Das Land des Paulus verliert seine Christen

In Syrien wird noch das Aramäische, die Sprache Jesu, gesprochen, doch fürchtet jetzt die christlich geprägte Bevölkerung, von der politischen Krise zerrieben zu werden. Der Jurist und Schriftsteller Fawwaz Haddad schildert in einem Beitrag für die FAZ die komplizierte Situation im Land:

Die meisten Kirchenführer unterstützten schon im ersten Jahr des Aufstandes öffentlich die Repressionspolitik des Präsidenten. Sie warnten ihre Gläubigen davor, sich der Revolution anzuschließen, wobei sie die Sicherheit hervorhoben, in der sie seit Hafiz al-Assad, dem Vater des heutigen Präsidenten, gelebt hätten. Syrische Christen stellen Minister und Abgeordnete, sie haben Posten in Staat und Militär. Viele glauben, es sei das Assad-Regime, das sie vor der muslimischen Mehrheit schützt und ihnen die freie Ausübung ihres Glaubens garantiert. Die offiziellen syrischen Kirchen erklären zudem, ihre Haltung sei der Furcht vor Chaos geschuldet. Sie hielten nicht zu Baschar al-Assad als Person, sondern wollten nur ihre gesellschaftliche Gleichberechtigung sowie Recht und Ordnung bewahren. Zwar sei das heutige Regime nicht demokratisch, doch man könne Demokratie nicht mit Gewalt und Waffen erlangen. Sie seien nicht gegen ihre muslimischen Mitbürger, nur gegen Extremisten in der Opposition.

Manche syrischen Kleriker unterstützen das Regime freilich nicht nur verbal, sondern tragen Assads gewalttätige Repressionspolitik gegen die Opposition förmlich mit. Besonders eifrige Kirchenführer drohten einzelnen Christen, die sich auf die Seite der Revolution gestellt hatten, über soziale Netzwerke. Selbsternannte „Shabbiha des Messias“ schickten Todesdrohungen an oppositionelle Christen. In Marmarita hängten sie, um die dort ansässigen Sunniten zu provozieren, in der ganzen Stadt Assad-Bilder auf. Im Wadi an-Nasara westlich von Homs schmückten Bewohner christlicher Dörfer ihre Häuser mit weißen Seidentüchern, womit man traditionell der Toten gedenkt, und beschrieben sie mit Segenswünschen für die syrische Armee im Kampf gegen ihre Feinde. Auch sponserten christliche Unternehmer, in der Hoffnung auf Gegenleistungen, Propagandaaktionen des Regimes. Andere beteiligten sich an der gewaltsamen Auflösung von Protestdemonstrationen, indem sie mit dem Segen ihrer Kirchenführung Kampfverbände gründeten, die im Wadi an-Nasara „Nationale Verteidigungstruppe“ hießen, anderswo „Marias Armee“.

Hier der vollständige Beitrag: www.faz.net.

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