Die Frömmigkeit vom Vesuv

Hier ein Videomitschnitt, in dem ein Missionswerk eine »Erweckungsveranstaltung« vorstellt:

Was lieben diese Menschen, Jesus Christus, das Sichtbare oder ein (produziertes) Gefühl der Unmittelbarkeit?

Dazu ein passendes Zitat von Spurgeon, das, obwohl schon über einhundert Jahre alt, die Sache gut auf den Punkt bringt:

Ich habe keine Freude an einem Glauben, der einen heißen Kopf nötig hat oder ihn erzeugt. Ich begehre die Frömmigkeit, die auf Golgatha gedeiht und nicht auf dem Vesuv. Der größte Eifer für Christus verträgt sich mit gesundem Verstand und mit Vernunft. Raserei, Geschrei, Fanatismus aber sind Erzeugnisse eines falschen Eifers, der mit »Unverstand« verbunden ist. Wir sollen Menschen für die Kammer des Königs vorbereiten und nicht für das ausgepolsterte Zimmer im Irrenhaus. Es tut mir leid, solch eine Warnung aussprechen zu müssen. Aber wenn ich an die tollen Einfälle wilder Erweckungsprediger denke, darf ich nicht weniger und könnte noch sehr viel mehr sagen.

Was sind das für Lehrer, die von ihren Schülern verlangen, den »Verstand fahren zu lassen« (siehe Ende des Mitschnitts)? Für diese jungen Leute, die wohl gar nicht so richtig wissen, auf was sie sich eingelassen haben, empfinde ich tiefe Sorge. Gott hat uns einen Geist der Besonnenheit geschenkt (vgl. 2Tim 1,7, wo sophronismōs = Selbstbeherrschung, steht)!

Kommentare

  1. Martin Winter meint:

    Mir fehlen die Worte, ich bin sehr traurig. Ich war selbst vor Jahren »Bibelschüler« bei MorningStar und kenne einige der Leute in dem Video persönlich. Ich hatte zwar damals schon Bedenken bei solchen Dingen, wollte Gott aber auch nicht im Weg stehen. Ich denke, daß viele solcher Leute es wirklich ernst meinen und sich nach »mehr« sehnen. Leider öffnen sie sich dann auch allem möglichen, das nicht von Gott kommt. Die Lehre, daß Gott den Verstand beleidigt, um den Glauben zu prüfen, habe ich schon öfter gehört und finde sie sehr gefährlich, ganz zu schweigen unbiblisch. (Ob die gezeigte Heilung der Knie und Hüften wirklich ein Wunder Gottes war oder eins der für die letzten Tage angekündigten falschen Wunder, bleibt dahingestellt.) Es wird mit vielen Worten und Floskeln um sich geworfen, die biblisch klingen; gleichzeitig tut man Dinge, die ich mir beim besten Willen nicht im Kontext der biblischen Jünger und Gemeinden vorstellen kann. Vielleicht ist es der Versuch, den Glauben spürbar zu machen. Es reicht ihnen eben nicht, nur die Botschaft vom Kreuz zu haben – ich selbst bin dank Gottes Gnade wieder zu ihr zurückgekehrt.

  2. @Martin: Es wird so sein, wie Du es schreibst.
    Liebe Grüße, Ron

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