Bonhoeffer über den Zerfall menschlicher Lebensordnungen

Im Kolosserbrief 3,18–19 ist zu lesen: „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt! Ihr Männer, liebt eure Frauen und lasst eure Bitterkeit nicht an ihnen aus!“ Dieser Text über die christliche Familie wird heute selten konsequent ausgelegt. Bonhoeffer wehrte sich noch gegen eine Relativierung der christlichen Haustafel und sieht in ihr eine von Gott gesetzte Ordnung. Dass sich der EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider bei seiner Verteidigung des umstrittenes Orientierungspapiers zu Ehe und Familie ausgerechnet auf Bonhoeffer beruft, wirkt ziemlich grotesk.

Hier also Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung, 1983, S. 34):

Gott gründet eine Ordnung, in der ihr in der Ehe miteinander leben könnt. „Ihr Weiber, seid Untertan euren Männern, in dem Herrn, wie sich’s gehört. Ihr Männer, liebet eure Weiber“ (Kol. 3,18. 19). Mit eurer Ehe gründet ihr ein Haus. Dazu bedarf es einer Ordnung, und diese Ordnung ist so wichtig, daß Gott selbst sie setzt, weil ohne sie alles aus den Fugen ginge. In allem seid ihr frei bei der Gestaltung eures Hauses, nur in einem seid ihr gebunden: die Frau sei dem Manne Untertan, und der Mann liebe seine Frau. Damit gibt Gott Mann und Frau die ihnen eigene Ehre. Es ist die Ehre der Frau, dem Manne zu dienen, ihm eine Gehilfin zu sein — wie es in der Schöpfungsgeschichte heißt (1. Mose 2, 20) –, und es ist die Ehre des Mannes, seine Frau von Herzen zu lieben. Er „wird Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen“ (Matt. 19,5), er wird sie „lieben wie sein eigenes Fleisch“. Eine Frau, die über ihren Mann herrschen will, tut sich selbst und ihrem Manne Unehre, ebenso wie ein Mann durch mangelnde Liebe zu seiner Frau sich selbst und seiner Frau Unehre zufügt, und beide verachten die Ehre Gottes, die auf dem Ehestand ruhen soll. Es sind ungesunde Zeiten und Verhältnisse, in denen die Frau ihren Ehrgeiz darin sucht, zu sein wie der Mann, und der Mann in der Frau nur das Spielzeug seiner Herrschsucht und Freiheit erblickt. Es ist der Beginn der Auflösung und des Zerfalls aller menschlichen Lebensordnungen, wenn das Dienen der Frau als Zurücksetzung, ja als Kränkung ihrer Ehre, und die ausschließliche Liebe des Mannes zu seiner Frau als Schwäche oder gar als Dummheit angesehen wird.

Kommentare

  1. Theophil Isegrim meint:

    Generell werden die Texte zu dem Verständnis, den unterschiedlichen Aufgaben und Rollen der Geschlechter heutzutage nicht mehr konsequent ausgelegt. Obwohl in einigen Textstellen Gott höchstpersönlich spricht. Die meisten übernehmen es einfach unreflektiert, andere haben Angst den Konflikt auszutragen. Und so Leute wie Nikolaus Schneider, ja, der müßte es eigentlich wissen, aber er lehnt es wohl einfach ab. Mir ist schon oft aufgefallen, daß er sich zu verteidigen sucht, indem er behauptet etwas auf keinen Fall zu tun, was er aber glasklar macht. Auch das Zitat von dem verlinkten Artikeln „Das hat mit Zeitgeist nichts zu tun“. Ja, wenn es das nicht ist, was soll es denn sonst sein? Wenn er biblische Positionen verträte, dann könnte er das zu recht behaupten. Aber so ist es nur eine weitere Dreistigkeit.

    Ich kann auch nicht ganz nachvollziehen, warum er so Namen wie Luther oder Bonhoeffer wohlwollend erwähnt. Die hätten doch mit ihm überhaupt nichts gemein. Das sind doch zwei Paradebeispiele, die ihren Standpunkt mit der Bibel begründeten und sich gegen den Zeitgeist stellten.

    Ich kann mir sogar vorstellen, daß er wirklich glaubt, was er da redet. Deshalb kommt es so überzeugend rüber. Mielke meinte von sich selbst, er sei Humanist und er hätte es nur für andere getan. Davon war der wirklich überzeugt.

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