„Deutschland ist ein hervorragendes Urlaubsland“

Mein Freund Martin Schweiger hat vor einigen Jahren seinen Hauptwohnsitz nach Singapur verlegt, um von dort aus seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt nachzugehen. Als er vor wenigen Wochen damit begonnen hat, sein empfehlenswertes Blog www.kind-in-gottes-reich.com auszubauen, habe ich ihm gleich ein paar Fragen gestellt.

Hier das Ergebnis:

„Deutschland ist ein hervorragendes Urlaubsland“

Ein Gespräch mit Martin Schweiger

Was verschlägt einen Bayern nach Singapur?

LinkedIn etc 2011Martin: Wir brauchten ein weiteres Standbein für die Anwaltskanzlei außerhalb des Euro-Raums. Es war im Zusammenhang mit den Maastricht-Verträgen nämlich schon im Jahr 1999 absehbar, daß das mit dem geplanten Euro nicht lange gutgehen wird. In 1999 stand es sogar offen in der Zeitung, daß die PIGS-Staaten betrogen haben, um die Beitrittskriterien zum Euro zu erfüllen. So etwas muß sich rächen. Was mich heute überrascht ist, daß wir mittlerweile schon im dreizehnten Jahr der Euro-Schlingerfahrt sind. Was meine Vision von damals Ansicht heute bestätigt ist, daß der Euro schon mehrfach fast am Baum landete.

Ab 1999 habe ich also mehrere dutzend Länder untersucht und bereist, um einen zusätzlichen Kanzleistandort zu finden. Dabei ging es ausschließlich nach der Einfachheit, dort ein Geschäft aufzumachen und zu führen. Am Schluß blieben vier grundsätzlich in Frage kommende Länder übrig, nämlich Luxemburg, die Schweiz und Singapur. Auf Platz 4 lag Hong Kong.

Ausgehend davon blieb nach dem Ausschlußverfahren Singapur übrig. Hong Kong fiel aus, weil damals – gleich nach der Übernahme durch China – unklar war, wie es dort weitergeht. Luxemburg fiel als Euro-Land aus und die Schweiz war schon damals mit Deutschen überfüllt, so daß es dort keine weißen Flecken auf der Landkarte mehr gab.

Im Nachhinein war die Wahl Singapur aus vielen Gründen recht weise und glücklich, nicht nur geschäftlich. Hier gibt es eine rege wiedergeborene christliche Gemeinschaft, etwa 20 Prozent der Bewohner Singapurs sind regelmäßige Kirchgänger, obwohl das hier anders als in Deutschland keinerlei Tradition hat. Die Mehrzahl davon dürfte auf täglicher Basis eine lebendige Beziehung mit Gott haben und in der staatlichen Verwaltung ist ein großer Teil der Beamten christlich. Ideale Randbedingungen praktisch. Meine Frau, meine beiden Kinder und ich sind in einer kleinen Family Church mit etwa 350 Mitgliedern gut aufgehoben. Ich sage deswegen „klein“, weil die größten fünf Gemeinden Singapurs jeweils mehr als 15,000 Mitglieder haben. Alles Freikirchen, wohlgemerkt.

Du hast ja schon in verschiedenen Ländern gelebt. Was schätzt Du rückblickend an Deutschland, was vermisst Du weniger?

Martin: Das Wort „rückblickend“ stimmt nicht so ganz, denn ich bin ja nach wie vor regelmäßig in unserer Kanzlei in Deutschland, führe von dort aus auch Rechtsstreits für Mandanten. Aber es stimmt natürlich schon, mein Lebensmittelpunkt ist hier in Asien.

Deutschland ist ein hervorragendes Urlaubsland, und zwar nicht nur in Bayern. Die eine Hälfte meiner Familie und viele meiner Freunde leben auch dort, und es geht nichts darüber, mal wieder tagelang ausgiebig nur breites Bayrisch zu sprechen, am liebsten in Niederbayern, obwohl ich selber Oberbayer bin. Wenn ich in Deutschland bin, dann esse ich auch nur deutsches Essen, einfach die lokale Speisekarte rauf und runter. Jede Region hat ihre eigene Spezialität. Ich bin z.B. ein ausgesprochener Fan von Grünkohl und Pinkel aus Bremen.

Was ich weniger vermisse ist der verkrampfte Umgang gerade mit wiedergeborenen Christen in Deutschland und daß Glaubensdinge im täglichen Leben in Deutschland keine Rolle spielen.

Beispiel: Es gibt viele Dinge, die der Zeitgeist in Deutschland als altmodisch empfindet, beispielsweise die Familie. Schon rein ökonomisch gesehen ist das Unsinn, nur sagt man das so nicht: wenn man Familien schwächt anstatt sie zu stärken, dann entfällt auch das soziale Netz, das die Familien schon naturgemäß darstellen. In der Folge müssen Steuern erhöht werden und staatlich bezahlte Sozialingenieure müssen sich um die Sozialfälle kümmern, wobei sie auch noch einen kleinen Verwaltungsanteil von 60% für sich behalten dürfen. Damit steht den Steuerzahlern auch für wohltätige Zwecke weniger Geld zur Verfügung, worauf die Steuern noch weiter erhöht und noch mehr staatliche Sozialingenieure angestellt werden müssen, um den Sozialstaat noch weiter auszubauen. Das Endergebnis kann man heute an dem durchweg menschenunwürdigen Hartz-IV-System sehen, das nur noch mit großzügiger Neuverschuldung des Staats aufrecht erhalten werden kann, weil die Steuereinnahmen dafür nicht ausreichen.

Würde man sich hinstellen und sagen können, daß die Familie unter dem Schutz Gottes steht und deswegen vom Staat zu schützen ist, und daß es jedermanns Pflicht ist, sich um seinen Nächsten zu kümmern, und wenn dieses Argument dann auch noch ernsthaft gehört werden würde, dann bräuchte man die obige komplizierte ökonomische Erklärung – die übrigens als politisch nicht korrekt gilt – gar nicht erst anstellen. Gerade das ist aber undenkbar in Deutschland: wer kann sich heute hinstellen und – ohne ausgelacht zu werden – unter Berufung auf die Bibel öffentlich Dinge ansprechen, die nicht in Ordnung sind?

Das ist auf vielen anderen Gebieten in Deutschland genauso, mit delikateren Beispielen fange ich gar nicht erst an. Gerade weil das in Singapur ganz anders ist, vermisse ich Deutschland jedenfalls insofern nicht sehr.

Internationales Recht ist sehr kompliziert. Wie schaffst Du es, in mehreren Rechtssystemen gleichzeitig heimisch zu sein?

Martin: (Lacht). Jura ist niemals kompliziert sondern höchstens vielfältig. Seit jeher sagt man über Juristen: „Er ist Jurist und auch im übrigen Leben ist er nicht besonders helle.“ Vor allem ist internationales Recht ein Sprachproblem und ein Problem des Umgangs mit anderen Kulturen, also in weitem Umfang Erfahrungssache. Im internationalen Geschäft arbeitet man tunlichst auch niemals alleine, sondern immer auch mit einem lokalen Experten zusammen. Es ist ein wenig wie beim Doppel im Tennis.

Nun habe ich mittlerweile 20 Jahre Erfahrung in zahlreichen Ländern, kenne viele internationale Kollegen persönlich und spreche einige Sprachen, damit kommt man schon recht weit.

Obwohl Du sehr viel unterwegs bist und es Dir an Aufgaben nicht mangelt, hast Du kürzlich ein christliches Blog eröffnet. Was reizt Dich daran?

Martin: Das Blog www.kind-in-gottes-reich.com ist nicht wirklich neu. Ich hatte es schon seit 8 Jahren unter einer anderen Adresse, nämlich als Unterseite zu meiner privaten Seite www.mofachopper.de.

Es entstand als Hilfsmittel zur Evangelisation. Ich bin auch Gideon und verteile Bibeln und Traktate, rede gerne über Jesus und das Reich Gottes. Deswegen werde ich oft in Gespräche über meinen Glauben verwickelt. Natürlich kann ich meinen Gesprächspartnern auch immer etwas über meinen Herrn Jesus Christus erzählen, und über die Bibel, über Gott den Vater und den Heiligen Geist. Das ist aber nicht alles.

Am Ende eines solchen Gesprächs gebe ich meinen Gesprächspartnern dann noch die Internetadresse meines Blogs mit, dann können Sie alles schwarz auf weiß nachlesen. Ich habe auch weiterführende Literatur dort und auch persönliche Zeugnisse. Diese sind nach einem persönlichen Gespräch natürlich noch authentischer als wenn sie einfach nur so im Internet gefunden werden. Manchmal entwickelt sich auch eine E-mail-Korrespondenz daraus.

Derzeit bin ich dabei, die Inhalte vom alten Blog nach und nach auf den neuen Blog zu übertragen. Dabei überarbeite ich die betreffenden Beiträge auch gleich und bringe sie auf den neuesten Stand. Beispielsweise die Bücherlisten, die erhalten alle nach Möglichkeit Links, bei denen man die betreffenden Bücher kostenlos herunterladen kann.

Übermäßig viel zusätzliche Arbeit ist das also nicht, weil ich schon auf vieles zurückgreifen kann. Außerdem ist die Zeit gut investiert, denn die Beschäftigung mit dem Wort Gottes ist auch im übrigen sehr förderlich für mich. Es ist ähnlich zum Handball- oder Fußballspielen. Man kann seine Wurf- bzw. Schußkraft auf einem Arm oder Bein nur dann verbessern, wenn man den anderen Arm oder das andere Bein auch trainiert. Oder in anderen Worten: wenn ich nicht wenigstens eine halbe Stunde täglich mit Gott verbringe, dann nimmt meine gesamte Leistungsfähigkeit rapide ab. Solche Zeiten gibt es natürlich, und nicht wenig, aber der Tank ist schnell wieder aufgefüllt, wenn ich das Defizit bemerke.

Seit meine Augen schlechter werden lese ich übrigens mehr Bibel auf meinem iPhone. Das ist zwar nicht so schön wie in einer Papierbibel aber es hat den Vorteil, daß ich Verse, die mich in einer besonderen Situation unmittelbar anspringen, gleich auf Twitter stellen kann. Hier ist meine Twitter-Adresse: twitter.com/MartinSch888 . Man sieht an den dort eingestellten Versen schon, daß mein Leben nicht wirklich ruhig ist.

Gibt es etwas, was Du gern aus der Ferne den Christen im deutschsprachigen Raum noch mitgeben möchtest?

Martin: Ich erwarte eine großflächige Bekehrung aus der dann eintretenden Not heraus, wenn sich herausstellt, daß das bestehende Umverteilungssystem in Europa wegen äußerer Umstände zerbricht, insbesondere weil das Finanzsystem nicht mehr funktioniert. Ich würde mir allerdings den umgekehrten Fall wünschen, nämlich daß eine großflächige Bekehrung in Form einer Erweckung stattfindet: das bestehende Umverteilungssystem inklusive Falschgeldsystem wird dann als unbiblisch abgeschafft werden.

Darauf können sich die wiedergeborenen Christen schon heute einstellen, jeder auf seine Weise. Alle notwendigen Informationen sind im Internet vorhanden und keiner kann sagen, er habe nichts gewußt.

Der Rest ergibt sich aus der Bibel: für die persönlichen Finanzen würde ich versuchen, alle Bankkredite zurückzuzahlen, dafür notfalls auch die Immobilie verkaufen, damit man nicht als Knecht der Banken dasteht. Ebenso alle Papierwerte verkaufen, die auf Staatsanleihen beruhen: Lebensversicherungen, Bausparverträge, etc. Den verbleibenden Überschuß legt man in physischen Edelmetallen, ggf. (vollständig abbezahlten) Immobilien sowie in seinem (auch noch so kleinen) Betrieb und seinen (auch noch so wenigen) Mitarbeitern an. Wer keine Immobilie bar bezahlen kann, der wohnt nach seinen Verhältnissen zur Miete.

Ich habe die letzten Jahre immer wieder dazu auf einem anderen Blog geschrieben www.martin-schweiger.com übrigens ein biblisches Blog, ohne dies ausdrücklich zu sagen. Es ist recht erfolgreich mit über 20.000 Zugriffen pro Monat, was mir zeigt, daß eine biblische Nachricht stets weite Kreise anspricht, auch wenn diese nicht fromm sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

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