Der ganz normale Wahnsinn

Zu lange getrauert, und schon gilt man als depressiv: Fachleute befürchten, die Diagnosekriterien nach DSM5 könnten aus alltäglichen seelischen Zuständen Krankheiten machen. Wird die Gesellschaft zunehmend pathologisiert, um an ihr durch Verschreibungen zu verdienen?

Andreas Freund schreibt für die FAZ:

Die Schwelle zwischen dem, was psychisch krankhaft, und dem, was gesund ist, werde deutlich nach unten verschoben, sagt Fachmann Maier. Mehr noch: Es werde ein „enger Begriff einer strahlenden Gesundheit“ geschaffen, der im Grunde gesunde Zustände nicht unterstütze: „Trauer ist ein gesunder Anpassungs- und Bewältigungsprozess, er fördert die Resilienz. Diese seelische Widerstandskraft ist gewissermaßen das Immunsystem der Psyche, das ebenso wie das des Körpers trainiert werden will, wenn es dauerhaft in Krisen Stabilität bieten soll. Dass nach dem Verlust eines geliebten Menschen Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Gewichtsverlust und Konzentrationsschwierigkeiten auftreten, ist normal. Was würde Maier einem guten Freund in dieser Situation raten? „Natürlich ist es wichtig, darüber zu sprechen, mit Freunden und Familie, und so zu versuchen, das Ereignis zu bewältigen. In früheren Gesellschaften war Trauer gut dokumentiert als soziale Übung.“

Noch das DSM3 von 1980 bildete es ab – die genannten Beeinträchtigungen durften erst nach Ablauf von zwölf Monaten „Depression“ genannt werden. Das DSM4 von 1994 räumte dafür schon nur noch zwei Monate ein. Und nun sind es nur noch zwei Wochen.

Mehr: www.faz.net.

Kommentare

  1. schandor meint:

    Auf der Suche nach der Huxleyschen schönen neuen Welt darf es keine deprimierten Menschen geben. „Rutschi-Putschi“ (das Spiel, das sie dort spielen, die Wohlstandsersatzreligion der Ozeaniens) muss alles sein.

    Medikamente sind dazu da, Ursachen dessen zu werden, was sie heilen sollen. Der ewige Kreislauf des Geldverdienens ist damit gesichert. Das ist heute der Zweck der Medikamente. Wir sollen und müssen gründlich verlernen, Mittel aus der Natur zu gewinnen. Dass Gott uns die Heilmittel in die Natur gestellt hat, steht für mich außer Frage, nur haben wir leider auf einer breiten Front dieses Wissen verloren. Es gilt, sich neu zu besinnen, doch wie das gehen soll, bleibt mir ein Rätsel.

  2. Ja, das ist furchtbar.
    Aber es gibt dieses alte Wissen durchaus noch. Darf ich einen ganz profanen Tipp geben: Was Großmutter noch wusste…zB .. ein Buch, in dem steht, wie das ohne Chemie geht … zB auch Lavendel, desinfiziert und ist auch gut für die Stimmung… Duftlampe, Wasser und Lavendelöl, Lavendelbad, Wacholder .. usw…
    gute, klassische Musik, Lobpreislieder, …. Choräle, …

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