Calvins Freundschaft mit Bucer

Willem Van’t Spijker schreibt über Calvin und Bucer in Straßburg (Calvin, Göttingen, 2001, J146-J146f):

In einem Brief an Farel berichtete er einen Monat nach seiner Ankunft in Straßburg von der großen Vorsicht, mit der Bucer und seine Kollegen bei der Einführung der Kirchenzucht vorgingen. Er hatte dafür um so mehr Verständnis, als es dabei auch um die Freiheit der Gemeinde gegenüber der Obrigkeit ging – eine Frage, die bei seiner Verbannung aus Genf eine wichtige Rolle gespielt hatte. Mit Interesse verfolgte Calvin laut seiner Briefe an Farel die Bemühungen der Straßburger Pfarrer. Besonders mit Bucer verband ihn mehr und mehr eine warme Freundschaft, was besonders bemerkenswert ist im Vergleich mit dem Brief, den er noch Anfang 1538 mit starken Vorwürfen und in reichlich großer Offenheit an Bucer geschrieben hatte. Der regelmäßige Umgang mit ihm und das persönliche Interesse, das Bucer für Calvin zeigte, haben dazu beigetragen, daß ihre Beziehung zu einem Vater-Sohn-Verhältnis wurde. Calvin hat sich ihm sein Leben lang verbunden gewußt. Dazu wird vor allem auch ihre Kongenialität in der Theologie und in ihrer Sicht der Kirche und deren Praxis beigetragen haben. Von Bucer wurde Calvin erheblich beeinflußt, und das hat auch zur Bildung seines Charakters beigetragen, während umgekehrt Calvin auch seinerseits seinem väterlichen Freund ein Vorbild war. Vor allem in der Auffassung der Kirchenzucht kann von gegenseitiger Beeinflussung gesprochen werden.

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