100-prozentige Kontextualisierung

Wie weit darf die Kontextualisierung des Evangeliums gehen? Hier haben wir einen Ausblick auf die kreative Verkündigung von morgen: Die Northpoint Church Adult Youth Group (USA) »performed« am Ostersonntag 2011 »Sympathy for the Devil« von den Rolling Stones. Im Refrain sowie letzter Strophe des Liedes heißt es:

Erfreut dich kennen zu lernen, ich hoffe, du errätst meinen Namen. Aber was dich verwirrt, ist die Art, wie ich mein Spiel treibe. So wie jeder Bulle kriminell und jeder Sünder heilig ist- Kopf oder Zahl! Nenn mich einfach Luzifer, denn ich könnte Zurückhaltung gebrauchen. Also, wenn du mich triffst, sei höflich, zeig Sympathie und Geschmack, benutz all deine erlernte Diplomatie und Höflichkeit – oder ich werfe deine Seele in den Müll!

Kommentare

  1. Jürgen meint:

    Es geht noch schlimmer: http://www.allsoulschurch.org/

    Gruß, Jürgen

  2. Leider eine höchst mittelmäßige Interpretation des Songs, der meilenweit hinter dem Original der Stones zurückbleibt…

    Und wer alles zur Show macht, dem sind ästhetische oder theologische Kriterien eben egal. Wir konnten das vor nicht allzulanger Zeit an dem tamtam bei der… (wie hieß sie nochmal?) „Bibel“ beobachten.

    (Die hier abgedruckte Übersetzung ist übrigens der Refrain PLUS letzte Strophe.)

  3. @ernst: Danke, habe es ergänzt.
    Liebe Grüße, Ron

  4. Roderich meint:

    Hm, nun ja. Vermutlich wird man endlose Beispiele finden, ueber die man sich – sicher zu recht – ereifern kann. Das hier war sicher geschmacklos.

    Die Frage ist natuerlich, was war das Rahmenprogramm dieses Liedes? Wenn der Rest des Abends eine sehr deutliche Predigt war, sich von der Suende loszusagen und den Teufel und das Boese zu hassen, dann – vielleicht nicht ganz so schlimm.

    Die andere Frage ist: welchen Anspruch erhebt diese „Northpoint“ Kirche an sich selbst? Wenn sie gar keine bibeltreue Gemeinde mehr sein wollen, ist so etwas nur logisch. (Was es nicht besser macht). Wenn sie selber bibeltreu sein wollen, dann muss man sich in der Tat ueber diese Naivitaet aergern, dass sie meinen, mit solchen Liedern mehr Ehrfurcht vor Gott wecken zu wollen…

    Es wird in den kommenden Jahren immer mehr Abartigkeiten und Fehlentwicklungen geben, da sich die Kirche immer mehr anpasst an den Zeitgeist. Neben dem, dass man diese Fehlentwicklungen kritisiert, sollte man aber vermutlich den Grossteil seiner Zeit und Kraft auf eine gute biblische Verkuendigung verwenden. Das „Unkraut“ kann man wohl nicht verhindern; es soll uns auch nicht von der Hauptsache ablenken.

  5. Joel213 meint:

    Das Logo der Church erinnert mich stark an das „Star Trek Logo“. Wenn die da mal keine Markenrechte verletzten…^^

  6. Johannes Strehle meint:

    Ich stimme Roderich zu.

  7. markus meint:

    @roderich: „Woran erkennt man denn das Unkraut?“ Da können wir es mit der alten Gärtnerregel halten: Einfach alles ausreißen. Was wiederkommt, ist Unkraut. 😉

    Seit dem ich mehr im Garten zu tun habe, stehe ich allerdings Dingen die schnell wachsen nicht ohne weiteres positiv gegenüber.

  8. Roderich meint:

    Sorry, muss meinen Post von oben etwas ergaenzen bzw. korrigieren:

    Natuerlich sollte die Hauptsache sein, selber richtig zu leben – sonst hat man auch nicht die Vollmacht zu ermahnen. (Titus 1,9). Es waere aber falsch, einen Gegensatz konstruieren zu wollen aus „richtige Lehre“ und „selber richtig leben“.

    Denn Jesus selber hat auch einen betraechtlichen Anteil seiner Zeit damit verbracht, die Irrlehre der Pharisaer (bzw. die Pharisaeer selber) zu bekaempfen. D.h. es waere falsch zu sagen: „Man sollte fast alle Zeit darauf verbringen, das Gute vorzuleben, und nicht mehr damit, Irrlehren anzukreiden“.

    Johannes der Taeufer hat in Matthaeus 3, Vers 2.3 u 7.8.9.10.11.12 eine Rede gehalten. Verse 7.8.9.10 war gegen die Pharisaer. Immerhin 50% 🙂

    Wenn man nur mal im Matthaeus-Evangelium die Lehre und Reden Jesu anschaut, sieht man, wie viel Zeit Jesus dem Kampf gegen die Irrlehre der Pharisaer gewidmet hat.

    In Matthaeus 5 (erster Teil der Bergpredigt) stellt Jesus entgegen der falschen Lehre der Pharisaer ueber das Gesetz heraus, wie das Gesetz richtig verstanden werden muss. Er korrigiert damit also auch falsche Lehre.
    Matth. 6 spricht ueber falsche und richtige Froemmigkeit – auch wieder klar als „Gegenlehre“ gegen die geheuchelte und falsche Froemmigkeit der Schriftgelehrten.
    Matthaeus 12 ist wohl fast ganz dem Kampf Jesu gegen die herrschende Kaste der Pharisaer und ihrer Irrlehren und falschen Interpretationen der Bibel und menschgemachten (statt biblischen) Gebote gewidmet.
    Ebenso Matthaeus Kap 16, V 1-12; Kap 19,3-9; Kap 21, 23-45; fast das ganze Kapitel 22;
    In Kapitel 23, 13-33 rechnet Jesus in extrem scharfen Worten mit den Pharisaern ab.

    (Soweit mal nur im Matthaeusevangelium).

    So wichtig war Jesus die rechte Lehre! Ansonsten haette Jesus sich den ganzen Tag nur damit beschaeftigt, Wunder zu vollbringen und „das richtige“ zu predigen, und waere den „unproduktiven“ Auseinandersetzungen mit den Pharisaern aus dem Weg gegangen.

    Also: es waere falsch zu sagen: „Hauptsache man lebt das Gute vor – lasst uns doch den lieben Frieden erhalten und lasst doch die Irrlehrer Irrlehrer sein, die werden schon von selbst widerlegt dadurch, dass wir authentischer leben…“. Das war nicht Jesu Ansatz.

    Allerdings gilt beides: die Irrlehren bekaempfen, und dann auch vor allem selber so leben, wie Gott es will. Jesu Dienst bestand auch nicht NUR im Bekaempfen der Pharisaer, nicht nur im „Meckern“, sondern auch und v.a. in der Vollmacht des Heiligen Geistes tat er Wunder, trieb boese Geister aus, lehrte, wie man gut leben soll, half Armen, Kranken, etc.

    Wenn man biblisch sein will, kann man es sich also wohl nicht aussuchen, man muss beides tun.

    OK – soweit mein Exkurs.

  9. Roderich meint:

    @markus: Gruss an den Gaertner. Ich kann eine gewisse Skepsis gegenueber schnellem Wachstum nachvollziehen.

    Aber: nicht alles, was schnell waechst, ist schlecht, man denke an die Staude des Jona 🙂

    Was Gemeinden angeht: Bis zu einer Wachstumsmenge von etwa 3000 pro Tag koennte es biblisch okay sein, siehe Apostelgeschichte 2,41. 😉

  10. Johannes Strehle meint:

    @ Roderich

    Danke für die Belege des Gleichgewichtes aus dem Matthäus-Evangelium!

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