Das Nützlichkeitsprinzip

Der Biologe Richard Dawkins empfahl kürzlich über Twitter die Abtreibung aller Föten mit Downsyndrom. Obwohl er sich inzwischen dafür entschuldigt hat und dabei die (nur) 140 Twitter-Zeichen für die Radikalität seiner Aussage verantwortlich machte, werden diesem „Vorstoß“ weitere folgen. Die Kräfte werden sich in diesem Feld ähnlich entfalten, wie in der Sterbehilfe-Debatte: Jeder muss das selbst entscheiden. Keiner darf hier dem anderen reinreden.

Dominik Klenk analysiert diesen Trend auf einer Metaebene und macht den Verlust der „biblischen Gravitation“ verantwortlich.

Unser Problem sind nicht die Dawkinse dieser Welt, sondern der Verlust der biblischen Gravitation und der Sprachfähigkeit in den Gemeinden, die auch vor den Schaltzentralen der verfassten Kirchen nicht Halt macht, wo in ethischen Fragen zunehmend die unsägliche Sowohl-als-auch-Rhetorik Raum greift. Wir müssen darum wieder neu lernen, die Eckpunkte einer Anthropologie grundlegend und klar auf der Basis der biblischen Botschaft zu beantworten und unseren Kompass zu justieren. Hier liegt der Auftrag christlicher Ausbildungsstätten. Wo Christen sprachfähig werden, da können sie sich fröhlich in die öffentliche Diskussion einmischen: nicht nur reagierend, sondern agierend; nicht nur reaktiv, sondern proaktiv; nicht nur defensiv, sondern offensiv und Kultur prägend. Wir sind nicht mit der hoffnungsvollsten Botschaft der Welt ausgestattet, um verlegen darüber zu schweigen. Christen sind keine Endverbraucher der Liebe Gottes. Die Geschichte lehrt nicht nur von ihrem messianischen Ende her: Dawkinse kommen und gehen – die Botschaft der Liebe bleibt.

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Kommentare

  1. rolfeicken meint:

    Vielleicht liege ich falsch -Dawkins sicher! Warum stimmt der Kompass nicht mehr, ist die Gravitation nicht erkennbar? Sind es die Ohnmachtserfahrungen der Menschen wegen der Aktionen der Machterhaltung religiöser Institutionen? Ist der Religiöse der Zukunft wirklich ein Mystiker, also einer der etwas „erfahren“ hat?
    Eigene Erfahrungen und Erkenntnisse werden von „Berufsreligiösen“ kleingeredet, bzw. eine theol. Lehrmeinung wird mir aufoktroyiert. Kann es sein, dass Gott unbegreiflich, aber sooo schweigsam ist, in der Finsternis bleibt ohne zu antworten, obwohl er trotz der Bemühungen des immer wieder freigeräumten Zuganges, der dr. die Not u. das Elend in der Welt zugeschüttet wird, nicht reagiert – geschweige denn agiert? Bedarf es einer Mystagogie?
    Was ist mit den Unzufriedenen in der christl. Religion? Warum gibt es so viele?
    Die Fragen sind:
    Gibt es eine transzendentale Einheit der Religionen?
    Gibt es mehrere Wahrheiten o. nur eine?
    Gibt es einen gemeinsamen Grund für Religionen?
    Führt das alles zu einem Homöomorphismus, zu einer Art existenzialfunktionaler Analogie? (Wagner)
    Die Aporie der „Berufstheologen“ im Bezug dieser Fragen verstärkt die Abkehr der Interessierten, da sie sich einer Kontrolle entziehen u. trotzdem einen Konsens suchen, oft als Synkretismus.
    LG
    Rolf

  2. Roderich meint:

    @Rolf,
    ich gebe mal meine Vermutungen zum Besten:

    Warum stimmt der Kompass nicht mehr, ist die Gravitation nicht erkennbar?

    Hauptproblem dürfte wohl sein, dass sich der Mensch seit Renaissance-Humanismus und Aufklärung immer mehr von Gott entfernt hat. Es gibt starke anti-christliche Kräfte in der Gesellschaft, die sich gerne von Gott und Gott gerne aus der Gesellschaft „entfernen“ möchten. Gott ist ein Gentleman, der sich auch nicht aufdrängt. „Ihr wollt mich nicht mehr haben? Gut, aber dann sehr auch selber zu!“

    Die Möglichkeit der Umkehr ist natürlich immer gegeben – dafür ist Gottes Barmherzigkeit weiterhin so groß.
    In Zeiten, wenn der Trend „von Gott weg“ ist, kann eine einzelne Bekehrung „gegen den Strom“ natürlich nicht die ganze Gesellschaft ändern. Insofern kann man als einzelner zwar eine starke Gewißheit der Wahrheit der Bibel bekommen, aber man kann nicht die Medien, Universitäten, Schulen, ja den kulturellen Konsens eigenhändig ändern und grundlegende Tendenzen, die seit jahrhunderten „in der Mache“ sind, selber umdrehen. Dazu bedarf es eines gnädigen Eingreifens Gottes. Gnädig deshalb, weil wir es ja nicht verdient haben.

    Vielleicht gibt es auch manches Wahre in anderen Religionen, und man soll auch nicht ausschließen, dass Gott im Leben von Gläubigen anderer Religionen wirkt. Jedoch ist sein Wirken dort – neben der allgemeinen Gnade – wohl die, dass er durch seinen Heiligen Geist die Menschen zu Christus zieht.
    Dass es „Wahrheit“ in allen Systemen gibt, ist übrigens trivial. Es ist philosophisch gar nicht anders möglich, als dass man sich bei allem Denken und Reden doch Anleihen nimmt bei den Gesetzen der Realität. Wenn man x metaphysische und epistemologische Aussagen macht, ist es fast unmöglich, GAR keine richtigen Aussagen darunter zu haben.
    Ansonsten bleibt das Gesetz vom Widerspruch doch bestehen. Und es können nicht zwei Aussagen beide wahr sein, wenn sie sich widersprechen.

  3. rolfeicken meint:

    @Roderich
    Danke für Ihre Antwort. Was ich meine ist, dass, wie immer die „höchste Wirklichkeit“ genannt wird, die Gläubigen doch dasselbe meinen.
    Griffith fragte Buddhisten und Hindi wo Gott ist – sie zeigten spontan auf ihr Herz.
    Christen, Juden und Moslems in den Himmel; d.h. für mich – bei den Buddhisten und Hindi lebt Gott „in“ ihnen, bei uns außerhalb von uns.
    Wenn ich Sie recht verstanden habe, kann Ihrer Meinung nach der Einzelne die „Wahrheit“ über Jesus nur für sich und in sich sebst finden; egal wie die „Stimmung“ unter den Menschen auf den Welt sonst ist. Ev. fehlt mir dieses dritte Auge und deshalb bin ich vielleicht blind, obwohl ich sicher kein Atheist bin.
    LG
    Rolf

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