Barth in Chicago

Ich arbeite derzeit an einem Buchprojekt für John Warwick Montgomery, das hoffentlich in diesem Jahr erscheinen wird. Bei der Auswertung und Erfassung einiger Aufzeichnungen von Professor Montgomery viel mir ein Text in die Hände, den ich – auch im Blick auf die Zeitgeistdebatte (vgl. Brauchen wir einen Kulturevangelikalismus? und Karl Barth und die Kontextualisierung) und die Barth-Renaissance in evangelikalen Kreisen (vgl. dazu das Interview von Guy Davies mit David Gibson, der zusammen mit Daniel Strangs die Publikation Engaging with Barth vorbereitet) – interessant finde.

Zum Text: J.W. Montgomery – ein Freund des 1984 verstorbenen Francis Schaeffer –, besuchte im Jahre 1962 eine Vortragsreihe von Karl Barth an der theologischen Fakultät der Universität von Chicago. Die Fakultät hatte sich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts einem sozialgeschichtlichen Ansatz verschrieben und berief 1962 noch einmal Paul Tillich, der dort seinen dritten Band der Systematischen Theologie fertigstellte. Die neo-orthodoxe Theologie von Barth passte überhaupt nicht zur Ausrichtung der Universität und so erwarteten zahlreiche Gelehrte gespannt das Erscheinen des Schweizer Theologen, der damals bereits betagte 75 Jahre alt war.

Der Verfasser erteilte mir freundlicher Weise die Genehmigung, den Bericht zu übersetzen und hier im Blog zu publizieren. Übersetzt hat den Artikel netter Weise Daniela Stöckel, die derzeit in England studiert. Vielen Dank!

Hier der Augenzeugenbericht von John Warwick Montgomery: Barth in Chicago.pdf

Kommentare

  1. Interessant! Montgomery ist schon ein interessanter „Fellow“, wenn auch einer, der polarisiert! Ich habe für ihn auch mal ein Paper über Barth (Apologetik) geschrieben. Montgomery ist (leider) ein „reiner“ Evidentialist und radikaler Gegner einer (leider auch falsch verstandenen!) prämissenorientierten Apologetik. Aber das weißt Du ja selbst… Seine Kritik von Barth teile ich, wenn auch von anderer Warte aus (vgl. Van Til’s „Christianity and Barthianism“ und „The New Modernism“).

  2. Lieber Sebastian,

    danke für Deinen Kommentar! Ja, die Debatte kenne ich. Ich habe so manche Diskussion darüber miterlebt. Kennst Du eigentlich seinen Tractatus Logico-Theoligicus? Ich könnte Dir einen schicken.

    Liebe Grüße, Ron

  3. Ja, das habe ich. Ich versteh aber ehrlich gesagt nicht, was das soll… So richtig Sinn machte mir das Buch nicht, also das Format, auch wenn inhaltlich vieles gut ist. Was ich bei Montgomery schätze – seinen Hardcore-Evidentialismus ‚mal beiseite gelassen – ist sein Konfessionalismus. Bei den kofessionellen Lutheranern können wir Reformierte nur lernen!

  4. Das Format ist dem Tractatus logico-philosophicus von Ludwig Wittgenstein entlehnt. Als JWM an der Cornell University studierte, gab es unter dem Einfluss von Norman Malcom (vielleicht der bedeutendste Wittgenstein-Interpret (und -Freund)) sehr viel „Wittgenstein“. Das Buch mag durch diese Zeit inspiriert worden sein.

  5. Ja, das ist mir schon klar mit dem Vorbild bei Wittgenstein. Das ist ja gerade das Problem…! 😉

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