Beipackzettel für die Psychotherapie

Wenn Menschen eine Therapie beginnen, ahnen sie nichts von möglichen Nebenwirkungen. Die gibt es aber. DIE ZEIT schildert einen Fall:

Es ging aufwärts. In der Psychotherapie hatte die Patientin neues Selbstbewusstsein geschöpft. Jahrelang war sie depressiv gewesen, jetzt wanderte die 38-Jährige, fuhr Ski und lernte neue Leute kennen. Mit ihrer Ehe aber ging es bergab. Seit 15 Jahren war sie verheiratet; ihr Mann hatte sie nur als unsichere, schüchterne Frau, die keine Wünsche äußerte, gekannt. Sie trennte sich von ihm. Doch ihre neue Lebensfreude war fragil. Ihr Mann hatte schon bald eine neue Freundin, sie dagegen verlor Freunde und Bekannte, litt unter der Einsamkeit. Die Depression kam zurück. Sie begann an Selbstmord zu denken. Sie hatte erwartet, dass die Psychotherapie ihr Leben dauerhaft verbessert, stattdessen steckte sie tiefer in der Misere als zuvor.

Hier mehr: www.zeit.de.

Kommentare

  1. Klaus Schulte meint:

    Ich finde es problematisch, zur Untermauerung eines christlichen Weltbildes einen Artikel nur einseitig zu zitieren. Eine Beziehung kann ein Leiden stabilisieren, wie wir im gleichen Artikel lesen können:

    In vielen Fällen ist eine vorübergehende Verschlechterung ein normaler Effekt der Psychotherapie. Eine Therapie soll ja eben Veränderungen herbeiführen. Manchmal funktionieren dann eingeschliffene Beziehungen nicht mehr, wie bei der Patientin, die sich nach ihrer Therapie scheiden ließ, weil ihr Mann mit ihrem neuen Selbstbewusstsein nicht klarkam. »Da war die Beziehung ein aufrechterhaltender Faktor für die Depression gewesen«, sagt Brakemeier. Inzwischen ist die 38-Jährige vom Dorf in die Stadt gezogen, hat sich einen neuen Freundeskreis aufgebaut. Sie fühle sich jetzt jünger und lebendiger, sagt sie. Und sie hat einen neuen Mann kennengelernt. Einen, der ihr Selbstbewusstsein mag.

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