„Der Islam und die Gewalt“

EBK9783765573842Was hat der Koran mit Gewalt zu tun? Warum ist Kritik im Islam so schwierig? Wie ist die heutige islamistische Szene entstanden?

Pfarrer Eberhard Troeger ist einer der führenden christlichen Islamexperten Deutschlands. Vor wenigen Tagen ist sein neues Buch Der Islam und die Gewalt erschienen, das sich genau mit diesen Fragen auseinandersetzt. Ich habe kurz mit ihm gesprochen:

„Der Islam und die Gewalt“

Ein Gespräch mit Eberhard Troeger

TheoBlog: Einerseits erhebt der Islam den Anspruch, eine Religion des Friedens zu sein, andererseits finden wir nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Gegenwart, unzählige Beispiele dafür, dass die Religion ihre Interessen mit Gewalt durchsetzt. Wie passt das zusammen?

E. Troeger: Es passt aus muslimischer Sicht zusammen, da die muslimische Gemeinschaft (Umma) sich von ihrem Grundansatz her als Staat versteht, der zu seiner Verteidigung und zur Durchsetzung seiner Ziele Gewalt anwenden muss. Das (theoretische) Ziel ist eine „Friedensordnung“ unter der Herrschaft der Gebote Allahs. Da die Umma sich im Laufe der Geschichte in zahlreiche mehr oder weniger „angepasste“ Staaten gespalten hat, nahmen immer wieder radikale Bewegungen und Gruppen das Recht auf Gewalt im Namen Allahs in eigene Regie.

TheoBlog: Politiker fordern einen aufgeklärten Islam oder einen Euroislam, der sich kritisch mit seinen Quellen auseinandersetzt und politische Ambitionen einschränkt. Ist so ein Unternehmen machbar?

E. Troeger: Nur sehr begrenzt, da sich nur ein Teil der Muslime dem westlichen Denken öffnen wird. Es ist nicht zu vergessen, dass die muslimische Umma sich bereits im Hochmittelalter mit einer denkerischen Aufklärung auseinanderzusetzen hatte und damals die Orthodoxie siegreich war. Die Mehrheit der Muslime wird sich vom Westen nicht vorschreiben lassen, auf wesentliche Aussagen ihrer Basistexte (Koran und Hadith) zu verzichten und politische Machtansprüche aufzugeben.

TheoBlog: Wie leistungsfähig ist die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus?

E. Troeger: Die Unterscheidung ist notwendig, da es immer beides gegeben hat: einen angepassten, vielfältig gelebten pragmatischen Islam und einen denkerischen, ideologischen „Islamismus“, in dessen Zentrum die Idee der Einheit steht, der Einheit von Glaube und Macht unter dem einen Allah und dem einen Führer (Imam, Kalif). Die muslimische Geschichte begann mit dieser Idee, aber nach dem Tod Muhammads setzte sich die wenig ideale Wirklichkeit durch. In der Neuzeit hat die Herausforderung der Umma durch das aufgeklärte westliche Denken dazu geführt, den ideologischen Islam neu zu formulieren. Für Islamisten ist dieser Islam der „wahre Islam“. Es ist notwendig, Theorie und Wirklichkeit zu unterscheiden.

TheoBlog:  Muslimische Flüchtlinge kommen auch nach Europa und entwickeln eine hybride Identität. Sie sind in einer für sie fremden Welt gelandet und entfremden sich zugleich mehr und mehr von ihrer Herkunftskultur. Sie selbst haben lange im Mittleren Osten gelebt und kennen diese Erfahrung andersherum. Was ist unbedingt zu beachten, damit eine langfristige Integration von asylberechtigten Migranten gelingt.

E. Troeger: Zunächst einmal ist eine Klärung der Begriffe nötig. Worin besteht Integration, worin Assimilation? Was ist Kultur und kulturelle Identität? Ferner ist Nüchternheit nötig. Die demographische Katastrophe Europas und der gleichzeitige Ansturm von Zuwanderern aus aller Welt schaffen eine in Subkulturen segmentierte Gesellschaft, die kaum noch gemeinsame Werte und Identitäten hat und deshalb immer schwerer zu regieren ist. Zu bedenken ist ferner, dass die muslimische Ideologie sich gegen Integration sperrt. Der Islam will von seinem Ansatz her herrschen, sich aber nicht integrieren (Integration heißt ja Ein- und Unterordnung!). Die Konflikte sind vorprogrammiert. Es ist deshalb höchste Zeit, dass die europäischen Länder die Zuwanderung nicht mehr dem Zufall überlassen, sondern Zuwanderungsstrategien entwickeln. Vielleicht ist es schon zu spät. Denn Integration großer Zahlen von Zuwanderern ist nicht eine Aufgabe von Jahren, sondern von Jahrzehnten.

TheoBlog: Vielen Dank für das Gespräch!

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Kommentare

  1. Schandor meint:

    Spannend. Wir kommentieren hier besser nicht.
    Jeder hat Angst, dass ihm der Schädel eingeschlagen wird.
    Entweder von links oder von rechts.
    Oder halt von unten.
    Tot ist man allemal, wenigstens mundtot.
    Achso, das sind wir ja schon.

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