C.S. Lewis – Leben und Glauben

Die Geschichten von Narnia haben Millionen Menschen begeistert. Doch wer ist der Mann hinter den fantasievollen Romanen von sprechenden Tieren und dem Kampf zwischen Gut und Böse? Eine zweiteilige Dokumentation berichtet über eine Geschichte, wie sie Clives Staples Lewis selbst nicht besser hätte schreiben können: über sein Leben mit Gott.

Hier der erste Teil einer guten ERF-Sendung über C.S. Lewis: erf.de. Der zweite Teil ist hier zu finden.

VD: JO

Kommentare

  1. Markus meint:

    Bevor ich hier wieder etwas ruhiger werde … 😉

    Der untenstehende Abschnitt stammt aus der Feder von C.S. Lewis („The World’s Last Night“, S. 97-98; die Übersetzung von mir). Es würde mich wunder nehmen, wie dieser Textabschnitt aus der Perspektive reformatorischer Theologie interpretiert wird:

    „Der apokalyptische Glaube der ersten Christen hat sich als falsch herausgestellt. Das Neue Testament zeigt klar auf, dass sie alle das zweite Kommen Jesu noch zu ihren Lebzeiten erwarteten. Und schlimmer noch, sie hatten Grund dazu. Einen Grund, den Sie sehr beschämend finden werden. Ihr Meister hatte es ihnen so gesagt. Er teilte mit ihnen diesen Irrtum. Er verkündete ihnen, „dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles dieses geschehen ist“ (Mt 24,34). Aber er hatte Unrecht. Er wusste eindeutig nicht mehr über das Ende der Welt als alle anderen. Dieser Vers bringt uns zweifellos in grösste Verlegenheit“

    LG, Markus

  2. @Markus: Reformierte haben viele Gründe, C.S. Lewis differenziert wahrzunehmen. Darüber wurde schon viel publiziert. Da ich zu den Reformierten gehöre, die für eine differenzierte Wahrnehmung werben, kann ich Lewis trotzdem empfehlen. Das Zitat kannte ich nicht. Auch wenn es Dir wahrscheinlich gefällt; es ist keine Glanzleistung. 😉
    Liebe Grüße, Ron

  3. Markus meint:

    @Ron … Mir gefällt es gar nicht ;-), im Gegenteil!
    Und freut mich zu hören, dass wir da auf einer Linie sind.
    Liebe Grüsse, Markus

  4. Johannes G. meint:

    Was Lewis hier schreibt ist jedoch nicht seine eigene Wortwahl, sondern er lässt mit diesem Satz einen potentiellen Opponenten zu Wort kommen. Das wird ersichtlich, wenn man einen Satz vorher zu lesen beginnt.

    Hier einmal etwas mehr Text aus der deutschen Übersetzung aus dem Brunnen Verlag:

    Aber es kommt noch schlimmer. „Sie mögen sagen, was Sie wollen“, wird man uns entgegenhalten, „die apokalyptischen Überzeugungen der ersten Christen haben sich als falsch erwiesen. Aus dem Neuen Testament geht klar hervor, daß sie alle das Zweite Kommen noch zu ihren Lebzeiten erwarteten. Und mehr noch: Sie hatten dafür einen Grund, und zwar einen, der Sie recht in Verlegenheit stürzen wird. Der Meister hatte es ihnen gesagt. Er teilte, ja verschuldete ihre Täuschung. Er hat es ihnen Wort für Wort gesagt: ‚Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis all das geschieht‘ Und er hat sich geirrt. Es ist klar, daß er vom Ende der Welt nicht mehr als jeder andere wußte.“ Es ist gewiß der peinlichste Vers in der ganzen Bibel. Aber wie ärgerlich wiederum, daß keine zwölf Wörter davon entfernt der Satz steht: „Von jenem Tage aber oder jener Stunde hat niemand Kenntnis, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater.“ Jener Beweis eines Irrtums und dieses Eingeständnis der Unwissenheit stehen Seite an Seite. Wir brauchen bestimmt nicht daran zu zweifeln, daß sie so aus dem Munde Jesu selbst gekommen sind und nicht erst vom Berichterstatter so angeordnet wurden. Wäre der Berichterstatter nicht vollkommen ehrlich – nie hätte er das Eingeständnis des Nichtwissens überhaupt aufgezeichnet. Er kann dafür keinen andern Beweggrund gehabt haben als den Wunsch, die ganze Wahrheit mitzuteilen. Und wären spätere Abschreiber nicht ebenso ehrlich gewesen, sie hätten die (anscheinend) irrtümliche Voraussage über „dieses Geschlecht“ nicht länger bewahrt, nachdem der Verlauf der Zeit den (scheinbaren) Irrtum erwiesen hatte. Diese Stelle (Markus 13, 30-32) und der Aufschrei „Warum hast du mich verlassen?“ (Markus 15, 34) bilden zusammen den stärksten Beweis für die historische Zuverlässigkeit des Neuen Testaments. Den Evangelisten eignet das vornehmste Kennzeichen ehrlicher Zeugenschaft: Sie erwähnen Tatsachen, die – auf den ersten Blick – ihrem Hauptanliegen schaden. Folgendes sind also die Tatsachen: Jesus bekennt sich (in irgendeinem Sinne) als unwissend und beweist im selben Augenblick, daß er es ist.

    Man muss die Auslegung von Lewis sicher trotzdem nicht teilen, aber ich meine man kann den Abschnitt ohne den Kontext leicht missverstehen. Es geht ihm hierbei gerade darum, für die Zuverlässigkeit des NT zu argumentieren – auch wenn dieses Argument zugegebener weise wenig überzeugend ist. Warum sollte Jesus erst eine definitive Aussage machen und danach einräumen, dass er unwissend ist? Denn wenn er sich bewusst ist, dass er etwas nicht weiß, dann kann er schwerlich guten Gewissens darüber eine definitive Aussage machen.

    Liebe Grüße
    Jo

  5. Danke, Johannes, für die etwas vollständigere Wiedergabe. Ich finde diese Aussagen hochspannend. Hier liest jemand mit klarem Verstand das Markusevangelium und zieht Schlussfolgerungen, die das Evangelium (trotzdem) nicht ab- sondern aufwerten. Alle Achtung.
    Das Buch kommt auf die Literaturliste. 🙂

  6. @Johannes: Danke! Das klingt nun wahrlich schon anders. Falls noch jemand das Original einstellt? 😉

    Liebe Grüße, Ron

  7. Tim-Christian meint:

    Zu Befehl! 😉

    But there is worse to come. “Say what you like,” we shall be told, “the apocalyptic beliefs of the first Christians have been proved to be false. It is clear from the New Testament that they all expected the Second Coming in their own lifetime. And, worse still, they had a reason, and one which you will find very embarrassing. Their Master had told them so. He shared, and indeed created, their delusion. He said in so many words, ‘this generation shall not pass till all these things be done.’ And he was wrong. He clearly knew no more about the end of the world than anyone else.” It is certainly the most embarrassing verse in the Bible. Yet how teasing, also, that within fourteen words of it should come the statement “But of that day and that hour knoweth no man, no, not the angels which are in heaven, neither the Son, but the Father.” The one exhibition of error and the one confession of ignorance grow side by side. That they stood thus in the mouth of Jesus himself, and were not merely placed thus by the reporter, we surely need not doubt. Unless the reporter were perfectly honest he would never have recorded the confession of ignorance at all; he could have had no motive for doing so except a desire to tell the whole truth. And unless later copyists were equally honest they would never have preserved the (apparently) mistaken pre­diction about “this generation” after the passage of time had shown the (appar­ent) mistake. This passage (Mark 13:30-32) and the cry “Why hast thou forsaken me?” (Mark 15:34) together make up the strongest proof that the New Testament is historically reliable. The evangelists have the first great character­istic of honest witnesses: they mention facts which are, at first sight, damaging to their main contention. The facts, then, are these: that Jesus professed himself (in some sense) ignorant, and within a moment showed that he really was so. To believe in the Incarnation, to believe that he is God, makes it hard to understand how he could be ignorant; but also makes it certain that, if he said he could be ignorant, then ignorant he could really be. For a God who can be ignorant is less baffling than a God who falsely professes ignorance. The answer of theologians is that the God-Man was omniscient as God, and ignorant as Man. This, no doubt, is true, though it cannot be imagined. Nor indeed can the unconsciousness of Christ in sleep be imagined, nor the twilight of reason in his infancy; still less his merely organic life in his mother’s womb. But the physical sciences, no less than theol­ogy, propose for our belief much that cannot be imagined.

  8. David meint:

    Irgendwann hat Lewis mal die historisch-kritische Methode kritisiert, indem er darauf hinwies, dass die Literaturkritiker selbst bei seinen Werken zu den merkwürdigsten Ergebnissen kommen. Woher stammt diese Aussage?

  9. Johannes G. meint:

    Diese „Kritik an der historisch-kritischen Methode“ stammt aus „Was der Laie blökt: Essays über das Christentum“ Erschienen im Johannes Verlag 😉

    Liebe Grüße
    Jo

  10. Johannes Strehle meint:

    „Was der Laie blökt“ – unbedingt lesenswert!

  11. David meint:

    In Deutschland ist es wohl nur antiquarisch zu bekommen und in den USA gibt es das Buch wohl auch nicht. Aber hier…coool 😮

    http://www.amazon.co.uk/C-Lewis-Essay-Collection-Christianity/dp/0007136536

  12. David meint:

    Ach ja …danke für die Antwort. 😀

  13. Bettina Klix meint:

    @David: Im wunderbaren – unvergleichlichen – Johannes Verlag Einsiedeln gibt es, wie Johannes schon sagte, regulär „Was der Laie blökt“ – und viele unbekanntere Bücher von C.S.Lewis.

  14. Markus meint:

    Danke für den Kontext und die Präzisierungen. Ich gerate darob aber keinesfalls in Entzückung… 😉

    Die präzise Angabe von „Tag und Stunde“ lässt sich nicht „Seite an Seite“ mit der Lebenszeit von „dieser Generation“ vergleichen.

    Jesus wusste zwar nicht Tag und Stunde, aber er wusste, dass das zweite Kommen noch im Rahmen der Lebenserwartung seiner Jünger lag:

    „Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.“ (Mt 16,28)

    „Wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis der Menschensohn kommt.“ (Mt 10,23)

    Zum Vergleich: „Ich weiss weder Tag noch Stunde, wann ich sterben werde. Aber es wird ganz gewiss noch in diesem Jahrhundert sein.“

    Diese Aussage ist vollkommen schlüssig, genauso wie die Aussagen Jesu auch.

    Gut, dass Jesus auch ein Laie war.

  15. Markus meint:

    Die Frage bleibt bestehen: Falls die Parusie nicht im ersten Jahrhundert (zu Lebzeiten einiger Jünger) stattfand, wie sollten wir überhaupt noch entscheiden können, welche Aussagen Jesu stimmen und welche nicht?

    Das Problem liegt nicht in den Vorhersagen Jesu, sondern in den Vorstellungen, die wir mit dem „zweiten Kommen“ Jesu verbinden. Wer darauf wartet, dass Jesus als morphologische Erscheinung auf den gespaltenen Ölberg herunterfährt, von wo „Ströme lebendigen Wassers“ in die ganze Welt fliessen (Sach 14,4), wird wahrscheinlich noch recht lange darauf warten müssen.

    Deshalb scheint es mir angebracht, über Christus aus der Perspektive des Paulus nachzudenken, der eine viel umfassendere Sicht dieses Christus hatte (Glieder am Leibe Jesu, etc…)

    Ich persönlich halte die Tempelzerstörung um 70 n.Chr. für den überzeugendsten Beweis für die Zuverlässigkeit der Vorhersagen Jesu. Denn die Ausgangsfrage für „dieses Geschlecht wird nicht vergehen…“ war schliesslich die Jüngerfrage, die sich auf die Prophezeiung der Tempelzerstörung bezog:

    „Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde. Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?“ Mt 24,2-3

  16. Markus meint:

    PS:
    Ich habe aus Luther zitiert, wo der Ausdruck „Welt“ oft sehr unpassend gewählt ist.
    „Ende der Welt“ ist eigentlich kein biblischer Ausdruck. In Wirklichkeit heisst es: „Vollendung des Zeitalters“ (z.B. Elberfelder). Darin sehe ich den abschliessenden Übergang vom Alten zum Neuen Bund. Eine Übergangszeit, deren Anfang das Kreuz markierte, aber noch nicht am endgültigen Ziel bedeutete (analag Passah im Alten Testament). Wie der Exodus aus Ägypten 40 Jahre dauerte, benötigte der Übergang vom Alten zum Neuen Bund 40 Jahre (Kreuz bis Tempelzerstörung).

    Siehe auch 1. Kor 10,11:

    Dies [die Wüstenwanderung Israels, siehe 1. Kor 10,1ff] widerfuhr ihnen als ein Vorbild. Es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf die das Ende der Zeiten gekommen ist.

    Auf wen ist also das „Ende der Zeiten“ gekommen? Und für wen stand die Exodusgeneration als Vorbild?

    Ich glaube, Paulus meinte mit „uns“ auch sich selber.

  17. Schandor meint:

    @Markus

    Ich möchte Deinen Ausführungen zustimmen — und tue es hiermit. Jesus verwendet selbst apokalyptische Sprache (Mt 24), aber das wird m. E. nur wenig verstanden.
    Er spricht vom Untergang Jerusalems und der Zerstörung des Tempels, nicht von Annuit Coeptis, Novus Ordo Seclorum & Co 😉

    EINES ist jedoch gewiss: Dass er wiederkommen wird — eben am Ende unseres Zeitalters.

    lg
    Schandor

  18. @ David: Kritik an der historisch-kritische Methode / Clive Staples Lewis

    „Drittens beobachte ich, dass diese Theologen prinzipiell davon ausgehen, dass es nichts Übernatürliches, Wunderbares gibt.

    So sei, wenn die alten Texte unserem Herrn eine Aussage in den Mund legen, in der – falls er sie überhaupt gemacht haben sollte – die Zukunft vorausgesagt wird, davon auszugehen, dass sie erst nach dem Ereignis eingefügt wurde, das sie vorauszusagen scheint.
    Das ist sehr einleuchtend, wenn man von vornherein weiß, dass es inspirierte Weissagung nicht gibt.

    Und ähnlich einleuchtend ist es, alle Stellen, die von Wundern berichten, als unhistorisch abzutun, wenn man von vornherein weiß, dass es ganz allgemein nichts Übernatürliches gibt. […]

    Gelehrte haben diesbezüglich nicht, nur weil sie Gelehrte sind, mehr Autorität als jeder Sterbliche. Den Maßstab „wenn wunderbar, dann unhistorisch“ bringen sie von außen an die Texte heran, sie gewinnen sie nicht aus dem Studium derselben.
    Wenn man von Autorität reden will – hier zählt die ganze Autorität aller Bibelkritiker der Welt nichts. Hier reden sie einfach als Menschen; als Menschen, die vom Geist des Zeitalters, in dem sie aufwuchsen, offensichtlich beeinflusst und ihm gegenüber vielleicht zu unkritisch sind. […]

    Diese ganze Art von Kritik versucht, die Entstehung der von ihr untersuchten Texte zu rekonstruieren; welche nicht mehr vorhandenen Quellen der jeweilige Autor benutzte, wann und wo er schrieb, in welcher Absicht, unter was für Einflüssen – den ganzen „Sitz im Leben“ eines Textes. Dies geschieht mit einer ungeheuren Sachkenntnis und großer Findigkeit. Und auf den ersten Blick sieht es sehr überzeugend aus. […]

    Was mich gegen all diese Rekonstruktionen feit, ist die Tatsache, dass ich sie vom andern Ende her erlebt habe: Ich habe Rezensenten dabei beobachtet, wie sie genau auf die gleiche Art die Entstehung meiner eigenen Bücher rekonstruierten.
    Bevor man nicht einmal selbst rezensiert wird, kann man kaum glauben, wie wenig eigentliche Kritik in einer normalen Buchbesprechung enthalten ist; wie wenig Lob oder Tadel des Buches selbst. Den größten Teil füllen erfundene Geschichten über den Entstehungsprozess. […]

    Mein Eindruck ist, dass in meinem ganzen Leben nicht eine dieser Vermutungen auch nur in einem Punkt zutraf; dass die Methode hundertprozentig versagt hat. Man sollte meinen, sie müsste rein zufällig genauso oft ins Schwarze treffen wie daneben. Doch mein Eindruck ist, dass das nie stimmt. Ich erinnere mich an keinen einzigen Treffer“

    Prof. Dr. theol. h.c., Dr. h.c. Clive Staples Lewis (1898-1963, britischer Schriftsteller und Literatur-wissenschaftler, Gedankengänge. Essays zu Christentum, Kunst und Kultur, Brunnen-Verlag GmbH Januar 1986, ISBN 978-3765523755)

  19. Ich habe ein „n“ vergessen: historisch-kritischen Methode

  20. Vielen Dank für diese Beiträge.

    Gruss

    Templarii – recognoscere.wordpress.com

  21. Schandor meint:

    @Templarii

    🙂 LOL für den „peinlichsten Vers der Bibel“ 🙂

    Ich jedenfalls kann nicht erkennen, inwiefern „dieses Geschlecht“ nicht alles erleben (und ersterben) musste, was Jesus vorausgesagt hat, jedenfalls schildert es Josephus es grauenhaft genug…

    lg
    S.

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  1. […] – “The World’s Last Night”, S. 97-98; übersetzt von einem Forumsteilnehmer […]

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