Allmachtsfeminismus

Die Österreicherin Christine Bauer-Jelinek ist Pädagogin und Psychotherapeutin. Seit 1987 berät sie Unternehmen, Universitäten, soziale Einrichtungen und Frauennetzwerke. Zu ihren Spezialgebieten zählt die Beratung bei Gender-Konflikten.

Dass Frau Bauer-Jelinek eigenständig und mutig ist, wird jeder merken, der das Interview studiert, dass sie kürzlich Melanie Ammann gegeben hat. „Wir erleben in Westeuropa derzeit eine neue Frauenbewegung mit aggressiver Grundhaltung und umfassenden Machtansprüchen. Das nenne ich Allmachtsfeminismus.“ Schon eine äußerst bedeutsame Grundannahme dieser Ideologie ist falsch: „Diese Bewegung geht davon aus, dass Männer und Frauen grundsätzlich gleich sind und daher genau die gleichen Aufgaben übernehmen können und sollen.“

„Komisch“ – so Melanie Ammann für die FAZ –, “dass der Frauenanteil in den Führungsetagen trotzdem so gering ist, in allen Branchen.“ Die Antwort:

Kommen Sie mir bitte nicht mit diesen Pseudo-Studien über die Karrierechancen von Frauen. Die fasse ich ganz vorsichtig an, denn die Gender Studies sind fest in weiblicher Hand. Heute ist ausgewogene Forschung zu der Frage auf dem Rückzug und Männerforschung praktisch chancenlos – jedenfalls solange nicht aus feministischer Perspektive geforscht wird.

Es lohnt sich: www.faz.net.

VD: JS

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Krass. Besonders Bild N° 6.

    Die Gesellschaft profitiert keinesfalls von diesem Streit. Aber wer denn? Wer hat was davon, die Gesellschaft so zu spalten? Jemand, der aus dem Chaos, das daraus entsteht, seine eigene Ordnung aufrichten will? Und wenn das so ist, wie immunisiert sich dieser „Jemand“ (wenn es ihn denn gibt) am besten dagegen, dass man ihm irgendwann/irgendwie auf die Schliche kommt? Richtig – es darf ihn nicht geben, und daher gibt es ihn auch nicht.

  2. „Der Feind ist das herrschende System: Beide Geschlechter sind Opfer eines finanzgetriebenen Neoliberalismus.“

    Na wers glaubt wird selig! 😉

  3. Vorab, möchte ich sagen, dass ich diese Meinungsäußerung einer Frau sehr genossen habe.
    Vielleicht kann es der ein oder andere nachvollziehen, der mit Frauen im Austausch ist, die irgendwie „Feminismus“ und „Gender“ als Lösung der Probleme ansehen.

    Wie diese Statistik (im eigentlichen Interview als Bild präsentiert), die deutsche Frauen gemessen am Bildungsstand länderspezifisch auf Rang 83 sieht, hier reinkommt – ist mir auch unerklärlich.
    Wie kommen deutsche Frauen auf Platz 83??? Deutschlands Frauen „dümmer als“ oder „benachteiligter als“ oder … – könnte ich denken???
    Das ist der „Gender – Report“ ???? Es ist mir nicht möglich nachzuvollziehen …

    Aber ich möchte denn doch die Gelegenheit benutzen auf ausführliches statistisches Material hinzuweisen (zumindest im deutschen Kontext).
    Dieses Beispiel ist 2004 angesiedelt.
    https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/BlickpunktFraueninDeutschland1021211059004.pdf?__blob=publicationFile

    Zitat: „Die Anteile von Mädchen und Jungen bei den einzelnen Schularten wichen 2004 deutlich voneinander
    ab (siehe Tabelle 2.1). Der Anteil der Mädchen lag an Hauptschulen bei nur 44 %. Auch an den Schularten
    mit mehreren Bildungsgängen und den Integrierten Gesamtschulen waren die Mädchen mit 46 % bzw.
    49 % unterrepräsentiert. Dagegen stellen sie an Gymnasien mit (54 %) die Mehrheit.

    Während der Anteil der Mädchen an Hauptschulen und Realschulen in den letzten Jahren abgenommen hat, ist er vor allem an Integrierten Gesamtschulen gestiegen. Sonderschulen werden von Mädchen weitaus seltener besucht als von Jungen. Im Jahr 2004 lag der Anteil der Schülerinnen bei 37 %. Bei den Erwachsenen, die im Rahmen des zweiten Bildungswegs (Abendschulen, Kollegs) einen höheren Abschluss anstreben, waren Frauen 2004 mit 50 % gleich stark vertreten wie Männer. Entsprechend dem unterschiedlichen Besuch der einzelnen Schularten differieren auch die erreichten Abschlüsse zwischen Frauen und Männern. So blieb am Ende des Schuljahrs 2003/2004 nur etwa jede 16. Schülerin ohne Hauptschulabschluss gegenüber etwa jedem 10. Schüler.“ (S. 18 der PDF).

    „Bei der Fächerwahl der Studienanfänger im 1. Fachsemester lassen sich eindeutige geschlechtsspezifische
    Präferenzen nachweisen. Die Fächergruppen „Veterinärmedizin“ mit 85,3 % oder „Sprach- und Kulturwissenschaften“ mit 71 % Frauenanteil stellen beispielsweise eine Domäne der Frauen dar, die Fächergruppe „Ingenieurwissenschaften“ mit einem Frauenanteil von 21 % dagegen eine Domäne der Männer. In einzelnen Studienfächern dieser Fächergruppen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. Während z. B. das Studienfach „Germanistik/Deutsch“ von Frauen dominiert ist, studieren die Fächer „Elektrotechnik/Elektronik“
    und „Maschinenbau/-wesen“ überwiegend Männer. Abbildung 2.4 veranschaulicht die häufigsten Studienfächer
    der Studienanfänger im Wintersemester 2004/2005, die im 1. Fachsemester studieren.“
    (S. 21 und 23 der PDF)

    Usw. und usw. – vielleicht liegt so etwas eben auch gerade daran, was in dem Interview zur Geltung kommt und im Artikel von Ron bereits zitiert ist:
    Die Perspektive machts!
    Als „feministisch Gesinnter“ deutet man anders als „nicht feministisch Gesinnter“ – wen kümmert dann noch eine möglichst sachliche Deutung. Zumal im Interview auch erkannt wurde:
    Zitat: „Wer Macht will, muss dem System dienen – ganz unabhängig von der Geschlechterfrage.“
    Für mich ist genau dies die Aussage, die an Wahrheitsgehalt unbedingt zu würdigen wäre.

  4. Wow, erfrischend mal solch eine Gegen-den-Strom-Meinung zu lesen. Sehr bemerkenswert finde ich v.a. ihre Sichtweise zu Hausarbeit etc:

    Es ist den Frauen gelungen, durch ihr Streben in den Beruf das Ansehen dieser Aufgaben so massiv abzuwerten, dass niemand sie mehr machen will. […] Mich wurmt es, dass heute einfach niemand mehr am Herd stehen will, niemand gern die Kinder erzieht und die Alten pflegt. Die Gesellschaft sollte Männern und Frauen helfen, auch die schönen Seiten dieser Aufgabe zu genießen. […] Wer für die Familie zu Hause bleibt oder Teilzeit arbeitet, muss abgesichert sein. Das kann etwa funktionieren, indem man auch die Erziehungszeit und Hausarbeit mit Rentenansprüchen belohnt, nicht die Erwerbsarbeit. Stattdessen wird immer nur darum gekämpft, wer welche Nachteile trägt. Das vergiftet das Verhältnis der Geschlechter.

    Denke hier hat sie ein sehr grundsätzliches Problem erkannt, dessen Auswirkungen wir in Zukunft in Deutschland noch deutlich zu spüren bekommen werden…

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