Die dunkle Seite der Kindheit

Der Kinder- und Jugendarzt Rainer Böhm hat heute einen ausgezeichneten und kämpferischen Artikel in der FAZ publiziert. Tenor: Die Familienpolitik wird mit ihrer Krippenoffensive den Kindern nicht gerecht. Gewissenhafte und umfängliche Studien belegen, dass Kleinkinder in den Krippen enormem Stress ausgesetzt sind (der sich am Cortisol-Spiegel ablesen lässt). Die Folgen für die Kinder sind kaum zu unterschätzen:

Am beunruhigendsten war indes der Befund, dass Krippenbetreuung sich unabhängig von sämtlichen anderen Messfaktoren negativ auf die sozioemotionale Kompetenz der Kinder auswirkt. Je mehr Zeit kumulativ Kinder in einer Einrichtung verbrachten, desto stärker zeigten sie später dissoziales Verhalten wie Streiten, Kämpfen, Sachbeschädigungen, Prahlen, Lügen, Schikanieren, Gemeinheiten begehen, Grausamkeit, Ungehorsam oder häufiges Schreien. Unter den ganztags betreuten Kindern zeigte ein Viertel im Alter von vier Jahren ein Problemverhalten, das dem klinischen Risikobereich zugeordnet werden muss. Später konnten bei den inzwischen 15 Jahre alten Jugendlichen signifikante Auffälligkeiten festgestellt werden, unter anderem Tabak und Alkoholkonsum, Rauschgiftgebrauch, Diebstahl und Vandalismus. Noch ein weiteres, ebenfalls unerwartetes Ergebnis kristallisierte sich heraus: Die Verhaltensauffälligkeiten waren weitgehend unabhängig von der Qualität der Betreuung. Kinder, die sehr gute Einrichtungen besuchten, verhielten sich fast ebenso auffällig wie Kinder, die in Einrichtungen minderer Qualität betreut wurden. Grundsätzlich zeigte sich aber, dass das Erziehungsverhalten der Eltern einen deutlich stärkeren Einfluss auf die Entwicklung ausübt als die Betreuungseinrichtungen.

Fazit des FAZ-Artikels (vom 04.04.2012, Nr 81, S. 7):

Chronische Stressbelastung ist im Kindesalter die biologische Signatur der Misshandlung. Kleinkinder dauerhaftem Stress auszusetzen, ist unethisch, verstößt gegen Menschenrecht, macht akut und chronisch krank. Ein freiheitlicher Staat, der frühkindliche Betreuung in großem Umfang fördert, ist verpflichtet nachzuweisen, dass Kleinkinder keine chronische Stressbelastung erleiden. Das staatliche Wächteramt gebietet, eine Gefährdung des Kindeswohls gerade in öffentlichen Institutionen auszuschließen. Der Gesetzgeber sollte daher von seinen derzeitigen Planungen Abstand nehmen, ein Recht auf außerfamiliäre Betreuung ab dem ersten Geburtstag einzuführen.

Es lohnt sich heute, die Druckausgabe zu kaufen.

Kommentare

  1. Ich finde es wichtig, dass die „Anti-Familienpolitik“ der Regierung mal ins rechte Licht gerückt wird. Danke für den Artikelhinweis Ron! Ich kann immer noch nicht verstehen, warum so viele Eltern ihre Kinder leichtfertig in eine Krippe abgeben möchten…

  2. theonik meint:

    Ich glaube nicht, dass Eltern ihre Kinder „leichtfertig“ in die Krippe geben, sicher gibt es eine handvoll Eltern die sich tatsächlich keinen Kopf darüber machen oder gar aus Überzeugung handeln, aber das trifft m.E. in den wenigsten Fällen zu. Es spielen andere Gründe in der Regel finanzielle, bzw. berufliche oder die Frage des eigenen Familien und Rollenverständnis eine Rolle. Ich bin mit der Familienpolitik so auch nicht einverstanden. Vor allem das Betreuungsgeld setzt die falschen Anreize. Ich glaube jedoch nicht das medizinische Argumente (Stress der Kinder) hier zum einlenken führen werden. Auch wenn es statistisch nachgewiesen ist dass Kinder hier zusätzlichen Anforderungen, Anstrengungen, Aufgaben ausgesetzt sind, muss das nicht bedeuten, dass ALLE zwangläufig zur Bindungsunfähigkeit verdammt sind. Jedes Kind reagiert anders das gilt auch für den Eintritt in den Regelkindergarten. Manche braucht selbst da sehr lange für andere ist es kein Problem.
    Die Regierung sollte ihr (oder dieses oder vielmehr unser) Geld in den Ausbau des Betreuungsangebots stecken und den Eltern die Wahl lassen wie sie entscheiden. Aber! es müsste auch gleichzeit was dafür getan werden (Kampagnen oder so?) die die Attraktivität und Schönheit verantwortlichen Eltern seins deutlich machen. Frau wird ja bisweilen gerade zu belächelt, wenn sie sich entscheidet 3-6 Jahre zu Hause zu bleiben. Da müsste was in den Köpfen geschehen und zwar dringend.Gerade in einer Zeit in der Mann und Frau sich vorwiegend von pragmatischen Gründen (Selbstverwirklichung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kosten der Kinder, Betreuungsgangebot, Schule und Kinder gartensituation usw.) leiten lassen.
    Zum Glück hat Mann mittlerweile wenigstens die Chance gesellschaftlich gewollt die erste Zeit bei seinem Kind zu verbringen.

  3. Es ist ja schön dass immer von irgendwelchen Studien die Rede ist, die beweisen sollen das Krippenkinder später dissoziales Verhalten aufweisen ohne die Quelle zu nennen. Nennt denn Rainer Böhm in seinem Artikel die Studien?

  4. @nik: Selbstverständlich.
    Liebe Grüße, Ron

  5. @nik
    Er nennt am Anfang eine „Längsschnittstudie des Entwicklungspsychologen Thomas
    Achenbach (Universität Vermont)“, die „nach Untersuchungen an mehr als 3000 Schülern einen deutlichen Rückgang sozioemotionaler Kompetenzen feststellte.“

    Hauptsächlich bezieht sich der Autor jedoch auf eine NICHD-Studie:

    „Unter der Regie des renommierten National Institute of Child Health and Development (NICHD) entwickelte eine Gruppe weltweit führender Spezialisten für frühkindliche Entwicklung Anfang der neunziger Jahre ein ausgefeiltes Untersuchungsdesign, in dem nahezu alle Faktoren berücksichtigt wurden, die für die kindliche Entwicklung relevant sind. Daraufhin
    wurden mehr als 1300 Kinder, überwiegend aus weißen Mittelschichtfamilien, im Alter von einem Monat in die Studie aufgenommen. Über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren wurden sodann die kognitive Entwicklung und das Verhalten der Kinder detailliert gemessen.“

    @ron
    ein wirklich interessanter artikel. danke für den tipp!

  6. Carmen Duelli meint:

    Ein ausgezteichneter und sehr wertvoller Artikel. Danke Herr Dr. Böhm.

  7. @logan
    Vielen Dank für die Quellen.
    Wenn Bömer in seinem Artikel mit einer Studie des NICHD argumentiert, dann argumentiert er ja tatsächlich wissenschaftlich fundiert. Wenn auch nicht unbedingt sehr differenziert. Aber wenn man differenzierter argumentiert, wäre es ja auch weniger kämpferisch.

  8. Entschuldigung. Der Autor heißt ja Böhm, nicht Bömer.

  9. Susanne meint:

    Es sind nicht nur finanzielle Gründe, dass Kleinkinder in der Krippe abgegeben werden. Ganz im Gegenteil! Die meisten Aussagen die ich höre sind, ich will doch nicht nur von Kinder und Haushalt reden können, oder einfach das man sich selbst verwirklichen will. Der Lebensstandart will beibehalten werden. Die wenigsten sind bereit für ihre Kinder Abstriche zu machen und vielleicht auch mal einen Urlaub, das teurere Auto oder sonstigen Luxus sein zu lassen.

    Klar gibt es auch die ein oder andere Familie die es finanziell brauchen.

    Unsere Erfahrung ist, dass wir belächelt werden weil ich zu Hause bleibe und die Kinder betreue.
    Aber uns ist wichtig, dass wir die Kinder prägen, ihnen Werte vermitteln, mit ihnen Dinge zu Verarbeiten die sie erleben und noch vieles andere. Ein bisschen Egoismus ist auch dabei 🙂 Wir möchten in keinem Fall verpassen wenn sie Fortschritte machen, das erste mal Mama oder Papa sagen oder gar laufen lernen.

    Danke für den Artikel, den der bestätigt meine Beobachtungen in den letzten Jahren.

  10. Sylvia meint:

    Liebe Susanne,

    so einen Egoismus 🙂 find ich toll und kann dir nur zustimmen. Sowas will auch ich auf keinen Fall verpassen wollen.
    Es wäre schön, wenn viele Frau diesen „gesunden Egoismus“ hätten .-), dann würde vieles anders aussehen.

    Danke für den Artikel.

    LG, Sylvia

  11. Schandor meint:

    will auch ich auf keinen Fall verpassen wollen“ – da versteht jemand aber was vom unfreien Willen 😉

  12. Hallo zusammen,
    ich finde auch, dass Dr. Böhm hier einen sehr interessanten Artikel geschrieben hat. Ohne seine Expertise hier in Frage stellen zu wollen, möchte ich doch einige Punkte zu bedenken geben, da ich selber Psychotherapeut bin (wenn auch nicht für Kinder und Jugendliche), in der Forschung tätig und Erfahrung mit groß angelegten sozialwissenschaftlichen Studien habe.

    1) Als erstes hat mich überrascht, dass die Autoren der Studie selbst die Hauptergebnisse in etwas anderem Lichte darstellen. Die Ergebnisse sind (für Eltern verständlich) aller Öffentlichkeit zugänglich (http://www.nichd.nih.gov/publications/pubs/upload/seccyd_051206.pdf). Auf Seite 1 werden die Ergebnisse in 3 Sätzen zusammengefasst: Kinder die ausschließlich von der Mutter betreut wurden, entwickeln sich nicht anders als Kinder die von anderen (also in Krippen) betreut werden. Es werden auch die von Hr. Böhm berichteten Unterschiede dargestellt – aber die Hauptergebnisse der Studie sind dies anscheinend nicht.

    2) Die gefundenen Unterschiede sind zwar statistisch signifikant, aber nicht groß – also nicht so deutlich ausgeprägt, wie z.B. ein Unterschied im IQ um 20 Punkte (die Erklärung dieses Unterschiedes zwischen „statistisch signifikant“ und „inhaltlich signifikant“ würde hier zuviel Platz erfordern). Mit großen Stichproben – und diese Studie HAT eine große, werden eben auch kleine Unterschiede statistisch erfassbar. (Seite 7)

    3) Sehr interessant ist auch der Befund, dass Unterschiede zwischen „Krippenkindern“ und „Zuhause-Kindern“ hinsichtlich der späteren Entwicklung sehr viel stärker mit Eigenschaften der Herkunftsfamilie zusammenhängen als mit den Eigenschaften der Betreuungseinrichtungen (Seite 22). An DIESER Stelle wird m.E. deutlich, wie wichtig die familiären Beziehungen und Verhältnisse sind, deren Wichtigkeit ja auch Hr. Böhm hervorhebt. Hier bin ich mit ihm vollkommen einer Meinung, die Bindung zwischen Eltern und Kind ist das Zentrale für die Entwicklung der Kinder. Hier könnte man ja mal schauen, ob Kinder, die in eine Betreuungseinrichtung gegeben werden, schon zu Beginn der Betreuung eine unsicherere Bindung zu den Eltern haben.

    4) Wirklich interessant finde ich den Zusammenhang zwischen Stress (Cortisol) und späteren Verhaltensauffälligkeiten. Dr. Böhm erwähnt hier eine Meta-Analyse, leider ohne genaue Quelle. Ein Blick in die Zahlen der NICHD-Studie zeigt m.E. auch Erschreckendes: Nur ein Drittel der Betreuungseinrichtungen in der Studie hatte einen den Standards entsprechenden Personal-Schlüssel (Anzahl Kinder pro Betreuungsperson) – Einrichtungen mit Kindern ab 3 Jahren auch nur die Hälfte (Seite 9). Daraus lese ich: zu viele Kinder mit zu wenigen Bezugspersonen. DAS bedeutet Stress für die Kinder!! Die Mehrzahl der Einrichtungen war unterbesetzt.
    Mich würde interessieren, wie die (wenigen) Kinder mit einem günstigeren Personal-Schlüssel sich entwickelt haben – aber das werde wohl nicht so viele gewesen sein, um hier auch noch kleine Unterschiede erfassen zu können…

    5) Die Studie kann leider keine Aussagen über die Ursachen irgendwelcher gefundener Unterschiede machen, da sie keine experimentelle Studie ist (siehe Seite 7). Andere Einflüsse auf den Unterschied zwischen „Krippenkindern“ und „Zuhause-Kindern“ lassen sich nicht ausschließen.

    6) eine private Anmerkung: meine Kinder haben ab einem Alter von einem Jahr eine Kinderkrippe genossen. Mit genügend Personal und einer kleinen Gruppe von 8-10 Kindern (nur Vormittags) und vor allen Dingen: immer den gleichen Betreuungspersonen über 2 Jahre hinweg. Das hat sehr gut funktioniert.
    Mit einem Jahr haben die Kinder Bindungen zu den Eltern aufgebaut und sind auch in der Lage zu anderen Bezugspersonen Bindungen aufzubauen.

    Krippen sind m.E. nicht zu verteufeln. Wenn man sein Kind in eine Krippe gibt, sollte man schon genau schauen, wie die Verhältnisse dort sind – aber dennoch bleibt der entscheidende Faktor für die Entwicklung die Bindung an die Eltern und die familiären Verhältnisse. Einen Hype für Kitas, wie es in der Politik gerade geschieht, finde ich auch nicht angebracht – auch wenn ich denke, dass es zu wenig Kitas gibt.

    Die Welt ist kompliziert!! Es gibt nicht nur schwarz und weiß!! Das gilt für die Wissenschaft genauso: Studien aus den Sozialwissenschaften zu interpretieren ist ebenso eine komplexe Sache.

    liebe Grüße an alle. Rich

  13. Tobias W. meint:

    Hallo ihr lieben,

    ich bin sehr an diesem Artikel interessiert, habe allerdings nicht mehr die Möglichkeit an die Printausgabe zu kommen.

    Wäre jemand so lieb und kann den Artikel für mich einscannen und zuschicken?
    Meine Email ist: twedel (at) gmx [punkt] net.

    Würde mich sehr freuen, vielen Dank! 🙂
    Tobias

  14. @Tobias: Inzwischen gibt es eine Online-Quelle (ich gehe mal davon aus, dass das mit der FAZ und dem Autor abgesprochen ist):

    http://www.familie-ist-zukunft.de/seite/wp-content/uploads/2012/04/boehm-faz-040412.pdf

    Liebe Grüße, Ron

  15. @Rich.
    Super Kommentar. Danke für den link zur Studie vom NICHD. Es lohnt sich die Studie mal zu lesen.

  16. Wen interessiert’s? Hauptsache Mutti hat ihr Jodeldiplom.

  17. Colonel meint:

    Es soll sogar Leute geben, die während der Elternzeit (1 Jahr) 300€ Kindergeld bekamen, nach dem Jahr daheim nur noch 365€ BAföG erhalten und sich immer und immer wieder für die Beendigung der Elternzeit nach einem Jahr entscheiden würden.

    Diese Leute sollen sogar glückliche Kinder haben, eine glückliche Beziehung führen, ein Leben, das sie ausfüllt- sie alle, ja auch die Kinder.

    Naja, aber diese Leute kennen die Studien nicht, die eindeutig und wissenschaftlich belegen, dass sie im Grunde kein glückliches Kind haben können. Sie kennen die darauffolgenden Kommentare nicht, dass sie entweder egoistisch sind und Luxus erstreben (YEAH, 65€ mehr im Monat 😉 ) oder schlichtweg ungebildet sind.

    Mal ganz unabhängig von der Familienpolitik (die will ich hier gar nicht angesprochen haben, natürlich sollte man mehr auf die Qualität von Krippen und Kindergärten(!) achten, als auf die Quantität) manche Kommentare hier sind absolut unreflektiert.

    Weil andere Eltern andere Lebensentwürfe haben, sind sie keine schlechteren oder besseren Eltern..

  18. Was für ein Quark!
    Mit dem Satz: „Grundsätzlich zeigte sich aber, dass das Erziehungsverhalten der Eltern einen deutlich stärkeren Einfluss auf die Entwicklung ausübt als die Betreuungseinrichtungen.“ widerspricht sich doch der selbsternannte Kinder -und Jugendexperte selbst, indem er seine hanebüchenen und haarsträubenden Thesen sofort relativiert.
    Sollen doch die weltfremden CSU- Wähler ihre Kinder zu Hause bei Mutti einsperren und abschotten als sie in der Gemeinschaft unter anderen Kindern Duchsetzungsvermögen und Sozialkompetenz zu üben.
    Selbstverständlich darf es auch nicht so sein, dass man die Kinder nicht nur in der Krippe abgibt und vergisst, und den Rest der Erziehung zu Hause vernachlässigt.
    Im Grunde geht es darum, Familie und Job unter einen Hut zu bekommen. Hierzu ist ein Krippenplatz unabdingbar.
    Im Osten sind alle Kinder (mitunter schon ab 6 Wochen) in die Krippe gegangen, weil die Mütter arbeiten gegangen sind. Kann mich nicht erinnern, unter Verbrechern, Saufköppen und Schlägern groß geworden zu sein…!!!

  19. @Lars: Du glaubst gar nicht, was Deine Sprache alles hergibt:

    weltfremden CSU- Wähler ihre Kinder zu Hause bei Mutti einsperren und abschotten

    Da entschuldigt es auch nicht, dass Du nicht „Rabenmutti“ geschrieben hast. Kannst Du auch von Dir wegdenken, also Dich und Deine kleine Erlebniswelt relativieren?

    Liebe Grüße, Ron

  20. @Ron

    Das meinte es auch nicht! Eher, dass daheim betreute Kinder m. E. nach eher weltfremd und soziophobisch wirken oder sogar sind.
    Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder (jedoch nicht unter 1 Jahr!) durchaus eine Betreuung außerhalb „verkraften“, und dass das Angebotsspektrum einer Kita von einer einzelnen Mutter daheim überhaupt nicht abgebildet werden kann.
    Mag sein, dass die Daheim- Betreuung für manche Eltern die Offenbarung ist, aber eben auch nur für die Eltern selbst. Für die Gesamtentwicklung des Kindes aber durfte diese Form der „Unterbringung“ eher kontraproduktiv sein. So sind zumindest meine Erfahrungen.
    Für eine Hausbetreuung kann ich leider keinerlei Vorteile erkennen. Es ist dann doch mehr der Wunsch der Eltern (Mutter), die diesen Wunsch dann auch dem Kind suggerieren.

  21. @Lars: Hast Du denn Kinder? Es liegt auf der Hand, dass Eltern sich ihren Kindern ganz anders zuwenden als das sonstige Erwachsene können. Die harten Fakten (nicht Deine persönliche Erlebnisse) sprechen dafür, dass die Bildung und Sozialkompetenz bei Kindern, die zu Hause aufwachsen, höher ist. Das zeigt die Bindungsforschung und das zeigt auch die elterliche Intuition.

    Natürlich gibt es Ausnahmen und Fälle, bei denen die Kinder lieber woanders erzogen werden sollten. Darum geht es aber nicht. Es geht um den Trend, die Erziehung der eigenen Kinder an den Staat zu delegieren. Und dies, damit eine Familie mehr Wohlstand haben kann oder mehr Steuern an den Staat zahlt. Dieser Trend ist falsch!

    Liebe Grüße, Ron

  22. Peter meint:

    @Lars und Ron:
    In der „Brigitte“-Psychologie gibt es das Vorurteil des unsozialen Einzelkindes – Forschungen haben das bereits mehrfach widerlegt. Eltern von Einzelkinder achten in der Regel bewusster auf die soziale Erziehung als andere Eltern, was zur Folge hat, das Einzelkindern, wenn nicht sogar sozialer, aber zumindest genauso sozial eingestellt sind wie andere.

    Was mich massiv an den Diskussionen zu diesen Themen stört: Es werden per se alle/fast alle Eltern als erziehungsunfähig hingestellt. Ist es denn wirklich so, dass es in der breiten Masse für die Kinder sinnvoller ist, fremdbetreut zu werden?

    Gruß
    Peter

  23. RaSchu meint:

    @Lars: Wieso sollte die Art und Weise der Erziehung und sogar ihre Inhalte auch nicht von den Eltern bestimmt werden? Artikel 6 des Grundgesetzes motiviert und verpflichtet Eltern sogar dazu. Der Staat hat die Aufgabe dieses Hoheitsrecht zu schützen. Dass eine zunehmend materialistisch idealisierte Gesinnung dieses Recht und die damit verbundene Verpflichtung aus dem Fenster wirft, ist beschämend.

    Überhaupt erleben wir zurzeit eine paradoxe Entwicklung in unserem Land. Einerseits werden Kindertagesstätten in großem Umfang gefördert und Tagesmütter werden häufiger beansprucht; Berufe also, die die Aufgaben einer Mutter, zumindest zeitweise, ersetzen sollen. Andererseits wurde der Berufung, dem Beruf Mutter zu sein, selten so wenig Achtung und Respekt entgegengebracht, wie heute. Politik und Medien projizieren ein Zerrbild des Mutter- und Hausfrauenberufes, das von schwarz-weiß bebilderter 50er Jahre Stimmung bis hin zu Vorwürfen der Frauenunterwürfigkeit, Bildungsferne und Faulheit alle Klischees zu bedienen vermag. Diese moralisierende, linke Meinungsmache verkehrt die Aufgabe der Politik auf (traurig-)lächerliche Weise.
    Grüße, Raphael

  24. @RaSchu „…Wieso sollte die Art und Weise der Erziehung und sogar ihre Inhalte auch nicht von den Eltern bestimmt werden?…“ – Habe ich in keinster Weise behauptet!!!
    Es wird ja sicher nicht so sein, dass der Staat dir vorschreiben wird, du hast dein Kind abzugeben. Die Wahlfreiheit bleibt doch erhalten. Nur sehe ich nicht ein, warum man eine Herdprämie als Dankeschön fürs Zuhausebleiben kassieren soll. Das wird wohl eher die Ruhigstellungprämie sein, damit niemand sein Recht auf Betreuung ab 2013 mehr einklagen kann, der die Prämie in Anspruch nimmt. Die Politik (CSU/CDU) verkauft es natürlich als rosarote Heile- Welt- Familieen- Kampangne mit achso christlichem Hintergrund.
    Das Modell „Mutti bleibt zu Hause, kocht, wäscht, näht und macht die Kinder, während Vati nach 12 Stunden aus der Arbeit kommt und sich die Kinder nur noch mal schlafend anguckt“ gehört nicht ins Jahr 2012. Das mag sicher das Klischee schlechthin sein aber es trifft doch zu!
    Studien hin oder her – für mich zäht das Leben und nicht irgendwelche Studien.
    Macht doch einfach mal die Augen auf, nehtm die rosa Brille ab und haltet euch nicht nur an beschriebenem Papier fest!

    @Ron – Ja ich habe Kinder, und derer sogar 2! Kaum zu glauben, was? Und die sind ziemlich glücklich in ihrem Kindergarten/ Krippe (gewesen).
    Es hat auch nichts mit unverzichtbarem Wohlstand zu tun – nein, meine Frau WOLLTE nach je 1 Jahr wieder arbeiten gehen, um nicht zu Hause zu glucken.
    Leider erlebe ich immer wieder, insbesondere in der Schule, dass man den Kindern heutzutage absolut nichts mehr zutraut und vor allen äußeren Einflüssen wie in einem Cocon beschützen will. Bis zu einem gewissen Punkt mag das richtig sein, aber dennoch sollten wir Kinder nicht wie Idioten behandeln und vollkommen verhätscheln. Glaubt mir, auch eure Kinder halten das ganz gut durch, die Mama mal für ein paar Stunden nicht zu Gesicht zu bekommen…!

    @Peter – Die “Brigitte”-Psychologie ist sicher genauso weit entfernt von der Realität wie die „Bibel“- Psychologie!

  25. @an die Mütter: Mich würde interessieren, was Mütter darüber denken. Gibt frau ein Kind gern mit 12 Monaten an bezahlte Fachkräfte weiter? Ich könnte mir vorstellen, dass einer Mutter das ungemein schwer fällt und vielleicht sogar das Gewissen anschlägt. Auch dann, wenn die Entlastung wirklich erleichtert oder die Umstände dieses Schritt zu erzwingen scheinen. Ein Kind kann ja, z.B. wenn es viel schreit, an die Grenzen der Belastbarkeit führen.

    Liebe Grüße, Ron

  26. @Ron: „Die harten Fakten (nicht Deine persönliche Erlebnisse) sprechen dafür, dass die Bildung und Sozialkompetenz bei Kindern, die zu Hause aufwachsen, höher ist. “
    Welche Harten Fakten denn, die würden mich interessieren. Und nicht irgendwelche Artikel oder Essays aus Zeitungen in denen auf „wissenschaftliche erkenntnisse“ verwiesen wird. Sondern wirklich mal die Originalstudien. Sogar die NICH-Studie die in dem Böhm Artikel erwähnt wird, und hier im Forum auch schon verlinkt wurde kommt nicht zu diesem Ergebnis.
    Aus der Studie: „Center-based child care is associated with both positive and negativ effects. This type of care is linked to better cognitive development through age 4,5 and to more positve social behaviour through age 3. But center-based and large-group settings are also associated with more problem behaviour just before and just after school entry. These types of care are also linked to more ear infection (…).“ Zumindest diese Studie kommt nicht zu dem Ergebnis dass Bildung und Sozialkompetenz bei Kindern die daheim aufwachsen höher ist. Zumindest nicht in jeder Altersstufe.
    Mit besten Grüßen

  27. Entschuldigung. Es müssste heißen NICHD-Studie.

  28. RaSchu meint:

    @Lars: Es geht bei dem Betreuungsgeld darum, die Wahlfreiheit zu stärken. Es sollen auch die Eltern unterstützt werden, die ihr Kind in den ersten Jahren zuhause erziehen wollen. Dabei greift die Regierung den Wunsch vieler Eltern auf und unterstützt ihn. Siehe hier: http://theoblog.de/postdemokratisches-meinungsklima/17232/

    Diese ideologisch motivierten Hetzparolen (Herdprämie, etc.) und die Bevormundung und Diskreditierung elterlicher Rechte, Fähigkeiten und Verantwortlichkeiten hat nichts mit der Realität zu tun. Genauso wenig bedeutet Muttersein, die Zeit zuhause totschlagen.

    Grüße,Raphael

  29. Mario meint:

    Die Frauen wollen arbeiten gehen, weil sie dadurch

    1) endlich Geld für wesentlich weniger Arbeit verdienen, als sie zuhause verrichten
    2) der vielen, ermüdenden Arbeit zuhause davonlaufen wollen
    3) als emanzipiert gelten wollen

    Schließlich haben wir ihnen ja lange genug eingetrichtert, sie seien zuhause nur das Heimchen am Herd, das gar kein Geld verdiene, während wir Männer schwer arbeiten, um auswärts Geld zu verdienen. Die Frau ist froh, dem heimlichen Herd zu entkommen, um sich in unheimliche (und schlecht bezahlte) Arbeit auswärts zu stürzen.

    Denn die Frau muss emanzipiert werden, und wenn das schon nicht in der Entlohnung gelingt, dann wenigstens öffentlich. Schließlich ist es egal, dass die Frau finanziell nie gleichgestellt wird, solange sie als emanzipiert gilt. Man soll sie doch lassen.

  30. Wenn ich mir die letzten Kommentare dazu durchlese, weiß ich nicht – ob jetzt nicht ganz klassisch Klischees bedient werden.

    Wieso ist hier eigentlich laufend von der Frau die Rede, die ihr Kind wegen X, Y (meist als Selbstverwirklichung dargestellt) in „Fremdbetreuung“ geben will?
    Ist die Mutter vielleicht die einzige Verantwortungsträgerin in diesem Prozess?

    Wie „Muttersein“ in dieser unserer Gesellschaft „erlebt“ wird, ist sehr komplex. Es gibt Mütter, die ihre Kinder deswegen in Kitas „fremdbetreuen“ lassen, weil das eigene Kind einfach keinen anderen Spielpartner außerhalb findet. Soziale Beziehungen vor Ort sterben ab, wenn man nicht „zusammen“ sein kann … Das kann keine Mutter kompensieren. Das heißt, es kann auch sehr von den lokalen „Gegebenheiten“ abhängig sein.

    Wahrscheinlich ist die ganze Problematik in all ihren Facetten gar nicht darstellbar. Was mich aber extrem stört, dass eine „männer (oder vater-) zentrierte“ Position hier völlig fehlt.

    Wieso denn immer auf dem Rücken der „Frauen“ argumentieren? Liegt es daran, dass der Prozentsatz alleinerziehender Mütter steigt? Dann wäre es aber nun wieder verständlich. Es gibt hier eine Problemlage (Muttersein, Beruf, Lebensunterhalt verdienen …). Darf man nun vom Staat erwarten, dass er Müttern soviel beisteuert, dass sie zu Hause ihre Kinder betreuen und ihren Lebensunterhalt bestreiten können ohne externe Arbeit? Ist das realistisch?
    Das ist genauso wenig realistisch, wie die zur vollen Zufriedenheit der Eltern ablaufende Mitbestimmung bei Erziehungsinhalten egal in welcher Form von „Fremdbetreuung“.

    Familienpolitik auf „Bundesebene“ ist gar nicht so einfach. Möchten wir als Christen eine vom Staat verordnete Pflicht für Mütter zu Hause zu bleiben? Was soll angesichts des biblischen Menschenbildes dabei herauskommen (für Kinder und …)?
    Ich denke, bestehende Freiheiten (eben nicht Pflicht für Kindergarten) gilt es für uns zu verteidigen, nach dem Bürgerrecht, das uns zusteht. Mit Forderungen, naja, da weiß ich meist nicht, auf welchem Fundament die so zusammengestrickt werden.

    Der Ehemann und Vater, der Christ ist, weiß, dass er nicht nur für das schwächste Gefäß (Kind) Rechenschaft ablegen wird (Verantwortung hat), sondern auch für das schwächere Gefäß (Ehefrau und Mutter). Als Vater von vier Kindern, habe ich dies immer als konkrete Einzelfallentscheidung gesehen, obwohl meine Frau bspw. generell zu Hause ist (also berufliche Selbstverwirklichung scheidet demnach als Kiterium bei mir völlig aus). In einem waren wir uns aber immer einig: bevor das Kind keine ausreichende Sprachkompetenz hat (also artikulieren kann, was weh tut – was gebraucht wird …) – kann es keine „Fremdbetreuung“ geben (Ausnahmefälle wie Krankenhaus oder so … – jetzt nicht mitgedacht.)

    Lutz

  31. @ron: du hast heute morgen die Frage gestellt, warum Mütter ihre Kinder fremdbetreuen lassen.
    Ich bin Mutter von 2 Kindern, das Ältere geht seit 1,5 Jahren in die Kita.
    Hier nur mal meine persönliche Einstellung: ich wollte nie eine „alte“ Mutter sein. Mit 28 hatte ich eine Ausbildung, ein Studium und 2 Jahre Berufserfahrung geschafft. Nach einem Jahr Elternzeit wollte ich wieder an meinen Arbeitsplatz, zum einen um nicht rauszukommen, zum anderen auch, weil ich ja ohnehin noch nicht soviel Arbeitserfahrung nachweisen konnte. Mit 14 Monaten kam unser Kind in eine firmeninterne Krippe, ich habe in Teilzeit gearbeitet und dabei auch genossen, mal wieder in Ruhe etwas erarbeiten zu können, mein Gehirn wieder anzustrengen, mich mit Kollegen etc. über andere (intellektuellere) Thema als auf dem Spielplatz zu unterhalten (das ist nicht arrogant gemeint). Für diese Zeit war ich ICH und nicht Mutter von XY.
    Aber: die Zeit nach der Arbeit gehörte nur mir und meinem Kind. Wir haben immer viel zusammen gemacht, gebastelt, Spielgruppen besucht etc. Auch mit meinem Mann. Und wir haben sehr wohl alle Entwicklungsschritte mitbekommen, vom ersten Wort übers Laufen lernen. Unser Kind hat sich in der Krippe immer wohlgefühlt und ich hatte bisher nie das Gefühl, dass es ihr dort nicht gut geht. Natürlich lernt sie vieles von uns, aber die Krippe hat da auch immer ihren Anteil daran gehabt. Bei Müttern die ausschliesslich zuhause waren habe ich oft gemerkt, wie genervt und aggressiv sie mit ihren Kindern teilweise umgegangen sind und dann auch direkt zugegeben haben, dass es ihnen oft zuviel ist nur mit den Kindern zuhause (was ich wiederum auch verstehen kann)
    Unser kleines Kind ist nun 7 Monate und soll eigentlich Ende des Jahres auch in die Krippe gehen.
    Der Artikel der FAZ hat uns natürlich zum nachdenken und diskutieren angeregt. Ich denke mir jedoch, wenn man den Kindern ein gutes Elternhaus bietet und die Betreuung der Krippe nicht komplett die Erziehung und Zeit zuhause ersetzt, muss sich die Fremdbetreuung nicht zwangsläufig negativ auswirken. Wichtig ist auch, dass man sein Kind gut kennt und im Auge behält, wie es sich verhält. Sollte ich bei meinem Kind Dinge wie Schlafstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, extreme Anhänglichkeit an uns Eltern o.ä. entdecken, würden sicher meine Alarmglocken läuten. Solange sich Kinder aber unauffällig zeigen und auch gerne in die Kita gehen, gibt es doch wohl keinen Grund, sich Sorgen zu machen.

    Mich wundert, dass sich an der Diskussion hier fast keine Mütter beteiligen. Wäre schön noch Meinungen von anderen Müttern zu lesen.

  32. Wenn auch spät, aber immerhin 😉

    Meine 2 Kinder sind mittlerweile erwachsen. Sie besuchten den Kindergarten jeweils ab 3 Jahren, eines notgedrungen auch schon die Krippe (eine hervorragende). Stünde ich heute wieder vor der Entscheidung würde ich mich allenfalls für den Kindergarten ab 4 Jahren, mglw. – käme auf das Kind selbst an – sogar erst ab 5 Jahren, entscheiden. Rate dies, wenn ich gefragt werde, natürlich auch in meinem Umfeld.

    Bei Gesprächen rund um dieses Thema hör(t)e ich oft das Argument „das Kind wollte in den Kindergarten.“ – dazu kann ich nur sagen: (Klein)Kinder wollen ihre Eltern glücklich machen und sehen. Wenn Kinder also den Eindruck haben ihre Eltern mit etwas glücklich machen zu können, dann würden sie sogar – überspitzt formuliert – von einer Brücke springen. Sie nehmen also Dinge die sie eigentlich gar nicht wollen auf sich bzw. in Kauf.

  33. Ich bin alleinerziehende Mutter (gewesen), meine Tochter ist 33 und erwartet selbst ein Kind mit ihrem Mann. Für mich war es wichtig, meiner Tochter eine Möglichkeit zu bieten, mit anderen Kindern zusammen zu sein, gerade als Einzelkind und so habe ich nach einer freien Kita gesucht und sie gefunden. Meine Tochter ging vormittags für 3 Std. hin und hat eine wunderbare Zeit dort verbracht, die Eltern waren mit eingebunden, beim Kochen, Putzen, bei Ausflügen, Festen usw. mitzuhelfen. Als meine Tochter 4 Jahre alt war, gab ich sie in einen kirchlichen KiGa, den sie 1 Jahr besuchte, danach für 1 Jahr in die französische Vorschule, was leider eine Fehlentscheidung von mir und ziemliche Pleite war, da die Franzosen mit ihren Kindern, zumindest in dieser Einrichtung, ziemlich rigide umgingen – die Sprache konnte sie auch nicht lernen, da nicht auf sie eingegangen wurde und sie mehr oder weniger einfach nur versuchte, alles zu verstehen.
    Danach kam sie mit 6 Jahren in die Grundschule und da ich vom Arbeitsamt zu diesem Zeitpunkt bedrängt wurde, mir eine Stelle zu suchen, war sie nachmittags im Hort.
    Das hört sich so gedrängt alles sehr fremdbestimmt an, mir war auch oft nicht wohl bei dem Gedanken, mein Kind so „abgegeben“ zu haben, aber ich habe es einfach nicht geschafft, nachmittags noch viel mit meiner Tochter zu unternehmen. Dafür haben wir die Wochenenden genutzt und viel gemacht.
    Allerdings hatte ich große gesundheitliche Probleme wie Migräne und ständige Erschöpfung, so dass manche Pläne nicht umgesetzt werden konnten.
    Als meine Tochter im Gymnasium war, habe ich sie vom Hort abgemeldet, sie wollte auch nicht mehr dort hin, und sie war nachmittags zuhause. Ich hatte dann eine Ganztagsstelle, hetzte in der Mittagspause heim, wir aßen zusammen, sie erzählte ihre Erlebnisse in der Schule, dann hetzte ich wieder zur Arbeit und sie machte ihre Schulaufgaben. Da sie in dieser Klasse ihre beste Freundin fand, verbrachten die beiden Mädels viel Zeit miteinander, so dass ich beruhigt sein konnte. Sie sind auch oft zusammen verreist, z.B. zum Vater meiner Tochter oder mit den Eltern ihrer Freundin ins Ausland usw. und die beiden sind heute noch befreundet.
    Nach dem Abitur studierte meine Tochter, ist seit 3 Jahren verheiratet und lebt im Rhein-Main-Gebiet.
    Ich kann also sagen, dass es gut ist, wenn Kinder nicht nur zuhause leben, sondern auch die „Auseinandersetzungen“ mit den Kindern in KiGa oder Kita oder auch Spielplatz erleben dürfen, denn dort spielt sich das Leben ab und dort erlernen sie auch die wichtigen Eigenschaften, die für das weitere Fortkommen notwendig sind.
    Auch für die Mütter ist die freie Zeit, ohne Kind, gerade als Alleinerziehende, überaus wichtig, um mal zu sich zu finden, lesen oder nichts tun zu können, sich mit anderen zu treffen, einen Spaziergang zu machen oder in Ruhe einzukaufen.

    Was mich all die Jahre „über Wasser“ gehalten hat, war mein Glaube an Jesus Christus und die freie Gemeinde, in die wir gingen, die Gebete und die Hilfe, die ich dort so wunderbar praktisch und liebevoll erfahren habe.
    Meine Tochter und ihr Mann sind auch gläubig und so ist es für mich ein Wunder, dass meine Erziehung, mein Vorbild und unser Zusammenleben nicht gescheitert sind, sondern wir mit Staunen und Freude zurückblicken können, über manches lachen oder weinen können, aber insgesamt glücklich, dass wir diese Zeit miteinander hatten.
    Ich meine, es sollte nicht entweder KiGa oder zuhause heissen – beides zusammen ist gut und wichtig.
    Von daher – auch dunkle Seiten in der Kindheit können von Gott wieder hell gemacht werden.

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