Die Notwendigkeit des Gerichts

Francis Schaeffer (Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts, 1973, S .53–54):

Aber lassen Sie mich eine Warnung unterstreichen: Gottes Gericht ist nicht nur gerecht, es ist auch notwendig. Dies ist die einzige Botschaft, die in der Mentalität des 20. Jahrhunderts etwas ausrichten kann, weil sie die einzige Botschaft ist, die auf die beiden großen Probleme aller Menschen wirklich eine Antwort gibt — des modernen Menschen und des Menschen in allen Zeiten und an allen Orten. Zunächst einmal braucht der Mensch Absoluta, Universalien, etwas, aufgrund dessen er urteilen kann.

Wenn man keine Basis für seine Urteile hat, dann fällt die Realität auseinander, dann kann man Phantasie und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden, dann wird der einzelne Mensch wertlos, und Recht und Unrecht werden bedeutungslos.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Gottes Gericht über die Menschen als unsinnig abzutun. Zum einen kann man sagen, daß es kein Absolutes gibt. Dann muß man aber die Folgerung in Kauf nehmen: Wenn Gott nicht aufgrund eines hundertprozentigen Maßstabes richtet, dann ist er wahrhaftig jener alte Mann mit langem Bart. Und schlimmer noch — nicht nur der Mensch lebt im Relativismus, sondern Gott selbst ist vom Relativismus gebunden. Gott muß der Richter sein, dessen eigener Charakter das Gesetz des Universums bildet, sonst haben wir keine absoluten Werte. Wir brauchen uns nicht zu scheuen, davon zu sprechen, daß der einzelne vor Gott treten muß, um gerichtet zu werden — und zwar in der vollen historischen Bedeutung des Wortes »Gericht«. Es ist genau umgekehrt. Wenn das nicht zutrifft, dann haben wir nichts Absolutes mehr, und dann haben wir keine Antwort mehr für den Menschen des 20. Jahrhunderts.

Man kann auf eine zweite Art das Gericht Gottes über den einzelnen abstreiten, indem man dem Menschen seine Bedeutsamkeit nimmt und sagt, er sei eine Maschine oder er sei chemisch oder psychologisch determiniert, so daß er seine Handlungen in dieser Welt gar nicht selbst bestimmen könne.

In einem solchen Falle ist er natürlich nicht verantwortlich und kann gerechterweise nicht gerichtet werden. Aber wahre Bedeutsamkeit ist das zweite Bedürfnis des Menschen, und wenn der Mensch nicht wahrhaft bedeutsam ist, dann haben wir ihn im Namen des Christentums wieder in den großen Topf des Denkens des 20. Jahrhunderts zurückgestoßen, wo der Mensch eine Null wird.

Es geht mir um folgendes: Der einzelne ist nicht von der Schöpfung her von Gott getrennt. Er ist vielmehr von seiner Natur her auf eine persönliche Verbindung mit Gott angelegt; wegen seiner Rebellion gegen Gott ist er von Gott getrennt, und deshalb müssen wir die Lösung unterstreichen, die uns die Heilige Schrift nennt.

Kommentare

  1. Reloas meint:

    „… wegen seiner Rebellion gegen Gott ist er von Gott getrennt, und deshalb müssen wir die Lösung unterstreichen, die uns die Heilige Schrift nennt.“
    Die Rebellion gegen Gott hat ihre Ursachen in dem was in der Heilige Schrift steht, daher bietet sie auch keine Lösung an, im Gegenteil sie ist das Problem.

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