Dezisionismus bei Karl Barth

Wolfhart Pannenberg schreibt über die theozentrische Wende bei Karl Barth (Problemgeschichte der neueren evangelischen Theologie in Deutschland, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 201):

Es ist ein tief ironisches Phänomen, daß gerade der entschlossene Theozentrismus Barths, der allen Anthropozentrismus und Subjektivismus der neuzeitlichen Theologie überwinden sollte, auf eine äußerste Zuspitzung eben dieses von Barth bekämpften Subjektivismus hinausläuft. Die anthropologische Begründung der Theologie bei Schleiermacher konnte immerhin noch mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit auftreten, und ähnliches gilt – wenn auch mit Einschränkungen noch von der ethischen Begründung der Wahrheit des christlichen Offenbarungsanspruchs in der Erweckungstheologie von Tholuck bis hin zu Wilhelm Herrmanns Beschreibung des »Weges zur Religion«.

Die Wurzel für diese »Entscheidungstheologie« liegt nach Pannenberg – angelehnt an Karl Löwith – in Kierkegaards »Sprung in den Glauben« (vgl. S. 204,  zum »Sprung« siehe auch hier).

Kommentare

  1. Schandor meint:

    „gl. S. 204, zum »Sprung« siehe auch hier“

    Hurra, sowas such ich schon lang, hat mich doch Kierkegaards „Sprung“ lange beschäftigt!

    Ich dachte immer, Kierkegaards Sprung bedeute die persönliche Entscheidung, sich auf das „Wagnis Glauben“ einzulassen und alle anderen weltlichen und metaphysischen Sicherungssysteme fahren zu lassen im Vertrauen darauf, dass es einzig und allein Jesus Christus ist, auf den ich mich im Ernstfall (und der besteht aufgrund meiner Erlösungsbedürftigkeit ja ohne Ausnahme immer) verlassen kann. Erst aus den Büchern Gordon Clarks habe ich erfahren (oder besser: es verstanden), dass Kierkegaard mit seinem „Sprung“ aber ganz etwas anderes gemeint hat.
    Ich hoffe, die ganze Sache nach der Lektüre des MBS-Textes (auf die ich mich schon sehr freue) richtig zu verstehen.

    Danke!
    Schandor

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