Der Ablass

Mein Lieblingsmoderator bei BibelTV ist der katholische Priester Wolfgang Serverin. In einer Sendung mit Ulrich Nersinger (Mitglied der „Pontificia Accademia Cultorum Martyrum“) über den Ablass fuhr er kürzlich zur Bestform auf. Um was geht es? Papst Franziskus hat das Jahr 2016 als „Heiliges Jahr“ oder „Jubiläum der Barmherzigkeit“ ausgerufen. Gläubige, die gebeichtet haben und durch eine Heilige Pforte gehen, erhalten demnach einen Ablass für die Strafen ihrer lässlichen Sünden (Domradio hat das Anliegen des des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit anlässlich der Eröffnung hier beschrieben).

Aber war nicht der Ablass ein großen Thema beim Ausbruch der Reformation? Solche und andere Fragen bespricht Severin mit dem klugen und sachverständigen Ulrich Nersinger in wirklich aufrichtiger Atmosphäre. Wäre ich Katholik, würde ich mich am Ende der Sendung über die Schriftbezogenheit, Einfachheit und Kraft des reformatorischen Glaubens freuen.

Hier der Mitschnitt:

Kommentare

  1. Ich habe damals auch nicht schlecht gestaunt, als uns beim Weltjugendtag 2005 in Köln ein vollständiger Ablass angeboten wurde. Was war ich doch froh, zu wissen, dass das nicht von mir, sondern allein vom Herrn Jesus abhängig ist, der mir schon alles vergeben hat und mich nicht vom Kirchenschatz der guten Taten der Heiligen abhängig macht.

  2. Theophil Isegrim meint:

    Interessant!

    Mit dem Purgatorium kann ich sogar etwas anfangen. Wahrscheinlich ist es aus 1. Korinther 3,11-15 entwickelt worden. Wobei ich die Bibelstelle anders verstehe.

    Ansonsten kommt mir der Ablaß wie ein menschliche Erfindung vor. Ist ja auch verständlich. Wenn man Gott seine Sünden bekennt und sie einem vergeben werden, dann wirkt sich das nicht unbedingt emotional aus. Ich fühle mich eventuell immer noch schuldig, obwohl der Vater mir sie vergeben hat. Und dann kommt so ein Ablaß gut daher. Allerdings geht das dann doch Richtung Werkegerechtigkeit.
    Nein, da ist ein anderer Ansatz ein besserer. Glaube ist kein Gefühl! Wer seine Sünden bekennt – natürlich in echter Reue und nicht nur so als ob – der bekommt sie vergeben. Die Schuld ist getilgt und ausgelöscht. So steht es in der Schrift. Und wenn das Gefühl eine andere Sprache spricht, dann darf man das Gefühl ruhig mal zur Seite tun. Womit aber gerade wir in unserer Zeit uns so schwer tun, weil Gefühle ja so wichtig sind. Wehe sie werden mal verletzt …Das ist alles zu übertrieben gefühlvoll. Aber das ist die Folge der Feminisierung der Gesellschaft.

    Naja, jetzt bin ich ins Schwafeln gekommen. Dabei ging es um Ablaß.

  3. Roderich meint:

    „Es ist nicht ganz leicht, eine Begründung für den Ablass in der Bibel zu finden, aber es gibt Spurenelemente – z.B. im 2. Makkabäer“ … 🙂
    (Aber wenigstens ist der Ablass „freiwillig“…)
    „Wo wir im 11. Jahrhundert waren, sind wir heute wieder in der kath. Kirche“, sagen die beiden selber.

    Hmm, aus protestantischer (biblischer) Sicht ist der Ablass ja nach wie vor falsche Lehre. Und das ganze nennt sich „Bibel-TV“? Nun gut, der Sender ist wohl nicht zu finanzieren, wenn ihn nur eine Konfession finanziert. (Gibt es denn – sozusagen „zum Ausgleich“ – bei Bibel-TV auch mal klar konturierte protestantische Sendungen?)

    (Lieber Ron, ich gehe davon aus, dass vielleicht manches in Deinem Post eher ironisch gemeint war – aber ab welchem Satz die Ironie aufhört und der Ernst anfängt, war mir nicht ganz klar…)

  4. @Roderich: Ich versichere, dass in diesem Post nichts ironisch gemeint ist.

    Liebe Grüße, Ron

  5. Maschenka meint:

    Es wird hier schön deutlich, dass der Ablass – wie auch die Marienverehrung und anderes in der katholischen Kirche – ein menschlich ausgedachtes, aber theologisch auf wackeligen Beinen stehendes Konstrukt ist. Was für ein Kontrast zu den klaren Worten in der Schrift.

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