Der Glaube der Neuen Atheisten

Magnus Klaue hat für die FAZ die Neuauflage von Fritz Mauthners voluminösen Werk Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande vorgestellt, das der Alibri Verlag in einer von Ludger Lütkehaus verantworteten Edition neu aufgelegt hat.

Klaue referenziert in seinem Artikel ein Argument gegen den Neuen Atheismus, das beispielsweise auch bei Timothy Keller in seinem Buch Warum Gott? zu finden ist. Die Neuen Atheisten glauben ebenfalls. Sie vertrauen auf die Ungeschichtlichkeit ihrer vom Positivismus und Pragmatismus geformten Argumente. Sie fangen nicht bei „Null“ an, sondern sind – das ist jetzt meine Perspektive – in einem naturalistischem Positivismus gefangen. Oder: Der Mensch wird seine Seele nicht finden, wenn er sich röntgen lässt.

Klaue schreibt (FAZ vom 18.01.2012, Nr. 15, S. N4):

Trotz der schon hier erkennbaren Neigung, geistige Phänomene nicht nur als geschichtliche zu begreifen, sondern sie auf soziale und natürliche Ursachen zu reduzieren, sie nicht in ihrer Autonomie, sondern als „Produkte“ wahrzunehmen, schließt diese Betrachtungsweise nicht aus, die Religionen auf ihren Wahrheitsgehalt zu befragen. Der moderne Atheismus dagegen nimmt die vermeintliche wissenschaftliche Unbegründbarkeit des Glaubens und seine Unvereinbarkeit mit den Erfordernissen gesellschaftlicher Praxis unmittelbar als Beweis gegen ihn. Die Geschichtlichkeit der positivistischen und pragmatistischen Denkform selbst zu erwägen, fällt ihnen nicht ein. Sie wird als überhistorisch aufgefasst, wenn etwa Dawkins in „Der Gotteswahn“ dekretiert, Gottes Existenz oder Nicht-Existenz sei „eine wissenschaftliche Tatsache“, die prinzipiell, „wenn nicht sogar praktisch“ entscheidbar sei. Ähnlich begreift Schmidt-Salomon das religiöse Bedürfnis als wissenschaftlich ableitbare „Tatsache“, nicht aber als Erscheinungsform des Bewusstseins mit eigenem Geltungsrecht, wenn er im „Manifest des evolutionären Humanismus“ erläutert, dass religiöse Visionen auf Überaktivitäten im Schläfenlappen zurückzuführen seien. Dass der Glaube eine ihm immanente Logik und Sinnhaftigkeit, eben eine Theologie besitzen könnte, erscheint aus dieser rein innerweltlichen Perspektive als unlogische und sinnlose Annahme.

Genau diese rein innerweltliche Axiomatik erschwerte auch den Autoren des Buches Heilige Scheiße den Zugang für das, was für den Glauben an Gott spricht.

Kommentare

  1. Meines Erachtens steht und fällt der Atheismus vor allem mit der Evolutionstheorie. Die Evolutionstheorie ist das wichtigste „Zugpferd des Atheismus“. Zwar schließt Evolution Gott an sich nicht aus (theistische Evolution), jedoch ist Evolution eine notwendige Voraussetzung für den Atheismus. Warum? Denkt man über die Artenvielfalt und die Herkunft des Menschen nach, dann wird man aus atheistisch-naturalistischer Sicht zu dem unausweichlichen Schluss kommen, dass die Arten und der Mensch nur evolutionär (vom Einfachen zum Komplexen) entstanden sein können (falls man nicht an eine Ewigkeit der Arten und des Menschen glauben will). Das wissen die Atheisten. Deshalb ist es ihnen ein starkes Anliegen, die Evolutionstheorie in der Gesellschaft zu verbreiten. Ich denke, dass es vor allem diese Theorie ist, die den Atheisten eine gewisse intellektuelle Redlichkeit verleiht. Daher sollte die Widerlegung des Atheismus aus christlicher Sicht sich auch evolutionskritischer Argumente bedienen.

    Neuestes Beispiel einer evolutionskritischen Arbeit: http://www.vergessene-archaeologie.info
    Steinwerkzeuge aus dem Tertiär (Miozän, Oligozän, Eozän, Paläozän)

  2. So etwas wie diese Theorie ist genau das, was man erwarten würde, wenn man sich einem naturalistischen Weltbild verschrieben hat. Da sie ja eben die Implikation dieses Weltbilds ist, und als solche kaum falsifizierbar ist, wird die ET doch vielmehr dann infrage gestellt werden, wenn man beginnt den Naturalismus angesichts seiner philosophischen Unhaltbarkeit zu hinterfragen.

  3. @Theo: Falls es dich interessiert: Ich kenne niemanden, dessen Atheismus irgendwas mit der Evolutionstheorie zu tun hätte. Ich halte die Idee auch für recht sonderbar, dass das voneinander abhängen sollte.

  4. Schandor meint:

    @Muriel

    Es könnte sein, dass sich das, was Theo sagt, auf den akademischen Atheismus bezieht. Der fragt ja weiter als der faule Nach-dem-Tod-ist-alles-aus-Atheismus, wenn ich mich nicht irre.

  5. @Muriel: Ich kenne da schon Leute. Frage doch mal diese Atheisten, woher der Mensch kommt. Da wird es doch wohl nur eine Antwort geben: Evolution. Es sei denn, sie lassen diese Frage aus agnostischen Grund offen bzw. unbeantwortet.
    Aber vielleicht willst du mir einfach nur sagen, dass der Grund, warum diese Leute Atheisten sind, nicht die Evolutionstheorie ist. Das kann natürlich sein und ist sicherlich bei vielen Atheisten der Fall.
    Zur Abhängigkeit von Atheismus und Evolutionstheorie: Meine These war lediglich, dass aus dem Atheismus die Evolutionstheorie folgt.

  6. @Schandor: Genau, den akademischen Atheismus meine ich. Danke für die Ergänzung.

  7. @Theo: Na gut, das ist dann weniger sonderbar, als ich dich zunächst verstanden hatte. Nicht, dass ich zustimmen würde, aber so verstehe ich immerhin die Idee.

  8. Wolfgang Peters meint:

    Daß der Atheismus mit der Evolutionstheorie zusammenhinge, ist längst überwunden. Es gibt sogar Atheismus-Konzepte, in denen die Evolutionstheorie gar nicht vorkommt, z.B. Zimmer, Christoph, Theist – Atheist. http://www.zmm.cc. Wenn ich das richtig verstanden habe, beruht dieser Atheismus auf den Widersprüchen und auf der Inkonsistenz des Theismus.

  9. @Wolfgang Peters: Wie genau sieht die Entkoppelung von Atheismus und Evolutionstheorie aus?
    Liebe Grüße, Ron

  10. Wolfgang Peters meint:

    Die Evolutionstheorie hatte und hat historisch große Bedeutung für den Atheismus. Sie ist logisch aber nicht notwendig für ihn, sonst wäre Atheismus ohne Evolutionstheorie nicht möglich. Ich denke, daß man Atheismus als Negation des Theismus verstehen muß, was aber nicht der Fall ist, wenn man ihm Glauben unterstellt (einen anderen Glauben als den theistischen). Glaube hat bestimmt nichts mit Logik zu tun und daher auch nichts mit der Negation, die das Verhältnis von Theismus und Atheismus charakterisiert.

  11. @Wolfgang Peters

    Kann man nicht eine begründete Zustimmung oder Ablehnung einer metaphysischen Aussage ‚Glauben‘ nennen? Glaube drückt dann aus, dass man sich nie vollkommen sicher ist, ob die Negation oder Affirmation der jeweiligen Proposition gerechtfertigt ist, aber dennoch gute Gründe dafür anführen kann.

  12. Es ist zumindest so etwas ähnliches wie ET logisch notwendig für den Naturalismus, da sich Leben irgendwie durch natürliche Prozesse aus geistloser Materie entwickelt haben muss.

  13. @Wolfgang Peters: Ich stimme zu, dass a) der Atheismus als Negation des Theismus verstanden werden sollte und b) der Atheismus die Evolution nicht notwendig braucht. Dennoch würde mich interessieren, ob es aktuell (publizierende) Atheisten gibt, die die Evolutionstheorie ablehnen. Die Atheisten, die mir (literarisch o. leibhaftig) begegnet sind, haben an der Evolutionstheorie nicht vorbeigedacht (von Nietzsche bis Dawkins).

    Danke und Grüße, Ron

  14. Roderich meint:

    Oder anders gefragt: wenn die Welt nicht geschaffen wurde durch ein höheres Wesen, muss man ein Alternativmodell vorlegen. Bislang ist die Evolutionstheorie das einzige nennenswerte Modell. Denn man muss ja irgendwie erklären, wie sich das Komplexe aus dem Einfachen entwickelt hat.

    (Es gibt natürlich auch atheistische Zweifler an der Evolutionstheorie, z.B. David Berlinski).

    Das scheint mir aber nicht ganz durchdacht, wenn Leute nur aufgrund der Inkonsistenz von Theismus Atheisten werden, ohne aber an ET zu glauben. Das wäre wie wenn einer sagt: aufgrund der zahllosen Inkonsistenzen des Atheismus bin ich Christ geworden, glaube aber nicht an die Schöpfung durch Gott.

  15. wenn die Welt nicht geschaffen wurde durch ein höheres Wesen, muss man ein Alternativmodell vorlegen.

    Das ist eine Auffassung, die ich hier aus vielen Kommentaren herauszulesen meine. Warum eigentlich? Und wenn ich keine Ahnung hätte, wie die Welt entstanden ist, und keine Idee hätte, wie komplexe Lebewesen sich entwickelt haben, und wenn morgen jemand ein präkambrisches Kaninchen fände, was hätte das denn mit der Frage zu tun, ob ich an irgendwelche Götter glaube?

  16. Roderich meint:

    @Muriel,
    Die Welt muß ja IRGENDWIE entstanden sein. So weit sind wir uns sicher einig. Und wenn sie nicht durch ein höheres Wesen geschaffen ist, muss sie anderweitig entstanden sein. So weit klar.
    Über das „anderweitig“ hat man doch automatisch wenigstens irgendeine Vermutung. Irgendeine Sicht muß Dir doch MEHR Plausibilität zu haben scheinen als die Sicht, es gebe einen Schöpfer. Auf was basiert diese unterstellte Plaubilitität? Entweder auf Vernunftsgründen, also entweder, Du hast vernünftige Gründe für diese Annahme, oder Du hast keine vernünftigen Gründe. Wenn es vernünftige Gründe sind, muß diese Alternative mehr Erklärungskraft haben als die Sicht, (irgendein, z.B. der Biblische) Gott habe die Welt erschaffen.
    Damit diese Sicht aber Erklärungskraft hat, muß man wenigstens ein Modell vorlegen, oder irgendeine Erklärung.

    Alternativ könnte es nur sein, dass die Annahme NICHT auf Vernunftgründen basiert. Das heißt es wäre eine irrationale Alternative.

    Also, dann hättest Du eine – aus Deiner Sicht unplausible – Sicht abgelehnt, um eine irrationale Alternative anzunehmen. Niemand kann Dich hindern, eine irrationale Sichtweise zu vertreten. Wir haben ja Meinungsfreiheit. Aber dann darfst Du nicht erwarten, dass sie ernstgenommen wird. Das wäre ja unlogisch, und das würdest Du ja nicht behaupten wollen, dass Du „Unlogik“ gut findest.

  17. Die Welt muß ja IRGENDWIE entstanden sein. So weit sind wir uns sicher einig.

    Nein, sie könnte auch schon immer da gewesen sein. Aber mir geht es eher darum, dass das nichts zur Sache tut.

    Über das “anderweitig” hat man doch automatisch wenigstens irgendeine Vermutung.

    Würde ich nicht so sehen. Zu manchen Dingen habe zumindest ich persönlich einfach keinerlei Meinung, weil keine Ahnung.

    Irgendeine Sicht muß Dir doch MEHR Plausibilität zu haben scheinen als die Sicht, es gebe einen Schöpfer.

    Wieder nein. Ich kann die Hypothese eines Schöpfergottes ganz aufgrund ihrer eigenen Schwächen ablehnen. Dazu brauche ich keine Alternative.
    Mir scheint, dass du unterstellst, man müsste für jede Frage unbedingt eine Antwort haben. Wie kommst du darauf? Ich kann eingestehen, dass ich auf eine Frage keine Antwort habe, und trotzdem erkennen, dass manche Antworten einfach sehr unplausibel sind, und sie auf dieser Basis ablehnen.
    Wo sollte da das Problem sein?

  18. Schandor meint:

    @Muriel

    „Nein, sie könnte auch schon immer da gewesen sein.“

    Ein Lächeln des Physikers: Und der 2. Hauptsatz der Thermodynamik?

    lg
    S.

  19. @Muriel: Fragen nach der Herkunft sind menschlich. Wir sind geschichtliche Wesen.

    Liebe Grüße, Ron

  20. @Schandor:

    Ein Lächeln des Physikers: Und der 2. Hauptsatz der Thermodynamik?

    Gilt anscheinend derzeit in dem Gebiet, das wir beobachten können. Ob er schon immer galt, und ob die Entstehung eines Universums besser mit ihm zu vereinbaren ist als ein schon immer in irgendeiner Form existierendes Universum, weiß ich als lächelnder Nichtphysiker jedenfalls nicht, und genau darum geht es mir ja: Ich muss es auch gar nicht wissen, um die Hypothese eines universenbauenden Gottes für unplausibel zu halten.

  21. @Ron: Ich habe nichts anderes behauptet. Unverständlich ist mir die Idee, man müsste für jede Frage an eine bestimmte Antwort glauben.

  22. @Muriel
    Die Frage, ob das Universum einen Anfang hat und damit kontigent ist, ist sehr wohl von Relevanz, weil sie der Existenz Gottes eher Plausibilität verleiht. Die gegenwärtige Physik spricht eindeutig für den Anfang des Universums. Anscheinend werden aber empirische Befunde vollkommen ignoriert. Dereinzige Grund unabhängig von wissenschaftlichen Befunden Gottes Existenz für nicht plausibel zu halten, ist dann wohl logische Inkonsistenz, oder?

  23. Roderich meint:

    @Muriel,
    es gibt ja bestimmte Gründe, die FÜR die Vorstellung einer Schöpfung durch Gott sprechen, bzw. sie plausibel machen, z.B.:
    – Schönheit in der Natur
    – Hochentwickelte Lebewesen (wo sollen die „einfach so“ herkommen?)
    – Intelligenz in der DNA, das weist auf einen intelligenten Schöpfer hin
    – „Maschinen“ in den Zellen, in Analogie zu echten Maschinen. Die echten Maschinen sind durch menschliche Ingenieure (also mit Intelligenz) konstruiert worden; es macht also durchaus Sinn zu schlußfolgern: bei den biologischen Maschinen gab es wohl auch einen intelligenten Ingenieur (Analogieschluß)
    – Komplexität in den Zellen, die irreduzibel ist (siehe das sehr gute Buch „Darwins Black Box“ von Michael Behe im Resch-Verlag). Etwa ist das bakterielle Flagellum so komplex und besteht aus 40 oder mehr Proteinen, die alle auf einmal entstanden sein müssen, sonst hätte die Maschine nicht funktioniert. Etc. (Ein sehr gutes Buch, was ich Dir – unabhängig von dieser Diskussion – mal sehr empfehle).
    – Ordnung in der Natur (man kann die Lebewesen in bestimmte Klassen einteilen, z.B. Pflanzen, Tiere, die in Reptilien, Säugetiere, diese Überklassen jeweils wieder jeweils unterteilen in Vögel, Hunde, Pferde, etc., die Pflanzen in Bäume, Blumen, etc. Es gibt also eine gewisse Ordnung im Universum
    – Das Finetuning des Universums. (Tausende von Variablen müssen genau übereinstimmen, damit überhaupt Leben möglich ist auf der Erde).
    – Die Existenz von gewissen moralischen Gesetzen, von Gut und Böse.
    – Die Existenz von Kommunizierbarkeit, von Vernunft, von Rationalität.

    Somit gibt es also zumindest eine GEWISSE Plausibilität für die Schöpfungstheorie.

    Ein Evolutionist kann nun gewisse Gegengründe anführen. Die Argumente dagegen oder dafür kann man sich durchlesen, und dann eine „Entscheidung“ treffen, was plausibler ist.

    Alle Gegengründe gegen die Schöpfungstheorie nutzen aber nur wenig, wenn es gar keine Alternative geben KANN.

    Man kann zwar die Schöpfungstheorie ablehnen, wenn man sie für unplausibel hält, aber man muß wenigstens begründen, warum es plausibel ist, anzunehmen, dass es eine alternative Sicht geben KANN, wenn es denn nicht die Evolutionstheorie ist – auch wenn man die konkrete Antwort nicht weiß.

    Oder man sagt: man „glaubt“, dass die Wissenschaftler noch eine Erklärung finden werden, bzw. man „glaubt“, dass es eine Alternative gibt, ohne jedoch IRGENDetwas zu wissen. Das wäre dann ein „un-warranted atheistic belief“ (in Anlehnung an das sehr gute philosophische Buch von Alvin Plantinga: Warranted Christian Belief). Man hätte dann NULL Gründe für seinen atheistischen Glauben.

    Wenn die Menschen nicht von Gott geschaffen wurden, und nicht durch Evolution entstanden sind, sind sie schon immer dagewesen. Aber das scheint sich nicht aus dem Fossilbestand zu ergeben. „Schon immer dagewesen“ ist auch keine sehr plausible Erklärung. Warum sollten Menschen einfach irgendwo im luftleeren Raum „einfach da sein“ ? Auf einem Planeten, der „einfach da ist“? (Und kann man auf der Basis leben? Denn welchen Sinn des Lebens gäbe es dann? Wie kann man die „Menschenwürde“ sinnvoll begründen, wenn der Mensch „einfach da ist“? Dann ist halt der Mörder auch „einfach da“. Der Tod, die Krankheit ist dann auch „einfach da“. Warum sind dann manche Dinge, die „einfach da sind“, gut, und andere Dinge, die „einfach da sind“, schlecht? Das hat gravierende Konsequenzen für das Rechtssystem, wenn man Deine Sicht zu Ende denkt.).

    Also, wenn man über eine mögliche Alternative GAR nichts weiss, dann ist aber doch die Schöpfungstheorie plausibler, denn dazu gibt es ja – wie oben genannt – manche Gründe, die FÜR deren Plausibilität sprechen.
    (Die Gründe, die für die Evolutionstheorie sprechen, sind ja aus Deiner Sicht irrelevant).

    Das heißt, jedes „Nichtwissen“ bezieht sich doch auf irgendetwas. (Deine Sicht ist nur möglich, wenn man sich bezüglich der möglichen Alternativen einen kompletten Denkstopp auferlegt. Aber warum sollte man nur die Schöpfungslehre durchdenken, und dann nicht auch die Alternativen? Das ist alles erlaubt, aber nicht unbedingt rationaler).

  24. @David: Wieso wird die Idee eines Gottes plausibler, wenn man weiß, dass das Universum entstanden ist und nicht schon immer da war? Verstehe ich nicht.
    @Roderich: Liebe Güte, das ist viel Text. Kurz gesagt, sprechen diese Gründe, die du aufzählst, aus meiner Sicht nicht für die Existenz eines Gottes.
    Mir fiele auch viel Ausführlicheres zu deinem Post ein, aber ich weiß nicht, ob wir die Kommentarspalte dieses Blogs damit eventuell überstrapazieren, zumal wir ja auch einigermaßen vom Ursprungsthema weg sind.
    Vielleicht wäre es eine bessere Lösung, wenn ich in meinem Blog eine Antwort schreibe. Ich werde mal überlegen, ob mir dafür genug Interessantes einfällt.

  25. @Muriel
    Da man dann entweder den Naturalismus, oder den Satz von zureichenden Grunde opfern muss. Dann hat das Universum eine Erklärung, die immateriell ist, weswegen die Existenz Gottes eher plausibel wird. Man kann zwar andere quasi-materialistische Erklärungen bemühen, aber dann wäre das arg kontraintuitiv und ein „Lückenbüßeratheismus“. Selbst wenn man das anders beurteilt, hat man zumindest eine Pattsituation und man sollte eingestehen, dass Gottes Existenz begründet werden kann.

  26. @David: Ich habe das Gefühl, dass wir in manchen Fällen dieselben Worte für unterschiedliche Dinge benutzen. Anders kann ich mir kaum erklären, wie wir so gründlich aneinander vorbei reden können.
    Wo ist das Problem mit dem Standpunkt: „Ich habe keine Ahnung, wie und ob das Universum entstanden ist.“?
    Wieso muss das Universum zwangsläufig aus einem immateriellen Grund entstanden sein, falls es entstanden ist?
    Und wieso würde dadurch die Existenz eines bestimmten Gottes plausibler?
    Was ist Lückenbüßeratheismus?
    Und wie kann deiner Meinung nach die Existenz deines Gottes begründet werden?
    Ich habe diese Fragen jetzt gestellt, um dir zu zeigen, an wie vielen Stellen deine Argumentation für mich (noch) keinen Sinn ergibt, aber jetzt gerade weiß ich nicht, ob es wirklich unsere Zeit wert ist, dass du versuchst, zu antworten. Ich glaube, wir reden einfach in verschiedenen Sprachen und sollten vielleicht anerkennen, dass der Aufwand für eine sinnvolle Kommunikation nicht verhältnismäßig wäre…

  27. Wenn Materie auf das Universum beschränkt ist, das Universum einen Anfang hat, und damit erklärungsbedürftig weil nicht es nicht notwendig ist, bleibt nur noch eine immaterielle Erklärung übrig, die ihrerseits notwendig sein muss.

  28. @Roderich: Da du in deiner Argumentation den Intelligent-Design-Ansatz ansprichst, möchte ich an dieser Stelle noch ein tolles Buch erwähnen:

    Markus Rammerstorfer: Lebewesen und Design. Eine Einführung (2010)

    Jedem, der sich für diese Thematik interessiert, ist dieses Buch wirklich sehr zu empfehlen.

  29. @David: Wenn und wenn und wenn. Und du unterstellst auch, dass die Entstehung des Universums überhaupt eine Ursache hatte. Das ist zum Beispiel deshalb eine sehr zweifelhafte Annahme, weil sie unterstellt, dass es bereits Zeit gab, bevor das Universum entstand.
    Aber wie ich schon sagte, ich denke, wir sollten wahrscheinlich jetzt zum Ende kommen.
    Ich danke dir für den Versuch eines Dialogs.

  30. @Muriel
    Zu dem Gebrauch des Wörtchens „wenn“. So redet man, wenn man logischer Überlegungen macht.
    Wenn meine Annahmen stimmen, dann stimmt dann auch die Konklusion. Und ich denke, dass die Annahmen wahrscheinlicher sind, als ihre Negation. Damit sollte die Begründbarkeit meiner Position ausgedrückt werden.
    Zudem setzt Kausalität nicht wirklich Zeit voraus, aber das ist nicht der einzige Grund, wieso das kein Problem ist. Ein wirkliches Problem ist aber zu behauptet, dass nichts (keine Prädikate, keine Entität, kein Etwas, nicht einmal denkbar) etwas bewirken kann.

  31. Roderich meint:

    Hallo Muriel,
    zwei sehr gut gemachte und interessante Filme, die es Dir etwas plausibler machen könnten, dass Gott bzw ein Intelligenter Designer existiert, sind „Dem Geheimnis des Lebens nahe“ und „Der privilegierte Planet“, beide von Illustra Media.

  32. @alle: Muriel hat nun auf seinem Blog „deutlich“ Stellung bezogen. Das nur zur Info:

    http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/2012/01/24/was-ich-nicht-verstehe-1/

    Liebe Grüße, Ron

  33. Gute Hinweise! Ich werde mich damit in Zukunft mehr auseinandersetzen! Freue mich auf die naechsten Beitraege!

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