Die am Kreuz geborene Liebe

Wir kennen sie, unsere lieben christlichen Autoren, die uns in ihren vielen Büchern erzählen, wie schön und wertvoll wir alle sind. Du bist ein so wunderbarer Mensch, dass Gott sich aufgemacht hat, dich zu suchen! Weißt du nicht, wie schön du bist?

Was für eine erbärmliche und kraftlose Botschaft! Wer die Güter, die Gott angenehm stimmen, in sich selbst sucht, hat nichts begriffen.

Wie wunderbar heilsam ist dagegen, was Martin Luther uns zu sagen hat (HD, XXIV):

[Gottes Liebe, wenn sie am Menschen lebendig wirksam ist, liebt] „Sündige, Böse, Törichte und Schwache, um sie zu Gerechten, Guten, Klugen und Starken zu machen und so strömt sie heraus und teilt Gutes aus. Denn die Sünder sind deshalb schön, weil sie geliebt werden, sie werden nicht deshalb geliebt, weil sie schön sind. Menschliche Liebe flieht daher die Sünder als Böse. So sagt Christus: ‚Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu suchen, sondern Sünder‘ (Matth. 9, 13). Das aber ist die am Kreuz geborene Liebe des Kreuzes, die sich nicht dorthin wendet, wo sie Gutes findet, um es für ihre eigenen Zwecke zu gebrauchen, sondern dorthin, wo sie den Bösen und Armen Gutes bringen kann.

Kommentare

  1. Ja und Amen. – Die Weichen werden sicher z.T. auch in der theologischen Ausbildung gestellt. Aber wo werden denn dort solche ollen Kamellen wie die Thesen Luthers zur Heidelberger Disputation durchgekaut??

  2. ernst meint:

    Das ist unmissverständlich!
    Erfreulich klar: in Zeiten, da überwiegend nach Gefühl gefragt wird.

  3. Ich verstehe, was gemeint ist, kann aber die Schärfe der Kritik nicht teilen. Ohne bestimmte Lehre rechtfertigen zu wollen: Mir fällt auf die Schnelle keine Verkündigung ein, in der die Annahme durch Gott auf eine uns (bereits zuvor) innewohnende Schönheit zurückzuführen sei, sondern im Gegenteil wird unsere Schönheit in der Regel als Ergebnis der Liebe Gottes dargestellt, die sich in Schöpfung und Erlösung zeigt. Gleichzeitig lese ich gerade in den Propheten, dass die Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen (die er bekanntlich „sehr gut“ erschaffen hat) bereits bestand, bevor sie sich von ihm abwendeten und in Sünde fielen. Und der Endzustand des erlösten Teils der Welt wird Wiederherstellung und Erreichung des uns von Gott her bestimmten Potentials sein, nicht erstmalige Annahme einer zuvor misslungenen bzw. disparaten Schöpfung.

    Ein anderer Aspekt: Warum scheinen gerade Jugendliche und junge Erwachsene diesen Zuspruch des bedingungslosen Angenommenseins so aufzusaugen wie ein trockener Schwamm, gerade in Zeiten überfließenden Wohlstands? Ist es nur die Bequemlichkeit sanfter und anspruchsloser Lehre, oder haben sie in ihren wenigen Lebensjahren unterdurchschnittlich viel echte Liebe und Annahme und überdurchschnittlich viel Schuld erlebt und spüren die Trennung von Gott mehr als vielleicht frühere Generationen von Christen? Warum fällt gerade der mittleren Altersschicht von Christen in unserem Land bisweilen unendlich schwer, die Annahme Gottes nicht nur theologisch-rational, sondern auch mit der Seele und dem ganzen Sein zu erfassen? Vielleicht ist nicht nur einseitige bis fehlerhafte Verkündigung die Ursache dieser Phänomene.

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