Die Botschaft der Bergpredigt

511bq0BbSvL SX360 BO1 204 203 200John Stotts Auslegung der Bergpredigt ist eine fantastische Hilfe zum besseren Verständnis ihrer Botschaft. Die wunderbare Frauke Bielefeld hat das Buch meisterhaft in die deutsche Sprache übersetzt, sodass die Lektüre inhaltlich und sprachlich ein Vergnügen ist.

Hier eine Kostprobe:

So wie beim Salz wird auch beim Licht eine Bedingung eingeführt: „Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten.“ So wie das Salz seinen Salzgehalt verlieren kann, so kann das Licht in uns dunkel werden, wie wir auch später in 6,23 sehen werden. Aber das Licht Christi in uns soll von uns ausstrahlen, sodass die Menschen es sehen können. Kein Dorf, das sich in eine Talmulde schmiegt, sodass seine Lichter in der Senke verschwinden, sondern wie eine „Stadt auf einem Berge“, die „nicht verborgen sein“ kann und deren Lichter meilenweit zu sehen sind. Oder wie eine brennende Lampe, „ein brennendes und scheinendes Licht“ (Joh 5,35) wie Johannes der Täufer, die an zentraler Stelle im Haus auf einen Leuchter gesetzt wird, damit sie weithin Licht gibt, anstatt unter einen Eimer oder Topf [Luther. „Scheffel“], wo sie nichts Gutes mehr tun kann.

Das bedeutet, dass wir als Jünger Jesu weder die Wahrheit, die wir kennen, noch die Wahrheit darüber, wer wir selbst sind, verbergen sollen. Geben wir nicht etwas anderes vor, als wir sind, sondern stehen sichtbar zu unserem Christsein! „Flucht in die Unsichtbarkeit ist Verleugnung des Rufes. Gemeinde Jesu, die unsichtbare Gemeinde sein will, ist keine nachfolgende Gemeinde mehr“ (Bonhoeffer).

Seien wir unser echtes christliches Selbst, leben wir nach den Seligpreisungen und schämen wir uns nicht für Christus! Dann werden andere uns und unsere Werke sehen und den Vater preisen, weil es nicht ausbleiben kann, dass sie erkennen, dass wir durch Gottes Gnade sind, was wir sind, dass unser Licht sein Licht ist und er seine Werke in und durch uns tut. So werden sie das Licht ehren, nicht die Lampe – unseren Vater im Himmel, nicht die Kinder, die er in die Welt gesetzt hat und die eine gewisse Familienähnlichkeit mit ihm aufweisen. Selbst diejenigen, die uns schlecht machen, werden ihren Teil dazu beitragen, wenn sie uns um eben dieser Gerechtigkeit willen verfolgen (V. 10-12).

Es sind nicht mehr viele Exemplare auf dem Markt. Noch ist das Buch hier günstig zu erwerben.

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Nachtrag vom 04.04.2017: Das Buch ist inzwischen ausverkauft.

Kommentare

  1. Die Bergpredigt war eine Predigt von Jesus an Juden unter dem Mosaischen Gesetz. Ich finde es schlimm, wie dieser grundlegende Punkt immer wieder ignoriert wird, offenbar auch in dem besprochenen Buch. Das Resultat ist, dass Aussagen der Bergpredigt zurecht gebogen werden, um sie irgendwie auf Menschen des Neuen Bundes anwenden zu können.

    Statt solch eine Bibelbiegerei zu betreiben, sollten wir uns mal ganz unvoreingenommen den Aussagen der Bergpredigt stellen: Sind wir bereit, uns Augen auszureißen und Hände abzuhacken (Mt 5,29–30)? Meinen wir wirklich, in die Hölle zu kommen, wenn wir anderen nicht vollumfänglich vergeben haben (Mt 6,15)? Bei einer ehrlichen Beschäftigung mit derartigen Aussagen werden wir vielleicht merken, was für furchtbare Konsequenzen eine Anwendung der Bergpredigt auf unser Leben hätte. Das wiederum würde uns vielleicht zu einer neuen Sicht auf die Bergpredigt führen: die Bergpredigt als konsequente Beschreibung des Lebens unter Gesetz, mit dem Ziel, auf die Unmöglichkeit der Rechtfertigung durch Gesetz hinzuweisen.

    Wenn die Bergpredigt wirklich diesem Ziel dient, dann ist es mehr als tragisch, dass es noch Christen gibt, die „nach der Bergpredigt leben“ wollen.

  2. Maschenka meint:
  3. @Kokospalme: Das Buch von Stott sei Ihnen besonders anempfohlen.

    Liebe Grüße, Ron

  4. @Kokospalme: Welche Worte von Jesus wenden sich denn nicht an Juden unter dem mosaischen Gesetz, die auf Menschen des Neuen Bundes angewendet werden können?

    PS: Ich habe das Buch auch über den Lichtzeichen Shop noch erwerben können.

  5. Jürgen meint:

    Ich konnte es ohne Probleme im örtlichen Buchhandel bestellen.

  6. PeterG meint:

    @Waldemar
    Spitzfindige Frage! Auf jeden Fall nicht alle, z. B. die Worte über die Wirkung des Geistes nach der Auferstehung, wenden sich nicht an Juden. Es geht hier m. E. um das grundsätzliche Verständnis der Bergpredigt. Das allgemeine Verständnis – Lebensregel für Christen – kann m. E. zurecht hinterfragt werden. Man kann die Bergpredigt als Gesetz sehen, dass dem Menschen seine Unzulänglichkeiten bzw. Sünden aufzeigt. Falsch ist es, wenn wir sagen, dass wir uns an die Bergpredigt halten. Der Maßstab, den wir erreichen sollten, ist die Vollkommenheit Gottes (stammt auch aus der Bergpredigt). Leider übersehen viele diesen Satz.

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