A. Kuyper: Die Königsherrschaft Christi

Abraham Kuyper über die Herrschaft Jesu Christi:

Sobald die Königsherrschaft Christi in den Schatten gestellt wird, entsteht zweierlei Leben: ein Leben in der Kirche, ein anderes außerhalb derselben. Die Einheit von beiden kommt nicht mehr zu ihrem Recht. Man gerät schließlich dahin, dass man mit der Majestät Christi außerhalb der der Kirche gar nicht mehr rechnet.

Kommentare

  1. schandor meint:

    „Man gerät schließlich dahin, dass man mit der Majestät Christi außerhalb der der Kirche gar nicht mehr rechnet.“

    Stimmt. Sie ist in unserer Welt auch nicht sichtbar, weshalb man an sie glauben muss. Psychologisch heißt das: Sich einbilden, das Gegenteil des Offensichtlichen sei wahr. Offenbar hat Christus diese Welt doch dem Satan überlassen. Nachdem Darwin 1859 Gott den Todesstoß versetzte, Nietzsche ihn tötete und Freud seine Überreste beseitigte, hat er der westlichen Welt den Rücken gekehrt. Ich bewundere all jene, die heute noch so glauben können wie die derzeit lebenden Glaubenshelden und jene, die ihren Glauben in deren Schatten lautstark und eloquent verteidigen.
    Christi Majestät steht geschrieben. Sie ist wahr, nicht weil sie wirklich ist (das Gegenteil ist ja offensichtlich wirklich), sondern weil sie geschrieben steht. Glaube = Festhalten an der Wahrheit gegen die Wirklichkeit.

  2. Roderich meint:

    @Schandor,
    das ist etwas zu pessimistisch. Gleiches hätten die Jünger zur Zeit der Kreuzigung sagen können: warum hat Gott das zugelassen, zeigt das nicht die Herrschaft des Satans? Aber dann brach Gottes Reich an.
    Wenn Du recht hättest, dass Gottes Herrschaft nicht mit dem Verfall von Kulturen vereinbar ist, wäre das eine recht langweilige Welt: Landstriche, Nationen, Kulturen, Weltteile könnten sich nicht mehr gegen Gott entscheiden und die Folgen ihres Handelns durch Verfall zu spüren bekommen.
    Gott kann – und Gott wird – auch neue Erweckungen schenken: Das muss so sein, bis Jesus wiederkommt. Denn ohne Erweckung wäre die Finsternis in der Tat bald so gross, dass Gott alles „zusammenschlagen und ein Neues machen“ müsste (Goethe).

  3. @Schandor
    Da schließe ich mich doch Roderich (bzgl. Kreuzigung) in der Form an:
    „…. Dieser ist Jesus, der König der Juden. …. Du wolltest ja den Tempel abbrechen und ihn in drei Tagen wieder aufbauen! Hilf dir nun selbst, wenn du Gottes Sohn bist, und steige vom Kreuz herab! …. Anderen hat er geholfen, sich selber kann er nicht helfen! Er ist der König von Israel: so steige er jetzt vom Kreuz herab, dann wollen wir an ihn glauben! Er hat auf Gott vertraut: der rette ihn jetzt, wenn er ihm wohl will! Er hat ja doch behauptet: Ich bin Gottes Sohn.“ (aus Matth. 27, 37 – 43).

    Hat sich dieser Jesus was psychologisch eingebildet?
    „Sohn Gottes zu sein“ mit Anspruch auf „König“ – ist wahr, nicht weil es wirklich ist, sondern weil es geschrieben steht?
    Wenn dieser Jesus das glaubte, hielt er fest an der Wahrheit gegen die Wirklichkeit?

    Schandor, das ist hochgradig Unsinn, unvernünftig, töricht …
    Dieser Jesus hat selbst im Nachhinein noch einmal die Notwendigkeit des Ganzen (und das Offensichtliche gehört dazu) erklärt…
    Sollte eine Trennung zwischen diesem Sachverhalt und anderen Umständen machbar sein (so kann ich ja das Thema in Anwendung auch verstehen)?

    Wenn was psychologische Einbildung ist und gegen Wirklichkeit geglaubt werden muss, dann das, was ich oben zitierte. Wenn du (Jesus), der bist, muss jetzt das geschehen … Geschieht es nicht, kannst du (Jesus) nicht der sein, der du (Jesus) behauptest zu sein.

    Das Offensichtliche wird immer interpretiert, eine Neutralität diesbezüglich gibt es nirgends.
    Das Offensichtliche wird uns partiell erklärt durch jemanden, der nicht lügen kann, der alles weiß …
    Damit wird das Offensichtliche nicht zum Gegenpol dessen, was geschrieben steht….
    Das Offensichtliche wird damit auch nicht einfach Zulassung (hier würde ich dann vom Sprachgebrauch Roderichs abweichen wollen, weil bspw. Jesaja, Amos und Klagelieder damals auch schon als Erklärungen existierten).

    Wenn du bspw. die Zusage hast, dass du durch viele Trübsale ins Reich der Himmel eingehen musst, ist es merkwürdig, unvernünftig, wirklichkeitsfremd, … anzunehmen auf Daunenfedern gebettet ins Himmelreich zu fliegen….
    Nicht anders verhält es sich im Blick auf großräumige weltliche Verhältnisse.

    Was dir Gott zugesagt hat, solltest du niemals als „psychologische Einbildung“ bezeichnen. Wäre dem so, ist auch dein ganzes Heil lediglich eine psychologische Einbildung und damit bist du schlimmer dran als der Ungläubige….
    Wenn Gott nicht halten kann, was er dir zugesagt hat, lügt er.
    Gott kann nur halten, was er dir zugesagt hat, wenn ER unumschränkt herrscht.
    Wenn Gott sagt, dass er in dieser Zeit „verbirgt“ (Kol. 3, 3) – ist das ein „dem Offensichtlichen entzogen“ – aber niemals ein „nicht wirklich“!
    Wenn Gott sagt, dass es „offenbar wird“ (Kol. 3, 4), dann ist es kein: „es wird eine grundsätzlich neue Wirklichkeit geschaffen“ – sondern die bereits bestehende Wirklichkeit wird „offenbar“.
    Niemand glaubt gegen die Wirklichkeit „Leben“ an, weil dieses „mit Christus in Gott verborgen“ ist.
    Wirklichkeit, die verborgen ist – ist um nichts weniger als eben Wirklichkeit. Wie glauben wir? – hoffentlich der Wirklichkeit konform!
    Lieben Gruß Lutz

  4. schandor meint:

    @Lutz

    Ich werde Deine Argumente nicht zu entkräften suchen, da ich etwas anderes gemeint habe. Ein Missverständnis. Thielicke sagte einmal, der Glaube sei ein Glaube „gegen die Wirklichkeit“, und das ist es, woran ich angeknüpft habe. Was wahr ist, wird irgendwann Wirklichkeit, da stimme ich Dir voll und ganz zu. Nur was das Hier und Jetzt betrifft, da sind die beiden oft nicht kongruent. Dagegen war zu argumentieren. Ich kann daher von meiner Position nicht abrücken. Die Wirklichkeit als das, was man sieht und erlebt ist freilich etwas immer noch vor dem Hintergrund einer verborgenen Wahrheit zu Interpretierendes. Es geht aber nicht darum, auf „Daumenfedern gebettet ins Himmelreich zu fliegen“ (Schwarz-Weiß-Denken?), sondern um das Fertigwerden mit vollendeten Tatsachen. Die Majestät Christi außerhalb der Kirche gehört der Christus-Wirklichkeit (Bonhoeffer) an; sie muss sich erst im Hier und Jetzt aktualisieren, eben wirk-lich werden. Mir geht es nicht um dogmatische Festsetzungen, sondern um Beobachtung.
    Mir ist aber klar, dass viele Christen mit den Worten „Dein Reich komme“ kein sichtbares Reich erbitten, sondern ein Himmelreich im Herzen, ein Reich, das sich im Herzen des Menschen „verwirklicht“.
    Ich halte es sogar für möglich (für möglich, sage ich), dass dieses Reich, dass Christi Majestät sich dermaleinst auf unserer Erde verwirklicht, ganz wirklich. Nur lebe ich eben in einem kurzen Abschnitt auf dieser Kugel, und da ist eben insgesamt vieles, was mir so gar nicht zur Majestät Christi zu passen scheint, womit ich nichts meine, was unmittelbar mein eigenes Leben betrifft. Das hab ich gemeint. Übrigens zur Dialektig Wahrheit/Wirklichkeit siehe Jacques Ellul, The Humiliation of the Word.

  5. @Schandor

    Wenn es ein Missverständnis war, bin ich froh …
    Dann wäre ich lieber für eine Art historische Rückschau: wie war es damals? Ein Mangel an Beobachtung und Empfindung gab es sicher nicht.
    Dann könnte ich auch anders fragen: Was ist an deiner oder meiner oder … Situation grundsätzlich neu?

    Calvin drückt es in seinem Kommentar zu Jesaja so aus:
    Zu Jesaja 14, 1:
    „…Es liegt ein großer Trost in der Erkenntnis, dass die ganze Welt von Gott uns zum Heile regiert wird. Denn darauf zielt alles hin, dass seine Erwählten gerettet und durch keinerlei Wechselfälle, obwohl sie mannigfach eintreten, völlig zu Boden geworfen werden. Gab es denn, möchte vielleicht jemand fragen, zu jener Zeit keine göttliche Barmherzigkeit? Gewiss war dieselbe unablässig tätig, aber von dem von schweren Heimsuchungen bedrückten Volke wurde sie nicht empfunden. Völlig von dem Gefühl des Zornes Gottes durchdrungen, bildete es sich sein Urteil nach seiner tatsächlichen Lage und konnte Gottes Barmherzigkeit nicht fassen. Gott war indessen immer der gleiche; niemals hat er sein Wesen gewechselt. Man muss daher unterscheiden zwischen Glauben und Erfahrung. Wenn überall Zeichen des Zornes Gottes sich zeigen, dann ist seine Gnade für uns dunkel und verborgen, weil wir eben nach unserm fleischlichen Urteil meinen, Gott sei erzürnt. Der Glaube aber richtet unsere Herzen über diese Dunkelheiten empor, und wir sehen im Himmel einen uns gnädigen Gott. …“

    Das ist für mich kein komplizierter Gedanke, sondern einfach zu fassen.
    Die Frage wäre dann, ob das wirklich weiterhin so sein muss – muss die Erfahrung irgendwie im Widerspruch zum Glauben erscheinen – oder hängt es nicht vielmehr am Mangel der Erklärung von Erfahrung, die (die Erklärung) dann völlig konform zum Glauben wäre? Und wir haben viele Erklärungen für alles Mögliche vor uns. Müsste sich dann nicht die Interpretation von Erfahrung der Erklärung angleichen? … Damit wäre jedes Gegensätzliche Unfug.
    Mir wäre keine Dialektik von Wahrheit und Wirklichkeit hier eine Hilfe, sondern einfache Gedanken zu „offenbar und verborgen“. Das aus meiner Sicht dazu.

    Aber da will ich mich jetzt nicht rumstreiten … ich denke wichtig ist, dass wir keiner „Schizophrenie“ oder „Mach dir deine Wirklichkeit selbst durch Einbildung“ – Vorschub leisten.
    Und bei Formulierungen wie „psychologische Einbildung“ auf „den Glauben“ bezogen, sehe ich das eben gegeben.

    Nach wie vor, liebe Grüße Lutz.

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