„Die Schulä fenkt an“

Harald Martenstein hat sich mit dem Erlernen der Rechtschreibung nach Gehör befasst und seine „Erkänntnisse“ in einen wunderbaren Text gepackt:

Manchmal sagen Leute: Ach, wissen Sie, ich würde auch gerne schreiben – kann man das lernen? Natürlich. Ich habe auf die folgende Weise schreiben gelernt. Eine bezaubernde junge Frau, die mir riesengroß vorkam, betrat das Zimmer, in dem ich saß. Sie lächelte mich an, ging zu einer Tafel, sie schrieb das Wort „Hans“ und das Wort „Lotte“ an die Wand. Dann erklärte sie mir, welcher Buchstabe welchem Laut entspricht. So habe ich schreiben gelernt. Buchstabe für Buchstabe, mit Fibel. Ich war überrascht, als ich in der Zeitung las, wie Kinder heutzutage das Schreiben lernen.

Die Kinder kriegen eine „Anlauttabelle“. Man erklärt ihnen, welcher Laut welchem Buchstaben entspricht. Dann sollen sie loslegen. Sie hören einen Satz, gucken in ihrer Tabelle nach und schreiben: „Die Schulä funkt an.“ Schon nach ein paar Wochen können sie halbe Romane schreiben, besser gesagt, halbe Roh Manne. Der Lehrer darf sie nicht korrigieren. Das würde den Kindern, heißt es, seelischen Schaden zufügen und sie demotivieren. Die Methode „Lesen durch Schreiben“ ist eine Erfindung des Reformpädagogen Jürgen Reichen, sie setzt sich immer mehr durch. In der Zeitung stand auch, dass Eltern verwirrt sind. Ihr Kind schreibt „Di Bollitzei isst da“ und fragt, ob das richtig geschrieben sei. Was sollen die Eltern dem Kind antworten? Beim Elternabend wird ihnen gesagt, dass sie so tun sollen, als sei alles richtig. Falls sie damit ein Problem haben, sollen sie „ausweichend antworten“. Die Eltern können sagen: »Richtig, falsch, das sind relative Begriffe. Alles nur gesellschaftliche Konvention.« Oder: „Was richtig war und was falsch, zeigte sich oft erst nach Jahrzehnten.“

Interessanterweise hat die neue Methode dazu geführt, dass es viel mehr Kinder mit Rechtschreibschwächen gibt als früher …

Mehr: www.zeit.de.

VD: ET

Kommentare

  1. Ganz richtig. Gut, dass endlich einmal ein offenes Wort dazu gesagt wird.

    Meine beiden ältesten Töchter „genossen“ einen solchen Unterricht. Spätestens in der vierten Klasse wurde jeweils eine Schreibschwäche entdeckt (früher sagte man Legasthenie dazu), die aber wiederum nicht durch Lernen, sondern mit kinesiologischen Ansätzen therapiert werden sollte. Die von den Lehrern vorgeschlagene Massnahmen habe ich abgelehnt, was nicht sehr leicht war. Wenn ich eine Hilfe ablehne, dich mich nicht mal etwas kosten würde, schade ich meinem Kind. Es schien so, als ob man mich wegen unterlassener Hilfeleistung anklagen wolle. Mit Hilfe einfacher Lehrbücher habe ich schliesslich meinen Töchtern, so gut ich konnte, die Rechtschreibregeln (ja, so was gibt es!) beigebracht. Interessant war, dass sie sich innert kürzester Zeit so verbesserten, dass sie sogar von den Lehrern darauf angesprochen wurden. Offensichtlich war die Rechtschreibung nicht eine Schwäche meiner Töchter, sondern die des Unterrichts, den sie besuchten.

    Eltern, seit mutig und lasst euch nicht verunsichern mit neuen Begriffen und Methoden. Lasst es eure Kinder wissen, was richtig und was falsch ist. Sie werden dankbar dafür sein, dass sie von der vierten bis zur sechsten Klasse mehr Zeit dafür haben, Freunde zu treffen, draussen zu spielen und ein Instrument zu lernen, statt in einem Stützunterricht das Verpasste nachholen zu müssen.

  2. @Thomas: Danke für dieses Zeugnis! Ermutigend!
    Liebe Grüße, Ron

  3. Als relativ junges Mitlglied der Gesellschaft (18 Jahre) habe ich selber einen solchen Unterricht „genossen“ (um es mal mit den Worten von Thomas zu sagen). Für mich persönlich war es in der Grundschulzeit von sehr großer Bedeutung, meine Eltern ausfragen zu könne. (In allen Bereichen, aber eben auch gerade in Sachen „Sprache“.) So war ich sehr dankbar – und bin es heute noch viel mehr -, von meinen Eltern die „richtige Rechtschreibung“ (falls man dieses Paradoxon so nennen darf) beigebracht bekommen zu haben. Die Lehrer sträubten sich immer mal wieder gegen meine „zu schnellen Fortschritte“, ließen es dann letztlich aber doch laufen, da ja zu einem späteren Zeitpunkt (ca. 4 Klasse) alle Kinder dann die „richtige Rechtschreibung“ können sollten.
    Aber an die Eltern: Auch Kinder, die vielleicht nicht mit einem so großen Drang gesegnet wurden, zu wissen, wie wirklich richtig geschrieben wird, sollten es zuhause einfach lernen. Es gibt keine bessere Methode, als neben dem Schulunterricht einfach Gespräche über Rechtschreibung anzufangen. Für mich waren damals Selterflaschen, Müslipackungen, Einkaufslisten und alltägliche Gegenstände ein Anstoß, über Rechtschreibung nachzudenken. Solche Anstöße können Eltern ihren Kindern bedenkenlos geben!
    Das solch ein Unterricht so herbe Auswirkungen haben kann (wie Thomas schreibt), hätte ich nicht gedacht… Also Hut ab vor meinen Eltern und eine Aufforderung an die Eltern, es ebenso zu tun!

  4. Rick Nivers meint:

    Why Jonny can’t read

    „Eine Serie von Experimenten, die Cattell in Leipzig durchführte, prüfte die Weise, in der ein Mensch die Wörter sieht, die er liest. Indem er Erwachsene, die des Lesens kundig waren, testete, fand er heraus, dass man Wörter erkennen konnte, ohne die Buchstaben in Laute umsetzen zu müssen. Daraus schloss er, dass Wörter nicht aufgrund gegliederter Buchstaben erkannt, sondern als ›ganzes Wortbild‹ wahrgenommen würden. Er nahm an, dass wenig gewonnen wäre, wenn man einem Kind als ersten Schritt zum Lesen die Laute und Buchstaben lehrte.

    Nachdem ein Mensch Wörter schnell erkennen konnte, sollte man Kindern das Lesen lehren, indem man ihnen die Wörter zeigt und ihnen sagt, was die Wörter sind. Das Resultat war das Fallenlassen der phonetischen und alphabetischen Lehrmethode des Lesens und ihr Ersatz durch die Ganzheitsmethode, die in ganz Amerika angewandt wird. Die die ganze Nation betreffenden Auswirkungen aus Cattells Forschung und Schlussfolgerungen, und, später, die Verbreitung dieser Schlussfolgerungen durch das Teachers College der Columbia Universität, bilden die Grundlage für den Bestseller von Rudolph Flesh ›Why Jonny cant’t read‹.

    Als Doktor der Psychologie in die USA zurückgekehrt, las Cattell ein Jahr lang am Bryn Mawr College und an der Universität von Pennsylvanien, 1887 verließ er wieder das Land, um in Cambridge zu lehren, wo er den englischen Psychologen Galton traf, von dem er tief beeindruckt wurde.

    Galtons Ansicht war, dass ›die natürlichen Fähigkeiten der Menschen unter den exakt gleichen Beschränkungen, wie sie für Form und körperliche Merkmale in der gesamten organischen Welt galten, aus der Vererbung stammten‹. Cattell übernahm Galtons Art, die Eugenik, Auswahlzucht und das Messen der Intelligenzunterschiede zwischen Individuen anzugehen.

    Cattell wurde später der amerikanische Führer in psychologischen Tests und vollzog 1894 die erste geballte Ladung psychologischer Tests an einer großen Zahl von Menschen, indem er Anfänger und Abschlussklassen der Columbia Universität testete und damit erzieherische Tests in den USA initiierte.“

    (Aus: „Es begann in Leipzig“ von Lance J. Klass und Paolo Lionni.

    Der Text geht dann einigermaßen beängstigend weiter.

    Hier wird absichtliche Verblödung getrieben, denn der Staat will keine Menschen, sondern Konsumenten. Ich habe meiner Tochter mit 4 Jahren das Lesen beigebracht – kein Problem. Mit 5 konnte sie flüssig auch anspruchsvollere Texte lesen.

    Eltern, seid mutig und lasst euch nicht vom Staat von solch perfiden Angriffen verhöhnen!

  5. @Jörn: Danke, sehr interessant!
    Liebe Grüße, Ron

  6. Peter Geerds meint:

    Jetzt muss ich als erfahrener Grundschullehrer (Schwerpunkt 1. und 2. Klasse) auch mal dazu etwas schreiben – hier aus bayerischer Sicht. Ich gehe aber davon aus, dass es in den anderen Bundesländern ähnlich ist. Die Methode „Lesen durch Schreiben“ wird NICHT angewendet. Was aber gemacht wird: Die Forschung hat ergeben, dass das Erlernen der Rechtschreibung eine bestimmte Abfolge von Schritten hat, ebenso das Lernen des Lesens. Wer ein kleines Kind hat, wird das vielleich schon beobachtet haben, dass irgendwann im Prozess das Kind so weit ist, dass es z. B. den Buchstaben M erkennt, weiß, dass Mama mit M beginnt, und jetzt alle M-Wörter als Mama liest. Im nächsten Entwicklungsschritt erfährt das Kind, dass die weiteren Buchstaben wichtig sind. Es prägt sich oder erkennt die restliche Wortgestalt. Jetzt zur Rechtschreibung: Der Anfang des Schreibens liegt darin, dass das Kind erkennt: Laute lassen sich durch Buchstabenzeichen darstellen. Es beginnt, gehörte Laute zu verschriften. Je nach mundartlicher Prägung sieht das Geschriebene unterschiedlich aus: aus Mutter wird dann Mutta usw. Das ist aber nur der erste Schritt. In den Lehrplänen ist vorgesehen, dieses lauttreue Schreiben zu fördern, da es die erste Rechtschreibregel ist. Da es natürlich noch weitere Regeln gibt, wird dazu parallel eine Leselehrgang und ein Schreiblehrgang geschaltet. Hier werden in traditioneller Art und Weise die Buchstaben, Silben, Ganzwörter usw. erarbeitet. Seit den 70er-Jahren geschieht das durch die analytische (Wörter werden in Silben und Buchstaben geteilt) als auch synthetische (Buchstaben und Silben werden zu Wörtern verbunden) Methode. Was der Zeitungsartikel so beschreibt, war die Forschungsarbeit eines Jürgen Reichen, die nicht in Deutschland übernommen wurde. Die Klagen und Forschungen über mangelnde Rechtschreibkenntnisse beziehen sich auf Schüler/Studenten/Auszubildende, die nach der traditionellen Methode unterrichtet wurden. Für Bayern gilt: Schüler, die nach der neuen Methode das Rechtschreiben gelernt haben, sind jetzt erst in der 11. Klasse und tauchen noch in keiner Statistik auf. Das zeigt z. B. auch die PISA-Studie, die seit 2000 durchgeführt werden: Die Rechtschreibleistungen haben sich nicht verschlechtert. Im Zeitungsartikel wird eine Front gegen etwas aufgebaut, dass es so in Deutschland nicht gibt.
    Eltern, seid mutig und lässt euch nicht von Medien durch solch perfide Angriffe verhöhnen oder irre machen! Schaut in den Lehrplänen eures Bundeslandes nach, wie Lesen und Rechtschreibung gelehrt werden.

  7. Danke für ihren differenzierten Kommentar Peter Geerds! Ein bißchen Expertise tut manchmal gut.

  8. @peter & nik: Expertise ist gut, allerdings gibt es nicht die Expertise. Bei mir haben sich inzwischen etliche Lehrer gemeldet, die die Beobachtungen von Harald Martenstein 1:1 bestätigen und sich endlich einmal verstanden fühlen. Und was an dem Kommentar von Martenstein perfide sein soll, erschließt sich mir wahrlich nicht.

    Liebe Grüße, Ron

  9. Nachtrag: Eine ausgewogene Darstellung von Karl Landscheidt:

    http://www.schulpsychologie.de/wws/bin/576842-577098-2-lands_lrs.pdf

    Liebe Grüße, Ron

  10. Peter Geerds meint:

    Nachtrag: Auch das ist eine ausgewogene Darstellung der gleichen Webseite wie von Karl Landscheidt:
    http://www.schulpsychologie.de/wws/bin/576842-577354-1-goedde2006.pdf
    Bedenklich finde ich bei K. Landscheidt, dass er auf der Homepage der Schulberatung Oberhausen nicht bekannt ist und dass seine Literatur im Jahr 2000 aufhört.
    Wer sich mal aus erster Hand informieren will, suche bitte nach Veröffentlichungen von Wilfried Metze, dessen Kritiken an Barnitzky, Brügelmann usw. sich mit Landscheidt z. T. decken. Er kommt aber (auch aufgrund der aktuellen Forschungslage) zu anderen Ergebnissen. Interessanter Weise ist sein Werk für den Anfangsunterricht (Tobi-Fibel) in ganz Deutschland verbreitet und auch von der Kultusministerien genehmigt, obwohl er ein entschiedener Gegener von „Lesen durch Schreiben“ ist.
    Und wer einen echten Lehrplan mal lesen will, findet den bayerischen hier:
    http://www.isb.bayern.de/isb/index.asp?MNav=0&QNav=4&TNav=0&INav=0&Fach=&LpSta=6&STyp=1
    Wenn es dazu Fragen gibt, bin ich gerne bereit, diese zu beantworten.

    Liebe Grüße
    Peter

  11. Dr. Karl Landscheidt ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Psychologischer Psychotherapeut und Schulpsychologe. Dass er nicht mehr auf der Website erscheint und die Literatur ab 2000 unbeachtet bleibt, lässt sich leicht erklären: das Dokument wurde 2001 erstellt.

    Liebe Grüße, Ron

  12. @Ron: mir ist durchaus bewußt dass es nicht die Expertise gibt. Ich habe das Wort verwendet weil ich das Gefühl hatte das mit Peter Geerds Kommentar im Rahmen dieser Diskussion zum ersten Mal Expertise aufkam. Ich lese selber sehr gerne Martenstein. Gleichzeitig denke ich dass man seine Kolumne sowohl mit Ernst als auch mit einem Augenzwinkern lesen darf. Wenn aufgrund dieses Textes aus der Kolumne nun eine Diskussion angeworfen wird in der davon die Rede ist dass der Staat uns verblöden und verhöhnen will oder jegliche neue pädagogischen Methoden totaler Unsinn sind, dann stört das mich und ein Kommentar der die ganze Sache etwas differenzierter betrachtet erfreut mich. Ich danke für den Link zum Text von Landscheidt den werde ich genauso lesen wie den von Gödde. Liebe Grüße

  13. Mir gehen bei dieser Problematik auch etliche Gedanken durch den Kopf.
    Bin selber das was man Pädagoge nennt und habe Kinder, die nach der traditionellen Art unterrichtet wurden und auch Kinder, die mit neuen Methoden in Berührung kamen.
    Meine Kinder hatten weder mit der einen noch mit der anderen Methode Schwierigkeiten dem allgemeinen Bildungsstandard zu entsprechen.
    Aber ich kenne Kinder, die mit der ein und Kinder, die mit der anderen Methode erhebliche Schwierigkeiten aufweisen …

    Als Eltern muss ich natürlich sagen, dass das Vertrauensverhältnis zum Kind oberste Priorität hat. Wenn das Kind fragt, ob was falsch oder richtig ist – dann wäre es höchst fatal, würde ich mein Kind belügen … Hier würde ich sagen: Eltern habt Mut, die Wahrheit zu reden!

    Wenn die Schule einen anderen Standard fährt, als man selber (als Eltern) erwartet, dann habt den Mut hinzugehen!
    Also ich sage das nicht aus der Position des Computerstuhls: meine Frau kann ein „Lied“ darüber verfassen … – aber:
    Erstaunlich was die „Obrigkeit“ den Eltern doch zugesteht und zugestehen muss und was „Eltern“ doch so wenig nutzen …
    Es kann sein, dass ich jetzt zu naiv oder idealistisch rüberkomme, aber ich habe es oft genug erfahren, dass Eltern die Möglichkeiten, die ihnen dieser demokratische Staat bietet, gar nicht nutzen. Meine Frau hat die Möglichkeiten ausgeschöpft (viel Nerven, viel Zeit …), das Ergebnis war überwältigend für mich … Keine relevante Wissenschaftsstudie, ich weiß!

    Als Pädagoge möchte ich Folgendes sagen: die Herausforderung besteht nicht darin alle Kinder über eine Methode zu dem allgemein geforderten Bildungsstandard zu bringen.
    Die Herausforderung besteht darin, das Kind individuell wahrzunehmen und mit entsprechend passenden Modellen zu diesem allgemeinen Bildungsstandard zu verhelfen (Lerntypendiagnostik, individuelle Förderung …).

    Was mich an der ganzen Sache befremdet ist die Fragestellung: Sind neue Methoden nur deswegen abzulehnen, weil sie von der weltlichen Obrigkeit kommen? Wäre dem so, hätten Christen ein „Riesenproblem“ ….

    Lutz

  14. @Lutz: Es sollte um die Orientierung am Kind UND am Stoff gehen, nicht entweder oder. Die Pädagogik hat in den letzten Jahrzehnten hier eine Schlagseite bekommen. Methoden sollten inhaltlich bewertet werden.

    Dein Hinweis ist hilfreich: Die Bildung besser nicht der Schule allein überlassen.

    Liebe Grüße, Ron

  15. Peter Geerds meint:

    @Ron: Bei solchen Formulierungen wie „Orientierung am Kind UND am Stoff“ muss ich unwillkürlich die Stirn runzeln. V. a. im Grundschulbereich, um den es sich ja hier handelt, geht es eben NICHT primär um eine Stoffvermittlung im Sinne von „was weiß ich“, sondern um eine Methodenvermittlung: WIE eigne ich mir Wissen an, WIE gehe ich damit um, usw. Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Ordnen, Visualisieren … helfen mir dabei.
    Und worauf kein Kommentar bisher eingegangen ist: Die neurobiologische Forschung ist auch bez. des Lernens in den letzten zehn Jahren nicht ganz untätig gewesen. Werke von Manfred Spitzer, Gerald Hüther oder Wolfgang Bergmann könne da sicherlich weiterhelfen. Die Methode, mit der die meisten von uns Rechtschreibung gelernt haben, stammte etwa aus dem Jahr 1840 – also aus einer Zeit, wo man Kinder, die die Rechtschreibung nicht gelernt haben, einfach für dumm oder faul gehalten hat.

    @Lutz: Was du über das Vertrauensverhältnis von Eltern/Kind schreibst, ist sogar als Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Kind in den Lehrplänen verankert: In der ersten Klasse werden Kinder an die Rechtschreibung herangeführt – auch wenn ein Herr Martenstein etwas anderes behauptet.

    Viele Grüße
    Peter

  16. @Peter: Was ist ein „A“? Lernen wir, ein „A“ zu schreiben! Ist das Methodenvermittlung?

    Was sind die bahnbrechenden Einsichten der neurobiologischen Forschung im Blick auf den Spracherwerb?

    Danke und liebe Grüße, Ron

  17. @Peter Geerds:

    Mir ist nicht ganz klar wo die Diskrepanz zu Herr Martenstein liegen soll.

    Er schreibt: Zitat: „Was sollen die Eltern dem Kind antworten? Beim Elternabend wird ihnen gesagt, dass sie so tun sollen, als sei alles richtig. Falls sie damit ein Problem haben, sollen sie „ausweichend antworten“. Die Eltern können sagen: »Richtig, falsch, das sind relative Begriffe. Alles nur gesellschaftliche Konvention.« Oder: „Was richtig war und was falsch, zeigte sich oft erst nach Jahrzehnten.“

    Was in den Lehrplänen steht ist die eine Seite und die sollten sich Eltern wirklich sehr gut ansehen und damit auch lernen zu arbeiten, wenn es sein muss auch gegen bestehende Schulverfahrensweisen ….
    Als Elternteil habe ich einen solchen Elternabend erlebt, nicht wörtlich von Herrn Martenstein, aber sinngemäß: „Eltern macht euch keine Gedanken, wenn eure Kinder nicht rechtschreiblich korrekt schreiben. Darauf kommt es jetzt nicht an. Korrigiert sie nicht. Das klärt sich später. Jetzt geht es um die Freude am Schreiben …“

    Naja, nicht für jedes Kind hatte sich das dann später geklärt und jetzt bewegen sich diese Kinder natürlich nicht mehr im Grundschulalter und auch nicht mehr im Rahmen der sehr vereinfachten Zahl von Unterrichtsfächern …. Ob das Ganze nun ursächlich mit der „neuen Methode“ zusammenhängt ist eine andere Frage.

    Für „zu Hause“ haben wir diese Vorgehensweise der Schule nicht übernommen. Wir konnten diese Vorgehensweise in der Schule auch nicht stoppen.
    D. h. aber nicht, dass jedweder konkrete Versuch hier zum Scheitern verurteilt wäre.
    Immer wieder aufs Neue würde ich mit den bestehenden Gesetzesregeln versuchen eine Einführung „neuer Methoden“ für alle zu beleuchten.
    Kinder sind keine Versuchskaninchen, selbst die Pharmaindustrie hat strenge Regeln einzuhalten bevor ein Medikament der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht wird.

    Die Begeisterung eines Lehrers ist kein ausreichender Grund neue Methoden für alle einzuführen.

    Lutz

  18. Peter Geerds meint:

    @Ron: „Was sind die bahnbrechenden Einsichten der neurobiologischen Forschung im Blick auf den Spracherwerb?“ Da muss ich mal wieder den Lehrer heraushängen lassen: Diese Frage ist falsch! Richtig müsste sie heißen: „… im Blick auf den Schriftspracherwerb?“
    Wie ich bereits schrieb: Die traditionelle Methode beruhte auf Annahmen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Methode unterstellte, dass Kinder durch Üben von Wortmaterial sich diese Wortbilder einprägten und dann richtig schrieben. Das ist definitiv falsch. Ein einfaches Rechenbeispiel: In den alten Lehrplänen wurde ein sog. Grundwortschatz vorgegeben. So lassen sich vielleicht 10 Lernwörter pro Woche einüben. Wir gehen einfach mal davon aus, dass ein Kind nichts davon wiederholen muss. Das sind im Schuljahr also 360 Wörter, die rechtschriftlich gelernt wurden. Prima. Nach 10 Schuljahren wären es dann also 3600 Wörter. Ein Erstklässler hat einen aktiven Wortschatz von 4000 Wörtern. Daraus folgt: Ein Zehntklässler kann rechtschriftlich richtig aufschreiben, was ein Erstklässler sagt. Wenn das so wäre, könnte keiner von uns die Rechtschreibung. Was die neurobiologische Forschung aber gezeigt hat: Wir haben uns nicht die Wortbilder eingeprägt, sondern haben uns eigene Regeln aus dem Wortmaterial unbewusst abgeleitet. Waren diese unbewussten Regeln richtig, waren wir gute Rechtschreiber, waren sie falsch, waren wir schlechte Rechtschreiber.
    Ein Beispiel von M. Spitzer:
    Die 7 Zwergen gingen in den Wald um zu quannen. Am nächsten Tag erzählten sie: Gestern haben wir … richtig: gequannt.
    Die 7 Zwerge gingen in den Wald um zu quanieren. Am nächsten Tag erzählten sie: Gestern haben wir … richtig: quaniert.
    Wenn du Schriftsprache (oder z. T. Sprache an sich) nur über Wortmaterial wie in der traditionellen Rechtschreibmethode lernen würdest, hättest du die Lösungen für die Zwergensätzen nicht wissen können, da es die Wörter quannen und quanieren nicht gibt. Warum wusstest du aber trotzdem die Lösungen? Weil du aus deiner Spracherfahrung heraus dir die Regel abgeleitet hast, dass das Partizip Perfekt der normalen Verben mit ge- und -t gebildet wird, das Partizip Perfekt der Verben auf -ieren aber nicht mit ge-. Beim Rechtschreiben leiten wir uns auch solche unbewussten Regeln ab. Die neuere Methode will diesen Prozess aber nicht unbewusst und damit unkontrollierbar lassen, sondern vermittelt jetzt eben nicht mehr Wortmaterial, sondern Rechtschreibregeln. Und die allererste Regel unserer Sprache heißt: Laut-Buchstaben-Zuordnung, oder, wie wir es in der Schule nennen: lauttreues Schreiben. Dabei darf es natürlich nicht stehen bleiben. Die 100 anderen Regeln haben zu folgen – und, wie ich es bereits weiter oben in einem Kommentar geschrieben habe, wird damit auch in der ersten Klasse weitergemacht.
    Damit werde ich auch meine Kommentare beenden. Lest bitte die angegebene Literatur und die Lehrpläne eures Bundeslandes.

    Viele Grüße
    Peter

    PS: Nur zur Ergänzung, weil es oben in einem Posting anklang: Lesen und Schreiben sind zwei verschiedene Lernwege, weil daran auch zwei verschiedene Hirnzentren beteiligt sind. Also: Vieles Lesen hilft nicht der Rechtschreibung!

  19. Dann möchte ich auch nur noch auf diese vier Seiten aus dem Jahre 2003 hinweisen:

    http://www.zeit.de/2003/38/B-Neurodidaktik/seite-1

    Es ist nicht verkehrt sein Augenmerk mal darauf zu richten, wie Experimente ablaufen, was daraus geschlussfolgert wird …
    (Die Seiten enthalten so viel Begriffsanstöße, dass es nicht schwer ist weiter zu forschen, wenn es nötig wäre …)

    Lutz

  20. @Peter: Vielen Dank für die Erläuterungen! Ich glaube, dass in der Tat diese Regeln durch Spracherfahrung erlernt werden. Aber setzt das denn voraus, dass Kinder lauttreues Schreiben erlernen? Die deutsche Schrift ist doch keine Lautschrift.

    Ich finde diesen Beitrag recht ausgewogen und zugleich erhellend:

    http://www.planetopia.de/archiv/news-details/datum/2011/11/21/fallsche-raeschtschreibung-wie-schueler-mit-lautschrift-besser-lernen-sollen.html

    Liebe Grüße, Ron

  21. Peter Geerds meint:

    @Ron: Planetopia berichtet über Lesen durch Schreiben:
    „Mit der Methode „Lesen durch Schreiben“ lernen bundesweit inzwischen viele tausend Kinder auf diese Art und Weise.“ Und dann kommt als Beispiel Dresden (Sachsen). Wenn du behauptest, dass dieser Bericht ausgewogen und erhellend sei, dann beantworte mir doch bitte die Frage, wo im Lehrplan irgendeines Bundeslandes die Methode „Lesen durch Schreiben“ verankert oder zugelassen ist!!
    Hier findest du den sächsischen Lehrplan, wie er auch in Dresden umgesetzt wird: http://www.sachsen-macht-schule.de/apps/lehrplandb/downloads/lehrplaene/lp_gs_deutsch_2009.pdf

    Ich zitiere jetzt ein bischen daraus:

    Der Lernbereich Schriftspracherwerb beinhaltet Grundlagen für das Ver-
    stehen und Verwenden der Schriftsprache. Er sollte am Ende des ersten
    Halbjahres der Klassenstufe 2 weitgehend abgeschlossen sein.

    Für sich und andere schreiben umfasst das situationsangemessene und
    partnerbezogene schriftliche Sprachhandeln, die Technik des Schreibens
    sowie Verfahren zur Textüberarbeitung.

    Richtig schreiben befasst sich mit rechtschriftlichen Regelmäßigkeiten,
    sprachlichen Besonderheiten sowie Verfahren zur Kontrolle und Korrek-
    tur der Rechtschreibung.

    Beherrschen der Lesetechnik
    – Analyse und Synthese
    – Lesen von Wörtern, Sätzen und Texten
    · Erfassen der Wortgestalt als Ganzes
    · Wörter von links nach rechts aufbauen
    · wort- und zeilenübergreifendes Lesen
    · überschauendes Lesen von Wortgruppen
    · Satzgrenzen und Satzintonation
    · Vorlesen

    Anwenden des Wissens aus dem Schriftspracherwerb
    Kennen rechtschriftlicher Regelmäßigkeiten
    – Laut- und Buchstabenebene
    · Mitlaute – Mitlautbuchstaben
    · Zwielaute – Zwielautbuchstaben
    · Umlaute – Umlautbuchstaben (bei Mehrzahl und Verkleinerungsformen)
    – Selbstlaute – Selbstlautbuchstaben
    Auslautverhärtung
    Wortebene

    Wortbausteine: Wortstamm, Vorsilbe,
    Nachsilbe, Endung
    ·
    Flexionsformen
    ·

    Großschreibung von Substantiven
    (Konkreta)
    Zusammensetzung
    Satzebene
    ·
    Großschreibung von Satzanfängen
    ·
    Satzschlusszeichen
    Beherrschen des Orientierungswortschatzes

    klassenbezogene Wörter

    individuelle Wörter

    ausgewählte Funktionswörter
    Beherrschen des Alphabets

    Das ist aus dem Lehrplan für die erste/zweite Klasse. Im Vorwort findest du dazu folgenden Hinweis:
    „Der Lernbereich Schriftspracherwerb beinhaltet Grundlagen für das Ver-
    stehen und Verwenden der Schriftsprache. Er sollte am Ende des ersten
    Halbjahres der Klassenstufe 2 weitgehend abgeschlossen sein.“ Also nichts mit: in späteren Jahren kann eine Hinführung zur Rechstschreibung erfolgen o. ä.

    Ich wiederhole also nochmals: „Lesen durch Schreiben“ gibt es in Deutschland an (staatlichen) Schulen nicht! Wer etwas anderes behauptet, möchte gegen unser Schulsystem Stimmung machen oder ist gegenüber der Schulwirklichkeit dermaßen ignorant, dass sich jedes weitere Gespräch erübrigt.

    Grundsätzlich: Ich bin extrem entsetzt darüber, wie leichtgläubig Christen gegenüber den Medien sind, wenn es sich nicht um theologische/christliche Themen handelt. Seid ihr (damit meine ich die Leser hier) auch so leichtgläubig, wenn in den Medien die islamistischen bombenwerfenden Fundamentalisten mit den Evangelikalen/Bibeltreuen in einem Atemzug genannt werden? Ich hoffe nicht!

    Viele Grüße
    Peter

  22. @Peter: Aber heißt das Zauberwort nicht „freigestellt“? Ich zitiere:

    Ich wiederhole also nochmals: “Lesen durch Schreiben” gibt es in Deutschland an (staatlichen) Schulen nicht! Wer etwas anderes behauptet, möchte gegen unser Schulsystem Stimmung machen oder ist gegenüber der Schulwirklichkeit dermaßen ignorant, dass sich jedes weitere Gespräch erübrigt.

    Hier nur ein Gegenbeispiel: Die Jenaplan-Schule in Rostock ist eine integrierte Gesamtschule mit Grundschulteil in staatlicher Trägerschaft. Die Frage, wie an der Schule das Lesen-Lernen erfolgt, wird folgendermaßen beantwortet:

    Unsere Schüler arbeiten nach der Methode „Lesen durch Schreiben“ von Jürgen Reichen. In einem Elternabend zum Schuljahresbeginn werden die Besonderheiten dieser Form des Lesenlernens erklärt.
    Zu ihr gehören besonders geschaffene Schreibanlässe, Denktrainer, Konzentrations- und Knobelaufgaben. Erweitert wird das Programm von J. Reichen durch Lerntrainer. Wichtig sind weiterhin Sinnerfassungsübungen für Sätze und einfache Texte. Dabei lesen die Kinder vor allem still und erschließen sich altersgerecht die Kinderliteratur.

    Quelle hier: http://www.jenaplan-rostock.de.

    Liebe Grüße, Ron

  23. @Peter: Es stimmt einfach nicht, was du schreibst!

    1. Meine Frau wurde, wie viele andere Lehramtstudenten auch, an den Pädagogischen Hochschulen in Reutlingen und Ludwigsburg (und anderswo) jahrelang intensiv mit dieser Methode beschallt. Das war herrschende Lehrstuhl-Meinung, und wehe, jemand wagte, eine vom Lehrstuhl abweichende Meinung zu haben. Abgesehen davon ist Konstruktivismus immer noch Staatsdoktrin – das bekommen angehende Lehrer auch im Referendariat und bei den Staatsexamen-Prüfungen zu spüren, beispielsweise in Hamburg. Sich zurücknehmen, unsichtbar machen! Ja nicht in den „Konstruktionsprozeß“ der Kinder eingreifen! Sonst schlechte Note!

    2. In Form des LdS-Derivats „Rechtschreib-Werkstatt“ von Norbert Sommer-Stumpenhorst (er selbst führt seine Methode auf Jürgen Reichen zurück; er war mit Jürgen Reichen befreundet, es gibt auf seiner Website auch einen sehr persönlichen Nachruf zu seinem Tod 2009) ist diese Methode weit verbreitet, vor allem in NRW (siehe http://www.grundschulservice.de), aber auch in Hessen (siehe die „Marburger Studie“ von 2002-2006) und Niedersachsen. Das „Anlautlineal“ oder die „Anlauttabelle“ gibt es praktisch an jeder Grundschule.

    3. Es wird seit mehreren Jahren das Konzept der sogenannten „eigenverantwortliche Schule“ betont. In Niedersachsen gibt es beispielsweise schon seit mehreren Jahren keine landesweit verbindlichen Curricula mehr, sondern nur noch deutlich allgemeinere „curriculare Vorgaben“ (CuVo). Jede staatliche Schule muß seit etwa 2004 darauf bezogen ihre eigenen(!!) Curricula für jedes Fach erarbeiten (was erhebliche Kräfte bindet) und auf den Fachkonferenzen beschließen. Deswegen muß LdS oder RSW in den CuVo nicht erwähnt werden – Schulen können und dürfen selbst darüber beschließen. Und wenn ein Großteil der Lehrer aus der Generation stammt, die an den PHs mit LdS beschallt worden sind und die Schulleiter darauf erpicht sind, ihre Schule noch reformpädagogischer als reformpädagogisch zu machen, dann darf man raten, worauf das in den Curricula hinausläuft.

    4. Die Beschwerden von Eltern über die Stumpenhorst-Methode sind nicht von WELT und ZEIT erdacht, sondern real. Man kann sie in verschiedenen Eltern-Internet-Foren nachlesen, wenn man sich einmal die Mühe dazu macht (wobei man dort auch verteidigende Stimmen findet). Daraus kann man Rückschlüsse auf den (nicht geringen) Verbreitungsgrad dieser Methode ziehen.

    Herzliche Grüße
    Torsten

  24. Peter Geerds meint:

    Gut – damit ist die Diskussion für mich beendet, da bisher auf keines meiner Argumente eingegangen bzw. überprüft wurde.

    @Ron: Eine Jena-Plan-Schule ist eine besondere Schule mit einem exklusiven reformpädogischen Konzept. Die Schüler dieser Schule schneiden bei Vergleichsarbeiten in Rechtschreiben gleich gut oder besser ab als andere Schulen.

    @Torsten: Wenn du Beschwerden über die Stumpenhorst-Methode anführst, dann mache das bitte auch mit den wissenschaftlichen Untersuchungen bzw. Elternmeinungen, die diese Methode befürworten! Du führst als Beispiel den Grundschulservice an. Daher vermute ich, dass du bisher keinen meiner Beiträge gelesen hast. Dieser Grundschulservice beruft sich z. T. in seiner Kritik an Lesen durch Schreiben auf Wilfried Metze, auf den ich mich bereits am 08. 12 berufen hatte als Beispiel dafür, dass die Kultusministerien aller Bundesländer seine Lehrwerke für den Erstklassunterricht zulassen, genehmigen. Wie passt das zusammen, da doch W. Metze das „Lesen durch Schreiben“ so wehement ablehnt?
    Ich kann daraus nur schließen, dass es hier nicht um Argumente geht, dass kritische Beiträge nicht gelesen werden, sondern dass Beiträge, die die eigenen Vorurteile bestätigen, unkritisch übernommen werden. Selbst wenn man sich dabei wie Torsten unglaubwürdig macht, indem man die Argumente des Gegners wiederholt! Ich habe bereits zweimal durch staatliche Lehrpläne belegt, dass das Lesen durch Schreiben von den Kultusministerien abgelehnt wird, sondern die synthetisch-analythische Methode vorgeschrieben ist! Gegenbeipiele wurden nicht zitiert.
    Ich weiß ja nicht, ob ihr Christen seid – wenn ja, würde ich erheblich mehr Wahrhaftigkeit von euch erwarten

    Viele Grüße
    Peter

    PS: Nochmals @Torsten:

    „Damit geschriebene Texte verständlich sind und die beabsichtigte Wirkung erzielen können, werden beim Schreiben Inhalte und Informationen, die bei der mündlichen Kommunikation durch die Situation vermittelt werden, ausgedrückt und auf die Schreibabsichten abgestimmt. Dabei müssen zusätzlich sprachliche Regelhaftigkeiten und Konventionen sowie die orthografische Richtigkeit beachtet werden. Als komplexer Prozess fördert das Verfassen von Texten die sprachlich-geistige Entwicklung der Schülerinnen und Schüler, weil ein Text langsam und überlegt entwickelt, ggf. gemeinsam beraten und neu gefasst werden kann. Dabei greifen die Teilprozesse Planen, Aufschreiben und Überarbeiten von Texten ineinander.

    Grundlage für erfolgreiches Schreibenlernen ist die phonologische Bewusstheit , d. h. Einsicht in die Lautstruktur der Sprache sowie in die Laut-Buchstaben-Entsprechung der Alphabetschrift. Die Fähigkeit der Schülerinnen und Schüler, Wörter auf ihre lautlichen Bestandteile hin abzuhören, ist beim Schreiblernprozess ebenso bedeutend wie die Voraussetzungen im Bereich der visuellen Wahrnehmung und der Motorik.“

    Was stand da? „Dabei müssen zusätzlich sprachliche Regelhaftigkeiten und Konventionen sowie die orthografische Richtigkeit beachtet werden … Grundlage für erfolgreiches Schreibenlernen ist die phonologische Bewusstheit , d. h. Einsicht in die Lautstruktur der Sprache …“ Aha – die Kinder lernen die ortografische Richtigkeit beachten, das nennt man im Volksmund Rechtschreibung. Kann man hier nachlesen: http://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/lehrplaene/lehrplaene-gs/deutsch/lehrplan-deutsch/bereiche

    Also noch ein Bundesland (das dritte bereits), das einen Rechtschreibunterricht im Fach Deutsch hat. Damit ist nach wie vor die Behauptung falsch, dass an deutschen Grundschulen die Kinder schreiben dürfen wie sie wollen. Übrigens: Diese Formulierung aus NRW widerspricht auch dem Lesen durch Schreiben: „Beim Leselernprozess greifen unterschiedliche Teilfähigkeiten ineinander. Leseanfängerinnen und Leseanfänger übersetzen Buchstaben in Lautfolgen, erkennen mit Hilfe ihrer Leseerwartung Wörter und Sätze und konstruieren deren Sinn. Beim Fortschreiten der Lesefähigkeit werden Buchstabenverbindungen geläufig und auch simultan erkannt.“ Hier findest du auch die Rechtschreibkompetenzen, die in den Grundschulen von NRW vermittelt werden: http://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/lehrplaene/lehrplaene-gs/deutsch/lehrplan-deutsch/kompetenzen/

  25. @Peter: Danke für Deine Anmerkungen. Ich finde es gut, wenn hinterfragt wird, was Allgemeingut scheint. Aber im Blick auf die Verbreitung und die Wirkung von „Lesen durch Schreiben“ werden wir uns wohl nicht einig. Es wird so sein, dass sehr viel von den Lehrern vor Ort abhängt und die Praxis sehr unterschiedlich gehandhabt wird.

    Hier noch ein Artikel aus der WELT (aus Deiner Sicht wird das wohl auch Ignoranz oder Verschwörung sein [Hervorhebung von mir]):

    Seit 1995 wird Lesen durch Schreiben, kurz LdS, auch an deutschen Schulen verwendet. Seither hat sich die Methode rasant verbreitet, wird inzwischen in allen Bundesländern, wenngleich nicht an allen Schulen, verwendet. In Fachforen schwärmen Lehrer von den Erfolgen, die sie mit dem Konzept hatten. Doch immer wieder warnen renommierte Pädagogen davor: Ihnen zufolge entbehrt die Methode jeglicher wissenschaftlicher Grundlage und bringt mehr Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwäche hervor als das Lernen mit der Fibel.

    Ich will keinesfalls unterschlagen, dass dort auch steht:

    Grundsätzlich gibt Schründer-Lenzen beim Schreiben- und Lesenlernen allerdings Entwarnung. Die Forschung zeige, dass die nach dem Reichen-Konzept unterrichteten Kinder nach der ersten Klasse die schlechtesten Leistungen zeigten, bis zum Ende des vierten Schuljahrs in der Regel aber wieder aufgeholt hätten. „Ein normal entwickeltes Kind lernt lesen und schreiben – egal, wie es unterrichtet wurde“, sagt Schründer-Lenzen: „Kinder sind da einfach methodenresistent.“

    Kurz: Es hätte auch schlimmer kommen können.

    Quelle: http://www.welt.de.

    Liebe Grüße, Ron

  26. Peter Geerds meint:

    @Ron: „Seit 1995 wird Lesen durch Schreiben, kurz LdS, auch an deutschen Schulen verwendet.“
    Ich denke, ich habe mehrfach gezeigt, dass diese Aussage falsch ist. Es hat sie auch keiner von euch belegen bzw. mich anhand der Lehrpläne widerlegen können. Damit stimmen die Grundvoraussetzungen nicht. Das wir uns in diesem Punkt nicht einig werden können, ist klar. Auf der einen Seite wird von WELT & Co (einschließlich dir) etwas behauptet, was bisher keinen belegen konnte, andererseits darf ich mich seit 1992 Grundschulpädagoge und weiß von meiner fast 7-jährigen Ausbildung und bald 20-jährigen Berufserfahrung her, dass „Lesen durch Schreiben“ in Deutschland von den Kultusministerien abgelehnt wird. Das Gegenteil hat auch bisher keiner von euch nachweisen können.
    Was ist denn euer eigentliches Problem: Seit ihr aus Prinzip gegen alles, was nach Konstruktivismus aussehen könnte? Dann kämpft ihr bei diese Thema an der falschen Front. Das Thema beginnt bereits bei den Reformpädagogen des 19. Jahrhunderts (habe ich jetzt ein Deja-Vu-Erlebnis – oder schrieb ich das bereits?). Auch was in der WELT oder in Beiträgen von euch beschrieben wurde, ist NICHT „Lesen durch Schreiben“. Die Verwendung einer Anlauttabelle im Unterricht ist NICHT automatisch „Lesen durch Schreiben“. Soetwas kann nur jemand denken, der sich mit Grundschulpädagogik und -didaktik nicht auseinandersetzen will oder kann [1]. Das meine ich mit Ignoranz. Ich will keinen von euch beleidigen – falls das einer so aufgefasst hat, bitte ich hiermit um Vergebung. Ich werfe aber dem Ignoranz vor, der an einer (offensichtlich) falschen Behauptung festhält. Sind Erfahrungen von Eltern in dieser Hinsicht wirklich nutzbare Argumente? Nein – Eltern sehen grundsätzlich nur ihr eigenes Kind (das ist auch gut und richtig so!). Was nicht erwähnt wird, sind nämlich bei diesen Elternberichten, welche Schulleistungen die Kinder erbringen. Einfach gesagt: Ist das Kind erfolgreich, liegt das an den guten Genen; ist das Kind nicht erfolgreich, liegt das am schlechten Lehrer oder der schlechten Schule. Gibt es einen Erfahrungsbericht von Eltern, deren Kind in Deutsch eine gute oder sehr gute Note bekommt und die das neue Rechtschreibkonzept trotzdem ablehnen? Ich habe keine gefunden. Wenn kritische Elternstimmen als Kontra aufgeführt werden – was soll’s?! Genauso stehen in den Foren positive Meinungen. Wenn subjektive Erfahrungen sooo ein gutes Argument sind, ist die Existenz Gottes widerlegt – oder nicht 😉 (Bei 2 bis 3 % Evangelikalen in Deutschland ist das ein deutliches Votum gegen die Existenz Gottes …).

    Viele Grüße
    Peter

    [1] Was beschrieben wird, ist in Ansätzen das „Freie Schreiben“, was mit der Förderung der phonologischen Bewusstheit zu tun hat. Warum das wichtig ist, schrieb ich bereits. Ansonsten soll doch der geneigte Leser einfach mal bei Wikipedia unter Legasthenie nachschauen (genauer: http://de.wikipedia.org/wiki/Legasthenie#Ursache – hier Punkt 5 phonologische Informationsverarbeitung).

  27. Peter Geerds meint:

    Jetzt habe ich doch zu schnell geklickt – sorry.
    Zum Stichpunkt Anlauttabelle wollte ich noch hinzufügen: Soweit mir bekannt ist, war Comenius der erste, der eine Anlauttabelle verwendet hat (vielleicht schon jemand vorher?).
    Auf jeden Fall – und ich hoffe, ihr könnt mir wenigstens hier zustimmen – liegt der Ursprung damit zeitlich doch etwas vor dem Konstruktivismus 😉

    Gruß
    Peter

  28. @Peter: Nein, Pauschalurteile wie: Die Lehrer sind schuld, wollen wir hier nicht beflügeln. Gibt es denn Angaben darüber, wie oft klassische LdS-Lehrbücher aufgelegt worden sind. Die Auflagen müssten sich doch belegen lassen und wären m.E. auch aussagekräftig.

    Liebe Grüße, Ron

  29. Peter Geerds meint:

    @Ron: Über die Auflagen von „klassischen LdS-Lehrbüchern“ ist mir nichts bekannt. Die Suchmaschine deines Vertrauens wird dir da auch kaum weiterhelfen, da hauptsächlich Verlage aus der Schweiz die entsprechende Literatur herstellen, mit Ausnahme der Rechtschreib-Werkstatt.
    Ich wüsste aber noch eine andere Möglichkeit: Die Listen der zugelassenen Lehr- und Lernmittel, die von den Kultusministerien bereitsgestellt werden. Für Bayern findest du diese zugelassenen Lernmittel hier:
    http://www.km.bayern.de/download/1575_lernmittel_grundschulen.pdf
    Darin wirst du keine Lehrbücher finden, die nach J. Reichen arbeiten oder dessen Methode übernommen haben.
    Hier findest du die Listen für aller Schularten und die gesetzlichen Grundlagen:
    http://www.km.bayern.de/lehrer/unterricht-und-schulleben/lernmittel.html
    Auch hier ist LdS unbekannt bzw. nicht zugelassen, was ich euch bereits seit längerem versuche klarzumachen.

    Viele Grüße
    Peter

  30. Peter Geerds meint:

    Heute erst gelesen – ich schreibe das hier, weil das Stichwort Legasthenie bzw. Rechtschreibschwäche einmal viel:

    http://www.focus.de/schule/lernen/lernstoerungen/legasthenie/ursachen_aid_24284.html
    http://www.focus.de/schule/lernen/forschung/wissen-wenn-buchstaben-verrueckt-spielen_aid_231808.html

    Auf jeden Fall macht das deutlich, dass Probleme in der Rechtschreibung seitens der Kinder nicht automatisch an der falschen Methode liegt. Es würde hoffentlich ja auch sonst keiner monokausal argumentieren.

    Viele Grüße
    Peter

  31. Schandor meint:

    „weil das Stichwort Legasthenie bzw. Rechtschreibschwäche einmal viel.“

    Ja. Viel zu oft. Mir vällt sowas einfach auv. Probleme in der Rechtschreibung der Kinder (umständlicher: seitens der Kinder) nicht … . Ovvenbar nicht. Monokausal – huch! fiel vehlt nicht mehr, her Bäder Gehrts! 🙂

  32. Peter Geerds meint:

    @Schandor: Welch tiefsinnige Argumente – ich bin ergriffen von deiner gedanklichen Dichte 🙂
    Aber deine Geduld war jetzt schon sehr geprüft, bis ich diesen Fipptehler gemacht habe – stimmt’s? Vielleicht kannst du aber noch in einem verständlichen Deutsch schreiben, was du meinst?!

    Viele Grüße
    Peter

    PS: Ohne Realname ist es schon etwas sehr feige von dir!

  33. Schandor meint:

    @Peter

    🙂

    ps: Schöne Feiertage!

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