Das Subsidiaritätsprinzip wiederentdecken

Martin Rhonheimer:

Subsidiarität“ staatlichen Handelns heißt in erster Linie: Achtung und Schutz des Privateigentums und damit Ermöglichung von Freiheit, Förderung der Selbstverantwortung, Begünstigung der Familie nicht durch Zulagen aller Art, sondern durch niedrige Steuern, und Ermöglichung unternehmerischer Kreativität, die zu Wohlstand führt, durch den Verzicht auf staatliche Privilegierungen einzelner Wirtschaftsbereiche mit Subventionen oder der gesetzlichen Errichtung von Marktschranken und staatlichen Monopolbetrieben. Doch tut der moderne überschuldete Sozialstaat genau das Gegenteil. Durch exorbitante Steuerbelastung, Umverteilung und bürokratisch-regulatorische Behinderung der unternehmerischen Freiheit auf allen Ebenen, gerade auch der Kleinstunternehmer, werden die Rechte der Eigentümer massiv missachtet. Der Staat verzerrt den Markt durch Regulierungen, Subventionen und gesetzliche Markteintrittsschranken (auf dem Arbeitsmarkt auch durch Mindestlöhne), sowie tarifäre und nichttarifäre Handelsbeschränkungen, die vor allem den ärmsten Ländern schaden. Im gleichen Zug haben sich der Staat und seine Bürokratien, die selbst ein Interesse an ihrem stetigen Wachstum haben, immer neuer Aufgaben angenommen.

Neu zu entdecken und zu reflektieren ist hier insbesondere der Zusammenhang des Subsidiaritätsprinzips mit der zentralen Rolle des Privateigentums, der Familie und des freien Unternehmertums. Sie sind es, die das Gemeinwohl generieren und die Grundlagen einer wirklich humanen und sozialen Gesellschaft bilden, die des Staates eben nur subsidiär bedarf – nicht als Schöpfer einer angeblichen „sozialen Gerechtigkeit“, welche Staat und Politik nie und nimmer herzustellen vermögen, sondern zuallererst einmal als Garant jener Rechte, die das menschliche Individuum und die Familie von Natur aus besitzen.

Mehr hier und hier: www.deutscherarbeitgeberverband.de.

Kommentare

  1. Man kann es einfach nicht oft genug betonen: Der – mit weitem Abstand – größte Konzern in Deutschland ist der Staat! Er hat die meisten Einnahmen, die meisten Aussagen, die meisten Beschäftigten, den meisten Einfluss (denn er allein macht die Gesetze!), er hält immer noch viele Monopole, gegen die das Bundeskartellamt aber nichts macht – warum auch, selbst das Kartellamt ist ja staatlich. Aber es ist schon abenteuerlich: Der Staat darf sich fast alles erlauben, aber die Deutschen wehren sich fast nie. Selbst Kritik wird kaum geäußert. Doch bei privaten (!) Unternehmen sind die Deutschen ganz schnell mit Kritik an der Hand (selbst wenn sie weltweit isoliert sind): Natürlich sei Google ganz böse, natürlich sei Amazon auch schlimm, Facebook wird auch viel kritisiert, aber Vater Staat darf fast alles machen. Das ist wirklich paradox: Die Privatunternehmen zwingen dich zu nichts. Aber der Staat operiert fast nur mit Zwang:

    Du hast kein Fernsehen und Internet? Egal, du MUSST trotzdem zahlen! Du hast kein Auto? Egal, du MUSST trotzdem die Autobahn mit deinen Steuergeldern finanzieren! Du schickst deine Kinder auf eine christliche Privatschule? Egal, du MUSST trotzdem die staatlichen Schulen mit deinen Steuergeldern bezahlen! Du bist gegen Abtreibung? Egal, du MUSST trotzdem mit deinen Krankenkassenbeiträgen diesen perversen Massenmord finanzieren! Du bist gegen undifferenziertes Evangelikalen-Bashing? Egal, du MUSST trotzdem diese Sendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk finanzieren! Du bist gegen vorehelichen Geschlechtsverkehr und Homosexualität? Egal, du MUSST trotzdem mit deinen Steuergeldern die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finanzieren, die in aller Öffentlichkeit genau dafür plädiert! Du bist gegen pornografische Filme? Egal, du MUSST trotzdem mit deinen Steuergeldern solche Filme im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Kino finanzieren! Du bist gegen Gender-Mainstreaming? Egal, du MUSST trotzdem mit deinen Steuergeldern öffentliche Lehrstühle an staatlichen Unis finanzieren!

    Diese Liste ließe sich endlos fortführen! Warum lassen wir uns das eigentlich alles gefallen? Sind wir zu dumm, zu faul oder zu feige? Der Turbo-Sozialismus muss endlich gestoppt werden! Aber ich habe es ja schon mal geschrieben: Die Deutschen sind von Natur aus obrigkeitshörig! Darin wird sich auch so schnell nichts dran ändern!

  2. Florian meint:

    Der Staat ist aber kein Konzern. Der Vergleich hinkt. Und zu den Steuergeldern heißt es doch: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.

  3. @Florian: Der Staat tritt allerdings wie ein Konzern auf, deshalb haben wir ja so viele öffentliche Unternehmen. Denken wir nur mal an den Berliner Flughafen.

    Im Übrigen meine ich, dass Dein Vergleich hinkt. Die Tatsache, dass Jesus die weltliche Ordnung der damaligen Zeit anerkannt und dafür plädiert hat, Steuern zu zahlen, sagt doch nichts darüber aus, ob die Steuerpolitik einer Nation oder auch die politische Ordnung eines Staates kritisiert oder sogar geändert werden darf. Dem Kaiser zu geben, was ihm gehört, heißt auch, ihn daran zu erinnern, dass schöpferische Kräfte und Verantwortungsübernahme gelähmt werden, wenn seine Untertanen das halbe Jahr für den Staatshaushalt arbeiten.

    Liebe Grüße, Ron

  4. Lieber Florian,

    warum – um alles in der Welt – ist der Staat kein Konzern? Warum hinkt der Vergleich? (Aber jetzt bitte, bitte keine Strohmänner umhauen!) Auf einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Staat und den Privatunternehmen habe ich ja schon hingewiesen: Der Staat operiert mit Zwang (und notfalls auch mit Gewalt)! Private Unternehmen können dich zu nichts zwingen! Sollten sie Zwang und/oder Gewalt anwenden, dann würden sie sich strafbar machen und der Staat müsste dann eingreifen. Genau das ist ja übrigens auch die Aufgabe des Staates nach Römer 13: Für die innere und äußere Sicherheit zu sorgen – nicht mehr und nicht weniger.

    Wenn keiner mehr auf die Google-Seite raufgehen würde, dann wäre Google in kürzester Zeit pleite und in wenigen Jahren würde kaum noch jemand Google kennen. Doch dem Staat ist es vollkommen egal, ob wir mit ihm zufrieden sind oder nicht. Eine staatliche Schule kann noch so schlecht sein, du MUSST sie finanzieren. Der Staat zwingt dich dazu! Natürlich steht es außer Frage, dass wir Steuern zahlen MÜSSEN – selbst dann, wenn sie ungerechtfertigt sind. Ich rufe nicht dazu auf, dass wir keine Steuern mehr zahlen sollen; mir geht es einzig und allein um eine Grundsatzkritik am heutigen Staatsverständnis. Es gibt kaum noch einen Bereich in unserem alltäglichen Leben, in dem sich der Staat noch raushält. Es ist einfach krass, was der Staat heute alles macht! Und das ist hundsgefährlich – besonders für eine ganz bestimmte Gruppe: Für uns als Christen. Um so mehr Verstaatlichung es gibt, desto größer werden die Probleme besonders für uns Christen! Ich wundere mich nur, dass viele in Deutschland dieses Problem absolut nicht sehen (wollen)!

    Können wir uns nicht wenigstens schon mal darauf einigen, dass es absolut pervers ist, dass Abtreibungen in Deutschland nicht „nur“ de facto (nicht de jure!) erlaubt sind, sondern vom Staat sogar noch durch Steuergelder gefördert werden! Das ist doch vollkommen irre! Das ist doch nur absurd! Das ist sogar noch (!!!) schlimmer, als würde sich der Staat vollkommen aus der Abtreibungsfrage raushalten. Der Staat ist sogar unmittelbar an diesem Massenmord beteiligt!

    Pornografie und Homosexualität sind schlimm genug! Es ist nicht so, dass der Staat nichts dagegen machen würde. Es ist noch (!) schlimmer: Der Staat unterstützt Pornografie und Homosexualität sogar – durch unsere Steuergelder! Aber es ist ja sogar noch (!!!) schlimmer: Der Staat kriminalisiert sogar Kritiker der Homosexualität – mithilfe unserer Steuergelder! Was muss der Staat denn noch alles machen, damit endlich die deutschen Christen mal aufwachen und protestieren??? Ich muss kotzen! Wer macht mit?

    Boah, warum sind Christen in Deutschland (besonders Evangelikale) so stock-naiv? Evangelikale rennen – meist mit 20, 30 Jahren Verspätung – jedem Zeitgeisttrend hinterher. Das ist so lächerlich! Homosexualität ist in der veröffentlichten Meinung praktisch durch – das Thema ist erledigt! Die Schlacht ist verloren. Und was machen die Evangelikalen? Sie fangen an, über dieses Thema zu diskutieren. Wie langweilig! Warum können Evangelikale nicht endlich mal wieder Vordenker sein? Warum müssen Evangelikale immer für ihre Dummheit, Naivität und Feigheit bekannt sein? Die schärfste Islam-Kritik kommt von Nichtchristen! Evangelikale sind viel zu feige dafür! Die beste Verteidigung der freien Marktwirtschaft kommt heute von Nichtchristen! Evangelikale sind viel zu dumm dafür! Welcher Evangelikale hat denn auch nur ansatzweise Ahnung von Wirtschaft? Ich kenne (fast) niemanden! Aber eine Meinung hat jeder! Ach, dann geht Deutschland halt unter! Wo sind heute die Kämpfer? Wo sind die Denker? Bei den Nichtchristen finde ich da einige! Sie sind Vorbilder! Aber die deutschen Evangelikalen kannst du vergessen! Da kommt (fast) nichts! Schweigen im Walde!

    Alter, was ist denn erst, wenn in Deutschland mal so „richtige“ Christenverfolgungen kommen? Was dann? Wenn die Evangelikalen jetzt schon so feige sind! Was ist denn wenn ein zweiter Adolf Hitler an die Macht kommen würde? Was dann? Meinst du ernsthaft, die Evangelikalen würden das überhaupt erkennen? Nein, ganz bestimmt nicht! Die Evangelikalen sind viel zu dumm dafür, ernsthaft die Geister zu unterscheiden! Und selbst wenn das ein paar Evangelikale erkennen würden, wer hätte dann schon den Mut, dagegen zu protestieren? Wahrscheinlich niemand! Es wären dann Nichtchristen, die das vielleicht verhindern würden! Wir als Christen haben die Aufgabe, Irrlehren zu bekämpfen! Machen wir das? Nein! Nichtchristen führen unseren Job aus. Wir profitieren davon, dass sich die Welt nicht einig ist. Die Nichtchristen bekämpfen sich gegenseitig. Aber wehe, alle Nichtchristen wären mal vereint: Dann aber gute Nacht Johanna! Aber was schreibe ich mir hier eigentlich die Finger wund, es wird doch sowieso keinem zum Umdenken anregen, oder?

    Ein erster konkreter Schritt ist, dass wir als Christen endlich dafür kämpfen, dass es in Deutschland WENIGER Staat gibt! Aber da sind die meisten Christen einfach zu deutsch für! Ihnen fehlt einfach der weite Horizont für andere Kulturen. Dann würden sie nämlich endlich mal merken, dass der Glaube an Vater Staat eine DEUTSCHE Sonderlehre ist

  5. Waldemar meint:

    Hallo Ron,

    danke für den Hinweis. Ein guter Text für den VWL-Unterricht! 🙂

    Herzlichen Gruß, Waldemar

  6. Matze meint:

    Anbei einige Anmerkungen:
    – Was ich immer mehr feststelle ist, dass in Gemeinden von sozialem Engagement gesprochen wird, was ja einerseits gut ist, aber andererseits die Lehre und Einstellung dazu oft über das biblisch gesunde Maß hinausgeht (siehe Evangelium 21- Konferenz). Eigenverantwortung tritt in den Hintergrund. Am Wort prüfen wird nicht gefördert: Der Pastor weiss ja schon, was richtig ist. Parallel dazu wird oft das alles in Gemeinden für gut geheißen, was in der Öffentlichkeit für gut und richtig dargestellt wird und nicht mehr hinterfragt. Was ich mit diesen Beispielen sagen will ist, dass gerade auch unter Christen dem „mehr Staat“ in großem Umfang Vorschub geleistet wird.
    – zu @ Calvin: in einem Gemeinwesen ist es leider, leider so, dass ich Dinge mitfinanzieren muß, die meinen Wertmaßstäben widersprechen. Das war zu Jesu Zeiten so und ist heute so.
    – Es gibt aber auch Kritik anzubringen: In welcher Art und Weise Stiftungen gerade auch in der USA mißbraucht werden und oft nicht dazu dienen, um soziale Mißstände zu bekämpfen ist bekannt. Weniger Staat macht Menschen bei sozialer Not zu Bettlern bei Hilfsorganisationen usw. und stellt keine Grundversorgung sicher. Auch macht ein Mindestlohn mit einem Abstandsgebot zur Sozialkasse durchaus Sinn.

    In der Summe denke ich, dass wir als einzelne unser System sowieso nicht drehen können, beide Wege aber Stärken und Schwächen haben. Wir aber können selbst eigenverantwortlich handeln, für andere zum Vorbild werden und damit unser Umfeld prägen, in dem wir
    – uns nicht mit Konsumkrediten vollknallen
    – gebrauchte Ware kaufen, wo sinnvoll um Geldbeutel und Ressourcen zu schonen
    – allgemein vernünftig und sinnvoll einkaufen, wirtschaften und wo es geht Konsumverzicht üben (oft ist sinnvoll, das zu tun, was alle andere nicht tun oder umgekehrt: z.B. aufschiebbare Investitionen nicht gerade vor Weihnachten )
    – unsere Kinder so zu erziehen, dass sie gute Grundlagen für ihr Leben mitbekommen (Erziehungsauftrag als Eltern ernst nehmen)
    – vernünftigen Umgang mit Medien praktizieren
    – selbst prüfen, selbst hinterfragen in Politik, Glaube und Gesellschaft
    – nur von Gott abhängig zu sein und sonst von nichts und niemand
    – usw.

  7. Lieber Matze,

    du schreibst: „in einem Gemeinwesen ist es leider, leider so, dass ich Dinge mitfinanzieren muß, die meinen Wertmaßstäben widersprechen.“

    Was heißt hier „leider, leider“? Es ist ein unfassbarer SKANDAL, dass wir sogar Verbrechen mit unseren Steuergeldern finanzieren MÜSSEN! Das ist eine Riesen-Sauerei!!! Es werden massenweise Menschen auf die grausamste Art und Weise umgebracht im Mutterleib, dass manche Horror-Filme wie Sandmännchen dagegen wirken! Einer ganzen Gruppe von Menschen wird einfach das Lebensrecht abgesprochen! Die meisten haben doch nichts – gar nichts – gelernt auf der Katastrophe des Dritten Reiches! Die Nationalsozialisten sahen die Juden gar nicht als Menschen an, sondern als eine feindliche „Rasse“, als „Ungeziefer“. Heute werden die Menschen im Mutterleib von einigen nicht als Menschen angesehen, sondern als bloßes „Schwangerschaftsgewebe“! Und dieses angebliche „Schwangerschaftsgewebe“ wird vernichtet! Massenweise! Das sind unfassbare Verbrechen! Und wir MÜSSEN das auch noch mitfinanzieren! Wo bleibt unser Auschrei der Empörung? Wie kannst Du das mit „leider, leider“ verharmlosen? Ist das alles, was Du dazu zusagen hast? Nur ein bloßes Bedauern? Hast Du keine Wut gegen diesen Abtreibungs-Holocaust???

    Dann ist es falsch, dass „weniger Staat [die] Menschen bei sozialer Not zu Bettlern“ macht. Das ist Unsinn! Das Gegenteil ist der Fall: Gerade MEHR Staat führt auch zu mehr Verarmung. Denn unter den hohen Steuern in Deutschland haben natürlich auch arme Menschen zu leiden. Nehmen wir wir – als eines von unzähligen Beispielen – die Mehrwertsteuer. Die muss JEDER zahlen. Oder nehmen wir die unverschämte GEZ-Gebühr! Die muss auch JEDER zahlen! Selbst dann, wenn er sich gar keinen Fernseher leisten kann. Nehmen wir die hohen Krankenkassenbeiträge. Die MUSS auch jeder zahlen! Da fragt keiner, ob man sich das auch leisten kann. JEDER wird einfach dazu GEZWUNGEN!

    Dann ist es sogar so, dass der Staat sogar ein gewisses Interesse an Arbeitslosigkeit hat. Du weißt, dass das Arbeitsamt die größte Behörde Europas ist mit unglaublichen 108.536 (!) Mitarbeitern. Der Arbeitsmarkt ist in Deutschland extrem reglementiert! Der Staat hält viele Menschen vom Arbeiten ab, indem er ihnen das schwachsinnige Arbeitslosengeld zahlt. Die allermeisten werden sich schon mal keinen Job suchen, in dem weniger gezahlt wird als ALG II. Und natürlich führt der vollkommen hirnrissige Mindestlohn zu MEHR Arbeitslosigkeit. Das weiß doch jedes Kind! Um so höher der Lohn zwangsweise gesetzt wird, desto schwerer ist es natürlich einen Job zu bekommen. Denn um so mehr Mitbewerber, aber desto weniger Anbieter. Das ist schlicht und ergreifend Mathematik. Das kann jeder verstehen. Besonders gut wird das erklärt in dem Buch von Henry Hazlitt, Economics! Über Wirtschaft und Misswirtschaft.

  8. Florian meint:

    Lieber Calvin,
    verzeih, ich wollte dich nicht provozieren.
    Der Staat ist kein Konzern, weil er nicht der Zusammenschluss mehrerer Betriebe ist. Außerdem ist der Staat trotz des fast obgligatorisch betriebswirtschaftlichen Tonfalls der politischen Leitung nicht nur wirtschaftlich ausgerichtet. Ethik spielt doch bspw. auch immer eine große Rolle. Aber es stimmt wohl, dass Verstaatlichung den Betriebscharakter mehrt.

  9. Rolf Eicken meint:

    Obwohl ich in einigen Dingen mit dem sehr geehrten Calvin nicht übereinstimme, muss ich ihm hier weitgehend recht geben. Es IST ein SKANDAL, wie der Staat mit unseren Steuergeldern und sonstigen Zwangsgebühren umgeht.
    Mir fiel beim Lesen der verschiedenen Kommentare spontan Augustinus ein: remota itaque iustitia quid sunt regna nisi magna latrocinia.
    LG
    Rolf

  10. logan meint:

    Natürlich darf man die Steuerpolitik des Staates kritisieren. Aber man sollte bedenken, dass die Steuerpolitik eng mit der Ausgabenpolitik verknüpft ist. Wer einen Wohlfahrtsstaat unserer Art finanzieren will, der muss halt auch das entsprechende Geld beschaffen. Hätten wir ein Wohlfahrtsstaatregime angelsächsischer Art, dann hätten wir auch geringere Steuerlasten.
    Im Übrigen haben wir unseren Wohlfahrtsstaat nicht zuletzt auch der christlichen Soziallehre, die die deutsche Christdemokratie geprägt hat, zu verdanken. Das ist mir allemal lieber als dieser kalte Säkularkonservatismus der Amerikaner oder Briten.

    Dass der Staat Unternehmer spielt, kann man ebenfalls kritisieren. Dass er dabei Zwang anwendet, kann man ihm aber nicht vorwerfen, außer man hat nicht verstanden, was der Zweck von Staatlichkeit ist. Zwang/Gewalt ist nunmal die Sprache des Staates (siehe Hobbes´ Leviathan, siehe Systemtheorie, siehe Morgenthaus politischen Realismus etc.)

    Wer seinen Individualismus zu hundert Prozent ausleben möchte, kann das gerne tun. Weil die normative Grundlage jeder Staatlichkeit der Gesellschaftsvertrag ist, sollte diese Person dann aber unbewohntere Gegenden wie den Mond in Erwägung ziehen. Dort wäre er dann in bester Gesellschaft 😉

  11. Lieber Florian,

    Du schreibst: „Der Staat ist kein Konzern, weil er nicht der Zusammenschluss mehrerer Betriebe ist.“ Doch, natürlich ist der Staat der Zusammenschluss mehrerer Betriebe! Soll ich mal aufzählen, was der Staat in Deutschland alles macht? Soll ich mal aufzählen, woran der Staat überall beteiligt ist?

    Dann weiter: „Außerdem ist der Staat trotz des fast obligatorisch betriebswirtschaftlichen Tonfalls der politischen Leitung nicht nur wirtschaftlich ausgerichtet. Ethik spielt doch bspw. auch immer eine große Rolle.“

    Woher hast Du diese seltsame Definition eines Konzerns her? Wenn Du einen Konzern so definierst, dann widersprichst Du Dich selbst. Ein Konzern ist doch nicht PER DEFINITIONEM (!) „nur [!] wirtschaftlich ausgerichtet“. Können dann Konzerne per definitionem nicht pleite gehen oder Verluste machen? Das ist doch Unsinn! Nach Deiner Definition spielt Ethik in einem Konzern PER DEFINITIONEM kein Rolle. Das ist doch Quatsch! Auch hier widersprichst Du Dich selbst: Denn, es kann sogar wirtschaftlich sein, wenn ein Konzern ethisch ausgerichtet ist! Nehmen wir Aktien: Manche Kunden wollen in bestimmten Bereichen nicht investieren (z.B. Waffen, Alkohol, Tabak). Wenn ein Konzern dieses Geschäftsfeld zu 100% ausblendet, was soll dann daran wirtschaftlich sein? Schon mal was von Bio-Essen gehört? Meinst Du, damit wird kein Geld verdient? Glaubst Du ernsthaft, dass Konzerne, die sich z.B. für Armutsbekämpfung einsetzen nicht wirtschaftlich sind? Und ist es nicht ethisch, sich für Armutsbekämpfung einzusetzen?

    Das ist die typisch deutsche Sichtweise: Der Staat ist immer irgendwie ganz nett, aber die Konzerne sind natürlich böse, fies und gemein! Auch Deine Sicht, dass Ethik für den Staat „eine große Rolle“ spiele, ist schon sehr, sehr deutsch! Um mich zu wiederholen: Was ist daran ethisch, wenn der Staat grausame Massenmorde finanziert? Was ist daran ethisch, wenn er Menschen vom Arbeiten abhält, indem er es ihnen z.B. VERBIETET bestimmte Jobs anzunehmen – selbst dann, wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber einig wären!!! Du weißt, dass ein Mindestlohn nichts anders als ein VERBOT ist!

    Es gibt ein wirklich sehr interessantes Radio-Interview mit dem christlichen Volkswirt und Unternehmer Roland Baader. Darin erklärt er, was Kapitalismus WIRKLICH bedeutet und geht auch auf Zuhöreranrufe ein. Erweitert den Horizont und ist auch noch lehrreich: https://www.youtube.com/watch?v=pkbzdUBmIWA

  12. Matze meint:

    @ Lieber Calvin,

    in vielen Punkten gebe ich Dir ja Recht. Grundsätzlich stelle ich mir aber immer folgende Fragen: was kann ich verändern, was kann ich tun, was muß ich so stehen lassen wie es ist, weil ich es daran ändern kann.

    Aber nun im einzelnen:
    Jesus hat in einem zutiefst unmenschlichen Staatsgefüge gesagt: Gebt des Kaisers, was des Kaisers ist. Das heisst für mich, dass wir die Ordnung, die in unserem Staat ist als gegeben akzeptieren. Dies heisst für mich im Gegenzug aber nicht, dieses System nicht zu kritisieren (was ich auch in vielen Punkten massiv tue), zu ändern was zu ändern geht und es schliesst für mich auch einen Tyrannenmord nicht aus.
    Doch was ist bei uns los: wir haben 2 sozialdemokratische und 2 linke Parteien im Parlament. Die Liberalen, die das o.g. Wirtschaftsverständnis vertreten, wurden vom Wähler abgestraft und widersprechen ausserdem Deinen genannten moralischen Maßstäben massiv
    Es gibt keine politische Kraft, die das genannte Wirtschaftsverständnis mittelfristig massiv nach vorne bringen kann. Doch woher kommt dann Hoffnung? Vielleicht von den „Frommen“? Das habe ich im ersten Thread schon dargestellt, dass man im christlichen Bereich in diesen Punkten systemunterstützend unterwegs ist und die von Dir dargestellte Kritik gerade NICHT massiv vertreten wird, was ich sehr bedaure.
    Deshalb sind es leider nur sehr wenige, die so wie Du hinterfragen und nicht einfach alles abnicken

    Nun ist deshalb für mich die Frage bei der kleinen Schar: Was kann ich tun? Das habe ich bereits dargestellt.
    Ich kann in meinem näheren Umfeld immer was bewegen, das Große leider nicht immer. Dann ist es immer besser das zu tun was ich tun kann.

    Du kannst ja gern darauf reagieren, wie Du Dir eine Veränderung des status quo vorstellst.

    Auch ist mir wichtig darzustellen, dass liberales Wirtschaften auch seine Tücken hat:
    Ein liberales Wirtschaften hat solange einigermaßen gut funktioniert, solange die Geldmenge dieser Erde an das Gold gebunden war. Dies ist nicht mehr und seitdem geht die Schere von reich und arm massiv auseinander durch ungehemmte Möglichkeiten in der Finanzwelt. Dort gibt es leider auch Kräfte, die aus Geldgier keine Moral kennen und riesige Vermögenswerte angehäuft haben, mit denen wieder Macht ausgeübt wird von Menschen, die die Gier nach vorne treibt. Beispiel: Die Bill Gates Stiftung hat mehr Vermögen wie die Mehrheit der Staaten dieser Welt an Jahreshaushalten.

    Fazit: Kein System ist fehlerfrei und das Optimum. Wir aber haben die Möglichkeit auf das Beste hinzuweisen und dementsprechend unser Leben vernünftig zu gestalten

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