Das Wohlstandsevangelium

Unter der Leitung der »Lausanne Theology Working Group« wurde 2009 ein Diskussionspapier zum »Wohlstandsevangelium« erstellt. Das Papier »A Statement On Prosperity Teaching« kann hier herunter geladen werden: mbstexte146_a.pdf.

Kommentare

  1. Roderich meint:

    Lieber Ron,
    kann es sein, dass Seite 7 in dem PDF fehlt?

    (Der Text hoert nach S. 6 abrupt auf, und das Impressum sollte auf S. 8 stehen, die Datei hat aber nur 7 Seiten).

    Inhaltlich finde ich den Text hervorragend und sehr ausgewogen.
    – Gut, dass die „Kraft Gottes“ und die „Kraft des Heiligen Geistes“ bejaht werden
    – Gut, dass die Tatsache anerkannt wird, dass es in der Bibel ein Element von Prosperitaet gibt; gut, dass das „Prosperity Gospel“ nicht nur einer Denomination in die Schuhe geschoben wird; dass nicht per se das Wachstum von (oft charismatischen) Gemeinden geneidet wird, die das Wohlstandsevangelium predigen; (So wird vermieden, dass die Diskussion in „Charismatisch gegen traditionell“ ausartet).
    – Gut, dass der Wert von harter Arbeit anerkannt wird, etc.

    Einziges kleines inhaltliches Bedenken: Auf Seite 5 Punkt 4c heisst es: „It thus tends to victimize the poor by making them feel that their poverty is their own fault (which the Bible does not do), while failing to address and denounce those whose greed inflicts poverty on others (which the Bible does repeatedly).

    Abgesehen davon, dass das sprachlich nicht ganz korrekt ist (victimize heisst ja: jemand ist das Opfer von anderer Menschen Handlung):

    Das ist auch inhaltlich nicht ganz korrekt. In den Spruechen wird man oft gewarnt vor Faulheit (oder Trunksucht), aus denen Armut resultieren kann.

    Auch gibt es die Segnungen, wenn man gehorcht, und den Fluch, wenn man nicht gehorcht (3. Mose 26, 3.4 ff; 5. Mose 28; Micha 3,10 etc.).
    Zu den Segnungen (bei Gehorsam) gehoert Wohlstand, zu den Fluechen (bei Ungehorsam) Armut.

    Auch wenn man meint, diese „Segen und Fluch“ Worte seien im neuen Bund nicht mehr gueltig (da gibt es geteilte Sichtweisen), so hat doch das Befolgen biblischer Gebote automatisch mehr Gesundheit und Wohlstand zur Folge (etwa wenn man gesund lebt, eine gesunde Ehe hat, hart arbeitet, ehrlich ist etc.)

    Also, es ist manchmal sehr wohl der Fehler der Leute selbst, wenn sie arm sind. Aber natuerlich bei weitem nicht immer.

    Suende kann oft die Ursache von Armut sein (z.T. Faulheit, Trunksucht, Scheidungen (soweit sie suendig sind), eine falsche Weltanschauung wie Fatalismus, Animismus, Sozialismus etc.
    Das gleiche gilt nicht nur auf individueller Ebene. Auch ein ganzes Land kann „schuld“ an eigener Armut sein, dadurch dass es falsche volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen setzt, dass es korrupte Leiter waehlt (bzw. nicht genug ehrliche Leiter heranbildet).

    Wie das Buch „Discipling Nations. The Power of Truth to Transform Nations“ (deutsch: „Wie sollen wir denn denken?: Leitfaden für eine christliche Weltanschauung“ im Asaph Verlag 2004) von Darrow Miller darstellt, haben z.B. Animismus oder Sozialismus FATALE Auswirkungen auf den Wohlstandsgrad des Einzelnen oder des Landes. Hierfuer sind nicht andere Laender schuld, sondern das Land selbst. Jeder einzelne, und jedes Land, sind verantwortlich fuer ihre eigene Weltanschauung.

    Etwa die Sicht, dass die Natur so „heilig“ sei, dass man sie nicht konsumieren oder verbrauchen darf; etwa das fehlende Verstaendnis von der entscheidenden Rolle von Produktivitaet; etwa die Annahme, der Kuchen bleibe stets gleich gross und es gehe nur um Verteilung (Sozialistische Sicht); etc.

    Ich nehme an, bei dieser Lausanner theologischen Gruppe sitzen Leute aus verschiedensten politischen Richtungen, daher ist wohl (leider) kein klares Bekenntnis gegen den Sozialismus als einen der schlimmsten Armutserzeuger zu erwarten. (Oder man will die Diskussion beim Thema Prosperity Gospel lassen).

    Oft liegt die Armut von Laendern in der Korruption der Leiter. Oder sie haben nicht hinreichende Ausbildung in Volkswirtschaft erhalten. (Volkswirtschaftspolitische Massnahmen wirken oft gegen den ersten Anschein, also „anti-intuitiv“, d.h. guter Wille ist nicht genug, um ein guter Wirtschafts-Politiker zu sein).

    Es fehlt auch der Verweis, was Politiker in den Entwicklungslaendern tun koennen, um praktisch aus der Armut herauszukommen, etwa der Verweis auf die 10 Prinzipien der Wirtschaftspolitik, die Eucken gefordert hat, z.B.:
    – Geldwertstabilitaet
    – Freie Preisbildung
    – Konstanz der Wirtschaftspolitik
    – Rechtssicherheit
    – Gewerbe- und Vertragsfreiheit
    – Eigentumssicherheit etc.
    (Das alles setzt wiederum eine Kultur voraus, in der bestimmte Werte allgemein anerkannt werden, wie Fleiss, Ehrlichkeit etc.).

    Nun gut, die Volkswirtschaft war nicht das Hauptthema des Aufsatzes, sondern das (eher individuell angewendete) Prosperity Gospel. Jedoch werden in dem Aufsatz volkswirtschaftliche Themen auch gestreift, jedoch nur einseitig.

    Also, es wird (zu recht) verwiesen auf unfaire Welthandelsbeziehungen. (Z.B. vergroessern unsere Importzolle in EU die Armut der Entwicklungslaender). Aber es wird die eigene Verantwortung der Entwicklungslaender zu sehr unterbetont in dem Papier.

    Aber wie erwaehnt, das mag nicht das Hauptthema der Abhandlung sein.

    Schlussbemerkung: trotz dieses kleinen Mankos waere schon sehr viel gewonnen, wenn alle afrikanischen Kirchen (nicht nur die Gemeindeleiter und Pastoren, sondern die oft getaeuschten Kirchenbesucher) diesen Text lesen.

  2. @Roderich: Der Text endet so. Die Seitenzahl habe ich korrigiert. Danke, Ron

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