Das schickliche Andachtsbuch

Es war gut gemeint, als ich meiner Frau zu Weihnachten ein Andachtsbuch zur laufenden Bibellese schenkte. Fast ist es Tradition. Schon unterschiedlichste Ausgaben haben wir geprobt. Unterm Strich war meine Frau allerdings oft enttäuscht, so dass wir immer noch auf der Suche sind.

Beim letzten Weihnachtsfest habe ich ein Buch verschenkt, dass in Zusammenarbeit mit der Herrenhuter Brüdergemeine herausgegeben wird und auf die Losungs- und Lehrtexte abgestimmt ist. Abermals eine Enttäuschung. Vor einigen Tagen war der Andachtstext so sinnentstellend, dass mir meine Frau das Buch in die Hand gedrückt hat: „Hier, das kannst du wieder haben!“

Es geht in der Andacht um die Auslegung des Verses: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Korinther 3,17). Herangezogen wird ein Kinderbuch von Astrit Lindgren, nämlich Karlsson vom Dach. Karlsson sei beneidenswert, da er von sich eingenommen und „so völlig frei und unabhängig“ von „der Meinung und vom Urteil der anderen“ sei. Die Kinderbücher von Astrid Lindgren, das wird so sein, „atmen alle diese große innere Freiheit.“ Wenn wir solche Bücher lesen, gewinnt das „unendlich wichtige Gefühl Raum“, dass ich „kleiner Mensch gut bin, so wie ich bin“. Das macht mich stark und frei gegenüber allen, „die meinen, mich beurteilen zu dürfen, und deren Urteil mich schwach und abhängig macht.“ Wo Kinder und Erwachsene sich geliebt fühlen, von Menschen und von Gott, da entsteht die „Atmosphäre der Freiheit aus Gottes Geist, in der Menschen aufblühen können, frei werden vom Urteil der anderen und frei, ihren Weg zu gehen.“

Nun mag Vers 17 im Detail schwer zu verstehen sein (Abschnitt (a) heißt wörtlich: „Aber der HERR ist der Geist“). Sicher ist, dass Paulus nicht einer selbstgefälligen Lebenseinstellung oder einer Psychologie der Selbstannahme das Wort redet. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Dem Apostel geht es überhaupt nicht um ein stärkeres Selbstvertrauen oder um mehr Selbstbestimmung, sondern um das Christusvertrauen (V. 13, 4). Wenn schon der Gottesdienst des Buchstabens im Alten Testament wunderbar war, wie viel mehr herrlich ist dann der Dienst im Geist? Die Freiheit, um die es geht, ist nicht die Freiheit, zu tun oder zu lassen, was man für richtig hält, sondern die Freiheit, die durch das Erlösungswerk von Jesus Christus in unser Leben tritt. Diese Freiheit, die nicht aus meinem Innern kommt, sondern aus dem Geist, nimmt die Decke von meinen Augen fort und befähigt mich zu einer Lebendigkeit, die allein Gott schenkt und gefällt. Nicht wo mein Geist ist, ist Freiheit, sondern Freiheit ist dort, wo der Geist des HERRN ist.

Nun aber zu meinem Anliegen: Welche deutschsprachigen Andachtsbücher (möglichst in Verbindung mit einer Bibellese) könnt Ihr empfehlen? In zehn Monaten will ich das passende Buch auf den Tisch legen.

Kommentare

  1. Lieber Ron,
    das beste Andachtsbuch, das mir in letzter Zeit zwischen die Finger geraten ist: Martin Luther, Tägliche Andachten über das Gebet, vom CLV. Zu jedem Tag des Jahres finden sich kurze Texte Martin Luthers, die modernem Sprachgebrauch angepasst sind und sich thematisch am Gebet orientieren. Ein Jahr nur Gebet? Ja, man wundert sich, wie vielfältig dieses Thema aufgefächert werden kann, sodass es doch sämtliche wesentlichen Aspekte des Glaubens umfasst und beleuchtet. Zu jedem Text ist eine Bibellese angegeben, die zwar nicht fortlaufend ist, aber sich thematisch an der jeweiligen Andacht orientiert.
    Ich finde das Buch herovorragend. Ich bin kein großer Beter, das Andachtsbuch aber inspiriert mich immer wieder dazu, die Hände zu falten und zu Gott zu kommen. So soll es sein.

  2. Hallo Ron,
    ein Andachtsbuch zu empfehlen, ist schwierig, wenn man den Leser nicht kennt. Für die etwas „hart-gesottenen“ und theologisch Interessierten würde ich „Tägliches Seelenbrot“ von C. O. Rosenius (http://rosenius.de/buecher.php für 6 EUR) empfehlen. Die deutlich sanftere Variante (und für Jugendliche und Familien geeignete) ist „Leben als Christ“ von der Christlichen Verlagsgesellschaft. Wenn du Interesse hast, könnte ich dir vom Rosenius eine Seite einscannen und schicken. „Leben als Christ 2014“ könnte ich dir auch als Buch zukommen lassen.

    Viele Grüße
    Peter

    PS: Nein, ich bekomme keine Provision 😉

  3. Bernhard Caluori meint:

    Hallo Ron
    mein Favorit: Aus der Nähe Gottes leben
    Von Bo Giertz in 2 Bänden. Lg

  4. Hallo Ron,

    wir haben ähnliches ausprobiert. Wir lesen jeden Tag nach dem Mittagessen gemeinsam eine Andacht aus einem Buch. Angefangen haben wir mit Spurgeon (hab den Titel gerade nicht parat). Letztes Jahr hatten wir A.W.Tozer, wovon meine Frau nicht allzu begeistert war, da es oftmals recht philosophisch war und mehr Textfragmente aus einzelnen Büchern als richtige Andachten waren. Seit einem Monat lesen wir „Tägliches Manna“ von Gottfried Daniel Krummacher. Kam bisher noch nicht so gut an, da es sehr altes deutsch ist.

    Habe bisher keine wirkliche Empfehlung aus eigener Erfahrung.

    LG,

    Andreas

  5. Ich empfehle „Mein Äußerstes für sein Höchstes“ von Oswald Chambers.

  6. Katja Oetinger meint:

    Immer wieder gern: „Kleinode göttlicher Verheißungen“ von Spurgeon. Und den o.g. Chambers finde ich auch gut.

  7. Johannes meint:

    Lieber Ron, da kann euch beiden nur Bonhoeffer weiterhelfen 😉

    365 x Bonhoeffer im „Bonhoeffer Brevier“. Leider nur noch antiquarisch zu bekommen: http://www.zvab.com/basicSearch.do?anyWords=bonhoeffer+brevier&author=&title=&check_sn=on

    LG, Johannes

  8. Meine TOP 3 wurden hier genannt:
    No.1: “Mein Äußerstes für sein Höchstes” von Oswald Chambers
    No.2: “Tägliches Seelenbrot” von C. O. Rosenius
    No.3: “Kleinode göttlicher Verheißungen” von Spurgeon
    Leider habe ich bisher – für meinen Lesegeschmack – kein weiteres Buch gefunden, welches in dieser Auflistung No.4 etc. einnehmen könnte.

  9. Tobias F. meint:

    Hallo Ron,

    ich nutze auch „365mal Er“ von Wilhelm Busch und bin davon sehr angetan (die 14. Auflage aus 2006 habe ich).

    http://www.neukirchener-verlage.de/index.php?action=artikel&subaction=zeige&var=154.158&sucheID=704997

    LG Tobias

  10. Hi Ron,
    also ich habe es fast aufgegeben ein gutes Andachtsbuch zu finden. Mittlerweile gehe ich hin und lese einfach Abschnitte aus der Institutio, neben der normalen Bibellese.

    Ich muss aber auch sagen, dass ich den Sinn von Andachtsbüchern nicht sehe. Man kann doch auch einfach ein gutes theologisches Buch nehmen und das in täglichen Abschnitten lesen. Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass bei diesen 365 Tage Büchern oft verdrehtes Zeug drin steht – Hauptsache man hat was zu einer Bibelstelle gesagt, ob das nun richtig ist oder nicht.

    Das trifft aber sicher nicht für die guten Bücher zu, die oben schon genannt wurden.
    Also ich kann es nur Empfehlen, es mal mit einem normalen Buch zu versuchen und diese Andachtsdinger (vor allem die „modernen“) einfach liegen zu lassen. 🙂

    Gruß Armin

  11. Schandor meint:

    Rosenius. Wenn sein Andachtsbuch so ist, wie seine Römerbriefauslegung, dann Rosenius.

    Chambers ist aufrüttelnd und interessant, aber nach einigen Monaten wird man das Gefühl nicht los, das Evangelium ist das neue Gesetz. Trost erhält man nicht.

    Mit Spurgeon konnte ich noch nie was anfangen – der Puritanismus ist (glaub ich) vorbei. Bonhoeffer klingt interessant. Von Rosenius aber weiß ich: Wenn die Anfechtungen von Innen kommen, ist er der beste Tröster, da er weiß, dass Ungetröstete keine Ermahnung brauchen (Chambers et. al), sondern eben Trost.

  12. Hallo Schandor!
    Das Andachtsbuch von Rosenius sind Ausschnitte aus seinen Werken, wie Gesetz und Evangelium und Römerbrief-Auslegung. Es enthält keine Bibellesung, wobei natürlich die ausgewählten Texte sich auf einen Vers bzw. eine Perikope beziehen.

  13. Oha – Puritanismus ist vorbei? Gott sei Dank: nein!
    „Die englischen Puritaner. 365 Tage lebendiges Wasser“ vom 3L Verlag. Das Buch könnte ein Augenöffner sein 😉

  14. Schandor meint:

    Ich hab nichts gegen die „puritanische“ Theologie/Orthodoxie, sondern nur etwas gegen deren latente Unbarmherzigkeit/Gesetzlichkeit, die sich bei manchen (!) einzustellen pflegt, die schon „ein paar Stufen der Heiligkeit hinaufgeklommen“ sind (und ihre „animalischen“, sichtbaren Sünden überwunden hat, bei denen man aber nicht sagen kann, ob sie nicht noch unter „diabolischen“, unsichtbaren leiden). Die Unterscheidungs-Termini gehen auf C. S. Lewis zurück.
    Jedenfalls klingt der Titel interessant.

  15. Ebenfalls: Mein Äusserstes für sein Höchstes
    von Oswald Chambers

  16. Wenn es auch eBooks sein dürfen – ich habe in der Lesekammer einige eingestellt, weitere kommen in nächster Zeit. Ich empfehle entweder von Adolf Schlatter die Andachten, von Magnus Friedrich Roos das Hausbuch oder – wenn es mal etwas Gehaltvolleres, aber auch Schwieriges sein darf – von Heinrich Müller die Andachten.

    Ansonsten vielleicht mal eine Andachtsbibel, in der zu den Versen jeweils die Andachten stehen und wo man dann ein Buch im Laufe der Zeit durchgeht? Gibt es auch als Download in der Lesekammer.

  17. Ja, bin ich gespannt, die Liste zu sehen. Meine Kompetenz ist eher in Englisch als Deutsch, also ich biete hier keinen Vorschlag an. Kann aber nur sagen, bestimmt sind Andachtsbücher der Ort, wo man am einfachsten Heterodoxie und schlechte Bibelauslegung finden kann. (Möchte jemand etwas von Sarah Young lesen?) Sorry, wenn ich zu kritisch rüber komme, aber bei dieser Gattung hat man viele Enttäuschungen erlebt.

  18. @alle: Vielen Dank für die vielen Hinweise! Da ich einige Tage unterwegs war und erst jetzt wieder Internetzugang habe, kann ich mich erst jetzt melden.

    Viele der empfohlenen Bücher kenne ich, bzw. habe ich auch schon durchgelesen und teilweise auch schätzen gelernt. Von reinen Andachtsbücher bin ich allerdings inzwischen weg (sehe ich so wie Scott). Ich suche mehr nach Büchern, die direkt Bezug nehmen auf eine vorzugsweise fortlaufende Bibellese.

    Ich lese in diesem Jahr die Bibellese von John G. Butler. Die Bücher von ihm kann ich empfehlen, er fasst wesentliche Gedanken des Textes zusammen. Die knappen Anmerkungen sind dabei bibelkundlich und biblisch-theologisch aufgebaut. Leider habe ich nichts vergleichbares in deutscher Sprache gefunden.

    Nochmals vielen Dank Euch, Ron

  19. http://d-publikation.de/georg-walter-im-glauben-christus-schauen-mit-der-bibel-und-charles-spurgeon-durch-das-jahr-taegliche-andachten.html

    .. das lese ich selbst abends, und morgens die Kleinode.

    das fände ich interessant, aber ich habe keinen Mann, der es mir schenken könnte
    ;-))

    https://www.leseplatz.de/cgi-bin/navigation/rm/chooseDetailItem/itemID/6366/title/Taegliche_Gnade/

    Manna am Morgen, das ist auch ganz prima, gibts aber nur in der Schweiz im Verlag, Haus der Bibel, wird in England gedruckt…

  20. Christina meint:

    Hallo,

    die Bücher, die ich sehr gut finde (da sie auch jeweils im Zusammenhang mit einer Bibellese stehen), sind folgende:

    – More Precious Than Gold: 50 Daily Meditations on the Psalms; Sam Storms (Das ist quasi ein Buch, welches man begleitend zum Lesen der Psalmen lesen kann. Wirklich gut.)

    – To The One Who Conquers: 50 Daily Meditations on the 7 Letters of Revelation; Sam Storms (auch sehr berührend und tief)

    – For The Love of God, Band 1+2, von D.A. Carson (2 anspruchsvolle Andachtsbücher, die z.B. viel helfen, wenn man den „4 Kapitel pro Tag“-Bibelleseplan von M’Cheyne durchgeht. Sehr informativ und tief.)

    Hoffentlich findet ihr genau das Richtige!

  21. Andreas Münch wird Ende d.J. ein Andachtsbuch mit kurzen Gedanken zur Tora und deren Verheißungen veröffentlichen. Was ich bisher gelesen habe, fand ich – wie gewohnt – sehr gut!

  22. Michael meint:

    F. Carvajal: Mediationen für jeden Tag

    Die Betrachtungen orientieren sich an der täglichen Evangelienlesung des katholischen Lektionars. Für mich eine sehr gute Reihe (sogar für Evangelische).
    Hier kann man online nachlesen:
    http://www.hablarcondios.org/de/tagesmeditation.asp

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