Die neue Unübersichtlichkeit

Am Freitag, den 20. September, werde ich in der Ev. Gemeinschaft Cölbe über das Thema: „Die neue Unübersichtlichkeit: Emerging Church – Was ist denn das?“ sprechen (mehr hier: ec-eg-einladung.pdf).

Schließen werde ich dort wahrscheinlich mit einem Zitat von Hans Joachim Iwand, der 1953 in seinem Artikel „Wider den Missbrauch des pro me als methodisches Prinzip in der Grundlegung theologischer Erkenntnis“ (Die Stimme der Gemeinde, 5, S. 208) sagte:

„Wenn von einem Erkenntnisprinzip in der Theologie die Rede ist, dann ist dieses allein die Heilige Schrift, und zwar die sich selbst auslegende, auf keinen außerhalb ihrer selbst liegenden ,Schlüssel‘ angewiesene Schrift. Im anderen Falle würde ja das Zeugnis des Heiligen Geistes durch ein in bestimmten theologischen Kategorien faßbares, auf die Erfahrung, die Existenz, das Glaubenserlebnis, die Tradition oder was weiß ich noch bezogenes und gegründetes Verfahren ersetzt.“

Kommentare

  1. Sehr spannend.
    (Vielleicht kannst Du ja auch irgendwie ein Habermas-Zitat einbringen – jedenfalls klang der Titel des Vortrages irgendwie haber-maessig 🙂 )
    Wenn ich es recht verstehe, besagt das Iwandzitat, dass man hermeneutische Prinzipien (die man ja spaeter bei der Auslegung benoetigt) aus der Bibel selber ableiten muss.
    Stimmt. Wobei man genau genommen mindestens beim erstmaligen Gewinnen der hermeneutischen Prinzipien ein gewisses Mass an Vernunft (oder ein anderes externes Kriterium) benoetigt. Aber seien wir nicht spitzfindig.

  2. Ich finde das auch sehr spannend.
    Beim „erstmaligen Gewinnen von hermeneutischen Prinzipien“ wendest du ja auch bereits hermeneutische Prinzipien an – Roderich nennt es halt ein „gewisses Maß an Vernunft“. Hoffentlich ein gehöriges Maß an Vernunft 😉
    Aber eigentlich ist es ein Zirkelschluss: Bibel mit der Bibel auslegen. Aber welche Kategorie, welcher Maßstab sollte auch über der Bibel stehen?

  3. @Peter,
    Du hast Recht, ein Zirkelschluss, der aber per Definitionem unvermeidbar ist. Bzw. das Setzen eines höchsten Maßstabes (eines Kriteriums der Auslegung) kann keiner vermeiden, und wenn, dann besser gleich den Richtigen nehmen ;-). Natürlich sprechen auch sehr viele Vernunftgründe dafür.

  4. Confessor meint:

    Als Methode der Schriftauslegung kann ich dem Zitat zustimmen.
    Aber man muss aufpassen, dass man nicht „auf der anderen Seite vom Pferd fällt“.
    Gerade diese Gefahr , sich in einem Rationalismus zu verlieren,sehe ich in manchen orthodoxen, reformierten Kreisen.
    Denn wie werde ich denn überhaupt gläubig? Durch eine Bekehrungserfahrung! Keiner wird heutzutage durch rationale Argumente vom Glauben überzeugt, weder in der Moderne noch in der Postmoderne.
    Die Kategorie „Erfahrung“ kann einfach nicht vernachlässigt werden.
    Schon das Lesen der Bibel ist ja eine Erfahrung, und das Hören des Wortes eines über das Wort predigenden Hirten ebenso („fides ex auditu“).

  5. Flitzeflink meint:

    @Peter: Ich finde das ist auch nur so lange ein Zirkelschluss, wie man ausschließt, dass Gott mit seinem geschriebenen Wort tatsächlich Menschen anspricht – jenseits aller hermeneutischen Wissenschaft. Das Evangelium beschreibt sich selbst ja als Kraft Gottes, die Menschen und Leben verändert. Daher ist der Exeget eigentlich vor allem Hörer, nicht Fachmann, der den „Text“ versucht in den Griff zu bekommen. Im besten Fall hat der „Text“ den Hörer im Griff!

  6. Ich glaube, es geht darum, dass man wirklich strikt bei der Bibel bleibt. Denn die emergente Kirche setzt ja – so habe ich zumindest die Infos und die Videos darüber verstanden – auf einen Mischmasch aus allen möglichen Kulturen und Erfahrungen und auch aus Mystizimus ( ganz extrem Ken Wilber ) um die Bibel auszulegen und Glaubens“erfahrung“ überzubewerten. Sie setzt den „Gott ist Liebe“ als Hauptsatz und vernachlässigt vollkommen, warum eigentlich der Herr Jesus ans Kreuz musste.
    Ausserdem glaube ich, dass heutzutage „Erfahrung“ viel zu sehr angefüllt ist mit dem, was uns über die Medien, sprich hauptsächlich Filme transportiert wird.
    Erfahrungen heutzutage müssen positiv sein und den Menschen selbst groß machen.
    Der Mensch wird über Gott gestellt, und Gott zum Handlanger gemacht, siehe auch Wohlstandsevangelium. Grade im Westen haben wir durch unseren Materialismus eine Sattheit erreicht, die oft schwer zu stören ist.
    Ist es denn nicht interessant, dass grade in Ländern, in denen Christen verfolgt werden, die Gemeinden wachsen und hier schrumpfen sie, oder es wird alles neu erfunden ?
    Die emergente Kirche will alles nur keine klare Linie, und das wird aus Originalzitaten sehr klar. Ein klares Prinzip würde sie einengen und das würde den Erlebnishunger und den „Eventhunger“ aushöhlen.
    Was rät uns das Wort in der Bibel: Nüchternheit. Demut.

Ihre Meinung ist uns wichtig

*