Das Vakuum

Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz sieht im politischen Spektrum ein Vakuum auf der Rechten. Konservative fühlen sich angesichts des (fast nur noch) sozialistischen Parteiengezänks politisch heimatlos.

Die erste Aufgabe einer anspruchsvollen politischen Rechten wäre, zu sagen, was die Politische Korrektheit der Medienlinken zu sagen verbietet. Mehr noch als Ideen braucht man dazu Mut, denn in unserer Öffentlichkeit herrscht keine Waffengleichheit. Die Medienlinke hofiert die Linken und denunziert die Rechten. Auf der Kommunistischen Plattform darf man fröhlich tanzen. Aber wehe, wenn man der »Jungen Freiheit« ein Interview gibt. Gerechtfertigt wird das mit der alten deutschen Selbstverständlichkeit, das Herz schlage links und der Geist wehe links.

Viele Akademiker, Journalisten und Intellektuelle sind aber gar nicht links, sondern maskieren sich nur so, um in ihren Institutionen überleben zu können. Wer einen »rechten« Satz sagt oder schreibt, bekommt viel Zustimmung – hinter vorgehaltener Hand. Das ist das Sarrazin-Syndrom: Du hast ja recht, aber das kann man doch nicht sagen … Hier zeigt sich besonders deutlich, dass sich der nachträgliche Kampf gegen die Nazis in den letzten fünfzig Jahren zu unserer größten Denkblockade entwickelt hat. Sie besteht in der grotesken Gleichung: konservativ=reaktionär=faschistisch. Diese Keule schwebt über jedem, der versucht, sich seines eigenen Verstandes ohne Anleitung der Gutmenschen zu bedienen.

Hier der Gastkommentar für den Tagesspiegel: www.tagesspiegel.de.

Kommentare

  1. früher galt es als ein Zeichen eines demokratischen Rechtsstaats, wenn das alte Voltaire-Wort allgemein als Standard anerkannt war: „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“ Früher haben damit Politiker unbequeme Meinungen anderer erklärt, ironischerweise zugunsten von Leuten, die heute genau diese Freiheit ihren politischen Gegnern nicht mehr zubilligen.

    Mittlerweile gilt es sogar als Warnzeichen, wenn bestimmte Codewörter wie „PC“, „Gutmensch“, „Trennung der Nationen“, etc. benutzt werden. Danach bestimmt sich u.a. beim Verfassungsschutz NRW, ob eine Zeitung oder ein bestimmter Autor beobachtet (so vor einiger Zeit dessen damaliger Leiter Hartwig Möller in einem Interview mit Spiegel Online) und anschließend an den Pranger gestellt wird.

    Bedauerlich dabei, daß einen alleine schon der Hinweis auf das Vorhandensein der Political Correctness höchst verdächtig macht.

    Wenn man wie Herr Sarrazin und Herr Bolz den Fehdehandschuh wirft, dann ist die Gefahr groß, daß sie Sturm ernten. Ein Segen, daß es diese Freiheit noch gibt und auch mutige Menschen, die diese Freiheit nutzen.

  2. friedrich daniel ernst meint:

    Der verlinkte Artikel ist ja wohl ein schlechter Witz. Hervorragen dagegen ist der Kommentar von Userin „KaBrie“ auf der Tagesspiegel-Homepage:

    „Ach Gottchen, jetzt kommt da wieder so ein „Konservativer“ und sagt, dass man als „Konservativer“ ja nichts sagen dürfe, weil ja alle, alle, alle so links seien und die armen „Konservativen“ oder „Rechten“ so böse unterdrücken.

    Und gleich gibts natürlich den üblichen wehleidigen Beifall: „Endlich sagt es mal einer…“.

    Dieses pathologische Gejammer, das immer irgendwelche Denkverbote herbeifabuliert, ist anscheinend eine Art konservativer Verschwörungskomplex – abseits jeglicher Realität.

    Liebe „Konservative“ und „Rechte“ – versucht es doch mal mit etwas Logik: Wenn auf der von Tausenden Menschen frequentierten Tagesspiegel-Homepage ein „konservativer“ Text erscheinen kann, der sagt, dass es Denk-, Schreib- und Redeverbote gäbe, dann disqualifiziert sich so eine Aussage allein dadurch, dass so ein Text auf so einer Seite wie Tagesspiegel online steht – und eben nicht in einem konservativen Widerstandsblättchen mit niedriger Auflage gedruckt werden muss.

    Offensichtlich liegt das Problem nicht in irgendwelchen Denkverboten, sondern darin, dass „Konservative“ sich halt immer irgendwie von Feinden umgeben wissen wollen – klar, wäre kein Feind da, könnte man sich ja auch nicht als „Bewahrer“ aufspielen.“

  3. @FDE: Mit Logik hat das wenig zu tun. Es wäre auch „logisch“, wenn eine Zeitung wie der Tagesspiegel einer konservativen Stimme Raum gäbe, um zu zeigen: „Was wollt Ihr, ist doch alles in Ordnung!“

    Schon ein Blick in die CDU genügt, um zu sehen, dass Bolz hier keine abstrusen Verschwörungstheorien bemüht.

    Liebe Grüße, Ron

  4. Ich beobachte eine erstaunliche Symmetrie: Linke sprechen von der herrschenden Ideologie, Rechte sprechen von linken Gesinnungsterroristen, die die Presse und damit die öffentliche Meinung manipulieren und kontrollieren. Spontan kommt mir dazu ein Comic in den Sinn (man beachte den Tooltip über dem Bild).

  5. @Immanuel: Es scheint ja wirklich so, als hättest Du einen überlegeneren Weg gefunden.
    Liebe Grüße, Ron

  6. @Ron: Ich habe zunächst geschluckt, als ich deinen Satz gelesen habe. Ich wollte mit meinem Kommentar einen ehrlichen Beitrag zur Diskussion leisten und nicht eine nicht vorhandene Überlegenheit demonstrieren. Aber vielleicht hast du es ja nicht nur ironisch gemeint, sondern schließt vielleicht tatsächlich die genannte Möglichkeit nicht von vornherein aus?

    Den Comic habe ich übrigens auf mich bezogen, denn schließlich habe ich ja Linke und Rechte in einen Topf geworfen. Nur für den Fall, dass das nicht deutlich geworden ist.

  7. … und kaum drei Wochen später ist es soweit:

    http://www.nzz.ch/nachrichten/international/deutsche_bundesbank_abberufung_sarrazins_1.7427289.html

    Viele Hunde sind des Hasen Tod. Aber: wenn Herr Sarrazin tatsächlich rassistische Äußerungen gemacht hat, dann muß der Beitrag von Herrn Bolz neu bewertet werden. Judenhaß ist eine Kriegserklärung an Gott, und wer so etwas macht, hat sein eigenes Urteil schon gesprochen.

  8. So. Mit einem subalternen Mitarbeiter der hiesigen Deutschen Botschaft habe ich mich gestern unterhalten. Nur damit sich das Bild abrundet, er ist ein Intellektueller, er wurde also vor etwa 40 Jahren zuerst aufs Gymnasium und dann auf die Uni geschickt. Magister Artium. Dann Beamter, natürlich ‚höherer Dienst‘. Mehr ist auf die Ferne nicht erkennbar in seinem Leben.

    Er meinte Folgendes.

    „Der Sarrazin ist ein Vertreter der Deutschen Bank. Also was Offizielles. Als solcher kann er nicht sagen, was er sagen will. Denn man hört auf ihn als Solcher. Wenn er ‚Privatmann‘ wäre, dann würde ihm niemand zuhören, oder?“

    Da hat der Mann wahrscheinlich Recht.

    „Also gut. Wenn er also benutzt, was ihm von seinem Arbeitgeber verliehen wurde, dann muß er auch die Interessen seines Arbeitgebers vertreten. Das hat er nicht. Darum geschieht es ihm recht.“

    Im Endeffekt hat der gute Mann das Prinzip „Wess Brot ich ess, des Lied ich sing“ zum Teil des Arbeitsvertrags interpretiert.

    Der gute Mann hat noch eins draufgesetzt: „Und dann hat sich der Sarrazin noch einen schönen Goldenen Handschlag herausgehandelt. Einen Ruhestand zu den Bedingungen von vorher.“

    Der intellektuelle Botschaftsmitarbeiter war sichtlich erregt.

    Zum einen kann ich das verstehen. Zum anderen nicht.

    Wäre mal interessant, was der Herr Prof. Bolz dazu sagt.

    Ich fühle mich angeekelt. Sowohl von der einen Seite als auch von der Anderen.

  9. Johannes Strehle meint:

    Privatmann im Sinne des Botschaftsmitarbeiters ist Sarrazin schon lange nicht mehr. Er war schon vor seinem Wechsel zur Bundesbank bekannt wie ein „bunter Hund“.

    Zum Prinzip: „Wes Brot ich ess, des Lied muss ich singen“.
    Dieses Prinzip ist auf den „Fall Sarrazin“ nicht anwendbar, wenn die FAZ recht hat.
    Sie schreibt – unwidersprochen – (am 8.September), dass für die Bundesbank mit Sitz in Frankfurt die Verfassung des Landes Hessen gilt. „Die Ortswahl war Absicht, die Herrin über die D-Mark sollte auch augenfällig dem Zugriff der Regierung und der Parteien entzogen werden.“
    Die einschlägige Bestimmung der hessischen Verfassung lautet: „Jedermann hat das Recht, seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Dieses Recht darf auch durch ein Dienstverhältnis nicht beschränkt werden, und niemand darf ein Nachteil widerfahren, wenn er es ausübt. Nur wenn die vereinbarte Tätigkeit einer bestimmten politischen, religiösen oder weltanschaulichen Richtung dienen soll, kann, falls ein Beteiligter davon abweicht, das Dienstverhältnis gelöst werden.“
    Die FAZ fragt zum Schluss ihres Kommentars, ob die – unabhängige – Bundesbank etwa „einer bestimmten politischen, religiösen oder weltanschaulichen Richtung“ dient.

    Zum Goldenen Handschlag: Sollte Sarrazin etwa finanzielle Nachteile davon haben, dass er der Politik den Gefallen getan hat, zu gehen?

  10. Unter diesem Aspekt sieht die Sache wieder ganz anders aus.

    Was mir nämlich jetzt erst aufgefallen ist, daß der Mann von der Botschaft offenbar sogar „Deutsche Bank“ und „Bundesbank“ durcheinandergebracht hatte. Und ich habe es unüberprüft übernommen. Von Anfang an habe ich da selbst nicht aufgepasst.

    Natürlich ist alles ganz anders, wenn wir über ein öffentliches Dienstverhältnis reden. Nur bei einem privatrechtlichem Arbeitsverhältnis kann man das “Wes Brot ich ess, des Lied muss ich singen” übernehmen, dann aber zu Recht.

    Dann zeigt der Fall übrigens noch etwas ganz anderes, viel Wesentlicheres. Dafür muß man zwei Schritte zurücktreten, um das ganze Bild sehen zu können.

    Sarrazin ist bzw. war ja Teil des politischen „Systems“, d.h. er wird bei der Bundesbank mit Sicherheit einen Posten gehabt haben, den man üblicherweise zu gegebener Zeit verdienten Parteifreunden gibt, jedenfalls nicht so besetzt wie einen Arbeitsplatz in der Industrie. Solche Posten gibt es zuhauf in der deutschen Verwaltung, z.B. auch bei der Bundesanstalt für Arbeit. Ich habe nur ein Beispiel von vielen genannt. Daneben gibt es auch zahlreiche Unternehmen, die faktisch in der Hand der Parteien und/oder Gewerkschaften (also auch des „Systems“) sind, wie etwa die BHW-Bausparkasse oder die Konrad-Adenauer-Stiftung, nur um zwei willkürliche Beispiele zu nennen. Auch dort bringt das „System“ verdiente Angehörige unter.

    Der Fall stellt sich nun für mich so dar, daß sich ein Profiteur des „Systems“ (aus der Sicht des „Systems“) mit seiner Meinung öffentlich gegen das „System“ selber gewandt hat und nun die verdiente Strafe (wieder aus der Sicht des „Systems“) bekommen hat.

    Der Fall zeigt dann auch, wie sehr das „System“ funktioniert, denn es ist offenbar selbstverstärkend und selbstreinigend, ohne daß es dafür eine Verschwörung braucht.

    Vielleicht kommt mein schlechtes Gefühl bei der Sache genau daher. Hinter dem Sachverhalt schaut blanker Zynismus hervor.

    Ich habe folgendes Wort gehört, in einer Predigt von Pastor Wilhelm Busch:
    „Der eine fragt ‚Was kommt danach?‘, der andere ‚Was ist Recht?‘. Und also unterscheidet sich der Freie vom Knecht.“

    In diesem Sinne: Wird sich das System irgendwann einmal gegen uns wenden, die keine Profiteure des Systems sind? Wahrscheinlich hält man sich tunlichst vom System ferne, wenn man seine Meinung frei äußern möchte.

    Nochmal, ich glaube nicht an Verschwörungstheorien. Ich glaube eher, daß hier eine inhärente Eigenschaft des Lebens in Deutschland sichtbar wird.

  11. Johannes Strehle meint:

    „Der eine fragt: Was kommt danach?
    Der andre fragt nur: Ist es recht?
    Und also unterscheidet sich
    Der Freie von dem Knecht.“

    Theodor Storm

    Es gibt Belohnungsposten ( V e r sorgungsposten) im „System“,
    es gibt aber auch Abschiebeposten ( E n t sorgungsposten) im „System“.
    Wenn jemand unbequem wird,
    schiebt man ihn ab (lobt ihn weg), am bequemsten nach oben,
    auf einen Posten, wo er nicht mehr stört.
    Die Rechnung geht nicht immer auf.

    Ich glaube nicht, dass diese Mentalität
    nur für politische Systeme und nur für Deutschland typisch ist.
    Ich glaube, auch in kirchlichen Systemen würde man fündig.

  12. genau, lieber Johannes. Und gerade deshalb interessiert mich das Thema so sehr.

    Etwas erschrocken habe ich mich über die Bemerkung mit den „kirchlichen Systemen“. Wahrscheinlich ist das eine Auswirkung der Kirchensteuer, denn in freikirchlichen Einrichtungen sind mir solche gruppendynamische Effekte nicht bekannt.

    Das System der staatlichen Kontrolle über bestimmte Segmente der Märkte wie Gesundheit, Ausbildung, etc. geht ja in dieselbe Richtung.

    Machen wir Deutschen uns gerade (wieder) zum Knecht? Wird so der Untergang einer Kultur eingeläutet: Es installiert sich ein System, das sich selbst auffrisst?

    Mir fällt das alles nur so besonders auf, weil ich als Ausländer in einem System lebe, das geradezu diametral verschieden von dem deutschen „System“ ist, und da „tanzt gerade der Bär“.

  13. @Martin & Johannes: Ich teile Eure Bedenken. Ein schleichender Verlust und Freiheit ist in ganz vielen Segmenten erkennbar. Das Volk wird mit Brot und Spielen bei Laune gehalten.
    Liebe Grüße, Ron

  14. in den letzten Tagen habe ich viel über die konkreten Auswirkungen der PC nachgedacht. Man könnte sich auf den Standpunkt stellen, daß ja alles gar nicht so schlimm sei. Es betrifft ja „nur“ diejenigen Leute, die auch gleichzeitig Teil des Systems sind. Man könnte sich ja auf den Standpunkt stellen, daß einen das alles gar nichts angeht, weil man ja sagen kann, was man will.

    Aber so einfach ist das nicht. Irgendwie ist ja jeder Teil des Systems, sei er nun direkt Teil des Klüngels so wie z.B. Thilo Sarrazin (SPD) oder Martin Hohmann (CDU) oder auch nur indirekt, wie beispielsweise die ehemals im halb-(?)-öffentlichen Dienst tätige Eva Hermann. Norbert Bolz als Professor der Berliner Uni ist insofern genauso Teil des Systems und mittlerweile sicher schon im Fadenkreuz der Intellektuellen.

    Alle irgendwie Angestellten sind auch besser ganz ruhig, denn der Chef soll ja nicht unter Druck kommen. Das geht ganz leicht über die Presse, und dann ist der Job weg.

    Es betrifft auch alle Berufe, die einer öffentlichen Zulassung bedürfen, wie Ärzte, Zahnärzte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Anwälte, etc. Die Zulassung kann auch ganz schnell weg sein.

    Dann kann einem als sonstiger Unternehmer die Verwaltung unendliche Schwierigkeiten bereiten, sei es nun als Finanzamt oder auch als Kreisverwaltung/Landratsamt.

    Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger werden ja ohnehin schon die Beamten der niedrigsten Besoldungsstufe genannt, sie können von daher auch nicht sagen, was sie möchten. Besser nichts sagen, sonst kann die Verwaltung auch dort Ärger machen.

    Selbst großen Unternehmern, bei denen man davon ausgeht, daß man sie nur schwer ruhigstellen kann, wie z.B. den schon wegen seiner christlchen Aktivitäten suspekten Heinz-Horst Deichmann, hat die Presse erfogreich eine draufgegeben.

    Johannes meinte oben, daß sogar die staatlich mitgetragenen Kirchen davon betroffen sind.

    Nochmal, ich glaube nicht an Verschwörungstheorien. Eher ist dies alles ein Zeichen dafür, wie perfekt sich das „System“ schon selbst verstärkt.

    Es bleibt wohl nicht mehr viel übrig.

    Oder täusche ich mich da? Wo sind die ganzen Leute, die sich als Journalist, als Unternehmer, oder auch ín der Politik (Parteien und Gewerkschaften sind gemeint!) hinstellen und konkrete Problembereiche ansprechen, die irgendwie tabuisiert sein könnten? Ich kenne niemanden in Deutschland, der das tut, obwohl ich dort viele kenne, die es durchaus könnten.

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