Biblia Americana

Derzeit werden die Hauptgeschäfte mit theologischer Literatur in den Vereinigten Staaten getätigt. Will die deutsche Theologie überleben, muss sie einen Zugang zu diesem Markt gewinnen. Das gilt nicht nur für Universitätstheologen, sondern auch für Verlage. Das ehrwürdige Haus Mohr Siebeck unternimmt dafür nun einen spektakulären Versuch. Die FAZ schreibt:

Nicht mit marktgängiger Erbauungsliteratur oder pastoraltheologischen »How to«-Fibeln, sondern mit höchster deutscher Editionskunst möchte es amerikanische Kunden finden. So legte der Verlag unlängst den ersten von insgesamt zehn Bänden der »Biblia Americana« von Cotton Mather vor, die er in Kooperation mit einer Reihe amerikanischer Institute sowie dem Verlag Baker Academic erarbeitet hat.

Cotton Mather (1663 bis 1728), hierzulande gänzlich unbekannt, ist eine Gründungsfigur der amerikanischen Religionskultur. Als Prediger in Boston war er der bedeutendste puritanische Theologe der dritten Einwanderergeneration. Berühmt, aber auch berüchtigt wurde er durch sein Engagement im Freiheitskampf der Siedler gegen die englische Krone, aber auch durch seine Beteiligung an den Hexenprozessen von Salem. Seine »Biblia Americana«, die als Manuskript 4500 Folio-Seiten füllt, ist der erste amerikanische Bibelkommentar. Vergeblich hatte Mather versucht, sie zu veröffentlichen. Denn in Neuengland gab es damals keinen Verlag, der solch ein Vorhaben hätte umsetzen können. Es musste erst dreihundert Jahre später ein Tübinger Verlag kommen, damit sein dringlichster Gebetswunsch in Erfüllung geht.

Mather gliedert sein Bibelbuch nach einem alten katechetischen Muster, nämlich dem Wechsel von Fragen und Antworten. Diese beschränken sich nicht auf eine Exegese der Heiligen Schrift, sondern greifen auf den gesamten Bereich des damaligen Wissens aus. So gehen Bibelkunde, Philologie, Dogmatik, Naturwissenschaft, Kulturkunde, philosophisches Grübeln und pietistische Spekulation eine einzigartige Verbindung ein. Dabei schöpft Mather aus den Tiefen der Tradition, zitiert Kirchenväter, Reformatoren, rabbinisches Schrifttum, setzt sich jedoch genauso intensiv mit den wichtigsten Gegenwartsautoren des beginnenden Zeitalters der Kritik auseinander.

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Kommentare

  1. Roderich meint:

    Cotton Mather hat wunderbare Sachen geschrieben – gepraegt von tiefer Erkenntnis Gottes und tiefer Ehrfurcht vor Gott, und einem sehr umfassenden Ansatz. Z.B. in dem Buch Magnalia Christi Americana, siehe http://www.amazon.de/Magnalia-Christi-Americana-Cotton-Mather/dp/1425567770/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1297812010&sr=8-1,
    ging es um die „Grossen Werke Christi in Amerika“; in dem Buch hat er z.T. die Geschichte Amerikas aus christlicher Sicht interpretiert. Er war einer der bedeutendsten Intellektuellen, und auch bis an sein Lebensende ein „konservativer Puritaner“. Diese Tiefe von Intellekt, verbunden mit geistlicher Tiefe, brauchen wir heute wieder. Also, an alle Intellektuellen: werdet geistlich tiefer, bitte. An alle geistlich fitten: werdet intellektueller, ohne das Feuer zu verlieren … 🙂

    Hier das PDF des Buches online:
    http://books.google.com/books?printsec=frontcover&id=49JdS7NoSawC&output=text&pg=PP1

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