Der neue Mensch

In einem neuen Handbuch für Studierende der Politikwissenschaft und der Philosophie (Politische Theorie und Politische Philosophie, C.H. Beck Verlag, 2011) ist der aufschlussreiche Satz zu finden:

Während die Bereiche von Politik und Ökonomie einen Prozess der Entfamiliarisierung und Entpersonalisierung, der Anonymisierung und Artifizialisierung durchlaufen, erfährt die Institution der Familie infolge des Verlusts ihrer politischen und wirtschaftlichen Funktionen zugleich mit ihrer gesellschaftlichen Marginalisierung einen Prozess der Privatisierung im Sinne von Intimisierung, Sentimentalisierung und Naturalisierung.

Mehr dazu in einer »unkorrekten« Kolumne von Alexander Kissler: www.theeuropean.de.

VD: EP

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Hier verbirgt jemand hinter großspurigen Verhauptwortungen (-ung -ung- ung; man fühlt sich an einen syntaktischen Froschteich erinnert, wenn die Bemerkung gestattet ist), für was er die Familie hält: für ein sentimentales (!), marginales (!) und vor allem obsoletes Konstrukt, das eigentlich auf den Mist der Zeit gehört.
    So etwas gehört eigentlich nicht widerlegt, sondern getadelt,
    meint
    Schandor

  2. „syntaktischen Froschteich“ das ist die richtige Bezeichnung

  3. Roderich meint:

    9 Worte, die auf -ierung enden. Ich bin beeindruckt.

    (Wobei der Satz ja eigentlich zu sagen scheint: Also: Politik Oekonomie werden weniger menschlich. Familie hat immer weniger Substanz / weniger (positiven) Einfluss. Allerdings scheint das Buch das alles nicht negativ zu werten, wenn ich Kissler recht verstehe).

    Der ganze Kommentar ist hervorragend. (Wer keine Zeit hat fuer den ganzen Kommentar: die folgenden Zeilen von Kissler ueber das genannte Buch sind besonders empfehlenswert).

    Der Eintrag „Identitätspolitik“ gewinnt die Krone der Anmaßung. Eine Geschlechterforscherin benennt als drängende gesellschaftliche „Aufgaben“ – wohlgemerkt: nicht als Probleme oder Herausforderungen, sondern als Aufgaben im Sinne einer To-do-Liste: „Recht auf Adoption für Lesben und Schwule, Gewährung des Rechts auf freien Zugang zu Reproduktionsmedizin ebenso wie zu medizinischen Technologien der Geschlechtsangleichung“.

    Das alles kann und darf man fordern, wenn man Partei ist im Kulturkampf um den neuen, den nach-abendländischen Menschen. Diese Agenda aber zu bemänteln als Sachinformation, sie hineinzuschmuggeln in ein angeblich „umfassendes Handbuch“ und „zuverlässiges Nachschlagewerk auf dem neuesten Stand der Forschung“, ist mehr als Chuzpe, ist jene Art von Dreistigkeit, die nur im Vollgefühl der Mehrheitsmeinung sich so triumphal spreizt. Der prinzipienarme Raum der guten Meinung wird ausgeschritten, weil diese Meinung sich bereits siegreich wähnt und ihren Wandel zur Ideologie schon hinter sich hat.

    Oh weh, das Buch als „Sachbuch“ sagt allerdings etwas aus ueber den alarmierenden Zustand des geistigen Klimas in BRD. Wenn diese unsinigen Meinungen schon soooo etablierte Mehrheitsmeinung sind – dann ist es gar keine Frage, dass es nicht mehr lange dauert, bis die MINDERHEITS-Meinung (also z.B. die christliche) gesellschaftlich geaechtet wird und diskriminiert wird – und leider auch mit Verfolgung zu rechnen ist.

    Und wir Christen sind keineswegs vorbereitet dafuer, mit unserem Wohlstandsevangelium.

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