Anmeldungen noch möglich: Im Zweifel für den Zweifel?

Bald startet in Berlin die Studienwoche »Im Zweifel für den Zweifel?: Glauben, Zweifeln und Vertrauen«. Anmeldungen sind noch möglich.

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Mehr hier: theoblog.de.

Kommentare

  1. Johannes Strehle meint:

    Ich will keinen Zweifel aufkommen lassen:
    Ich bin dafür, dass möglichst Viele an dieser Studienwoche teilnehmen, ich habe mich auch selbst angemeldet und freue mich auf die Referate und Begegnungen.
    Aber:
    Ich habe, um beim Thema zu bleiben, große Zweifel, dass das Thema den Nerv der Zeit, des Zeitgeistes, unserer Gesellschaft trifft – jedenfalls in Deutschland.
    (Das kann zum Beispiel in den Niederlanden, in Frankreich, in den USA ganz anders sein. Es ist erstaunlich, wie stark sich die nationalen Mentalitäten auch in unserer globalisierten westlichen Welt nach wie vor unterscheiden. Geschichte, auch nationale, prägt mehr, als wir es wahr haben wollen.
    Ein aktuelles Beispiel:
    Titel eines FAZ-Artikels am 26.Mai: „Putsch in Paris“. Worum geht es? Der Untertitel verrät es bereits: „Intellektueller Machtkampf: Onfray gegen Lévy“. Undenkbar in Deutschland.)
    Zurück zum Hauptthema. Francis Schaeffers Anliegen war, den Nerv der Zeit, des Zeitgeistes, der Gesellschaft zu treffen – im Sinne Jesu, der immer auf der Höhe der Zeit war – im Gegensatz zu den Kirchen. Schaeffer hat, um das auf den Punkt zu bringen, wiederholt Luther zitiert:
    „Wenn ich mit lauter Stimme und klarer Auslegung
    alle Teile der Wahrheit Gottes verkünde, außer dem einen kleinen Punkt,
    den die Welt und der Teufel gerade in diesem Augenblick angreifen,
    dann bezeuge ich Christus überhaupt nicht, wie mutig ich auch Christus bekennen mag.
    Wo die Schlacht tobt, da wird die Treue des Kämpfers auf die Probe gestellt;
    auf allen anderen Schlachtfeldern treu zu sein,
    ist für den Christen in diesem Augenblick nichts anderes als Flucht und Schande,
    wenn er in diesem Punkt nachgibt.“
    Das ist pointiert, passt auch nicht genau,
    aber es kann sinngemäß nachdenklich machen.
    (Mein Schwiegersohn, der bei Bucer studiert, ist nach einer ersten Recherche zum Ergebnis gekommen, dass dieses Zitat nicht von Luther stammt. Francis Schaeffer sah jedenfalls in diesem Zitat, wem auch immer es zuzuschreiben ist, sein Anliegen treffend formuliert.)
    Ich versuche jede Gelegenheit zu nutzen, um andere zu fragen, ob das Thema und Anliegen der Studienwoche nach ihrem Eindruck den Nerv der Zeit trifft – ich benutze weiter diesen Ausdruck und hoffe, dass verstanden wird, was ich meine. Ausnahmslos war die Antwort „nein“.
    Was ich höre, lese, sehe, legt mir nahe,
    dass das Problem dieser Zeit nicht Skepsis und Zweifel sind,
    sondern das, was für die Masse der Medien, Politiker und Wissenschaftler selbstverständlich ist.
    Wenn diese Selbstverständlichkeiten und Gewissheiten in Frage gestellt, angezweifelt werden, versuchen die Dogmatiker des Zeitgeistes,
    Skeptiker mundtot zu machen, oder, wenn das nicht gelingt, reagieren sie aggressiv und brandmarken die Skeptiker als gefährliche Ewiggestrige.
    Die Zeit, in der Zweifel das Dogma war, war einmal – nach meinem Eindruck.
    Selbstverständlich gibt es in Winkeln auch unserer Gesellschaft immer Zweifler, aber es geht um den „Mainstream“.
    Johannes Strehle

  2. @Johannes: Erstmal vielen Dank für Deinen langen Kommentar! Für mich ist das ziemlich klar: Zweifel und Lethargie (im Sinne von „vieles selbstverständlich hinnehmen“) gehören irgendwie zusammen. So: Übertriebener Zweifel führt in die Lethargie.

    Außerdem scheint es eine Verwandtschaft von Zweifel und Misstrauen zu geben. Dass das „niemandem mehr trauen können“ nicht nur das Problem einer Elite ist, liegt auf der Hand (siehe z.B. Bankenkrise).

    Mehr dazu hoffentlich in Berlin.

    Liebe Grüße, Ron

  3. Roderich meint:

    Lieber Ron,
    kurze Frage: gibt es auch Englische Uebersetzung fuer einzelne oder alle Vortraege? Oder wird die Woche ganz auf Deutsch gehalten?

    Die Einwaende von Johannes sind uebrigens sehr bedenkenswert. – Zwar sind Basisthemen wie „Zweifel“ im Prinzip immer „relevant“. Denn alle Basisthemen des Glaubens betreffen letztlich auch alle Bereiche der Gesellschaft.

    Und doch – eventuell koennte L’Abri ueberlegen, ob und wie man mehr aktuelle gesellschaftsrelevante Themen auch einbezieht. Das, was „der Bevoelkerung“ auf den Naegeln brennt.

    Ich glaube, das L’Abri Prinzip ist, man versucht, sich auf das Beantworten der Fragen der Teilnehmer zu beschraenken. D.h. – ins Extreme durchgezogen – wenn alle Besucher / Teilnehmer von L’Abri nur etwas ueber „Innere Heilung“ wissen wollen, passt man sich an und referiert nur noch darueber.

    Dazu meine ich aber, es ist durchaus legitim, wenn L’Abri den Besuchern gewissen „Themenvorgaben“ macht: Hallo Leute, DIES sind Eure eigentlichen Fragen, bzw. das SOLLTE Euch interessieren, weil es momentan darum geht in unserer Gesellschaft. Bzw. dies liegt Gott gerade auf dem Herzen.

    Theologisch formuliert: Man sollte mehr hoeren auf den Heiligen Geist, welche Themen gerade relevant sind, als auf das, was Leute gerne hoeren wollen.

    Das „demokratische Prinzip“ ist natuerlich dann okay, so lange alle Abstimmungsberechtigten auf den Heiligen Geist hoeren. 🙂

    Folgende Kernthemen sollten von L’Abri durchaus angeschnitten werden: Zentralisierung der EU, Zunehmende EU-Diktatur, Aufloesung der Souveranitaet der BRD, was ist eigentlich Demokratie und was ist die christliche Sicht davon, was ist Fundamentalismus, warum sind Evangelikale nicht verfassungsfeindlich oder demokratiefeindlich, sondern warum sind gerade die Humanisten und Atheisten eher in der Gefahr, eine Gefahr fuer die Freiheitliche Grundordnung darzustellen, inwiefern sind die Antidiskriminierungsgesetze eine Gefahr fuer das Christentum, der weltweite Lobby-Einfluss der Homo-Bewegung und die Gefahr fuer die Freiheit der Meinungsaeusserung der Christen, Pluralismus als normativer Wert?, Emerging Church vs klassische Theologie, Biblische Sicht von Umweltschutz, wird Europa Islamisch, welche Gefahren beinhaltet das, und was waere eine christliche korrekte Sicht (auch hinsichtlich der Politik) / darf das Christentum eine privilegierte Stellung innehaben), Gefahr des politischen Extremismus von beiden Seiten, Rolle der Medien im gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozess, und welche Weltanschauungen sind in den Medien vorherrschend und warum, etc. – Die Liste ist bei weitem nicht vollstaendig, viele Leute wuerden sicher andere Schwerpunkte setzen. – Ich finde aber, man sollte „knifflige“ Fragen und solche, bei deren ehrlicher Beantwortung man riskiert, politisch inkorrekt zu werden, nicht aussparen.

    Sicher ist es jetzt zu spaet, das Tagungsprogramm noch zu aendern. Das waere etwas fuer die naechsten Jahre.

    Ich denke auch, dass Francis Schaeffer gerade diese Fragen auch anschneiden wuerde. Also, es waere nicht „im Geiste“ Francis Schaeffers, wenn man einfach an der „Form“ des damaligen L’Abri festhaelt.

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  1. […] hat in seinem Kommentar auf ein Phänomen hingewiesen, dass vielen Francis Schaeffer-Lesern vertraut sein wird: Schaeffer […]

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