Die Kartierung der Schizophrenie

Es könnte ein Durchbruch in der Erforschung von Schizophrenie sein. In der bisher größten Studie der biologischen Psychiatrie wurden 108 Orte im Genom entdeckt, die mit der Entwicklung von Schizophrenie assoziiert sind. Die FAZ berichtet heute in ihrem Teil „Natur und Wissenschaft“ (Nr. 168, Mittwoch, 23. Juli 2014, S. N1) ausführlich über die Studie.

Wenn es die Neuroleptika noch nicht geben würde, dann könnte diese Gruppe von Psychopharmaka jetzt entwickelt werden – auf diese Formel bringen die Autoren einer in dieser Woche in der Zeitschrift „Nature“ erscheinenden Studie ihre Ergebnisse (doi:10.1038/nature13595). Forschungsgruppen aus vierzig Instituten weltweit – darunter mehreren deutschen – haben die bislang größte Untersuchung zur Genetik der Schizophrenie vorgelegt. Die Arbeit identifiziert 108 Genorte, die mit Schizophrenie assoziiert sind; 83 davon werden zum ersten Mal in einer wissenschaftlichen Arbeit genannt.

Stephan Rippe, einer der Autoren der Studie, wird mit folgenden Worten zitiert:

Wir wussten bisher einige wenige Dinge über die Biologie der Schizophrenie, weil bekannt war, wie die durch Zufall gefundenen Medikamente wirken, die bereits mehr als fünfzig Jahre alt sind. Unsere große Hoffnung ist jetzt, dass man durch den Umweg der Genetik auch die Forschung und Entwicklung im Hinblick auf Medikamente wieder anstoßen kann.

Von einer Vorhersage der Erkrankungswahrscheinlichkeit anhand des genetischen Befundes sei man jedoch noch weit entfernt.

Mehr Informationen in der genannte FAZ-Ausgabe oder bei Nature.

Kommentare

  1. Also ist Schizophrenie angeboren. Kein Mensch hat sie sich ausgesucht. Dann sollten wir sie aber auch (wie z. B. bei Homosexualität) nicht mehr als Krankheit bezeichnen. Oder? 😉

  2. DanielV meint:

    Soweit ich das Standarderklärungsmodell für Schizophrenie bisher verstanden hatte, bieten die Gene eine gewisse Anfälligkeit für den „Ausbruch“ der Erkrankung (ähnlich wie Alzheimer oder Multiple Sklerose als neurologische Erkrankungen), aber auch der Lebensstil, die persönlichen Umstände, der Stresslevel, Vor- & Nebenerkrankungen, etc. beeinflussen das alles gewaltig.

    Wie intensiv man unter der Schizophrenie leidet, wie sehr das den Alltag beeinflusst, wie stark die Wahrnehmungsstörungen sind, welche Medikamente man mit welchen Nebenwirkungen ertragen muss, wie konstruktiv man seine Verwandten, Freunde und Ärzte einspannt, wie gut man mit den Akutphasen umgeht und beim „Abdriften“ eventuell sogar einem festen Notfallplan folgt… das steht ja nochmal auf ’nem anderen Blatt.

    Ich finde ja, der „Ist-ja-angeboren-Joker“ lässt sich hier weder aus medizinischer, noch aus moralischer Sichtweise ausspielen… Wenn’s nur alles so leicht wäre. 🙂

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