Die Quote

Die Frauenquote soll Gleichberechtigung im Beruf bringen. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Frauen und Familie muss stattfinden, doch die Quote berücksichtigt nicht die unterschiedlichen Lebensvorstellungen der Betroffenen.

Reinhard Müller hat einen so guten Kommentar zu Quotendiskussion geschrieben, dass mir vom ersten bist zum letzten Satz das Schmunzeln nicht verging. Beide Absätze:

Es gibt tatsächlich junge Frauen, die nicht verstehen, warum eine Mutter auf den Gedanken kommt, Teilzeit zu arbeiten: Am Tag der Geburt, gewiss, da könne man wohl nicht zur Arbeit erscheinen – danach aber doch sofort. So redet, wer eine gute Ausbildung, aber selbst noch keine Kinder hat. Wer jung, ungebunden, flexibel ist und dazu auch noch gut aussieht, der lebt tatsächlich in einer anderen Welt. In dieser Lebensphase wird in der Regel niemand diskriminiert. Selbst in Branchen, die als frauenfeindlich gelten, werden Männer und Frauen zu gleichen Teilen eingestellt.

Im Übrigen ist es bezeichnend, dass es nicht einmal im Staatsdienst gelingt, wichtige Positionen mit Frauen zu besetzen – was bei politischen Stellen ein Leichtes wäre. Das gilt nicht zuletzt für das Bundesfamilienministerium, in dem es unter der jungen, jetzt schwangeren Ministerin nur eine weibliche Abteilungsleiterin gibt. Und dann soll der Staat privaten Unternehmen vorschreiben, wie sie ihre Führungsgremien zu besetzen haben? Nein, die Forderung nach einer Quote kann nicht ernst gemeint sein.

Hier: www.faz.net.

Kommentare

  1. Johannes Strehle meint:

    Typisch – Maßstäbe für andere verbindlich machen,
    die man selbst nicht anwendet.
    Vorgängerin von Frau Schröder als Frauen-Ministerin
    war Frau van der Leyen.
    Ich vermisse eine Homosexuellen-Quote.
    Andererseits:
    Ist es nach der Gender-Ideologie
    nicht völlig gleichgültig,
    welches biologische Geschlecht ein Mensch hat?
    Was sollen dann biologische Quoten?
    Gesinnungsprüfungen wären wichtig.
    Oder gilt die Weltanschauungsfreiheit
    auch für die Gender-Ideologie?

    Im Ernst: Ich bin für Quoten, wo sie nachweislich wichtig sind
    (wofür sich Politiker in der Regel nicht interessieren);
    also zum Beispiel für einen Männeranteil von 50 Prozent des Personals
    in Kindertagesstätten und Grundschulen.

    Halb im Ernst: Im übrigen bin ich für eine Quote in der Ehe,
    50 Prozent weiblich, 50 Prozent männlich.
    Als Einstieg schlage ich als politischen Kompromiss vor:
    jeweils mindestens 30 Prozent weiblich und männlich.

  2. Johannes Strehle meint:

    Eine Formulierung aus dem Artikel muss ich doch monieren:
    „Wie kann man eine Familie haben und trotzdem arbeiten?“
    Das meint Reinhard Müller keineswegs ironisch.
    Als Arbeit gilt heute selbstverständlich nur berufliche, bezahlte Arbeit.
    Es gibt auch evangelikale Gemeinden,
    in denen sich Mütter und Hausfrauen verständnislos fragen lassen müssen,
    warum sie nicht arbeiten.

  3. @Johannes: Da gebe ich Dir recht. Obwohl Müller auch für Teilzeitarbeit plädiert, z.B. auch eine Tätigkeit, die man von zu Hause aus tun kann. Das finde ich vernünftig. Dass aber Frauen, die sich z.B. um die Kinder oder die Großeltern kümmern, aber keine direkten Steuern zahlen, nicht wirklich „arbeiten“, ist ein Skandal.

    Liebe Grüße, Ron

  4. Johannes Strehle meint:

    Kürzlich waren knapp drei Dutzend Manager, Verbandsvertreter und Gewerkschafter
    von der Bundesregierung zur Unterzeichnung einer Charta eingeladen worden,
    „in der sich Wirtschaft und Politik verpflichten,
    familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle zu entwickeln.
    Ministerin Schröder machte deutlich, dass sie eine neue Arbeitszeitkultur,
    in der kein Platz ist für den Spruch, Karriere werde nach Feierabend gemacht,
    für das beste aller Frauenförderinstrumente hält.
    Die Arbeitszeiten, sagte sie, seien Taktgeber fürs Familienleben.
    Deshalb müsse der Takt so vorgegeben werden, dass er harmoniere.“

    Die Familien-Ministerin vertritt in Sachen Quote einen relativ vernünftigen Standpunkt,
    mit dem sie sich im Moment aus koalitions- und wahltaktischen Gründen
    gegen Ursula van der Leyen durchgesetzt hat.
    Dass sie eine neue Arbeitszeitkultur
    „für das beste aller Frauenförderinstrumente hält“,
    belegt allerdings einmal mehr,
    in welchem Denkschema unsere politische Klasse befangen ist.

    (Nicht) erstaunlich ist, was alles möglich wird, wenn
    – als Folge einer verfehlten Familien-Politik – die Arbeitskräfte knapp werden,
    obwohl „eine familien- und frauenfreundlichere Arbeitswelt
    nicht zum Nulltarif zu haben ist.“!
    Die Telekom hat ein E-Mail-freies Wochenende eingeführt;
    Microsoft Deutschland die „Vertrauensarbeitszeit“.
    „Im Schnitt arbeite jeder Mitarbeiter bei ihnen
    einen Tag in der Woche von zu Hause aus.
    … jeder kann selbst steuern, wann er das Büro verlässt.“
    Beim Sportausrüster Vaude Sport arbeiten viele Mitarbeiter Teilzeit.

    Zitate aus der FAZ vom 09.02.2011

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