Die konstruktive Überwindung des Web 2.0

413Xx49D+lL._SL160_.jpgDer Netzkritker Andrew Keen beklagt in einem Interview mit der FAZ einen tiefen Wandel der Wissenskultur und plädiert für die konstruktive Überwindung der Kultur der Verdummung.

Was mir vorerst Sorgen bereitet, ist die Demokratisierung der Kultur, die Amateurisierung der Kultur. Zum einen hat der von Amateuren ins Netz gestellte Inhalt per Definition nicht die Qualität dessen, was Profis machen. Dafür fehlt ihnen meistens die Ausbildung, die Praxis und die Zeit. Zum anderen entzieht all das – die Gratis-Kultur und die des Raubkopierens inbegriffen – dem Spezialistentum die wirtschaftliche Grundlage, zumal es schwer ist, geistiges Eigentum im Internet zu schützen. Gegen den technischen Fortschritt und neue Verbreitungswege ist auch nichts einzuwenden. Ich kann mir ein Leben ohne die neuen Technologien nicht mehr vorstellen. Nur wird es immer schwieriger, Inhalte zu verkaufen und von diesen Produkten zu leben. Es schlägt eben »Die Stunde der Stümper« – den deutschen Titel meines Buchs finde ich etwas besser als den englischen.

Hier das vollständige Interview: www.faz.net.

Das Buch:

  • Andrew Keen: Die Stunde der Stümper. Wie wir im Internet unsere Kultur zerstören, Hanser Wirtschaft, 2008, 247 S.

kann hier erworben werden: www.amazon.de.

Kommentare

  1. Also ich weiß nicht. Was beklagt er sich? Immerhin verdient mittels dieses Buches doch sein Geld mit der angeblichen Misere.

    Und wenn Qulität sich durchsetzt und „sich bezahlt macht“ (haha), dann müsste sich das Problem ja von selbst erledigen.

    Die Frage muss erlaubt sein, was denn Qualität ist und wer es festlegt.
    Die Gegenrichtung, also Bevormundung und Monopolisierung, kann er wohl nicht ernsthaft propagieren.

    Oder was sein positiver (nicht in Abgrenzung formulierter) Ansatz?

  2. @Achti: Wir dürfen ja die Qualität im TV oder Radio (fast) täglich bewundern. Kriterien für Qualität gibt es. Soweit ich weiß, sah sich sogar Wikipedia genötigt, Qualitäts-Scouts anzuheuern.

    Liebe Grüße, Ron

  3. Lieber Ron,

    Web 2.0 = Kultur der Verdummung.
    Kannst du erklären, wie du auf diese Gleichung kommst oder was du damit ausdrücken möchtest?

    Liebe Grüße
    Tom

  4. @Tom: Lies doch einfach das Interview.

    Liebe Grüße, Ron

  5. Lieber Ron,

    habe ich natürlich.
    Gleichzeitig habe ich angenommen, deine Meinung wäre nicht deckungsgleich mit Keens. Ist sie offensichtlich. Schade. Nun gut, trotzdem Danke für deine Antwort.

    Liebe Grüße
    Tom

  6. @Tom: Nein, nicht deckungsgleich. Keen ist ein Polemiker. Aber er hat in vielem Recht und die fast grenzenlose Verdummung macht mir ernsthafte Sorgen!

    Liebe Grüße, Ron

  7. המשקיף בקרתי meint:

    Die Stunde der Stümper Reloaded:

    Nicht nur den Amateuren, auch den Profis vom „Qualitätsjournalismus“ fehlt anscheinend die Zeit für qualitativ hochwertige Recherche.

    Bei der Einführung des neuen dt. Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg wurde der Wikipedia Artikel am Tag vor dessen Einführung manipuliert und dem neuen Wirtschaftsminister ein zusätzlicher Name („Wilhelm“) hinzugefügt. Nun konnte der wikipedia-Scherzbold zusehen, welche Medienhäuser wikipedia unkritisch als erste Quelle ihrer Recherchen nutzen: mehrere dt. Nachrichtenerstatter von Rang und Namen sind darauf hereingefallen…

    Spiegel.de schreibt unter
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,606315,00.html
    unter dem Artikel folgendes:

    „Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde Karl-Theodor zu Guttenberg fälschlicherweise der weitere Vorname Wilhelm zugewiesen. Dieser Fehler kam durch eine Manipulation der Internet-Enzyklopädie Wikipedia und mangelnde Nachrecherche von SPIEGEL ONLINE zustande; da Wikipedia Kooperationspartner von SPIEGEL WISSEN ist, könnten unsere Leser auch dort kurzzeitig auf den falschen Namen gestoßen sein. Aufgrund eines Fehlers der Nachrichtenagentur dpa wurde außerdem behauptet, das Familienunternehmen Guttenberg sei ein Fachgroßhandel für Trockenbau – tatsächlich handelt es sich um eine Vermögensverwaltungsgesellschaft. Die Fehler wurden inzwischen bereinigt. Wir bitten um Entschuldigung.“

    Gemäß folgender Quelle sollen heute.de, Bild, Handelsblatt und Süddeutsche auch darauf reingefallen sein:

    http://info.kopp-verlag.de/news/so-luegen-journalisten-wie-deutsche-medien-den-neuen-wirtschaftsminister-guttenberg-zum-wilhelm-m.html

    das läßt tief blicken…

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  1. […] Keen, der Antichrist des Web 2.0 und Autor von Die Stunde der Stümper, sieht dagegen bessere Zeiten auf uns zukommen und spricht im SPIEGEL-Online-Interview über […]

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