Die Logik der Bibelauslegung

Auch wenn die Schrift eine bestimmte Wahrheit vielleicht nicht explizit angibt, können wir wahre Aussagen machen, hinter denen die Autorität der Schrift steht – vorausgesetzt, sie werden von den Aussagen der Schrift richtig, also gemäß den Prinzipien logischen Denkens, abgeleitet. Andreas. J. Köstenberger nennt in einem hilfreichen Artikel ein fast schon klassisches Beispiel:

Ich würde gerne jedes Mal fünf Cent einstreichen, wenn ich das Argument höre, dass wir davon ausgehen können, dass Jesus Homosexualität geduldet hat, weil er dieses Thema nie explizit angesprochen hat. Dabei übersieht man freilich, dass Jesus Folgendes unmissverständlich klargestellt hat: „Habt ihr nicht gelesen, dass der, welcher sie schuf, sie von Anfang an als Mann und Frau schuf und sprach: ‚Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und es werden die zwei ein Fleisch sein‘?“ (Matthäus 19,4–5). Es ist schwierig, aus dieser starken Bekräftigung der zweigeschlechtlichen Ehe zu schließen, dass Jesus die gleichgeschlechtliche Ehe geduldet hat.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

Kommentare

  1. Es ist ebenso schwierig aus dieser Passage (logisch) abzuleiten, dass er sie nicht geduldet hat. Da hier ja explizit die Logik erwaehnt wird, wuerde ich gerne das Argument sehen, das zu der gewünschten Schlussfolgerung führen soll. Mir faellt da so spontan keine (nicht fragwuerdige) Praemisse ein, die zu einer ueberzeugenden Rekonstruktion des Arguments fuehrt — lasse mich aber gerne vom Gegenteil ueberzeugen.

  2. @GF: Jesus bestätigt die Ehe als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau, übernahm das Eheverständnis, wie es im Gesetz vorgesehen ist. Das mosaische Gesetz sieht keine Duldung einer gleichgeschlechtlichen Ehe vor.

    Wichtig für das Gesetzesverständnis von Jesus Christus ist sein feierliches Bekenntnis: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen“ (Mt 5,17). Das Gesetz Gottes soll gemäß der Verkündigung Jesu bestehen bleiben. „Wer also auch nur eines dieser Gebote auflöst, und sei es das kleinste, und die Menschen so lehrt, der wird der Geringste sein im Himmelreich. Wer aber tut, was das Gebot verlangt, und so lehrt, der wird groß sein im Himmelreich“ (Mt 5,19), predigte Jesus.

    Siehe dazu auch diese kurzen Beitrag:

    http://theoblog.de/sprach-jesus-nie-ueber-homosexualitaet/23595/

    Liebe Grüße, Ron

  3. Und ER sprach: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein; denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. Alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und machen den Menschen unrein. (Mk 7,20-23)

    Wer unter diesen begrifflichen Katalog die Homosexualität nicht subsumieren kann, der wird wohl auch davon ausgehen, dass Jesus Fremdenfeindlichkeit und Sexismus geduldet hat.

  4. @Ron: Hast du (zB in deiner Ausbildung) formale Logik gelernt? Versuche nur abzuschätzen, wie weit ich ausholen müsste, um mich zu erklären.

    @Heike: Hängt davon ab, was du unter dem Begriff „Homosexualität“ verstehst (anscheinend ausschweifende Sexualität mit wechselnden Partnern?). Sehe erstmal nicht, wo diese Bibelstelle zB mit einer monogamen, homosexuellen Ehe in Konflikt steht.

  5. @GF: Ja, ich habe den Kurs Aussagenlogik belegt.

    Eine monogame, homosexuelle Ehe sieht die HS nicht vor. Der Befund in Mk 7,20-23 deckt, vor allem durch den Begriff pornea, die von Heike gemachte Behauptung trefflich.

    Liebe Grüße, Ron

  6. Hi Ron,

    meine ursprüngliche Behauptung war nur, dass die Schlussfolgerung („dass Jesus die gleichgeschlechtliche Ehe geduldet hat“) nicht logisch zwingend folgt, wenn man *nur * die von Köstenberger zitierten Bibelstelle zugrunde legt. Er macht Gebrauch von mindestens einer unterdrückten Prämisse, um zu diesem Schluss zu kommen, teilt diese aber nicht explizit mit.

    Es wird gerne behauptet, dass Andersdenkende nicht logisch denken, wenn sie nicht zu dem gleichen Schluss kommen — während das eigentliche Argument (mit *allen* relevanten Prämissen) nicht explizit gemacht wird und so blöderweise unklar bleibt, wo der eigentliche Konflikt liegt.

    Den Satz „Eine monogame, homosexuelle Ehe sieht die HS nicht vor.“ verstehe ich nicht. Wofür steht „HS“?

  7. @GF: Diese Bedenken kann ich nachvollziehen!

    HS = Helige Schrift (Ich hatte hier ursprünglich Homosexualität stehen, was natürlich nicht passt. Ich verwende die Abkürzung hin und wieder für beide Begriffe.)

    Liebe Grüße, Ron

  8. Peinlich, es hätte in meinem letzten Beitrag (den ich nicht mehr editieren kann) heissen müssen:

    „dass weder die Schlussfolgerung „dass Jesus die gleichgeschlechtliche Ehe geduldet hat“, noch „dass Jesus die gleichgeschlechtliche Ehe NICHT geduldet hat“ nicht logisch zwingend folgt. Es bedarf mindestens einer weiteren (unterdrückten) Prämisse, um zu einem dieser Schlüsse zu kommen, diese wird von Köstenberg aber nicht explizit mitgeteilt.

    Ich denke, es ist aber auch so deutlich geworden, was ich meine.

    Was die Bibel zur HS sagt (oder nicht sagt) mag ich hier nicht diskutieren — mir fehlt dazu das entsprechende Grundlagenwissen.

  9. Theophil Isegrim meint:

    In Matthäus 19 redet Jesus nur von der Ehe zwischen Mann und Frau und weiter unten vom Eheverzicht, was sexuelle Enthaltsamkeit meint. Von etwas anderem redet er nicht.

    Ich könnte jetzt auch behaupten, Jesus hat nichts dagegen, wenn man eine Frau vergewaltigt. Denn es gibt keine Stelle, wo er dieses Thema erwähnt, also scheint er ja damit einverstanden gewesen zu sein … Das ist auch ganz logisch.

    Interessant an der Stelle von Matt 19 ist doch, daß Jesus den Scheidebrief von Mose relativiert. Er verweist auf den Schöpfungsbericht und unterstreicht, was Gott von Anfang an immer wollte. Ein Mann, eine Frau, keine Scheidung. Oder Ehelosigkeit mit sexueller Enthaltsamkeit. Ansonsten relativiert er nichts (an dieser Stelle) aus dem AT. Wenn er Homosexualität befürwortet hätte, dann hätte er hier doch die Stellen des ATs, die sich gegen Homosexualität richten relativieren können/müssen. Warum nur den Scheidebrief? Das erscheint mir nicht plausibel. Er relativert es nicht, weil er es nicht will. Das finde ich plausibel.

  10. Johannes meint:

    Die (an sich) richtige Aussage, Jesus habe nichts gegen HS gesagt, ist ja ein wichtiges Argument progressiver Christen, die gleichgeschlechtlichen Beziehungen positiv gegenüberstehen. Allerdings lässt sich dieses Argument relativ leicht entkräften: Jesus hat deswegen nichts zu HS gesagt, weil er sich bei diesem Thema selbst mit seinen Gegnern einig war. Da gab es schlicht keinen Anlass zu Streitgesprächen. Die Schriftgelehrten und Pharisäer waren bei diesem Thema sicher nicht progressiv eingestellt. Vielleicht sagt Jesus aber in Matthäus 19,12 doch indirekt etwas zur HS, denn er betont hier, dass manche von Geburt an zur Ehe unfähig sind und manche von Menschen dazu gemacht wurden. Luther 2017 oder Schlachter 2000 schwächen hier allerdings die Aussage möglicherweise ab, indem nur von „Verschnittenen“ (also Eunuchen) die Rede ist. Das dürfte es aber von Geburt an nicht allzu viele geben.

  11. Johannes meint:

    Jesus hat ja meines Wissens auch nie etwas zu Vergewaltigung gesagt und die paar AT-Stellen die das verurteilen können wir locker in Siegfried-Zimmer-Manier wegerklären. Wollen die Evangelikalen das bald auch akzeptieren?

  12. @GF:
    „Was die Bibel zur HS sagt (oder nicht sagt) mag ich hier nicht diskutieren — mir fehlt dazu das entsprechende Grundlagenwissen.“

    Sei mir bitte nicht böse zu dem Hinweis (und nimm es als Anreiz): Es ist notwendig, die Bibel zu lesen und mit Hilfe des Heiligen Geistes zu verstehen. Fragen der Schöpfungsordnung (bis hin zur Ehe), des stellvertretenden Todes, bis hin zur Jungfrauengeburt usw. sind einfach zu wichtig, als dass man sich da auf das Wort manches Wortverdrehers verlassen sollte.
    Vermon McGee sagte einmal sinngemäß, dass vom Bauarbeiter bis hin zum Professor jeder die Bibel lesen und die wesentlichen Aussagen verstehen kann.
    Will heißen: man benötigt nicht unbedingt eine Ausbildung in Altgriechisch, Dogmatik und Logik, um den Willen und die Ordnungen Gottes zu erkennen.

  13. @GF: Ja, es ist deutlich geworden, was gemeint ist.

    Liebe Grüße, Ron

  14. @GF

    „Hängt davon ab, was du unter dem Begriff „Homosexualität“ verstehst (anscheinend ausschweifende Sexualität mit wechselnden Partnern?).“

    Ich meine die homosexuelle Neigung – und nicht nur das Ausleben der Neigung und erst recht nicht nur das mit „ausschweifend“ und „mit wechselnden Partnern“ zusätzlich attributierte Ausleben. Paulus berichtet in Röm 1 auch nicht von Ausschweifungen mit wechselnden Partnern, sondern es geht im Kern ebenso um die Neigung. (vgl. i.ü. systematisch zur sexuellen Neigung Mt 5,27f)

    Nebenbei: Das ist nicht nur Schlussfolgerung aus der Subsumtion unter den Begriff porneia, sondern ergibt sich aus einer systematischen Betrachtung der Schrift – aber heutige liberale Exegeten und Homoehe-Befürworter haben es nicht so mit der biblischen Systematik.

    Aber wie dem auch sei: Ich wollte mit meinen Hinweis auf Mk 7,20-23 lediglich über die von Köstenberger genannte Mt-Stelle hinausgehen, weil ich sie für noch treffender halte.

    Liebe Grüße!

  15. Die einen kehren um, die anderen nicht.
    Die Botschaft Gottes ist klar und deutlich (Apostelgeschichte 2, 36-41).
    Wer nicht auf Gott hört geht in die falsche Richtung.

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