»Manifestation eines aggressiven Säkularismus«

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der am Dienstag entschied, dass Kreuze in Klassenzimmern gegen die europäische Menschenrechtskonvention verstoßen, ist von Vertretern aus Politik und Kirche kritisiert worden. Kurienkardinal Kasper bezeichnete das Straßburger Urteil als »Manifestation eines aggressiven Säkularismus«, das »uns Christen aus dem Schlaf reißen« müsse.

In Deutschland sprach der familienpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Singhammer (CSU), von einem »klassischen Fehlurteil«, mit dem der Gerichtshof seine eigenen Grundlagen kassiere. Kreuzzeichen seien ein sichtbares Symbol einer klaren Werteorientierung, »nämlich dem Schutz der Würde aller Menschen, egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts oder welchen religiösen Bekenntnisses«. Die Richter hätten mit ihrem Urteil nach dem Empfinden vieler EU-Bürger nicht »im Namen des Volkes« gesprochen. »Das Bekenntnis zum Atheismus darf nicht privilegiert und die christlichen Glaubensinhalte nicht diskriminiert werden«, sagte Singhammer.

Hier mehr: www.faz.net.

Kommentare

  1. Der Artikel von Albert Mohler vor einigen Wochen spricht genau zu diesem Thema:

    http://www.albertmohler.com/2009/10/06/the-cross-of-christ-is-not-a-secular-symbol/

    Die dazu gehoerige Radiosendung kann hier heruntergeladen werden:
    http://www.albertmohler.com/2009/10/06/the-cross-of-christ-on-public-land/

  2. Müssen wir Christen uns zu Verteidigern von Schulkruzifixen machen lassen? Die italienischen Gerichte hatten das Kruzifix zu einem „Symbol der italienischen Geschichte und Kultur und folglich der italienischen Identität“ gemacht. Verstehen wir das Kreuz im Schulzimmer auf diese Weise?

  3. Roderich meint:

    Als Christen sollten wir uns dafuer einsetzen, dass Kreuze wohl in Klassenzimmern haengen bleiben duerfen. Es gibt keinen „neutralen“ Raum, auch nicht in der Erziehung. Orientierung ist noetig, und wenn sie nur ganz grundsaetzlich ist. (Wenn die Orientierung nicht mehr christlich ist, dann wird sie halt humanistisch oder Islamisch oder geht dann von irgend einer anderen Weltanschauung ausgehend. Man kann nicht „nicht orientieren“, irgendein Weltbild wird immer transportiert, und sei es Wissenschaftsglaeubigkeit).
    Das Christentum als Basis der Menschenwuerde, aber auch weil es wahr ist, ist die beste Grundlage und Grundsatzorientierung. Sie sollte in Schulen in Europa bestehen bleiben.
    Die Roemer haetten auch nichts dagegen gehabt, wenn Christen ihren Gott als einen unter vielen angebetet haetten, so lange sie den Kaiser auch anbeteten. PluralitAET ist sicher gut (man kann niemanden zum Glauben zwingen), aber der PluralISMUS als -ismus (also die These, dass es normativ „gut“ ist, dass wir verschiedene Religionen haben), ist eine Ideologie und ist eigentlich nichts anderes als eine Verleugnung des Gottes der Bibel.

  4. Johannes meint:

    @ Roderich
    Pluralismus ist sicher eine Krankheit besonders unserer Zeit, aber darum geht es ja nicht. Pluralismus wäre, wenn neben das Kruzifix auch noch ein Buddha, eine Mondsichel und ein Davidsstern gehangen würde. Es geht jedoch darum, religiöse Symbole ganz zu entfernen. Unsere immer atheistisch werdende Gesellschaft hat Angst davor, dass wir dadurch die Kinder infiltrieren.

    Ganz ehrlich, ich finde das Urteil völlig in Ordnung. Es möchte ja auch keiner von uns, dass an Schulen islamische Symbole hängen nur weil die Mehrheit dort einen muslimischen Hintergrund hat.

    Was du zum Christentum als Grundlage für Werteorientierung schreibst kann ich garnicht nachvollziehen.
    Die christlichen Gebote sind an Nachfolger Jesu gerichtet und sind deshalb keine ‚Werte‘ im klassischen Sinn. Wo man versucht sie auf Nicht-Christen anzuwenden verkommen sie zu bloßer Ethik. Gerade das ist doch das Problem vieler Gemeinden heute, besonders der Emerging Church – dass oft versucht wird, bessere Menschen zu machen statt sie zu Jesus zu führen und sie durch seine Gnade verändern zu lassen.
    Wenn man sich Gedanken über sinnvolle Werte macht kann dabei letztlich nicht viel anderes rauskommen als die christlichen Grundwerte. Trotzdem hat es keinen Sinn, ein Europa, in dem ein Bruchteil wirklich gläubig ist, auf christliche Werte zu gründen. Damit fördern wir höchstens die Sicht, man könne ein ‚guter Mensch‘ sein und dadurch gerettet werden.

  5. Das Europa immer mehr intolerant bei Christlichen Sachen wird ist ja klar…
    Aber das ein so absurdes Urteil gefällt wird…. den Leuten (Richtern) kann man nicht vorwerfen etwas gedacht zu haben ….
    Aber was soll man dagegen machen…

  6. Die Kreuze werden aus den Klassenzimmern entfernt! Dafür wird aber jede Schule mit einem muslimischen Gebetraum ausgestattet. Irgendwie krass wenn man diese Gerichtsurteile so im Zusammenhang sieht. Für mich stellt sich die Frage: Brauchen wir überhaupt staatliche Schulen? Sind die noch zeitgemäß? Oder sollte es mehr private Schule in christlicher Trägerschaft geben bzw. der Weg für Homeschooling freigemacht werden?

  7. @Johannes: Du sagst: „Was du zum Christentum als Grundlage für Werteorientierung schreibst kann ich garnicht nachvollziehen.
    Die christlichen Gebote sind an Nachfolger Jesu gerichtet und sind deshalb keine ‘Werte’ im klassischen Sinn. Wo man versucht sie auf Nicht-Christen anzuwenden verkommen sie zu bloßer Ethik.“

    Wie soll ich das verstehen? Ist es Dir egal, was in der Gesellschaft passiert. Macht es Dich nicht betroffen, wenn Menschen sich gegenseitig umbringen, rauben, beneiden … Soll uns Christen gleichgültig sein, was Gottes Geschöpfe so treiben?

    Liebe Grüße, Ron

  8. Johannes meint:

    @ Ron
    So sollst du es nicht verstehen 🙂
    Natürlich macht mich sowas betroffen und ist mir absolut nicht egal. Aber ich glaube nicht, dass wir christliche Gebote eins zu eins auf jemanden anwenden können, der eine völlig andere Ausgangsposition hat als wir.
    Nicht alle, aber manche der Gebote basieren z.B. darauf, dass wir als Christen keine Rechte haben. Eigentlich verdienen wir den Tod, stattdessen gibt Jesus seine Privilegien auf – verzichtet auf jedes Recht – und nimmt unseren Tod auf sich. Deshalb streben wir nicht mehr nach unserem Recht, sondern nach Gottes Gerechtigkeit.
    Wie soll ich solche Gebote auf einen Nicht-Christen anwenden?

    Es gibt gute Gründe nicht zu töten, rauben, beneiden… Diese müssen wir den Menschen erklären. Wenn ich „Du sollst nicht töten“ damit begründe, dass es in der Bibel steht, kann ich es einem Atheisten nicht verdenken, wenn er sich nicht daran hält. Ich bin ja nicht gegen Ethik ansich – bloß nicht! – sondern dagegen, die christliche Ethik einfach auf eine atheistische Gesellschaft anzuwenden.

    Gruß zurück, Johannes

  9. Lieber Johannes,

    aber auch die Atheisten leben in Gottes Welt!

    Hinter unserem kleinen Austausch steckt tatsächlich die Frage, ob die Gebote Gottes sich an alle Menschen oder nur an die Christen richten. Die Sache scheint klar: Gottes Gebote gelten für alle Menschen. Wie sonst könnte Gott die Menschen auf der Grundlage seiner Gebote richten?

    Die Reformatoren sprachen vom ersten Gebrauch des göttlichen Gesetzes (primus usus legis). Dieser Nutzen des Gesetzes ist es, chaotische Zustände, also Willkür, Missbrauch usw., abzuwenden und eine zivile Gerechtigkeit zu erhalten. Das bedeutet nichts anderes, als dass das gesamte weltliche und christliche (!) Leben dem Dekalog unterstellt ist.

    Die zivile Gerechtigkeit wird nie umfänglich hergestellt werden und schon gar nicht dazu führen, dass Gott Menschen annimmt. Aber sie beugt dem Bösen vor und lässt Leben gelingen. Wir sollten nie vergessen, dass Gottes Gebote eine lebenserhaltende Funktion haben.

    Wir müssen selbstverständlich darauf achten, dass das Gesetz immer zusammen mit dem Evangelium verkündet wird. Wir wissen, dass ein äußerliches Halten von Geboten vor Gott nicht angenehm ist und Christus zu uns kommt, um unsere Herzen zu erneuern. Wo das Evangelium fehlt, führt eine Gebotsehtik in den Moralismus. Umgekehrt gilt aber auch: Wo Gemeinde sich nur auf die Pflege geistlichen Lebens konzentriert, ist sie Gott untreu.

    Liebe Grüße, Ron

Deine Meinung ist uns wichtig

*