Die evangelische Kirche in der offenen Gesellschaft

Rüdiger Achenbach hat für den DLF mit dem Philosophen Alexander Grau und dem kirchlichen Kommunikationsexperten Günter Menne über die Evangelische Kirche und die Herausforderungen der offenen Gesellschaft gesprochen. Schleiermacher kommt – nicht überraschend – etwas besser weg als Barth. Der Christ ist ein Mensch, der die Welt anders fühlt, als der Nichtchrist.

Insgesamt ein interessantes Gespräch, welches (ernüchternde) Einblicke in religionssoziologische und theologische Überlegungen im Raum der EKD vermittelt. Also: Besser nicht mehr von Sünde, Erlösung und Reich Gottes reden, denn mit diesen Begriffen und Konzepten können Menschen von heute nicht mehr viel anfangen. Ob die Kirche als Dienstleistungsunternehmen mit einer liberalen Theologie wirklich eine Zukunft hat? Ich zweifle.

Teil 1:

Teil 2:

Nachtrag vom 01.06.2011, Teil 3:

Kommentare

  1. Ein Tübinger Student. meint:

    Ich lese hier echt gerne mit, aber die ständigen Schleiermacher-Seitenhiebe sind echt nervig. Es ist immer alles so schön schwarz-weiß. Barth ist gut, Schleiermacher böse. Ich bin gewiss kein Fan Schleiermachers, habe aber dennoch eine gewaltige Portion Ehrfurcht vor seiner Leistung. Und die kommt mir hier oft zu kurz 🙂

  2. @TübingerStudent: Ja, das tut vielleicht ab und an einmal weh. Aber das wirst Du wahrscheinlich gut aushalten (müssen). Ich will auch noch mal betonen, dass ich vor seiner großen Leistung Respekt habe. Und, um zu betonen, dass ich das überhaupt nicht schwarz-weiß sehe, der Hinweis, dass Barth bei mir auch nicht besonders gut wegkommt. Aber auch vor ihm habe ich große Achtung. 😉
    Liebe Grüße, Ron

  3. Die Interviews offenbaren ziemlich unverblümt die Folgen einer liberalen Theologie. In der Tat ist das sehr ernüchternd. Vor allem aber scheint Herrn Menne bei all der Kritik an der Wort Gottes-Theologie und der Glorifizierung der „rein wissenschaftlichen“ religionsgeschichtlichen Schule zu vergessen, dass er selbst einen Offenbarungsfundamentalismus vertritt, der aufs schärfste den angeblich „völlig unhistorischen“ Biblizismus (hat die konservative Theologie die Geschichtlichkeit des Glaubens etwa verneint?) ausschließt. Kann eine liberale Theologie, die sich rühmt, vom Menschen auszugehen, völlig ignorieren, dass diese sich mehrheitlich für eine konsequente Wort Gottes-Theologie entscheiden? Und warum sind gerade evangelikale Kirchen weltweit am Wachsen, z.T. sogar in Europa (auch wenn die Befragten meinen, Deutschland sei von uns verschont geblieben…)? Eine Kirche, die sich vom Wort Gottes löst, verfällt zu einer profillosen Moralinstanz: Evangelium gegen Atomkraft (da brauchen wir die Kirche nicht, das kann Greenpeace bereits viel besser…), Evangelium für Pluralismus (eine Kirche, die Predigt, dass Menschen vielfältig sind, brauchen wir nicht, das entdeckt jeder Mensch in seinem Leben von alleine) usw. usw.
    Es bleibt zu hoffen, dass die liberale Theologie in der EKD nicht noch einmal die Oberhand gewinnt!

  4. Ach die liberale Theologie ist doch lediglich eine extremistische Strömung innerhalb der EKD. 😉

  5. Tim-Christian meint:

    Schöner Satz gleich zu Beginn:

    „Protestanten haben in der Mehrzahl aber schon immer selbst entschieden, ob sie am Gemeindeleben aktiv teilnehme oder nicht.“

    Ganz im Gegensatz zu den Katholiken, die von ihren Bischöfen gezwungen werden, den Gottesdienst zu besuchen und beim nächsten Kirchweihfest den Grill zu bedienen …

    Wenn jemand sich frei (die EKD ist und bleibt halt die Kirche der Freiheit!) entscheidet, nicht am Gemeindeleben teilzunehmen, was sagt das dann über das Gemeindeleben bzw. den geistlichen Zustand der Mitglieder?! Aus dem ‚Wegbleiben‘ implizit eine protestantische Tugend zu machen, erscheint doch recht gewagt.

  6. Lukas meint:

    Ziemlich deprimierend, diese Gespräche. Blinde Blindenführer.

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