfangen, Vergebung der Sünden und Gabe des Heiligen Geistes, ist Kindern sicherlich möglich. Aber ich hab auch nicht alles zum Thema Taufe verstanden.
    Leicht, hm, skurrile Taufverständnisse habe ich in den letzten beiden Jahren selbst bei den Sydneyanglicans erlebt, die ansonsten ziemlich reformiert sind. Einer meiner engsten Freunde meinte ebenfalls, es spräche nichts grundsätzlich dagegen, dass man sich nicht auch mehrfach taufen lassen könne. Mir hat’s schier die Sprache verschlagen.

  18. Ich hab das schon so gemeint. Vielleicht wäre „wegen“ aber passender gewesen.
    Gott hat gesagt, dass der Lohn jeder Sünde der Tod ist. Damit wäre ein „trotz“ eine Ausnahme und dadurch würde Er sich selbst widersprechen.
    Ich denke nicht, dass kleine Kinder den Heiligen Geist empfangen können. In Gal 3,2 schreibt Paulus, dass man den Geist „aus der Kunde des Glaubens“ empfängt – das setzt aber eine gewisse Mündigkeit voraus. Ich meine jetzt wirklich kleine Kinder, kein Jungschar-Alter. Glauben zu haben ist nicht ohne Sündenerkenntnis möglich, diese kann aber imho ein 4-jähriges Kind nicht haben. Es kann natürlich Sätze der Eltern nachplappern, aber wirkliches Verständnis habe ich in dem Alter noch nicht erlebt.

    Jedoch gibt es in dem Alter auch noch kein Verständnis des Gesetzes. Aus dem Gesetz heraus kommt ja schließlich die Sündenerkenntnis. Deshalb glaube ich, dass kleine Kinder zwar sündigen, aber für diese Sünden „wegen“ ihrer Unmündigkeit nicht bestraft werden. Ebenso denke ich geht Gott mit geistig schwer Behinderten um.
    Es ist für mich wie im echten Leben auch. Kinder/Teens können schon Verbrechen begehen, aufgrund ihrer Unmündigkeit werden sie aber garnicht oder nur begrenzt bestraft – sie sind noch nicht straffähig. Auch geistig Behinderte sind vor dem weltlichen Gericht nur eingeschränkt straffähig.

    „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“

  19. Ich wurde auch als Kind getauft, allerdings nicht einmal von einem „richtigen“ Priester, da dies in der ehem. SU geschah, zuhause.

    Später wurde ich dann bei meiner Konfirmation getauft. Zu diesem Zeitpunkt war ich auch noch nicht bekehrt.

    Ich habe zwar einige Zweifel, aber ich glaube, diese Taufen waren nicht „gültig“, andererseits halte ich nicht alzu viel von rein symbolischen Handlungen. Und gerade dieses Nach- und Wiedertaufen kommt mir manchmal arg symbolisch vor… Zumind. stell ich mir Gott nicht als Bürokraten vor der schadenfroh „Aha!“ ruft und mich in die Hölle schmeisst weil mir die entscheidende Taufe fehlt…

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