A. Kuyper: Das Himmelreich

Abraham Kuyper über das „Reich der Himmel“:

Wir reden vom „Himmelreich“ nicht, weil es himmlische Ideale verwirklicht oder ein himmlisches Ziel hat, sondern weil es jetzt schon tatsächlich im Himmel existiert. Es wird nicht erst aufgerichtet, auch erwarten wir sein Kommen nicht erst in der Zukunft, sondern es ist ein Königreich, das ist, das von Anbeginn war, das ewig bleiben wird. Vom Himmel her kann es allein wieder einbringen in diese Welt, aus der es durch den Sündenfall verschwunden ist.

Kommentare

  1. Arne Thielmann meint:

    http://www.kfg.org/archiv/pdf/artikel/098%20MErdmann%20-%20Die%20Neo-Kuyperianischen%20Sphaeren.pdf
    Liegt A. Kuyper falsch oder hat man seine Lehre später missbraucht?

  2. @Arne: Ich halte die in dem Artikel angebotene Analyse nicht für sonderlich hilfreich. Der letzte Satz ist ein schlechter Witz.

    Liebe Grüße, Ron

  3. @Ron: Wo finde ich denn klare und hilfreiche Analysen zum umstrittenen und unüberschaubaren Thema des Neocalvinismus?

  4. Es gibt im Raum des Neo-Calvinismus zwei Lager und mindestens eine vermittelnde Position. Auf der einen Seite ist das Camp derjenigen, die den Bezug von geistlichem und physischem Reich betonen, z.B.: Albert Wolters, Creation Regained: Biblical Basics for a Reformational Worldview; Cornelius Plantinga, Jr., Engaging God’s World: A Christian Vision of Faith, Learning, and Living; Henry R. Van Til, The Calvinistic Concept of Culture; Ryan C. McIlhenny (Hg.), Kingdoms Apart: Engaging the Two Kingdoms Perspective. Auf der anderen Seite sind die Leute, die stärker den Unterschied betonen, allen voran David VanDrunen, Natural Law and the Two Kingdoms: A Study in the Development of Reformed Social Thought.

    Wenn Du mir mal schreibst, kann ich Dir was zusenden.

    Liebe Grüße, Ron

  5. schandor meint:

    Ja, das interessiert!

  6. Vielen Dank für die guten Tipps – doch dazu muß ich zunächst mein Englisch vertiefen.
    Liebe Grüße, Arne

  7. schandor meint:

    @Arne

    Es lohnt sich bestimmt; es hilft sogar schon, wenn man bei YouTube die Namen der Protagonisten eingibt und ein wenig reinhört 😉

  8. @Ron
    Also ich verstehe es nicht:
    Du hast an Arne geschrieben, dass der letzte Satz ein Witz sei.
    Wo liegt der Fehler in der deutschen Argumentation?
    In der Anwendung der Lehren muss nicht notwendigerweise ein umfassender Despotismus stehen? – oder ist es generell falsch oder handelt es sich hier um Missbrauch einer Lehre oder wie?

    http://www.kfg.org/archiv/pdf/artikel/098%20MErdmann%20-%20Die%20Neo-Kuyperianischen%20Sphaeren.pdf
    2) Wenn nun C. Peter Wagner öffentlich mit seinem Dominionismus in den Vordergrund tritt und gewisse Gefolgsmänner in seinem „apostolischen Weltreich“ diesen „Sphären“ zuordnet, wird es Zeit, dass man davon Kenntnis nimmt und versucht zu begreifen, was sich hinter all diesem Bemühen verbirgt. Die Konsequenz aus der Anwendung der Lehren Kuypers kann nichts weniger als ein umfassender Despotismus im Namen Christi sein.

  9. @Lutz: Ich vereinfache den letzten Satz einmal: Die folgerichtige Anwendung der Lehren Kuypers kann nur eine umfassende Gewaltherrschaft sein.

    Das ist erstens sachlich falsch. Kuyper war durch und durch Demokrat und hat Demokratie nicht abschaffen, sondern stärken wollen. Das ist zweitens historisch falsch. Ich kenne kein Beispiel, welches zeigen würde, dass die Lehren Kuypers zur Gewaltherrschaft führen. Auch Südafrika ist dafür kein Beispiel.

    Kuyper sagte: „In der Regierung des Staates darf die Gemeinde nicht herrschen wollen. Ihr Werkzeug ist das freie Wort, ihre Macht der Einfluss von Mensch auf Mensch in seinem Gewissen, seinem Haus, der Welt seines Denkens, …“

    Auch der in dem Artikel unterstellte Triumphalismus ist übrigens nicht kuyperianisch.

    Liebe Grüße, Ron

  10. schandor meint:

    Mir fällt bei dieser Diskussion auf, dass die Christen offenbar nur zwei Möglichkeiten sehen: Entweder eine weltlich scheiternde Kirche oder die Utopie.
    Ich frage mich, ob die theoretische Möglichkeit besteht, ein weltweites Christentum als – sit venia verbo – emergentes Phänomen in Betracht zu ziehen, das sich dem Wirken des Geistes Gottes und nicht dominianistischen oder rekonstruktionistischen Weltverbesserungsprogrammen verdankt?

    Diese Stimmen klingen in meinen Ohren immer gleich: Nur nicht zu viel in die Gesellschaft einwirken, denn am Ende kommt doch nur eine christliche Gewaltherrschaft dabei heraus, die allemal schlimmer ist als das, was atheistische Anthropotechniken zuwege gebracht haben. Das kann es nicht sein, oder?

  11. Schandor meint:

    God’s proces for bringing about change in society has always been through the hearts of men and women; bringing about change from within, rather than making short-term gains by mere legislation from without.

    (Ravi Zacharias, The Real Face of Atheism, S. 144.)

  12. @Ron

    Danke für deine Antwort.

    Eigentlich stellt sich mir die Frage, ob die Anwendung der Lehre von Kuyper, wie sie dargestellt wird, die konsequentere Entwicklung ist.

    Dass Kuyper hier irgendwie anders dachte, konnte ich der Argumentation bereits entnehmen.
    Seine Lehre wurde mehrmals revidiert, heißt es dort. Daher vielleicht die besondere Vorsilbe „Neo …“.
    Sind die „Neo …“ dann die konsequenteren Umsetzer der Lehre von Kuyper – oder sind sie „Missbraucher“?
    Gibt die Lehre Kuypers in Konsequenz eine solche Entwicklung her – oder eben nicht?
    Wenn diese Lehre so etwas konsequent hergibt, dann wären alle die, die nah bei Kuyper bleiben wollen lediglich Illusionisten.
    Für ein solches prinzipielles Fragen ließen sich schon historisch Belege liefern.

    Wir brauchen keinen historischen Tatsachenfall um Gefahren durch konsequentes „Zu-Ende-Denken“ zu erkennen. Da brauche ich nur an die momentan noch laufende Petition erinnern.
    Wir warnen gar nicht so selten vor Gefahren, obwohl kein einziger Präzedenzfall im relevanten Stil vorliegt, einfach durch die Argumentation der Konsequenz …

    —————————————————————————————————-
    @Schandor
    Das verstehe ich nicht, natürlich gibt es ein weltweites Christentum, das sich dem Wirken des Heiligen Geistes verdankt …. Ein anderes wäre wohl kaum Christentum im rechten Sinne.

    Nein, ich denke nicht, dass ein: „wirke bloß nicht in die Gesellschaft hinein!“ – der Grundgedanke ist. (Ok – Extreme gibt es, nur kann man solchen „Extremisten“ einfach und plausibel erklären, dass sie ihr eigenes Extrem gar nicht leben können …)
    Der Gläubige, der noch hier lebt hat Werke, weil der Glaube (so er lebendig ist, Werke hat).

    Was macht der Gläubige in seiner alltäglichen Situation?
    Er macht doch auch nichts anders als in dem Zitat von Ron von Kuyper:
    „ … Ihr Werkzeug ist das freie Wort, ihre Macht der Einfluss von Mensch auf Mensch in seinem Gewissen, seinem Haus, der Welt seines Denkens, …“

    Das reicht aber heute offenbar nicht mehr (dieses „heute“ kannst du dir getrost auf Jahrzehnte nach hinten denken).
    Besonders offenbar wird es dann, wenn es „Christen“ gibt, die sich einem Gruppendruck entziehen und bei speziellen gemeinschaftlichen politischen Aktionen nicht teilnehmen … Denen wird der Status „Christ“ dann einfach mal aberkannt … Warum? Welche politische Aktion kann über Heil oder Verwerfung entscheiden? …
    Wer scheitert jetzt „weltlich“ und welche Relevanz hat ein „weltliches Scheitern“?

  13. Schandor meint:

    @Lutz

    „Das verstehe ich nicht“ – das sehe ich gut. An einer weiteren Diskussion über mögliche oder unmögliche Vormachtstellungen in pneumatischer oder psychopolitischer Hinsicht habe ich indes wenig Interesse, da mir das ekklesiale Luftschlossbauen und die christlich motivierte Dekonstruktion utopischer Wolkenkuckuksheime nur wenig liegt. Noch weniger an Hinweisen wie den auf ominöse „Jahrzehnte nach hinten“ – die Masche ist hoffentlich ausgestrickt. Der Heilsoptimismus, der sich pneumatisch-irdisch zuweilen auf bessere Zeiten einjustiert, war vielen Christen seit jeher etwas, dem nicht a priori skeptisch gegenüberzustehen einen Bruch in ihrer eschatologischen Orthodoxie bedeutete; demzufolge ist jede Regung, die über das pneumatisch-Verinnertlichte hinausgeht, von Haus aus suspekt. Erfolg in der Welt ist ihnen Misserfolg im Glaubenswachstum; damit grenzen sie sich von der katastrophilen Gegenpartei ab, die den apokalyptischen Ereignishorizont am liebsten schon gestern in seiner ganzen Singularität der Parusiehoffnung erstrahlen sehen wollte. Über zukunftsträchtige Antizipationen, die künftig als Orthodoxie werden auftreten können, ist mithin das letzte Wort noch nicht gesprochen.

    Gruß, Schandor

  14. Roderich meint:

    @Lutz,

    Gibt die Lehre Kuypers in Konsequenz eine solche Entwicklung her – oder eben nicht?

    Kannst Du „in Konsequenz“ näher definieren?
    Wenn eine Position z.B. aus fünf Kerngedanken besteht, und man übernimmt davon drei, und ersetzt zwei durch neue – ist das dann immer noch eine Konsequenz aus der ursprünglichen Position?
    Also: ist „Thomas Müntzer“ (Gewaltanwendung, Revolution) eine konsequente Sicht, die sich – bei Weiterspinnen – aus der prämillennialistischen apokalyptischen Naherwartung ergibt? Kann man dann den Dispensationalismus als „latent gefährlich“ einstufen?
    Ich frage mich nur, weil ich nicht sicher bin, ob man mit Deinem Ansatz („könnte sich aus einer Position eine Irrlehre ergeben“) dann nicht jede Lehre verdammen könnte.
    Vielleicht ist der beste Weg, mal „Lectures on Calvinism“ zu lesen und sich zu fragen: was ist daran richtig, was ist daran falsch?
    Damals war das Christentum eigentlich noch (in mancher Hinsicht) in NL vorherrschende Weltsicht, aber der „Modernismus“ kam als umfassende Weltanschauung als Herausforderung auf. Kuyper empfahl, eine entsprechende umfassende christliche Weltanschauung zu „entwickeln“ bzw. formulieren. Das halte ich für sehr gut.
    (Natürlich müsste man sich seine Sicht von Gottes allgemeiner Gnade, vom Reich Gottes (schon jetzt?), etc. näher ansehen).

  15. @Schandor
    Obwohl ich nicht verstehe, wie deine Ansammlung hochtrabender Satzkonstruktionen meinem Verständnis zu Hilfe kommen soll …
    Meinst du, ich treibe meine Späßchen mit dir, wenn ich bemüht bin, einfach zu schreiben?
    Manchmal kommt es denn doch anders aus dem Wald zurück, als man reinruft …

    Was soll ein „Heilsoptimismus, der sich pneumatisch-irdisch zuweilen auf bessere Zeiten einjustiert“ sein?
    Dass am Ende alle auf der Welt Lebenden: Christen im rechten Sinne sind – zuweilen?
    Dass es auf der Welt zuweilen glückliche und ruhige Zeiten für Christen in der Welt gibt?
    Ja, eschatologische Modelle haben einen großen Einfluss auf die Erwartungshaltung mit der man die Welt anschaut …
    Manche versuchen dann Gegensätzlichkeiten zu glauben, andere bemühen sich um Konformität diesbezüglich, wieder Andere bestehen auf ein „sowohl als auch“…

    Dann wäre es wohl eher an der Zeit sich Gedanken über die Akzeptanz verschiedener Positionen innerhalb der eigenen Familie zu machen und erneut über die „Freiheit des Christen“ zu resümieren.
    Solange es hier nach wie vor erhebliche Probleme gibt, ist es wohl besser Klarheit in die „eigenen Reihen“ zu bringen, als den Versuch zu starten dem „Weltmenschen“ erklären zu wollen, wo es lang zu gehen habe …

    Und dass Kirche sich seit Jahrzehnten als unbotmäßiger Forderer gegenüber der Obrigkeit präsentiert, ist weder ominös noch …. Und diese Kirche ist nicht weltlich gescheitert, aber geistlich (Ausnahmen nicht eingeschlossen).
    War sie zu optimistisch? War sie zu pessimistisch? Mich dünkt Beides: zu optimistisch die Welt betreffend, zu pessimistisch das Wort Gottes betreffend …

    Ist das Ganze jetzt zu einfach, zu naiv, zu … gedacht?
    Mag sein, aber ich habe kein Interesse daran mich mit weiterem Fachjargon auseinanderzusetzen …
    Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Plage hat …

    Dir ein fundiertes, optimistisches Vorwärtsschreiten in deiner Pilgerschaft …
    Gruß Lutz

  16. @Roderich

    Gut, Gedankenspiel.
    Der einfachste Fall wäre:
    5 Punkte, alle sind durch die Bibel gedeckt und in sich schlüssige Lehre in der Zusammenstellung.
    Werden jetzt drei genommen und daraus richtig geschlussfolgert – aber die zwei vernachlässigten würden diese Schlussfolgerung verunmöglichen – hätte ich Missbrauch vorliegen.
    Mit anderen Worten: die strittige Schlussfolgerung wäre nicht zwangsläufig aus dem ganzen Lehrsystem zu ziehen.

    In der Praxis kann es aber auch anders laufen:
    ursprünglich 5 richtige Punkte, ein Punkt wird abgelehnt – also 4 richtige Punkte und ein falscher. Letzteres ist jetzt Lehrsystem.
    Nachfolger orientieren sich an diesem einen falschen (den sie irrtümlich für richtig einschätzen) und modifizieren jetzt in Konsequenz (also unter Ausschluss von Widersprüchen zur Prämisse) die anderen 4 Punkte – Ergebnis alle 5 Punkte werden falsch und sind jetzt Lehrsystem.

    Bezogen auf Kuyper kann ich es nicht sagen, weil ich die Ursprungsvariante nicht im Vergleich zu den revidierten kenne.
    So wie die deutsche Argumentation (die sich ja auch auf andere Quellen zur Beurteilung stützt) es hergibt, komme ich auf den Gedanken, dass die Auswüchse tatsächlich Konsequenzen sind – obwohl sich Kuyper damit selbst nicht anfreunden würde.
    Deswegen frage ich ja in der Hoffnung auf verständliche Antwort.

    „Irrlehre“ ist ein inflationärer Begriff, der aber eigentlich gewaltige Konsequenzen nach sich zieht, wenn er original angewandt wird.

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