Die Armut sühneloser Theologie

Wer einmal lesen möchte, wie trostlos und – anders kann man es kaum sagen – dümmlich eine Theologie ohne Sühne werden kann, wird bei der Jesus.de-Reihe „Geheimnisse des Glaubens“ (Bundes-Verlag) fündig. In der Lektion „Gott ist ungerecht – und das ist gut so“ lernen wir:

Gott sitzt zwischen den Stühlen: Will er gerecht sein, könnten wir nicht leben. Deshalb geht Gott nicht den Weg der Gerechtigkeit, sondern den Weg des Friedens.

Der Friede siegt über die Gerechtigkeit. Alles wird gut. Moment mal? Zieht nicht Friede dort ein, wo Gerechtigkeit herrscht? Kann Gott einfach über unsere Sünde hinwegschauen?

Wer die Heilige Schrift liest und daran glaubt, dass das, was dort niedergeschrieben ist, verstanden werden kann, wird hier berechtigte Zweifel haben. Ist es nicht so, dass sich bei Gott Gerechtigkeit und Friede küssen (vgl. Ps 85,11)?

Ja, Gott ist gerecht und kann nicht ungerecht handeln. „Geht es bei Gott etwa ungerecht zu? Gewiss nicht!“, schreibt Paulus in Römer 9,14. Um den Rechtsanspruch des von ihm selbst geoffenbarten Gesetzes erfüllen zu können, hat Gott seinen eigenen Sohn im Fleisch als „Sühnopfer“ gesandt (vgl. Rom 8,3). Die Strafe, die uns Sünder hätte treffen müssen, hat Jesus Christus am Kreuz getragen. Nur weil er die Glaubenden mit seiner Gerechtigkeit  schmückt, können sie vor Gott bestehen (vgl. Mt 22,1–14). „Den, der von keiner Sünde wusste, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden“ (2Kor 5,21).

Wie bist du vor Gott gerecht, fragt der Heidelberger Katechismus (Frage 60)? Die Antwort:

Allein durch wahren Glauben an Jesus Christus also: daß, ob mich schon mein Gewissen anklagt, daß ich wider alle Gebote Gottes schwerlich gesündigt und derselben keines nie gehalten habe, auch noch immerdar zu allem Bösen geneigt bin, doch Gott, ohne all mein Verdienst aus lauter Gnaden, mir die vollkommene Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi schenkt und zurechnet, als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt und selbst all den Gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistet, wenn ich allein solche Wohltat mit gläubigem Herzen annehme.

Ja, Herr, Gott, Herrscher über das All, voller Wahrheit und Gerechtigkeit ist dein Urteil (vgl. Offb 16,7)!

Kommentare

  1. Ralf E meint:

    Da kann ich nur Amen sagen! Gott ungerecht? Welch absurde Idee.

  2. Roderich meint:

    Ich kann nicht verstehen, dass Herr Loh Jesus.de so großzügig finanziell unterstützt, auch wenn dort Gender Mainstreaming vertreten wird, und oft eine quasi antichristliche Theologie.

    Da sollte man Herrn Loh mal ansprechen.

  3. Solche Auswüchse sind in Philosophie und Theologie eigentlich schon an der Tagesordnung. Eine herrliche Parodie dazu gibt es auf Youtube von dem „Theater of the Word Inc.“ für die Sendung „Chesterton – Apostle of Common Sense“: http://www.youtube.com/watch?v=2cEGuLHQj1w

  4. @Richelieu88: Danke für den Link. 😉

    Liebe Grüße, Ron

  5. Schandor meint:

    @Richelieu88

    Die Szene mit der Frau ist zum Brüllen! Großartig x 3! ROTFL!!!

  6. Johannes meint:

    Lieber Ron, danke für diesen Beitrag!

    Mich erschreckt, dass der Autor offenbar selbst gar nicht begreift, was er im vierten Punkt mit den Worten meint: „als der Sohn Gottes sich um unserer Schuld willen unter uns Menschen demütigte, da passierte genau dies: Gott schloss Frieden mit uns“. Kurz darauf schreibt er: „Gott verzichtete auf die ihm zustehende Gerechtigkeit.“ Doch genau das Gegenteil ist ja im Blick auf das Kreuz Jesu der Fall.

    Kein Wunder, wenn Menschen am christlichen Glauben Schiffbruch erleiden, wenn ihnen solch ein Unsinn vermittelt wird.

  7. markus meint:

    Mehr Chesterton! 😉

  8. Hi Ron,

    habe diesen grotesken Unsinn Mitte Mai auch entdeckt und angesprochen (hier: http://goo.gl/eTQAo) . Eines ist sicher, ein Versehen ist dieser Artikel nicht…
    LG
    Andreas

  9. Semmel meint:

    Ich wäre sehr vorsichtig damit, eine Theologie (also eine Auffassung davon, wie und was Gott ist und was das für uns bedeutet) als „dümmlich“ abzutun. Vor allem im Hinblick darauf, dass auch die uns so kostbare Botschaft vom Kreuz „den Griechen eine Torheit“ ist. Und einer bedeutenden Zahl von Zeitgenossen sowieso. Alles eine Frage der Perspektive also.

    Ein etwas respektvollerer und vor allem demütigerer Umgang miteinander wäre daher erfreulich. Das Bemühen eines anderen Christen, die eigene Glaubenserfahrung in verständliche und nachvollziehbare Worte zu fassen, als dümmlich abzutun, ist daher schon eine harte Nummer. „Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet“, fällt mir dazu nur ein.

  10. @Semmel: Richtet nicht. Was eigentlich soll ein Mathelehrer machen, der zugleich Christ ist? Ich glaube, Mt 7,1 ist einer der am häufigsten missbrauchten NT-Texte. Übrigens: Du hast mich mit Deinem Kommentar auch gerichtet.

    Liebe Grüße, Ron

  11. @Semmel

    Hmm, zwei Dinge fallen mir zu Deinem Beitrag ein.

    1. Theologie ist m. E. keine Auffassung, sondern Lehre. Lehren bzw. deren Sätze müssen begründet werden und nachprüfbar sein. Wenn eine Theologie dem nicht standhält ist das Urteil „dümmlich“ noch sehr vorsichtig gewählt… Paulus drückt sich drastischer aus… 😉

    2. Deine Interpretation von Mt7 ist- verzeih- fehlerhaft. Dort wird zwar die eine (verdammende Art) des Richtens verurteilt, die andere (an der Frucht) jedoch explizit gefordert (s.a. 1Kor 5,12). Weiterhin fällt mir ein, das Irrlehre keinen demütigen Umgang erfordert, sondern klare Beurteilung.
    sdg
    apologet

  12. @Semmel:

    Es kann doch in diesem Punkt nicht um „Glaubenserfahrung“ gehen, sondern um objektive ein für allemal gültige Wahrheiten, wie wir sie in der Heiligen Schrift finden.

    Als kurze Lektüre zum Thema „Friede mit Gott“ empfehle ich den Artikel unter gleichnamigem Titel im Timotheus Magazin #04 Friede von Bernhard Kaiser.

    Viele Grüße,
    Andreas

  13. Semmel meint:

    Bitte lest noch einmal, WAS ich vorhin wirklich geschrieben habe und überlegt, worum es mir dabei ging. @Ron – nein, ich habe nicht über deine Aussage gerichtet bzw. sie als falsch bezeichnet, definitiv nicht. Aber der Ton macht die Musik, und die Wertung „dümmlich“ hat eine sehr negative, herabsetzende Konnotation, die über eine „klare Beurteilung“ hinausgeht. Sie ist dem Autoren gegenüber beleidigend, das wird kaum jemand bestreiten wollen.
    Wenn DAS die Absicht gewesen sein soll, fände ich das sehr enttäuschend für Menschen, denen das Gesetz Jesu „ins Herz geschrieben“ ist. Und wenn das nicht die Absicht ist (wovon ich mal stark ausgehe), dann akzeptiert bitte die Tatsache, dass diese Aussage von einen unbeteiligten Leser so verstanden werden kann.
    Gute und gesegnete Nacht, allseits.

  14. logan meint:

    Das Wort „dümmlich“ kann natürlich abwertend verstanden werden, muss es aber nicht, und sollte hier auch nicht, wenn man Rons Text als Ganzes liest und diesen Begriff als vorweggenommenes Urteil seiner Beweisführung versteht, die sich an den Satz anschließt.

    „Dümmlich“ bedeutet nämlich auch einfach „töricht“ im Sinne von „kindlich“ oder „unreif“, und es liegt nahe, das Ron das hier auch so meinte, weil er
    – die Theologie zunächst emotional als „trostlos“ bewertet
    – und sie dann schließlich mit „dümmlich“ als töricht weil nicht „schriftfest“, entlarvt.

    Der ganze Text, der dann folgt, arbeitet sein Urteil heraus: Diese Theologie ist, zieht man die Schrift heran, als unbegründet und widerlegbar (siehe apologet) einzustufen.

  15. Jürgen meint:

    @Semmel

    „Vor allem im Hinblick darauf, dass auch die uns so kostbare Botschaft vom Kreuz “den Griechen eine Torheit” ist. Und einer bedeutenden Zahl von Zeitgenossen sowieso. Alles eine Frage der Perspektive also.“

    Das Problem beginnt damit, dass Du davon ausgehst, dass diese Botschaft tatsächlich die unverfälscht überlieferte Botschaft vom Kreuz ist. Nur diese verdient Respekt. Ich denke, die meisten werden der Einschätzung zustimmen, dass es sich beim zitierten Beitrag aus der Jesus.de-Reihe um etwas ganz anderes handelt. Es als dümmlich zu bezeichnen ist m. E. noch viel zu schwach. Es ist gefährlich! Ich für mein Teil würde es nach Eph. 4,14 als „listig ersonnenem Irrtum“ bezeichnen. Ob hier auch Verschlagenheit mit im Spiel ist sei dahingestellt. Alles eine Frage der Perspektive…

    Gruß, Jürgen

  16. @Semmel: Danke für Deine Antwort. Ich bleibe dabei: Du beurteilst meinen Beitrag und das ist gut so. Wahrheit und Irrtum, Gerechtigkeit und Willkür lassen sich nur dadurch voneinander unterscheiden, dass wir „richten“. Richten auf der Grundlage des Wortes Gottes wird uns gerade nicht verboten, sondern geboten. Würden wir in diesem Sinne mehr prüfen und richten, stünde es besser um uns.

    Weder kenne ich den Autor des Jesus.de-Beitrages noch liegt mir daran, seine Kapazitäten zu deuten. Mein Urteil gilt dem Beitrag. Und da schließe ich mich Jürgen an. Ich möchte nicht in der Haut des Autors stecken, wenn er bei dem bleibt, was er da geschrieben hat. Und ich möchte nicht zu denen gehören, die solchen Unsinn schweigsam hinnehmen.

    Liebe Grüße, Ron

  17. Und ich würde gerne denen helfen, die dem Autor vertrauen und Glauben schenken wollen. Ich halte den Beitrag nicht nur für dümmlich sondern für absolut gefährlich, weil er im Namen von Jesus (.de) verbreitet und von vielen wahrscheinlich auch geglaubt wird. Und was Paulus über solche Irrlehrer gesagt hat, kann jeder selbst in Galater 1 nachlesen. Dabei ging es ihm wohl mehr um die Bewahrung der Zuhörer als um ein Richten der Irrlehrer.

  18. rolf eicken meint:

    Ich habe mich als Laie, der versucht zu verstehen, durch Ron`s Artikel und die div. Antworten gearbeitet. Warum ist das Verständnis dessen, was da beschrieben wird so schwierig? Bedarf es eines ganz bestimmten Standpunktes um das alles zu verstehnen? Die theol. Sprache hat sich v. d. Kommunikation zur Indoktrination gewandelt weil sie Gotteswort in Menschenwort umwandeln muss? Zu was das führte zeigt der Turmbau zu Babel. Vor einiger Zeit hat sich einer Ihrer Kommentatoren darüber beschwert, dass es so schwierig ist, in D zu missionieren. Wie sehr ihm das ein Bedürfnis ist, war dem Beitrag deutlich zu entnehmen. Ich meine: das ist kein Wunder bei der verwendeten Sprache. Für interessierte Laien ist die theologische Terminologie in entscheidenden Passagen offensichtlich unverständlich oder nur für Eingeweihte ( wer Ohren hat zu hören …) verständlich. Dies gilt teilweise auch für diesen Blog. Die Sprache der Bibel selbst dagegen ist einfach und verständlich, auch ohne Exegese. Ich habe, ich weiß selbst nicht warum, wieder angefangen das NT zu lesen. Dabei fiel mir unverhofft der alte lat. Spruch: honeste vivere, alterum non laedere, suum cuique tribuere ein. Können wir wissen was „Gerechtigkeit“ für und vor Gott bedeutet? Ist unser und Gottes Intention o. Auslegung dafür identisch? Was heißt für ihn ehrenhaft leben? Es heißt bei Anselm: Credo ut intelligam ( ich glaube, um zu verstehen) Warum ist es bei mir umgekehrt?: Ich möchte verstehen, bevor ich glauben kann. (Fides quaerens intellectum) Ich weiß, Gott ist nach Bonaventura keine philosophische Schlußfolgerung, sondern ist als lebendige Gegenwart zu betrachten.
    Wahrscheinlich bin ich auf dem falschen Weg, aber welcher ist der Richtige?
    MfG
    Rolf

  19. @Rolf,

    Warum ist das Verständnis dessen, was da beschrieben wird so schwierig?

    Es ist ja nicht so schwierig. Ron hat sich ja beklagt, dass die Bibel in dem Punkt eigentlich gar nicht so schwer zu verstehen ist – der Autor auf Jesus.de ihn aber absichtlich oder grob fahrlässig verdreht hat. Gerade, wenn jemand Theologe ist oder wenigstens auf Jesus.de schreibt, hat er da eine gewisse Verantwortung, nicht leichtfertig Eigengespinste zu schreiben.

    Aber davon abgesehen: besten Dank für den Hinweis, dass man sich einer einfachen und klaren Sprache bedienen sollte. Volle Zustimmung (soweit es die Sache erlaubt).
    (Zum Beispiel weniger Lateinzitate 🙂 Nein, kleiner Scherz).

    Mit seinem „ehrenhaft leben, andere nicht kränken oder schädigen, jedem das seine zugestehen“, was Sie ja auf Lateinisch zitiert haben, hat Ulpian sicher vollkommen recht gehabt – dies wäre auch sehr gut mit einer biblischen Ethik zu vereinbaren. (Ulpian hatte als Jurist und Beamter/Politiker vielleicht berufsbedingt mehr die Frage vor Augen, welche Einstellung einem geordneten Zusammenleben dient. Das ist auch sehr wichtig. Aber Gott geht es um weit mehr als das, er will unser Herz zu 100% haben. (Vgl. Kants „Legalität“ vs. „Legitimität“.))

    Können wir wissen was “Gerechtigkeit” für und vor Gott bedeutet? Ist unser und Gottes Intention o. Auslegung dafür identisch? Was heißt für ihn ehrenhaft leben?

    Ein Bibellehrer sagte dazu mal: immer, wenn er eine solche Frage hatte, las er im Hinblick auf so eine Frage ein ganzes Evangelium am Stück durch, dann hatte er eine Antwort. (Also kurz gesagt: Ja, wir können es wissen). Man kann auch schon mal anfangen, das umzusetzen, was man verstanden hat, und Gott dann um weitere Klarstellungen bitten.
    Philipper 3,15b.16:

    Und solltet ihr in einem Stück anders denken, so wird euch Gott auch das offenbaren. Nur, was wir schon erreicht haben, darin laßt uns auch leben.

    Und Jakobus 1,5.6:

    Wenn es aber jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern gibt und niemanden schilt; so wird sie ihm gegeben werden. – Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer zweifelt, der gleicht einer Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird.

    (Jakobus kritisiert da nicht den Zweifel eines ehrlich Suchenden, sondern von einer Person, die schon genügend Wunder Gottes erfahren hätte, um eigentlich nicht mehr zweifeln zu müssen. Ich würde also zunächst mal besonders den ersten Teil ernstnehmen, der ja auch mit Matthäus 7,7 übereinstimmt: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; …“

    Warum ist es bei mir umgekehrt?: Ich möchte verstehen, bevor ich glauben kann.

    Ich denke, Ihr Anliegen ist legitim. Meines Erachtens dürfen Sie Gott um ein hinreichendes „Wissen“ bitten, welches auch für Sie genügend sein kann, um an ihn zu glauben.
    Aber ein Wissen, wo gar keine Mysterien mehr Platz haben, wäre auch etwas kahl und würde (so Augustinus) zu Überdruss führen … man sollte bei so einer Bitte also im Hinterkopf behalten, dass man dennoch später auch immer noch Neues bei Gott entdecken kann. Gott ist schließlich unerschöpflich. Und manches wird man vielleicht dennoch – in diesem Leben – nie ganz verstehen, aber das macht auch nichts. Gott offenbart uns das, was wir brauchen.

    Hoffentlich war das nicht zu „tautologisch“.

    Was Gerechtigkeit als Begriff angeht: http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=dict&article_id=4388

    Noch etwas: kürzlich hörte ich:
    – Im Islam ist die Lehre einfach, das Leben aber sehr kompliziert.
    – Im Christentum dagegen ist die Lehre komplex, aber die Anforderungen an den Gläubigen sind dagegen recht einfach zu verstehen und umzusetzen.

  20. rolf eicken meint:

    @Roderich
    Herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Da muss ich erst einiges nachvollziehen. Besonders aufschlussreich finde ich den Hinweis (Trackbacks) auf den Heidelberger Katechismus. Besser und klarer kann man das Thema nicht darstellen. Hervorragend ! Das hat mir sehr geholfen.
    MfG
    Rolf

  21. @rolf eicken
    Es ist schön zu lesen, dass Ihnen Roderichs Erklärungen und die einfache Sprache des Heidelberger Katechismus eine so große Hilfe im Nachdenken und im Verständnis des Themas sind – und Letzterer nach so vielen Jahren seiner Abfassung …

    Warum läuft das zum Thema nicht bei allen so? Sollte es tatsächlich an der Verkomplizierung von Sprache liegen? – ich denke, nicht.
    Gut, vielleicht gibt es einige Menschen, die ausschließlich mit schon von vornherein zu komplizierten Darstellungen in Berührung kommen … – das Ergebnis: Unverständnis, Ablehnung … Solche Fälle kann ich nicht generell ausschließen, aber ich möchte Ihrem Satz in seiner Ausschließlichkeit (ob beabsichtigt oder nicht) hier dennoch widersprechen (es ging um Erschwernisse in der Mission):
    (Zitat)„das ist kein Wunder bei der verwendeten Sprache. Für interessierte Laien ist die theologische Terminologie in entscheidenden Passagen offensichtlich unverständlich oder nur für Eingeweihte ( wer Ohren hat zu hören …) verständlich.“(Zitat – Ende)

    Missionarische Bestrebungen haben Verständlichkeit für den Anderen in höchstem Maße zur Priorität. Denken Sie allein an die Bemühungen, die Bibel in verschiedene Sprachen zu übersetzen.
    Wir in Deutschland oder … sind davon auch nicht unberührt, werden doch biblische Begriffe heute mit anderen Inhalten gefüllt. Allein die Verwendung eines Begriffes garantiert nicht, dass der Inhalt konform der biblischen Aussage geht. Da braucht man nur an den Begriff „Glaube“ zu denken – dieser wird oft mit „Nichtwissen, wahrscheinlich, kann auch anders sein und dennoch glaube ich …“ identifiziert. Letzteres hat aber mit dem Glauben, den die Bibel meint, nichts gemein.
    Mit „Sühne“ läuft es kaum anders – das Konzept: ein Unschuldiger soll für Schuldige leiden, völlig indiskutabel …
    „Sühne“ wird hier oft mit dem Inhalt: der Schuldige trägt seine Schuld nach Ermessen ab – identifiziert.

    Wenn Sie hingegen als interessierter Laie auf komplizierte Sprache treffen, weil ….
    lassen Sie sich nicht entmutigen, weil nach der Schrift „Experten“ nur eine Zielrichtung haben: dem gesamten Volk Gottes zuerst, dann … zu dienen. Mag sein, dass Expertenunterhaltungen durchaus abschrecken, weil nicht für jeden verständlich … – aber die Zielsetzung ist ihnen ins Herz geschrieben: „Diener auch des kleinsten Schafes der Herde sein!“
    Insofern habe ich noch keinen angetroffen, der sich keine Mühe gab, auch einfach zu erklären.
    Nun muss dem Experten (allein schon dadurch begründbar, dass wir es mit Sprachen wie Hebräisch, Griechisch zu tun haben) auch die Möglichkeit zugestanden werden entsprechenden Problemstellungen nachzugehen, auch wenn die Meisten es nicht verstehen.
    Der interessierte Laie wird letztlich davon profitieren – er profitiert hingegen wenig, wenn es Keinen gibt, der ihm voraus ist … „Lehrer“ setzt ja bereits den „Schüler“ voraus. Das Ziel ist natürlich den „Schüler“ nicht in der Unmündigkeit zu lassen …

    Zum Schluss: Wenn Sie gerade dabei sind, das NT wieder zu lesen, achten Sie mal darauf, wie die Schrift den Begriff „Glaube“ handhabt.
    Es ist keineswegs so, dass Verständnis und Bejahung vorliegt und man jetzt noch auf das Mysterium „Glaube“ warten muss. Auch hier kann man viel verkomplizieren.
    (Bsp.: der Hauptmann von Kapernaum oder die kanaanäische Frau (Matthäus 15))

    MfG Lutz

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