Das Armutszeugnis der evangelischen Kirche

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, bemüht sich um Schadensbegrenzung. Er verteidigt die umstrittene Orientierungshilfe zur Familie. Gleichzeitig erzählt er, die traditionelle lebenslange Ehe bleibe das Leitbild der Evangelischen Kirche. Das ist Bullshit (siehe dazu hier)!

Matthias Kamann zeigt, weshalb die Orientierungsschrift ein einziges Armutszeugnis ist:

Gewiss, ihr [der Ehe] soll laut EKD-Text der Segen bei der Trauung zuteilwerden, als „wirkmächtiger Zuspruch von Zukunft“. Aber Segenshandlungen fasst das Papier dann auch generell bei „Partnerschaften“ ins Auge – „selbst in ihrem Scheitern“. Durchaus, die EKD „würdigt“ die Rechtsform der Ehe als „besondere Stütze und Hilfe“. Aber zum einen ist „würdigen“ ein seltsam schwaches Verb, mit dem eher ein nachträgliches Wertschätzen als ein vorgebendes Normieren gemeint ist. Und zum andern folgt aus der Würdigung mitnichten eine orientierende Funktion dieser Lebensform. Vielmehr wird die Orientierungskraft einer Leitlinie nicht der Ehe, sondern allgemein dem freundlichen Familienleben in verschiedensten Formen zugesprochen: „Leitlinie einer evangelisch ausgerichteten Förderung von Familien, Ehen und Lebenspartnerschaften muss die konsequente Stärkung von fürsorglichen Beziehungen sein.“ Weiter: „Dabei darf die Form, in der Familie und Partnerschaft gelebt werden, nicht ausschlaggebend sein.“ Dadurch verschwindet jede Möglichkeit, der Form „Ehe“ normativen Rang zuzuschreiben. Das führt zu Folgeschäden.

Kommentare

  1. Nonnen meint:

    Abgesehen von Widersprüchen zu biblischen Aussagen und Befremden über die schnelle, zeitgeistangepasste Meinungsänderung, ist es eigentümlich, dass die wunderbaren Ergänzungsmöglichkeiten von Frau und Mann scheinbar vergessen wurden und der wichtige „gegengeschlechtliche Spiegel“ nicht mehr in Betracht gezogen wird.
    Das Gehirn ist das größte „Geschlechtsorgan“. Dort finden sich die wichtigsten, prägendsten und auch bereicherndsten Unterschiede zwischen Frau und Mann in den Bereichen „physiologische Abläufe“, „zentralnervöse Informationsverarbeitung“ und „genuinen, also angeborenen Denk- und Bewertungsprinzipien“. In Denk- und Bewertungsprinzipien, welche sich eben nicht einfach beispielsweise mit unterschiedlichen sozialen Erfahrungen in der Kindheit oder sonstigen sozio-kulturellen Einflüssen erklären lassen.
    Frauen haben z. B. mehr graue Gehirnzellen und weniger verknüpfende Nervenfasern im Gehirn: „Frauen können die einen Dinge besser, Männern die anderen; wir müssen lernen, einander zu helfen“.
    Damit und mit weiteren Unterschieden in den männlichen und weiblichen Gehirnen ist eine optimale Ergänzungsmöglichkeit der beiden Geschlechter trotz Konfliktstoff gegeben; Gleichheit kann sich höchstens addieren, Verschiedenheit kann wesentlich mehr erreichen (siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 3. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2013)

  2. Irgendwann sollte mit dem Durchanalysieren Schluss sein und über die Konsequenzen gesprochen werden… Ich kann langsam nicht mehr hingucken.

  3. Peter meint:

    Konsequenzen? Kirchenaustritt?

  4. Sebastian meint:

    Bei aller Kritik glaube ich nicht, dass Kirchenaustritt immer die richtige und sinnvolle Konsequenz ist. Ich würde dazu Mut machen sich gerade jetzt innerhalb der Kirche für ein biblisches Familienbild stark zu machen.

  5. @Sebastian
    Ja, deine Ansicht hat was für sich …
    Bin selber innerhalb der Landeskirche „aufgewachsen“.
    „Austritt“ – keine Option oder „Denkmöglichkeit“ ….
    „Treue“ und „Beständigkeit“ sollten auch keine leeren Worte sein …

    Aber: allein der Anspruch, dass „Gottes Wort“ auch „Gottes Wort“ ist, hat hier viel verändert.
    Nicht innerhalb der landeskirchlichen Strukturen, aber innerhalb meines Lebens.
    Letztlich wurde mir „völlig freiwillig“ der Wechsel in eine andere Gemeinschaft anempfohlen.

    Muss der Gläubige jetzt warten, bis er selbst „hinausbefördert“ wird oder darf er vorher selbst die Entscheidung treffen?
    Also ich denke, dass Beides durchaus Berechtigung hat, wenn die Bedingungen sich mit dem decken, was Gottes Wort auch „hergibt“.

    Ein „zwangsweises“ Festhalten gegen die eigene Überzeugung kennt die Schrift denn doch nicht im Rahmen des Evangeliums.

  6. Peter meint:

    Ich will es mal sehr überspitzt schreiben:
    Ist die lutherische Landeskirche noch Gemeinde Jesu Christi?
    Ist ein Austritt aus der Kirche eine Trennung von Gemeinde oder nur eine Trennung von einer Institution?
    Gilt dann noch „Treue“ und „Beständigkeit“?

    Gruß
    Peter

    PS: Ich vermute stark, die Antwort hängt sehr davon ab, wie der einzelne Gemeinde vor Ort für sich erlebt.

  7. Schandor meint:

    Diese Frage beschäftigt mich auch: Soll ich in die evangelische Kirche eintreten? Wieder in die Freikirche gehen?

    Die beste Definition, was Kirche ist, stammt – sofern ich mich recht erinnere – von Ron selbst:

    Kirche ist dort, wo das Wort Gottes verkündigt und geglaubt wird.

    [sinngemäß; ich hoffe, meine Erinnerung trügt mich nicht]

    Das hat mir sehr geholfen.

  8. Peter meint:

    Art 7 der Confessio Augustana:
    „Es wird auch gelehrt, daß alle Zeit müsse eine
    heilige christliche Kirche sein und bleiben,
    welche ist die Versammlung aller Gläubigen,
    bei welchen das Evangelium rein gepredigt
    und die heiligen Sakramente dem Evangelium
    gemäß gereicht werden.“

  9. @Peter

    Dann überspitze ich entsprechend:
    Ist die lutherische Landeskirche überall dieselbe in ihrer Ortsausprägung?
    Was ist lutherische Landeskirche für die Person an die eine pauschale Kirchenaustrittsforderung ergeht?
    Subjektiv geschöntes Hirngespinst? Mit der rosaroten Brille betrachteter Einheitsbrei von oben (EKD)? …

    So ist es eben nicht überall.
    Das Ganze liegt auch nicht daran, wie der Einzelne die Gemeinde vor Ort für sich selbst erlebt.
    Es gibt durchaus Gruppen, die sich sowohl in Verkündigung als auch in ihren gemeinsamen Bibelstudien in diesem Rahmen bewegen:
    „Evangelium rein predigen …“.
    Dieser Rahmen ist objektiv und hat nicht die oberste Prämisse: „für sich selbst erleben“.
    Übrigens Pfarrer, die sich in diesem objektiven Rahmen bewegen, haben eine Menge Schwierigkeiten von „oben“ …

    Ok. für den konsequent Denkenden ist dies schwierig, weil hier laufend der Widerspruch lauert …
    Wie geht das, in der EKD und doch nicht mit der EKD eins …?
    Nicht selten dürfen sie sich dann anhören, dass sie innerhalb der EKD bleiben, wegen ihren finanziellen Altersabsicherungen …

    Ist aber allein die Verbandelung mit EKD ein ausreichender Grund für einen Austritt?
    Da hätte ich denn doch Schwierigkeiten …
    Wer das so handhabt, darf dann die vielen Freikirchen durchgehen und nach entsprechendem Maßstab das Urteil fällen …

    Gruß Lutz

    PS: @Schandor
    Ein Zurück in die Landeskirche gibt es für mich nicht mehr. Das hängt dann aber wirklich damit zusammen, dass diese Verbandelung Verstrickungen erwarten lässt, auf die ich mich nicht mehr freiwillig einlassen will. Wenn du so willst, ist es eine Sicherungsmaßnahme.
    Mit anderen Worten, ich suche auch nicht mehr nach der nächstgelegenen „Nadel im Heuhaufen“, um mich dann an diese zu hängen … Nichtsdestotrotz weiß ich aber, dass diese „Nadeln“ existieren ….

  10. Johannes Strehle meint:

    Ich finde es erfreulich,
    dass in diesem Blog auch einmal die Frage nach den Konsequenzen erörtert wird.

    Die Frage, welche Konsequenzen wann gezogen werden müssen,
    ist eine schwierige Frage.
    Die Frage ist allerdings nicht so schwierig,
    dass sie nicht beantwortet werden kann.
    Der Kirchenaustritt ist nach meiner Meinung die allerletzte Konsequenz.
    Ich habe aber durchaus Verständnis für Spurgeon,
    der bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Baptisten verließ.
    Das war seine Konsequenz nach der niederschmetternden Abstimmung,
    die die „Down-Grade-Kontroverse“ beendete.
    Die Baptisten hatten sich damit auf einen Weg begeben,
    der dahin führen musste, wo die deutschen Baptisten heute stehen.
    Francis Schaeffer benutzte für diese vorhersehbaren Entwicklungen
    das Gleichnis der Wasserscheide.
    Die Entscheidung Spurgeons
    wurde im 20. Jahrhundert von den deutschen Baptisten totgeschwiegen.
    Sie schämten sich aber nicht, mit Spurgeon-Büchern Geld zu verdienen.

    Klar ist, dass der nach evangelikalen Kriterien katastrophale Zustand
    (nicht nur) der EKD nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist,
    dass die Masse der Evangelikalen in verantwortlichen Positionen
    einen faulen Kompromiss nach dem anderen geschlossen hat
    und weiterhin schließt,
    sei es aus Dummheit, Feigheit, Konfliktscheu oder Bequemlichkeit.
    Siehe das Vermächtnis von Francis Schaeffer „Das große evangelikale Desaster“.
    Solange die evangelikalen Verantwortlichen nicht,
    wie zum Beispiel Daniel und Nehemia,
    Selbstkritik üben, ihre große Schuld erkennen, bekennen, bereuen und umkehren,
    ist ihre Kritik an der EKD wohlfeil.
    Sie machen sich damit weiterhin nur lächerlich,
    wie die deutschen Rettungspolitiker bei den irischen Bankern
    (und vielen anderen, von denen es nicht beweisbar ist).

  11. Beffchen meint:

    Liebe Mitdiskutanten!
    Nicht nur der Zustand vieler landeskirchlichen/volkskirchlichen Gemeinden ist nerv- und geisttötend, derjenige von freikirchlichen Gemeinden ist es auch.

    Es gibt lebendige und tote volkskirchliche wie freikirchliche Gemeinden, es gibt bibeltreue und bibelferne volkskirchliche wie freikirchliche Gemeinden, und der theologische Irrtum ist nicht ein Privileg der Volkskirche , sondern tritt überall dort auf, wo Gläubige einen Teil der Wahrheit zum Ganzen machen (Häresie).

    Die entscheidende Frage lautet immer: welchen Beitrag kannst Du selber leisten, damit in Deinem Umfeld Glauben, Hoffnung und Liebe wachsen.

    Trennung ist (fast) nie eine Lösung, sondern eine (gelegentlich allzu bequeme) Flucht vor Arbeit, Schweiß, Eifer, um von der Sache her und begründet die unmittelbare Umgebung vom Evangelium zu überzeigen.

    In diesem Sinn – lasst uns für die Wahrheit und für Jesus und für die Menschen kämpfen und nicht hohen Rössern sitzen….

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