Augustinus: Lehrer der Gnade (Teil 3)

Augustinus‘ Hauptaufmerksamkeit galt nicht dem Verhältnis von Glaube und Wissen, sondern der göttlichen Gnade. Einzigartig hat der Bischof das Thema »Gnade« autobiographisch in seinen Bekenntnissen erörtert. Für Augustinus ist es das Ziel des Menschen, Gott anzuhängen. Der Mensch ist allerdings unfähig, aus seinem Herzen heraus das ihm gesteckte Ziel zu erreichen. Sein durch die Sünde verdorbener Wille – »Wille« steht bei Augustinus für das Zentrum der Persönlichkeit, zieht ihn immer wieder auf sich selbst zurück. Die Eigenliebe wiegt so schwer, dass sie den Menschen wie ein Gefängnis einkerkert und knechtet. Indem Gott sich uns Menschen in Jesus Christus liebevoll zuwendet, werden diejenigen, die Christus vertrauen, mit ihrem Schöpfer versöhnt. Nach Augustinus kann allein Gott den ganz auf die Gnade angewiesenen Menschen aus der Macht der Sünde befreien.

Der Bischof hat in zahlreichen Werken sein Verständnis der Gnade Gottes begründet und erläutert. Ich möchte in den nächsten Tagen durch die auszugsweise Wiedergabe seines Briefes an Sixtus Einblicke in seine Argumentation gewähren. Zuvor aber einige Anmerkungen zur Entstehung des Briefes während der Auseinandersetzung mit dem Pelagianismus.

Der Pelagianismus geht auf den den ursprünglich aus Britannien stammende Pelagius (360–ca. 420) zurück. Er gelangte als Flüchtling nach Rom, wo er sich ab ungefähr 380 n. Chr. verschiedenen theologischen Studien widmete und ein beachtliches Ansehen erwarb. Wegen seiner strengen und enthaltsamen Lebensführung stand er bis zu seiner Verdächtigung als Irrlehrer im Ruf einer »nicht gewöhnlichen Frömmigkeit«. In einem Anhang zur Schrift De peccatorum meritis et remissione et de baptismo parvulorum erwähnt Augustinus Pelagius erstmals namentlich und bezeichnet ihn noch als einen heiligen und ernsten Mann und hervorragenden Christen. Von der Askese geprägt, war er über das zügellose Leben der Menschen in Rom entsetzt und engagierte sich für eine Erneuerung des kirchlichen Lebens. Obwohl theologischer Laie, sprach Pelagius fließend Griechisch und las das Neue Testament in Koiné (Augustinus las Lateinisch). Sein auf die Bergpredigt und die christliche Vollkommenheit ausgerichteter Lebensstil traf das Bedürfnis gebildeter Christen. So konnte er sich mit der Zeit in Rom einen respektablen Freundeskreis unter den Aristokraten aufbauen.

Pelagius floh um 409 mit seinem Schützling Caelestius von Rom nach Nordafrika. Während er selbst von dort nach Palästina weiterreiste, verweilte Caelestius als Emigrant in Kathargo und löste gegen Ende des Jahres 411 den so genannten »pelagianischen Streit« aus, indem er im Rahmen einer »Taufdebatte« gegen die von Augustinus bereits entwickelte Ursündenlehre Stellung bezog.

Ohne den Pelagianismus hier näher zu erörtern, will ich kurz darstellen, was Caelestius damals vorgeworfen wurde. Die Anklageschrift gegen Caelestius gewährt uns nämlich Einblicke in die Positionen des Pelagius und die seiner Schüler, auch wenn Pelagius nicht exakt das behauptet haben mag, was dem Caelestius vorgeworfen wurde. Folgende sechs Punkte werden aufgezählt (Ich folge der Aufzählung von Bonner und Wermelinger): (1) Adam wurde von Gott sterblich erschaffen und wäre auch dann gestorben, wenn es keinen Sündenfall gegeben hätte. (2) Seine Sünde hätte nur ihm selbst geschadet, nicht aber der gesamten Menschheit. (3) Kinder hätten bei ihrer Geburt den gleichen Status wie Adam vor dem Fall und auch Ungetaufte empfingen ewiges Leben. (4) Die Menschen stürben weder durch Adams Tod oder Vergehen noch würden sie durch die Auferstehung Jesu auferstehen. (5) Dass Gesetz bringe Menschen gleichwie das Evangelium in das Himmelreich. (6) Vor dem zweiten Kommen von Jesus Christus habe es sündenfreie Menschen gegeben.

Augustinus warf Pelagius ein erheblich verkürztes Gnadenverständnis vor. In seinem Brief 188 schreibt er:

Und fürwahr ist nicht gering der Irrtum jener, die glauben, wir hätten aus uns selbst das, was an Gerechtigkeit, Enthaltsamkeit, Frömmigkeit und Keuschheit in uns ist. Gott hätte uns nämlich so geschaffen, dass er uns – abgesehen von der Offenbarung rechten Wissens – darüber hinaus nicht hilft, unser Wissen über das rechte Tun auch liebend in die Tat umzusetzen. Nur in der menschlichen Natur und in der göttlichen Belehrung – behaupten sie – besteht die Gnade und Hilfe Gottes zum richtigen und gerechten Leben. Sie geben aber nicht zu, daß Gott uns hilft, den guten Willen, in dem das gerechte Leben besteht, zu besitzen und auch die Liebe selber, die unter allen Gaben Gottes so hervorragt, dass sie sogar »Gott« genannt wird (1 Joh 4,8), und ohne die in uns Gottes Gebot und Weisung überhaupt nicht erfüllt werden kann. Vielmehr behaupten diese Leute, dass wir selbst uns dafür aufgrund unserer eigenen Willensfreiheit genügen.

Papst Innozenz I. reagierte im Streit mit Pelagius zustimmend auf die Einwände von Augustinus: »Wer meint, er würde der göttlichen Gnade nicht bedürfen, erweist sich als ein Feind des katholischen Glaubens …« (Ep. 181,8). Die Stellungnahme seines Nachfolgers Zosimus fiel zunächst reservierter aus, da er von Caelestius hintergangen wurde. Ein Schreiben, das der karthagischen Synode im Mai 418 vorgelegt wurde, konnte Zosimus jedoch beruhigen und so wurde die Häresie des Pelagius erneut verurteilt.

Den Brief 194, aus dem ich in den nächsten Tagen zitieren werden, schrieb Augustinus nach diesen Vorgängen an den späteren Papst Sixtus. Was Augustinus über die Unverdientheit der Gnade, über die Ursünde und deren Schuldcharakter lehrt, wurde teilweise katholisches Glaubensgut und animierte besonders Reformatoren wie Martin Luther oder Johannes Calvin zur Wiederentdeckung der göttlichen Gnade. Viele Bibelstellenverweise und Argumente, die in dem Brief zu finden sind, wurden in der Reformationszeit wieder »ausgegraben«.

Kommentare

  1. Eine kleine Ergänzung zu deutschen Texten von Augustinus hätte ich noch.
    Hier kann man einige seiner Schriften lesen:
    http://www.unifr.ch/bkv/awerk.htm

    speziell: Augustinus, Des heiligen Kirchenvaters Aurelius Augustinus Bekenntinsse. Aus dem Lateinischen übersetzt von Dr. Alfred Hofmann. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 18; Augustinus Band VII) München 1914.
    http://www.unifr.ch/bkv/buch19.htm

    Gruß Lutz

  2. ein christ meint:

    Hallo ich habe ein Buch geschrieben über das Thema Gnade,es schon vor ein paar Monaten veröffentlicht, aber jetzt gekürzt um 7000 wörter link siehe unten, Die meisten texte habe ich unberührt gelassen, aber ich habe Letzte woche gemerkt wie oft ich immer dasselbe im fast gleichen wortlaut schreibe, Weil ich auch mal die langen texte am stück gelesen habe, und gesehen habe dass sie zu lang sind und zuviel Wiederholungen enthalten habe ich einen link nun neu gemacht, Es sind nun deutlich untern 190000 wörter nur noch etwa 186000 und ein Inhaltsverzeichnus habe Ich auch der übersichtlichkeitshalber gemacht, ich hoffe es ist jetzt nicht mehr so zäh http://workupload.com/file/2ntjTsF

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