Der gefälschte Glaube

51BvWNbkAeL._SL160_.jpgKenda Creasy Dean hat den Glauben von Jugendlichen in Amerika untersucht. Das Ergebnis überrascht mich nicht. Das, was den Teenies geboten wird, nennt sie »moralistischen, therapeutischen Deismus«. CNN hat mit der Professorin des Princeton Theological Seminary gesprochen:

Your child is following a »mutant« form of Christianity, and you may be responsible. Dean says more American teenagers are embracing what she calls »moralistic therapeutic deism.« Translation: It’s a watered-down faith that portrays God as a »divine therapist« whose chief goal is to boost people’s self-esteem. Dean is a minister, a professor at Princeton Theological Seminary and the author of »Almost Christian,« a new book that argues that many parents and pastors are unwittingly passing on this self-serving strain of Christianity. She says this »imposter’« faith is one reason teenagers abandon churches. »If this is the God they’re seeing in church, they are right to leave us in the dust,« Dean says. »Churches don’t give them enough to be passionate about.«

Mir gefällt das Zitat von Elizabeth Corrie im CNN Artikel:

Wir denken, dass sie [gemeint sind die Jugendlichen] Kuchen wollen, aber sie wollen eigentlich Steak mit Kartoffeln. Wir aber geben ihnen einfach weiterhin Kuchen.

Das Buch mit der Forschungsarbeit:

  • Kenda Creasy Dean: Almost Christian: What the Faith of Our Teenagers Is Telling the American Church, Oxford University Press, 2010, 264 S.

gibt es hier:

Kommentare

  1. Das Ergebnis verwundert mich auch nicht weiter, nachdem was ich so bei den Amis erlebt habe. Leider wird so oft kein lebendiger Glaube vermittelt (klar, ist auch schwierig), sondern religiöses Gehabe. Mein persönlicher Eindruck ist, daß zu oft die entsprechenden Vorbilder vor Ort fehlen, zumindest dort, wo ich war (Biblebelt). Ein ähnliches Phänomen sehe ich aber auch hier in D bei Tennies aus christlichem Elternhaus. Wenn das Christliche primär oberflächlich ist, wundert es mich nicht, wenn der größte Teil davon zu Studentenzeit davon Abschied nimmt – nicht zu Unrecht.

  2. Vielleicht ist nicht nur die Weichspülung des Christentums das Problem, sondern vielleicht ist die Substanz des Christentums dergestalt, dass es nur entweder weichgespült oder hartgespült (fanatisch) sein kann. Beides ist nicht wünschenswert.

  3. Johannes meint:

    Vielleicht ist die Substanz des Menschen dergestalt, dass er nur entweder weichspült oder hartspült. Beides ist nicht wünscheswert.

    Wie gut, dass Jesus gekommen ist um uns davon zu befreien…

  4. Johannes Strehle meint:

    @Immanuel:
    Vielleicht ist die Substanz des Pferdes dergestalt,
    dass man nur entweder rechts oder links herunterfallen kann.
    War Jesus weichgespült oder hartgespült (fanatisch)?
    Vielleicht ist die Substanz des Pferdes aber auch dergestalt,
    dass man reiten kann, wenn man es gelernt hat?

  5. Rein sprachlich hat Jesus erst mal nichts mit dem Christentum zu tun. Als Jesus noch auf dieser Erde wandelte, gab es das Christentum in seiner jetzigen Form noch nicht. Jesus Christus war Jude.

    Deswegen kann es sein, dass Jesus zugleich weich- und hartgespült war, obwohl das Christentum nur entweder oder ist. Im Judentum heißt es „sowohl als auch“, im Christentum „entweder oder“.

  6. Den Begriff „moralisch-therapeutischer Deismus“ wird auch von Michael Horton verwendet, welcher ihn wiederum von einem Soziologen (weiß nicht mehr genau, ich glaube es war ein Soziologe) namens Christian Smith hat.

    Ich finde den Begriff sehr hilfreich, denn „Oh Herr, wer erkennt seine eigene Schuld?“

    Außerdem geht es hier wohl vorerst nicht um weich- oder hart gespült sein ,sondern darum, ob man Ich-zentriert oder Christus-zentriert lebt.

    Grüße Lars

  7. „entweder weichspült oder hartspült…“ – mal abgesehen von der verunglückten Metaphorik (´hartgespült´??): Das muss doch nicht sein, dass die Diskussion gleich auf solche Pole zugespitzt wird: geht es nur darum, zu polemisieren? Wenn jemand der Meinung ist, dass das Christentum selbst das Problem sei, dann mag er das sagen, aber dann ist eine Kommunikation hinfällig. (Fromme Phrasen indes sind genausowenig konstruktiv…)

  8. @Ernst: Ja, ich denke, dass das Christentum selbst ein Problem hat beziehungsweise ist. Aber ich dachte, dass gemäß Francis Schaeffer trotzdem ein Dialog möglich sei (schließlich müsste man mich ja zumindest theoretisch von meinem Standpunkt abbringen können, wenn ich einen offenen Dialog suche).

    Ich beginne aber zu ahnen, dass dem wohl nicht so ist. Du sprichst es deutlich aus.

  9. Roderich meint:

    Dieses therapeutische Christentum ist aber auch in BRD vorherrschend. In vielen Freien Evangelischen Gemeinden geht es auch nur noch um’s Wohlfuehlen. Weniger um biblische Lehre. Gerade wenn man z.B. einen Puritaner liest, merkt man, wie weit wir uns vom eigentlichen Evangelium entfernt haben. Bzw. wie wenig Gott-zentriert unsere Predigten noch sind. Leider.

  10. Johannes meint:

    @ Ernst
    Ich verstehe deinen Kommentar nicht wirklich. Greifst du meinen oder Immanuels Kommentar an?
    Falls du meinen meinst: Es geht mir nicht darum zu polarisieren. Ich wollte lediglich meine Position darlegen, dass der Mensch das Problem ist, nicht das Christentum. Dazu habe ich mich der Formulierung von Immanuel bedient. Dass du das evt. negativ aufgefasst hast, liegt einfach daran, dass du mich nicht kennst. Es war nicht als Provokation gedacht.

    @ Immanuel
    Einen Dialog schließt du mit deiner Einstellung doch direkt aus. Ich bin Christ. Damit bin ich in deinen Augen entweder weichgespült oder fanatisch. Warum solltest du meine Meinung dann ernstnehmen?
    Aber wenn du einen Dialog wünschst, dann sag doch mal, woran du deine Meinung konkret festmachst?

  11. Johannes Strehle meint:

    @ Ernst und Johannes
    Ihr schreibt: „Wenn jemand der Meinung ist, dass das Christentum selbst das Problem sei, dann mag er das sagen, aber dann ist eine Kommunikation hinfällig.“ „Einen Dialog schließt du mit deiner Einstellung doch direkt aus.“
    Nach meinem Verständnis ist Zweck der Apologetik und Mission im Sinne der Bibel die Kommunikation mit denen, die das Christentum in Frage stellen.
    Immanuel sucht, wie er schreibt, einen offenen Dialog.

  12. also –
    @ Johannes: soweit ich es sehe, habe ich niemanden angegriffen; mir ging es eigentlich darum, meinen Eindruck über diese Beiträgen zu vermitteln.

    @ Immanuel – für mich ist fraglich, wie ein konstruktiver Diskurs stattfinden soll, wenn bereits am Anfang nur zwei Alternativen („entweder… oder…“) vorgegeben sind. Aber vielleicht war meine Vermutung (->Polemik) nicht zutreffend; Du hast ja immerhin zweimal „vielleicht“ gesagt… Andererseits: Du sagst, dass „das Christentum selbst ein Problem hat beziehungsweise ist“ – wie kann man offen diskutieren, wenn derart dezidiert im Indikativ Feststellungen getroffen werden.
    (Abgesehen davon: wo sind die Fakten, die Deine Aussage erhellen könnten?)
    Was Schaeffer dazu sagt, weiß ich nicht, aber auch er muss ja für den Dialog mit dem anderen eine Grundlage finden.
    Und ob die „Kommunikation“ mit denjenigen, die das Christentum in Frage stellen, der „Zweck der Apologetik“ sei – das bezweifle ich: wenn sie Argumenten nicht zugänglich sind, dann kann das kaum gelingen.

  13. @Ernst und @Johannes:
    Wenn ihr mal viel Zeit habt, könnt ihr die Diskussion über
    20 Jahre Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam
    lesen.

    Ich versuche eine klare, verständliche Sprache zu sprechen, aber alles was ich sage, meine ich, wie ich es sage. Wenn ich polemisch wäre, würde das ganz anders aussehen.

  14. @Immanuel:
    anstatt weiterer kryptischer hinweise:besser mal zur Sache kommen!
    Oder mal ein paar Basics zur Semiotik zur Kenntnis nehmen und auf die eigene Kommunikation anwenden – – –

    ansonsten hat das keinen Sinn!

  15. @Ernst: Vermutlich. Leb wohl!

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