Der Mensch ist noch nicht fertig

Wird die Evolution weitergehen? Lange glaubten wir, wir Menschen seien so optimal gelungen, dass es an uns nichts mehr zu verbessern gebe. Ein Irrtum. Was von den Transhumanisten und ihren Sympathisanten als hoffnungsvoller Ausblick in dem Raum gestellt wird, ist allerdings in Wirklichkeit eine finstere Selbsterlösungsphantasie. Niels Boeing schreibt:

Der Transhumanismus mag als fixe Idee in die Geschichte eingehen, der Gedanke einer gerichteten Evolution hat es jedoch längst in den Mainstream der biotechnischen Zukunftsvision geschafft. „Der Mensch ist die erste Art, die direkt in ihr eigenes Genom eingreifen kann“, sagt Max-Planck-Forscher Jean-Jacques Hublin. „Ich bin überzeugt davon, dass der Mensch der Zukunft die Evolution seines Genoms beeinflussen wird.“ Was als Begutachtung des Genmaterials in der Präimplantationsdiagnostik begann, könnte über die Veränderung des Embryonen-Genoms mittels Keimbahntherapie eines Tages Alltag werden. Für den Bioethiker Giovanni Maio von der Universität Freiburg wäre das ein bedenklicher Bruch mit dem Geist der Aufklärung, dank der die Unverfügbarkeit des Menschen zu einem Grundrecht wurde. „Die Manipulation eines Genoms bedeutet, dass ein Mensch den anderen steuert und diesem seine Definition von einem guten Leben aufzwingt“, sagt Maio. „In der Evolution hingegen interveniert keine ideologisch aufgeladene Vorstellung vom guten Leben.“

Hier der Artikel: www.zeit.de.

Siehe auch meine inzwischen in die Jahre gekommene Kritik des Transhumanismus: entwertung.pdf.

Kommentare

  1. Roderich meint:

    ein bedenklicher Bruch mit dem Geist der Aufklärung, dank der die Unverfügbarkeit des Menschen zu einem Grundrecht wurde

    Hmmm. Die unverletzliche Menschenwürde kann man eigentlich nur christliche begründen. Insofern „parasitiert“ die „Aufklärung“ ja vom Christentum (bzw. statt „Aufklärung“ besser „Verdunkelung“ – denn der Hauptaufklärungsphilosoph Kant hat nicht unbedingt mehr „Rationalität“ gebracht, siehe Francis Schaeffers Analyse).
    Fällt das Christentum als kulturelle Kraft weg, fehlt der „Aufklärung“ auch der Impetus, um die Menschenwürde weiter vertreten (geschweige denn durchsetzen) zu können. Das hat Günter Rohrmoser immer wieder betont.

    Die Aufklärung (deren Kern ja die Ablehnung der Ursünde war) ist ja schon seit Schopenhauer schwer angegriffen worden, der mit seinem Pessimismus ja an Luthers Sicht festgehalten hat, dass der Mensch gefallen war. „Optimismus ist eine Ruchlosigkeit“, so Schopenhauer. Leider hat Schopi aber auf den optimistischen Teil in Luthers Denken verzichtet: das Evangelium. (Interessanterweise waren ja auch Horkheimer und Adorno stark von Schopi beeinflusst, und daher waren sie ja auch z.T. gegen die Aufklärung eingestellt).
    Der „Geist der Aufklärung“ herrscht ja schon lange nicht mehr vor, sondern eher der aufklärungskritische Geist der Postmoderne.
    Das, was an der Aufklärung gut ist, (wenn überhaupt, dann eine positive Einstellung zur Vernunft – zumindest behauptet sie es) ist damit sowieso schon bedroht. Nicht erst jetzt.
    Um das Positive der Aufklärung zu retten (wenn es denn etwas Positives daran gibt), braucht es dringend eine Erneuerung des Christentums.

  2. @Roderich: Amen.

    Liebe Grüße, Ron

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