Der Junge, der seine Abtreibung überlebte

Die Mutter war im sechsten Monat, als sie sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschied. Doch Tim wollte leben. Nun wird er 18. Wie ein Schwerstbehinderter seine Pflegefamilie lehrt, was Glück ist. Ich gratuliere der WELT, dass sie über Tim sowie Simone und Bernhard Guido berichten. Bitte mehr davon!

Damit hatte keiner gerechnet. Plötzlich stand er in der Küche. Tim. Der Junge, der lacht und traurig guckt und ärgerlich und verschmitzt. Der seiner Familie zeigen kann, wie er sich fühlt und was er braucht und will. Tim, der in seiner eigenen Welt lebt, sich vor allem mit Gesten und Lauten verständlich macht und kaum mit Worten. Und wenn, dann nur mit einem oder zwei. Tim stand also plötzlich da und sagte: „Hier bin ich!“

Wenn Simone Guido davon erzählt, dann wird ihre Stimme ganz hell. Dann schwingt in ihr diese Begeisterung mit, die man bei anderen Müttern hört, die berichten, dass die Tochter das Abitur bestanden oder der Sohn einen Preis bei „Jugend musiziert“ gewonnen hat. Wenn Simone Guido von Tims überraschendem Auftritt in der Küche in ihrem Haus im niedersächsischen Quakenbrück erzählt, dann hört man, wie nah sie ihm ist, wie stolz, wie selbstverständlich sie ihn liebt.

Tim ist vermutlich das berühmteste Pflegekind Deutschlands. Er ist als „Oldenburger Baby“ in die Geschichte eingegangen und hat eine heftige Diskussion über technische Möglichkeiten und ethische Grenzen, über Behinderungen und das Recht auf Leben entfacht. Er ist kein kleiner Junge mehr. Am 6. Juli feiert er seinen 18. Geburtstag. Der Sommertag im Jahr 1997, an dem er zur Welt gekommen ist, sollte eigentlich sein Todestag sein.

Mehr: www.welt.de.

Kommentare

  1. Christian meint:

    Vielen Dank für den Hinweis auf den Artikel. Sehr schön und zugleich sehr erschreckend.

    Ich bin froh und positiv überrascht im Jahr 2015 in einer deutschlandweit erscheinenden Tageszeitung Abschnitte zu lesen in denen Abtreibung nicht glorifiziert und verharmlost wird. Sätze wie:

    „Es gibt so viele Alternativen. Eine anonyme Geburt, die Abgabe in eine Pflegefamilie, die Freigabe zur Adoption.“ Es sei ein Trugschluss, zu glauben, mit dem Abbruch sei das Problem gelöst. „Viele Frauen leiden ein Leben lang unter dieser Entscheidung.“

    Auch Tims leibliche Mutter kam über die Ereignisse im Oldenburger Krankenhaus nicht hinweg. Sie verklagte den Arzt, der musste 13.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Tim hat seine Mutter nie kennengelernt. Der Vater kam regelmäßig zu den Guidos zu Besuch. Seit dem Tod seiner Frau vor einigen Jahren hat er den Kontakt abgebrochen.

  2. Simon meint:

    Wunderschön auch dieser neue Artikel auf Spiegel-Online. Ich bin erfreut und überrascht, dort einmal so etwas lesen zu können:
    http://goo.gl/TiRyyP

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