A. Kuyper: Wahre Ästhetik

Abraham Kuyper:

Wer nach dem Schönen fragt, ohne zuerst nach dem Wahren und Guten gefragt zu haben, verfehlt sein Ziel. Dann wird das Schöne losgemacht von seinem Wesen und als ein Ding für sich genommen.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Von da aus ergibt sich noch eine Reihe weiterer folgerungen, von denen vielleicht zwei für uns von besonderem Interesse sind, weil sie unsere moderne Mentalität fast wie ein Schock berühren und überdies einen unmittelbaren Bezug zur Anthropologie enthalten.
    Einmal wird das Wort Wahrheit auch für unser ethisches Handeln zuständig. Hier zucken wir natürlich zurück, weil wir heutzutage nur die Alternativen richtig-falsch oder gut-böse in die Bewertungsskala unseres Handelns aufgenommen haben. Aber wie kann ein Handeln als „wahr“ bezeichnet werden? Bei Anselm ist die Sache ganz klar: „Wahr“ handeln wir nämlich dann, wenn Übereinstimmung von Ziel und Verhalten, von Gesolltem und Gewolltem vorliegt. Diese Übereinstimmung ist dann gegeben, wenn sich unser Tun und Handeln der Ordnung des Seins einfügt. Denn diese Ordnung ist gewissermaßen der institutionelle Ausdruck für den Logos des Seins, der selbst wieder ein Abglanz Gottes als des absoluten Geistes ist. Nur so kann man es verstehen, daß für Anselm das Gute und Wahre ein und dasselbe sind: „Jedes Seiende ist eines, wahr und gut“ (omne ens unum, verum, bonum). Wahrheit ist insofern nicht nur ein Merkmal, das auf gewisse Urteile beschränkt wäre und deren Widerspruchslosigkeit oder ihre Übereinstimmung mit der Wirklichkeit bestätigte, sondern sie kann auch von Dingen oder Handlungen ausgesagt werden, sofern sie dem Sein und seiner Ordnung entsprechen, also das sind, was sie sein sollen.

    Helmut Thielicke, Mensch sein, Mensch werden, S. 170.

  2. rolf eicken meint:

    Zu dem, was ethisches Handeln anbelangt, hat Aristoteles in seiner „Nikomachischen Ethik“ ausführlich Stellung bezogen. Wahrheit ist demnach eine Frage der Perspektive. Für A. gehört zur Glückseligkeit (eudaimonia) das vernunftmäßig rechte, tugendhafte Handeln; denn nur die, „die recht handeln, werden dessen, was im Leben gut und schön ist, teilhaftig“. Für A. ist nicht die Wahrheit o. was wahr ist im Zentrum seiner Überlegungen, sondern die Glückseligkeit – Zitat: „Die Gl. stellt sich dar als ein Vollendetes und sich selber Genügendes, da sie das Endziel alles Handeln ist.“ A. spricht von der Qualität des Lebens als Tätigkeit der Seele. Nur wer den Pfad der Tugend stänig geht, erreicht, dass sich ein Pfad bildet und bleibt !
    Was ist für wahr halte? Hier kommt es:
    Aufschrift zu Delos
    Schönstes ist die Gerechtigkeit
    das Beste Gesundheit
    aber das Süsseste ist, wenn man erlangt, was man liebt.

    Liebe Grüße
    Rolf

  3. ConfessorReformatus meint:

    Leider haben viele Evangelikale kein Sinn für Ästhetik, gemäß dem Topos es komme nur auf das innere, bzw. das unsichtbare an. Dies ist ja richtig, aber das Verhältnis zwischen Innerem und Äußerem ist ja nicht völlig arbiträr (willkürlich), so kann ein Gemeindehaus auch beispielsweise nicht aussehen wie eine Rumpelkammer oder ein leer geräumtes Einkaufszentrum….

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