Der kulturelle Placebo-Effekt von „bio“

Auch die neuesten ernüchternden Fakten zu Bio-Lebensmitteln werden den Glauben an die heilsbringende Wirkung von „bio“ nicht erschüttern. Wir unterliegen längst kulturellen Placebo-Effekten, meint Richard Herzinger. Auch wenn ich die Natur deutlich förderlicher bewerte als er, stimme ich zu, wenn Herzinger von der Quasireligion Gesundheit spricht. Gesundheit ist sicher wichtig, macht aber nicht „heil“.

Den Glauben der Deutschen an die heilsbringende Wirkung der Biokost werden aber wohl auch diese ernüchternden Fakten kaum erschüttern können. Denn „bio“ ist längst zu einem Zauberwort geworden, das für einen neuen, quasireligiösen Kult steht: den um die Gesundheit. Diese nicht nur zu erhalten, sondern immer weiter zu steigern ist die Maxime. So entsteht die ebenso überfrachtete wie fälschliche Vorstellung, Nahrungsmittel hätten uns nicht nur satt und leistungsfähig zu machen, sondern könnten auch unsere Gesundheit optimieren. Und uns so dazu verhelfen, unser Leben zu verlängern.

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Kommentare

  1. Mich verwundert diese aktuelle Diskussion, da sie eine verzerrte Definition an das eigentliche Kernanliegen von bio anlegt. Der Sinn von „bio“ war es doch nicht gewesen, dass es „dem Mensch“ besser geht, sondern das die Natur natürlich bleiben kann. Ein Tier ist eben ein Lebewesen und sollte nicht nur Ergebnis industrieller Produktionsmaschinismen sein.

    Das ein Teil der Gesellschaft Bio zur Quasireligion statuiert, ändert doch nichts an der Tatsache, dass Tiere und Pflanzen der Schöpfung, als SCHÖPFUNG zu behandeln sind und nicht als gewinnmaximiertes Rohmaterial.

    Dabei geht es nicht um BIO als Luxus- und Wohlfühlmarke, sondern um eine Einschränkung des reinen konsumorientierten Handelns. BIO ist dabei nur ein Etikett das dabei helfen kann. Sehr wohl sollte einem dabei bewusst sein, dass wahrscheinlich jede „Dorfoma“, die noch einen kleinen Garten zur Selbstversorgung pflegt und nur kauft, was man BENÖTIGT und nicht was man WILL, um ein Vielfaches mehr BIO lebt, als ein konsumorientierter BIO-Verbraucher. Trotzdem sollten solche Studien nun nicht als Ausrede gelten werden, sich weiterhin egoistisch zu ernähren. Das wäre zynisch.

  2. @ Lieber Ron
    Zählt im Leben denn nur, was heil macht? Wenn bio für gewisse Kritiker quasireligiöse Züge aufweise, dann vielleicht deshalb, weil es etwas mit dem Gewissen zu tun, und Religion eben auch mit dem Gewissen zu tun hat.
    Das heißt aber nicht, dass bio unbedingt mit dem christlichen Glauben rivalisieren muss, man könnte es auch verstehen als Teil es christlichen Gewissens.
    Ich denke häufig, wenn ich Supermarkt stehe, Gott hat zwar Noah das Töten und Essen von Tieren erlaubt, aber er hat der Menschheit damit keine Legitimation gegeben für eine industriell-entwürdigende Fleischproduktion.
    Tiere wurden immerhin am gleichen Tag erschaffen wie der Mensch, und sie werden als nefesch bezeichnet, was u.a. mit ‚Seele‘ übersetzt wird.
    ‚Seele‘ hat ja im AT – entgegen unseres heutigen Alltagsgebrauches – nichts Unsterbliches.
    Man kann also sagen, dass Tiere eine Seele haben, wenn man darunter nicht eine unsterbliche Seele versteht. Ich persönlich verstehe das so, dass sie zwar ein inneres Erleben haben, inkl. Gefühlen, ähnlich den Unseren – jedenfalls bei den höheren Säugetieren – , jedoch keinen Geist, der ihnen bewusst macht, was sie erleben, fühlen etc.
    Nur wir Menschen sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und haben eine Geist: Denn wer von den Menschen weiß, was im Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? 1Kor 2,11

    Gerade Francis Schaeffer hat sich – in Pollution and the Death of Man – dem Thema ‚Gefallene Schöpfung und Umweltzerstörung‘ zu einer Zeit angenommen, als die meisten Evangelikalen nicht einmal wussten, dass es ein Umweltproblem gibt oder, falls sie darum wussten, es aus theologischen oder politischen Gründen als irrelevant abtaten.

    Die Tatsache, dass heute alle Landeskirchen, die sonst das Evangelium humanozentrisch umdeuten, die Bewahrung der Schöpfung ebenfalls hochhalten, heißt noch nicht, dass dies falsch ist.

  3. @Lukas: Da bin ich doch grundsätzlich mit Dir (und teilweise auch mit Markus). Der Artikel will das religiös aufgeladene „Heilsversprechen“ hinterfragen, nicht den verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung/Natur. Etwas verkürzt könnte man sagen: dort, wo die Schöpfung mit dem Schöpfer vertauscht wird, ist das Problem. Wer den Schöpfer liebt, sollte natürlich auch seine Schöpfung wertschätzen.

    Die Frage mit mit Geist und Seele ist wieder ein andere. Und sie ist komplizierter, als manche meinen. 😉

    Liebe Grüße, Ron

  4. Ja, ich weiß schon, dass Du das grundsätzlich teilst. Mir kam jetzt in den Sinn, dass bio auch eine Art Ablasshandel unserer Zeit ist, eine lukrative Bewirtschaftung unseres schlechtes Gewissens.
    Es ist das schlechte Gewissen, dass wir der Schöpfung gegenüber haben – vorallem wir Kinder der 80er-Jahre, die wir von Kindheit auf mit diesem Thema konfrontiert wurden, oft zudem in seiner fatalistischen Variante. Wenn wir nur auf Gottesfurcht in dem Maße getrimmt worden wären!
    Trotz allem ist das schlechte Gewissen begründet:
    Es gibt auf der ganzen Welt zum Beispiel noch 22000 Löwen, und ihre Zahl sinkt rapide.
    In wenigen Jahrzehnten wird es – wenn der HERR bis dahin nicht zurückkommt – Löwen nur noch im Zoo geben. Kann man sich das vorstellen?
    Mit jeder Tierart, die ausstirbt, stirbt etwas vom Reichtum Gottes in dieser Welt. Was für eine Profanisierung der Schöpfung! Auch diese schreit nach dem Gericht Gottes.

    Aber wie Du richtig sagst, liegt der Schlüssel zum richtigen Verständnis des schlechten Gewissens eben nicht in unserer Beziehung zur Schöpfung, sondern in unserer Beziehung zum Schöpfer.

    Ihm gegenüber sollten wir ein schlechtes Gewissen haben. Zwar schenkt uns Gott in der Errettung durch Glauben ein reines Gewissen – das Heil – , aber man bleibt trotzdem noch ein Vertreter der Menschheit – so wie Moses sich zu dem Volk gezählt hat, das Gott vernichten wollte – und für einen solchen ist es anzeigt, ein schlechtes Gewissen zu haben.

  5. @Lukas: Keine Frage!

    Liebe Grüße, Ron

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