Das Evangelium bei N.T. Wright

Bei N.T. Wright wird das Evangelium anders beschrieben, als wir es in protestantischen Kreisen zu hören gewohnt sind. Wenn er fordert, dass das paulinische Evangelium „wieder ins Zentrum der kirchlichen Verkündigung gestellt“ wird, klingt das zunächst wie ein Ansporn für die mutige Verkündigung der Botschaft, dass Jesus Christus gekommen ist, Sünder zu retten. Berücksichtigen wir jedoch, wie Wright das Evangelium erklärt, regen sich erhebliche Sinnverschiebungen.

Er beklagt zunächst, dass das Wort „Evangelium“ in einigen kirchlichen Kreisen (gemeint sind vor allem die evangelikalen) mittlerweile so verwendet werde, als handele es sich um eine Heilsordnung.

„Man hält ‚das Evangelium‘ für eine Beschreibung der Art und Weise, wie Menschen gerettet werden; man meint, bei dem Begriff ginge es um den theologischen Mechanismus, durch den (in der Sprache einiger Leute) Christus unsere Sünde wegnimmt und wir seine Gerechtigkeit annehmen. Andere sagen dazu: ‚Jesus wurde zu meinem persönlichen Retter‘. Wieder andere sagen: ‚Ich bekenne meine Sünde, glaube, dass Jesus für mich starb und vertraue ihm mein Leben an.‘ In vielen kirchlichen Kreisen heißt es, wenn man so etwas oder Ähnliches gehört hat, es wurde ‚das Evangelium‘ gepredigt. Umgekehrt gilt: Wenn man eine Predigt hört, in der der Anspruch Jesu mit den heutigen politischen oder ökologischen Fragen in Verbindung gebracht wird, werden einige sagen, das wäre sicherlich interessant gewesen, aber ‚das Evangelium‘ sei nicht gepredigt worden.“ (N.T. Wright, Worum es Paulus wirklich ging, 2010, S. 48).

Wright findet es nicht schlimm, wenn die Vergebung der Sünden durch Jesus Christus gepredigt wird. Allerdings würde er diesen Dienst nicht mit dem Evangelium in Verbindung bringen. Wenn Paulus vom Evangelium sprach, dann habe er damit etwas anderes gemeint (vgl. S. 48). Wenn wir uns die Mühe machen und die paulinische Situation erfassen, entdecken wir: „Je jüdischer wir uns das paulinische ‚Evangelium‘ denken, umso stärker konfrontiert es die Anmaßungen des imperialen Kultes, ja aller anderen heidnischen Kulte, seien sie ‚religiös‘ oder säkular‘“ (S. 52). Paulus verkündigt so wie das Alte Testament den Gott, der König wird. „Das paulinische Evangelium war ebenfalls eine Botschaft über den einen wahren Gott, den Gott Israels, und über seinen Sieg über die ganze Welt“ (S. 53). Das Evangelium „selbst ist streng genommen die erzählende Verkündigung, dass Jesus König ist“ (S. 53).

Die Botschaft der Kirche ist folglich die Verkündigung der Königsherrschaft Jesu Christi. Die Kirche sagt der Welt, dass die Zeit der Pseudokönige vorüber ist, weil Jesus als gekreuzigter und auferstandener Messias der wahre König ist. Wright fragt: „Was müssten Prediger des Evangeliums heute tun, damit Menschen über sie dasselbe sagen würden, was sie über Paulus sagten, nämlich dass er angesichts der Ansprüche des Kaisers verkündige, es gäbe ‚einen anderen König, nämlich Jesus‘?“ (S. 194). Seine Antwort:

„Sie müssten – und das ist nur der Anfang – das tun, was Paulus tat, nämlich die Mächte der Welt mit der Nachricht konfrontieren, dass ihre Zeit abgelaufen ist und dass sie Jesus selbst ihre Loyalität schulden. Hier geht es nicht so sehr darum, einzelnen Politikern und einflussreichen Menschen zu sagen, dass sie Jesus als den Herrn ihres eigenen Lebens anerkennen müssen, auch wenn das natürlich ebenfalls wichtig ist. Es geht mehr darum, ihnen im Namen Jesu zu sagen, dass es eine andere Art gibt, Mensch zu sein, einen Weg, der von hingebender Liebe, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und dem Niederreißen traditioneller Grenzziehungen gekennzeichnet ist – den Grenzziehungen, die die Spaltungen verstärken, die Menschen voneinander trennen und oft auch im Streit belassen […] Es geht darum, die ganze Welt unter die Herrschaft Christi zu bringen. Die Botschaft des Evangeliums lässt uns keine Wahl.“ (S. 194–195)

An anderer Stelle sagte er:

„Das Evangelium ist, wie ich betont habe, kein Set von Methoden [!], um Menschen zu Christen zu machen. Es ist auch kein Set von systematischen theologischen Reflexionen, wie wichtig die auch sein mögen. Das Evangelium ist die Verkündigung, dass Jesus der Herr ist – Herr der Welt, Herr des Kosmos, Herr der Erde, der Ozonschicht, Herr der Wale und Wasserfälle, Bäume und Braunbären.“ (S. 193–194).

Mal davon abgesehen, dass wir hier wieder eine Übertreibung haben (Wer hat denn gesagt, dass das Evangelium ein Set von Methoden ist, durch das Menschen andere Menschen zu Christen machen? Sind hier Taufen gemeint?), wird deutlich, dass es um die Verkündigung eines neuen Königs und einer damit im Zusammenhang stehenden neuen Ethik geht. Das Evangelium bietet eine neue Lebensweise an, die sich letztendlich „als Weg der wahren Selbstverwirklichung entpuppen wird“ (S. 198).

Was bedeutet etwa die Verkündigung des Evangeliums im Angesicht der Macht, die unsere Geldinstitute haben? „Wenn Jesus der Herr der Welt ist, dann ist es der große Gott Mammon nicht. Das paulinische Evangelium zu predigen bedeutet, Wege zu finden, die Macht des Mammons in unserer Gesellschaft herauszufordern und diejenigen, die als seine Hohen Priester fungieren, sowie diejenigen, die uns alle drängen, an seinem Schrein anzubeten, daran zu erinnern, dass es einen anderen König gibt, nämlich Jesus“ (S. 195). Auf der globalen Ebene – so Wright – stürzt das Schuldenproblem Millionen Menschen ins Elend, während es eine kleine Minderheit millionenschwer macht. Verkündigung des Evangeliums geschieht dort, wo Kirchen sich zusammenschließen, „um den Götzen Mammon als denjenigen zu kennzeichnen, der er ist, und um an seiner Stelle die Liebe Gottes in Christus anzubeten“ (S. 196).

Ähnliches kann Wright über andere Bereiche sagen. Im Zentrum soll die Verkündigung der Botschaft stehen, dass Jesus Herr ist. Die maßgebliche Aufgabe der Christen sei es, Jesus als Herrn und König zu proklamieren.

Ich gebe zu, dass das Herrsein Jesu oft bei der Verkündigung es Evangeliums unterschlagen wird und manche das Evangelium als so etwas wie eine Eintrittskarte in das Reich Gottes verstehen. Die Herrschaft von Jesus Christus ist ein eindeutiger Bestandteil der Christusbotschaft, so heißt es etwa in Röm 10,9: „Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.“ Die Jünger verkündigten beispielsweise in Antiochia den „Herrn Jesus“ (Apg 11,20). Ich glaube jedoch, dass Wright dem Gesamtzeugnis der Schrift nicht gerecht wird, wenn er Jesus als Erlöser nicht in die Mitte der Evangeliumsverkündigung stellt. Ich will zwei Probleme ansprechen:

Zunächst einmal erscheint das Evangelium als etwas, was wir zu tun haben, also als ein Auftrag oder sogar als eine Art Gesetz. Zwar ist das noch nicht so deutlich, wenn Wright das Evangelium definiert: Jesus als König hat durch seinen Tod das Böse in seinem Kern besiegt. Die Welt muss mit dieser Königsherrschaft konfrontiert werden. Aber es wird sehr deutlich, wenn Wright beschreibt, was es heißt, dieses Evangelium real zu verkündigen: „Es geht mehr darum, ihnen im Namen Jesu zu sagen, dass es eine andere Art gibt, Mensch zu sein, einen Weg, der von hingebender Liebe, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und dem Niederreißen traditioneller Grenzziehungen gekennzeichnet ist …“ (S. 195). Wir setzen uns für die soziale Gerechtigkeit, den Umweltschutz, die Völkerverständigung ein; erinnern Politiker daran, dass Jesus König ist.

Aber ist das Evangelium die Aufforderung, gemäß einer neuen Ethik zu leben? Sicher in dem Sinn, dass jemand, der dem Evangelium glaubt, anderes Leben will, weil nun Jesus sein Herr ist. Doch das Evangelium erscheint im Neuen Testament meist als eine frohe Botschaft (das Gericht klingt gelegentlich an, z. B. in Röm 2,16; Apg 14,6-19), als etwas, was Gott bereits getan hat. Es geht um die Verkündung von Christus als dem Gekreuzigten und Auferstandenen, der gekommen ist, Sünder zu suchen (vgl. Lk 5,31–32; 1Kor 1,23; 15,3).

Zweitens kann das Herrsein Jesu eine sehr harte Botschaft sein, wenn wir unterschlagen, dass Jesus der Retter ist, der uns aus unserer Sündenverstrickung freigekauft hat. Verkündigen wir Jesus nur als Herrscher, der das Recht hat, zu richten, ist das ohne Angebot der Vergebung eine geradezu schreckliche Nachricht, da alle Menschen vor ihm schuldig sind.

Das Evangelium hat sehr viel mit Jesu stellvertretendem Sterben, seiner Auferstehung und der Vergebung der Sünden zu tun. In Jesus Christus „haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade“ (Eph 1,7). Gott hat uns „errettet von der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes, in dem wir die Erlösung haben, nämlich die Vergebung der Sünden“ (Eph 1,13). Was sagte denn Jesus, als er seinen Jüngern den Auftrag gab, dass Evangelium zu verkündigen? Der Evangelist Markus schreibt: „Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden“ (Mk 16,15–16). Paulus schreibt den Christen in Ephesus, dass sie mit dem Heiligen Geist versiegelt worden sind, „nachdem sie das Wort der Wahrheit, nämlich das Evangelium ihrer Rettung (griech. τὸ εὐαγγέλιον τῆς σωτηρίας)“, gehört hatten und ihm glaubten (Eph 1,13). Als Paulus sich von den Ältesten in Ephesus verabschiedete und in einer ausführlichen Rede Rechenschaft über sein Leben gab, sieht er sich verpflichtet, den Dienst zu tun, den er von seinem Herrn Jesus empfangen hat, nämlich „das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen“ (Apg 20,24). Im ersten Kapitel des 1. Korintherbriefes, in dem es nach N. T. Wright um das Sich-Rühmen aus sozialem Stolz und jüdischer Selbstgefälligkeit geht, spricht Paulus von der Kraft des Evangeliums, die sowohl Juden als auch Griechen, die glauben, zu retten vermag (vgl. 1Kor 1,18–24). Woraus rettet denn das Evangelium? Es erlöst nicht nur vom Stolz und von der Eitelkeit, es rettet aus der Verlorenheit und vor dem drohenden Gericht, denn es wird ein „schlimmes Ende nehmen mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben“ (1Petr 4,17, vgl. a. Offb 14).

Es geht also beim Evangelium nicht nur um die Königsherrschaft, sondern es geht um den Erlöser Jesus Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist. Wenn wir so wollen, gehören Kreuz und Auferstehung zur Mitte des Evangeliums, wobei meiner Meinung nach der Horizont für die Deutung der Auferstehung das Kreuz ist und nicht umgekehrt. „So sehr für Paulus die Zusammengehörigkeit von Kreuz und Auferstehung zu betonen ist“, schreibt Ulrich Körtner, „muss doch das Gefälle beachtet werden, das zwischen beiden besteht.“ (U. Körtner, „Das Wort vom Kreuz“, in: Klumies u. Du Toit, Paulus – Werk und Wirkung, S. 633.) Verstehenshorizont der Auferstehung ist – wie auch Wolfgang Schrage in seinem Korintherbriefkommentar zeigt –, das Kreuz (W. Schrage, Der erste Brief an die Korinther, Teilbd. 1, 1991, S. 200).

Kommentare

  1. ……wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden“ (Mk 16,15–16)
    Hat also Jesus nicht Alle erlöst? Noch dazu, dass er ja die Methapher vom Nadelöhr verkündete, egal ob Schiffstau oder Kamel.
    Für die Zeugen Jehovas sind es ja nur 144000, die Erlösung erfahren werden.
    Ein heilloses Durcheinander, das man nur für sich selbst auflösen kann.
    Als Basis nehme ich die vier Evangelisten, die über das Leben und Wirken von Jesus berichten, nebst der Prämisse oder Axioms des Freien Willens.
    Mir fehlen Konklusionen, die für weniger Gebildete einsichtig sind.
    Ein Beispiel: Wenn Jesus wirklich alle Sünden der Welt auf sich genommen hat, was er eigentlich s.o verneint, so wäre das Jünste Gericht eine Farce.
    Franciscus lehnt sich ohnehin vorsichtig aus dem Fenster, aber die Kurie bleibt da konchentrocken auf den jahrhunderten alten Ansichten.

  2. Roderich meint:

    Herr Drabek, was reden Sie da für unzusammenhängende Sachen?

    Ein heilloses Durcheinander, das man nur für sich selbst auflösen kann.

    Ich glaube, das Durcheinander ist mehr in Ihrem Denken, nicht in der biblischen Botschaft – das würde sich vermutlich schnell bessern, wenn Sie öfter mal in die Bibel schauen.

    – Jesus ist für alle gestorben, aber die Errettung kommt nur denen zugute, die an ihn glauben.
    – Die 144000 sind ja nach herrschender Auslegung eine symbolische Zahl (So in etwa wie 12×12=144 steht für Vollkommenheit, 1000 für Vollzahl etc.)

  3. Peter Geerds meint:

    Für die Zeugen Jehovas sind es ja nur 144000, die Erlösung erfahren werden.

    Nein, auch bei den Zeugen Jehovas werden mehr erlöst. Die meisten werden auf der neuen Erde leben, die 144000 aber im Himmel. So die Lehre der Zeugen. Roderich hat ja schon kurz etwas zum Verständnis dieser Zahl gesagt.

  4. @Roderich:
    Warum habe ich wohl ….für weniger Gebildete einsichtig sind….
    gepostet? Ihrem Rat kann ich nichts entgegensetzen!

  5. @Roderich:
    Wir kennen uns nicht. Deshalb die Rückfrage: Nur Jene, die an Jesus glauben werden erlöst?
    Oder meinen sie auch, dass man das interpretieren darf in dem Sinne:
    Wer nach den Geboten von Jesus handelt, die ja oft in den Evangelien vorkommen und anderen Kulturen, ohne sie zu kennen, von sich aus nicht fremd sind, kommt doch auch in sein Reich?
    IMHO müssten sie unkonditionell zustimmen.

  6. Ernst Rauter meint:

    Wright, ein geschickter Mietling.
    Er weiß, was er tut: Er bläst seine theologischen Thesen in den akademischen Raum.
    Wohl dem, der von diesem hohlen Windgebäck satt wird.

  7. Roderich meint:

    Herr Drabek,
    OK, bitte entschuldigen Sie meine Ungeduld.
    Sicher ist dieses: Jesus sagte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6), und Apg. 4,11.12: „[Jesus]… ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“
    Demnach gibt es prinzipiell nur einen Weg: Rettung durch das vollkommene Werk Christi am Kreuz.
    Ich würde da also These 20 der von Ali verlinkten neuen Thesen zustimmen.

    Die einzige Möglichkeit für Menschen in anderen Kulturen, die nie etwas von Jesus hören, dennoch gerettet zu werden, wäre also, dass ihnen aus irgend einem Grund dieses vollendete Werk Christi zugerechnet wird. Wann könnte das so sein? Römer 2,14-16 scheint so einen Weg anzusprechen (man handelt im Glauben an den Geber des Moralgesetzes, das man in sich spürt). Das ist aber schwierig / spekulativ. (Vielleicht wird den Menschen, die nie von Christus gehört haben, sich aber für ihn entschieden hätten, WENN sie von ihm gehört hätten, noch Christus gepredigt, irgendwie im Sinne von 1. Petr. 3,19.20.)

    Was wir wissen ist: wir haben ein Moralgesetz in uns, das uns – spezifischer – auch in den Geboten des Alten Testaments offenbart wurde. Jeder wird fair beurteilt gemäß seinem Gehorsam gegenüber das Gesetz, und jeder wird VERurteilt, weil niemand das Gesetz halten kann – es führt uns zur Erkenntnis, dass wir Erlösung nötig haben. Diese gibt es durch den Glauben an das vollendete Werk Christi am Kreuz für uns.

    Der Glaube an Christus ist der einzige sichere Weg, gerettet zu werden. Daran sollten wir uns halten, und daher auch Christus allen Vertretern / Anhängern aller anderen Religionen zu predigen.

    Würden Sie da zustimmen können, Herr Drabeck?

  8. @Roderich:
    Danke. Wir werden kaum einig werden via unsere Kommentare. Jedenfalls sind wir einig über Jesus. Wenngleich ich mir etwas mehr Interpretationsspielraum einräume. Den intrinsischen Moralvorstellungen kann ich nur beipflichten. Haben sie eine Webseite wie ich?

    Auch Richard Dawkins wird von Gott nicht verdammt. Wir sind alle Gottes Kinder.
    Die italienischen Erziehungspraktika erlauben Kindern zweifellos mehr Spielraum im Vergleich zu Nordeuropäischen. Gott liebt uns zweifellos und wir haben einen großen Spielraum.

    Warum: Gott hat uns Freiheit gegeben und hat damit auf ein „Senfkorn“ seiner Allmacht verzichtet. Sie ist so groß, dass nur Jesus erfassen konnte dass wir keine Schranken haben. Senfkorn, Berg, …dein Glaube hat dir geholfen….
    Worte wie Zorn Gottes, Schuld, Verdammnis, etc. sind mir völlig fremd, Wie Vieles im AT, das einen rachsüchtigen Gott zeichnet. Ich verwahre mich gegen die Mächtigen, die uns mit solchen Regeln beherrschen wollen, die uns die Freiheit nehmen wollen. Auch die neuen 95 Thesen, die ich nur schnell überflogen habe, zeigen eine sehr konservative Linie. Sogar das Wort „erlöst“ sollte von Philosophen kritisch beleuchtet werden.

    Mit anderen Worten: Gott will sicher nicht Marionetten, Mitläufer und Angsthasen.
    Schließlich wird sich jeder von uns selbst zu verantworten haben. Wenngleich ich nicht genau weiss wie das vor sich gehen wird und ob unsere Vorstellungen von Schuld und Sühne nicht viel zu kleinkariert sind.

  9. Roderich meint:

    Herr Drabeck,

    Auch Richard Dawkins wird von Gott nicht verdammt. Wir sind alle Gottes Kinder.

    Wo haben Sie diese Vorstellung her? Vermutlich nicht aus der Bibel. Wie können Sie dann so sicher sein?
    Wenn Gott den Dawkins nicht verdammt – wenn verdammt Gott dann überhaupt? Gar niemanden? (Wenn doch jemanden, dann hätte ich dafür gerne ein Abgrenzungskriterium).
    Sonst wage ich zu vermuten, Sie meinen nicht „wir haben einen großen Spielraum“, sondern „wir haben einen unbegrenzten Spielraum“.

    Auch die neuen 95 Thesen, die ich nur schnell überflogen habe, zeigen eine sehr konservative Linie.

    Ich würde es einfach bibeltreu nennen. Es wäre gut, wenn Sie nicht auf der Meta-Ebene mutmaßen, dass man das „alles irgendwie kritisch sehen“ muss, sondern wenn Sie am konkreten Beispiel der 95 Thesen genau sagen, was Sie daran falsch / richtig finden, und warum. Sie bräuchten dann aber auch konkrete alternative hermeneutische Prinzipien, wie Sie die Bibel denn (konsistent) auslegen, wenn Ihnen die traditionelle Auslegung nicht passt.

    Ich vermute, es wird sich ergeben: wenn man die traditionelle Hermeneutik ablehnt, kommt am Ende nur ein Wirrwarr heraus, das letztlich auf Beliebigkeit hinausläuft.

  10. @Roderich:
    1. Wir respektieren Beide die Moralgesetze, lt ihrem Kommentar
    2. Richard Dawkins auch, nur hat er nicht die Gnade erfahren Gott zu erkennen.
    Er schließt in seinen Ausführungen Gott ja nicht aus.
    Wollen sie ihn damit verdammen?
    3.Wer Jesus und seinen Moralgesetzen nicht folgen kann, die wie schon einig auch in anderen Kulturen Geltung haben, bzw sie bricht hat wird nicht auferstehen.

    Meine Kernaussage, abgeleitet durch Interpretation und Logik, die sie vielleicht nicht anerkennen können, was ich nicht kritisiere, sonst würde ich ihre Freiheit beschneiden:

    Wer so handelt wie Jesus das vorgibt, ob er ihn kennt oder nicht, der wird auferstehen. Jesus, wie ich ihn aus den Evangelien -Samariter- kennen lernte, liebt diese Menschen auch. Ihre Frage, wo die Grenze für Leben und Tod bei Fehlleistungen in den Moralgeboten liegt kann ICH nicht beantworten, das kann ich nicht wissen.

    Abschließend: Das NT zur Gänze ist meine Quelle, da Jesus auch einen Lehrauftrag erteilte.
    Da ich mich an die Grundlagen halte, kann ich kaum fehlgehen, so hoffe ich zumindest. Ich stelle das NT nicht in Frage, aber kritisch bin ich eben schon, was einzelne Passagen betrifft. Aber da bin ich nicht alleine.
    In den Jahrhunderten seither hat die Amtskirche oft gegen die Moralgebote verstossen und möchte als Beispiel nur die Katharer anführen.
    Aber zum Trost: Jesus hat es offenbar so eingerichtet, dass seine Botschaft auch von fehlenden Menschen weitergegeben wird, was ich ganz erstaunlich finde. SJ Albert Keller hat mich ziemlich stark geprägt.

  11. Nomorewrightbashing meint:

    Wer NT Wright vorwirft, das Kreuz und die damit verbundene Sündenvergebung nicht so wichtig zu finden, der hat wohl seine Auslegung des Neuen Testaments nicht wirklich gelesen.
    Wer Wrights Verständnis des biblischen Evangeliums als „Gesetz“ und „harte Botschaft“ empfindet, der muss eigentlich auch gegen Bonhoeffers Kritik an der „billigen Gnade“ Stellung beziehen.
    Wer Wright nur einen Freund Dunns nennt, ohne zu erwähnen, wir oft er Dunn in seinen Büchern widerspricht und wer ihn in die Nähe von Käsemann rückt, ohne seine überaus deutliche und fundamentale Kritik an Käsemann und dessen Lehrer Bultmann zu erwähnen, der will sicher kein ausgewogenes Bild dieses Theologen zeichnen…

  12. Schlotti meint:

    @Nomorewrightbashing

    Ihre Art auf Kritik an N.T. Wright zu reagieren ist mir persönlich schon einige Male begegnet. Da übt man (hoffentlich konstruktive) Kritik und bekommt zu hören: „Du hast ihn einfach nicht verstanden.“

    Mittlerweile sehe ich in Bezug auf mich daher nur zwei einfache Möglichkeiten. Entweder ich bin einfach nicht intelligent genug, um Wright zu kapieren (was durchaus möglich ist). Oder Wright hat die Gabe ein Thema derart zu behandeln, dass man aus seinen Darlegungen alles und nichts begründen kann.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  13. @Nomorewrightbashing: In der Regel werde ich dafür getadelt, dass ich N.T.W. zu sehr lobe. Insofern nehme ich den Vorwurf des N.T.W.-Bashing sehr gelassen auf.

    Leider sind die Argumente, die im Zusammenhang mit dem Vorwurf genannt werden, allesamt schwach. Es gibt enorme Unterschiede zwischen der „billigen Gnade“ Bonhoeffers und dem Verständnis des Evangeliums bei N.T.W. Die Tatsache, dass N.T.W. ein Freund Dunns ist (und Dunn N.T.W. sein großes Buch aus dem Jahr 2005 gewidmet hat), sagt nichts über ihre unterschiedlichen Sichtweisen auf die NPP aus. Zu Käsemann: Ich habe N.T.W. zitiert, der von allen Neutestamentlern des 20. Jds. keinen so liebt hat wie Käsemann. Außerdem habe ich eine Analogie zwischen den beiden Persönlichkeiten beobachtet. Das war es.

    Liebe Grüße, Ron

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