Desolate Schulpolitik

Jutta Dreßler war vier Jahrzehnte lang Lehrerin im Gymnasium, erst im Osten, dann im Westen von Berlin. Jetzt ist sie im Ruhestand und zieht eine ernüchternde Bilanz über das Schulsystem von heute. Äußerst lesenswert!

Zwei Beispiele:

Das Niveau sinkt. Wenn man allen die gleichen Chancen einräumen will, muss das Level sinken. Das merken die Eltern. Jugendliche, die heute mit 2,0 von der Schule gehen, sind nicht so gut wie Schüler, die vor zehn Jahren eine 2,5 hatten. Die Bewertung im Abitur hat sich geändert. 15 Punkte gab es einmal für 100 Prozent. Heute gibt es die 15 Punkte bei 95 Prozent. Das setzt sich in den anderen Stufen auch fort. Die Politik findet immer Schrauben, an denen man drehen kann. Was leidet, ist das Wissen, die Allgemeinbildung.

Ich habe immer wieder festgestellt, dass Schüler eine Bewertung für sich brauchen. Nur verbal zu sagen „Haste fein gemacht“, reicht nicht. Ich erkenne die Entwicklung bei der jüngeren Generation, die immer gesagt bekommt, dass sie alles toll macht. Die Kinder kommen in die siebte Klasse, sind nur gestreichelt worden und in Watte gepackt. Das wird echt schwierig. Sie haben nicht gelernt, sich mit negativen Ergebnissen auseinanderzusetzen. Man muss einem Kind auch mal deutlich sagen: So wirst du keinen Erfolg haben. Wenn doch, kommen sofort die Eltern vorbei.

Hier: www.welt.de.

VD: ET

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