Die Rettungsphantasien von ARD und ZDF

In einem Gutachten, dass das ZDF vorgelegt hat,  versuchen die Professoren Dieter Dörr, Bernd Holznagel und Arnold Picot, die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu unterstreichen und deuten die notwendige Ausweitung der Arbeit innerhalb des Internets an. Die FAZ schreibt:

Die Gutachter halten ARD und ZDF als Stützen der Demokratie und Garanten für eine integrierte Gesellschaft für unersetzlich und wichtiger denn je, weil die unüberschaubare Vielfalt des Internets zu Verflachung und Segmentierung führe, der Markt versage und es in der digitalen Welt zu einer „Vermachtung“ durch Großkonzerne komme. (Die Rolle der unabhängigen Presse wird nur am Rande gewürdigt.) Also müssten ARD und ZDF auch „non-linear“, jenseits ihrer bisherigen Programme, alles zu jederzeit im Netz abrufbar aufbieten können, in Mediatheken und auf Plattformen. Das lässt sich in einigen Punkten inhaltlich gut begründen, etwa wenn es um Angebote für Jüngere geht, stellt zugleich aber einen weiteren Hebel zur Expansion der Sender dar. Apropos Expansion: Um wie viel der monatliche Rundfunkbeitrag steigt, wenn der BIP-Index kommt, weiß die ARD-Vorsitzende Wille schon: von 17,50 Euro auf 18,28 Euro – im ersten Jahr.

Das durch solche Maßnahmen gerade die unabhängige Presse, die es ja wirtschaftlich nicht gerade leicht hat, geschwächt und die Meinungsvielfalt eingeschränkt wird, fällt da natürlich unter den Tisch. Schade! Wie wäre es denn mal mit einer Kritik an der „Vermachtung“ und „Verblödung“ durch den Staat?

Hier: www.faz.net.

Kommentare

  1. Hallo Ron,
    eins interessiert mich mal: wie kommst du auf die Idee es gäbe eine private unabhängige Presse? Was meinst du wohl wer die bezahlt? Der Leser oder die Werbekunden? Ich würde mal sagen im weit überwiegenden Maße die Werbekunden. Und die sind durchaus bestimmend, was in den Medien gemeldet und berichtet werden darf, wo sie werben. Unabhängig?
    Wenn du dich mal mit dem Konzept der unabhängigen öffentlichen Medien in Deutschland beschäftigst, wirst du feststellen können, dass es hier tatsächlich eher die Möglichkeit echter unabhängiger Berichterstattung vorhanden ist. Ob diese auch wirklich so genutzt wird, ist nicht nur die Frage der Redaktionen, sondern auch des Feedbakcs durch kritische Konsumenten.
    Ron, Gott sei Dank sind wir hier (noch) nicht in einer Medienlandschaft wie sie in anderen Ländern vorherrscht. Selbst in Amerika ist das mit den unabhängigen Medien nicht wirklich gegeben. Wir machen einen erheblichen Fehler, wenn wir hier Äpfel mit Birnen vergleichen und als Medienkonsumenten uns nicht einmischen.

  2. Roderich meint:

    Charly, wenn Du Dir die Leute im Rundfunkrat in den öff. rechtl. Medien ansiehst, wirst Du sehen, dass viele von ihnen dort nach Parteibuch platziert worden sind.

    Ferner: Was die ÖR z.B. an Hetze gegen die AfD betreiben, zeigt, dass sie mitnichten „unabhängig“ sind.

  3. Ich sehe, was die Tendenzen bzgl. „Verblödung“ und „Indoktrinierung“ angeht, kaum einen Unterschied zwischen Öffentlich-Rechtlichen und den meisten Privaten. Der Unterschied ist aber der: Während niemand mich zwingt eine private Zeitung zu kaufen, muss ich zwangsweise Abgaben an die Öffentlich-Rechtlichen zwangsweise abführen.

    Ein Beispiel dafür, wie die Öffentlich-Rechtlichen zur Verblödung der Gesellschaft, in diesem Fall Jugendliche, beitragen, ist das Format „Funk“:

    https://www.youtube.com/watch?v=eQJnHyaRS9w

  4. @ Ron und Charly:
    wo hat es in Deutschland unabhängige Medien? Es gibt genügend Beispiele, wo
    think tanks und andere Institutionen auf die Medien Einfluß nehmen. (wers lustig mag: https://www.youtube.com/watch?v=Q7vmcWWHTWg) Warum gibt es zu vielen Themen wenig kritische Auseinandersetzung auch unter den Medien?
    Weil es wahrscheinlich oft schon Vorgaben in Form von „Wordings“ gibt. Beispiel: Wenn jemand in Deutschland die Steuerung der Drohnen der USA in Ramstein, die im Nahen Osten eingesetzt werden, gilt er sofort als links. In der Regel wird aber dieses Thema totgeschwiegen, weil es wahrscheinlich nicht angesprochen werden soll.
    Da könnte man mit weiteren Beispielen weitermachen.
    Und zudem: Wie soll ein Medium überhaupt unabhängig sein, wenn dort Menschen arbeiten. Jeder Medienmacher in einer Spitzenposition wird versuchen seine Einstellung rüberzubringen.
    Unabhängige Medien sind für mich ein Märchen

  5. Ups? Bin ich hier in einem Pro-AfD-Blog gelandet? Dann kann ich ja auch keine intelligente Reflektion über Medien erwarten. Diese Szene bewegt sich ja bekanntermaßen Postfaktisch.
    „Hetze gegen die AfD“? Gibt es irgendetwas Gutes oder Positives über die AfD zu sagen? Ganz klar: Nein. Wie sollte man dann noch hetzen können, wenn diese Partei selbst alles toppt, was es an abstrusen Meinungen und Verschwörungstheorien gibt. Ich wünsche euch dann weiterhin viel Spaß beim auskundschaften der „großen Verschwörungen“.

  6. Theophil Isegrim meint:

    Ich hätte in den öffentlich-rechtlichen Sendern gerne eine Sendung mit der thematischen Ausrichtung des Theoblogs. Das wäre ein guter Beitrag um „Verflachung und Segmentierung“ entgegenzuwirken.

  7. @Charly: Ich kann Dich beruhigen. Das ist kein AfD-Blog und ich wünsche mir weder italienische noch russische Verhältnisse in der Medienlanschaft. Dass allerdings die öffentlich-rechtlichen Medien ausgewogene „Aufklärungsarbeit“ leisten, kann ich nicht erkennen. Die Anstalten bremsen durch die satte Zwangsfinanzierung innovative Medien aus, auch wenn es hin und wieder gute Formate gibt. Da stehe ich ganz auf der Seite der unabhängigen Presse.

    Liebe Grüße, Ron

  8. Hallo Ron,
    dann bin ich ja beruhigt.
    Lies doch nochmal was ich geschrieben habe: „Wenn du dich mal mit dem Konzept der unabhängigen öffentlichen Medien in Deutschland beschäftigst, wirst du feststellen können, dass es hier tatsächlich eher die Möglichkeit echter unabhängiger Berichterstattung vorhanden ist.“
    Ich sprach eindeutig von der Möglichkeit unabhängiger Berichterstattung, nicht davon, dass dies auch so geschieht. Nur muss die Grundlage für Medien entsprechend sein, damit dies überhaupt möglich wird. Werbefinanzierte Medien haben eine solche Grundlage nicht.
    Von welchen innovativen Medien redest du? Ich weiß von gänzlich unabhängigen Medienstartups, die davon abhängig sind, genug bezahlende User zu haben. Nur eben die, die laut über die Medienqualitäten meckern, sind zu einem guten Teil nicht bereit, für Nachrichten zu bezahlen. (Jeder prüfe sich selbst, in wie weit er in dieses Bild passt.) Platt gesagt: wer genug Geld für Bier und Zigaretten oder andere Luxusartikel hat, hätte ergo auch genug Geld für Qualitätsmedien – wenn er denn wollte.
    Also, von welcher unabhängigen Presse redest du genau? Wie finanzieren diese Medienanstalten ihre Unabhängigkeit genau? Sobald Werbung zu einer tragenden Säule wird, ist es vorbei mit der Unabhängigkeit.

    Wer als Medienkonsument an möglichst qualitativer Meinungsbildung interessiert ist, wird nicht umhinkommen durch eine sorgfältige Auswahl verschiedener Nachrichtenquellen seine Meinung zu bilden.

  9. @Charly: Für welche Firmen arbeitet dann z.B. der Spiegel?

    Liebe Grüße, Ron

  10. Roderich meint:

    @Charly,

    „Hetze gegen die AfD“? Gibt es irgendetwas Gutes oder Positives über die AfD zu sagen?

    Oh ja. Die AfD ist gegen Gender Mainstreaming, gegen die absurde Euro-Rettungspolitik der Kanzlerin, gegen die Energiewende (also gegen die Abschaltung aller Atomkraftwerke), und vor allem gegen die absurde „es gibt keine Obergrenze“-Politik der Bundeskanzlerin.
    Man muss längst nicht alles gut finden, was die AfD macht (oder alle Personen darin), aber sie ist in manchen Fragen die einzige Partei, die etwas gegen den Mainstream an zerstörerischer Politik macht.

    Damit wir nicht aneinander vorbeireden: Wie stehst Du zu:
    – Homoehe?
    – Gender Mainstreaming?
    – Frühkindliche Sexualerziehung mit Darstellung von Perversionen, die alle als „normal“ akzeptieren müssen?
    – „Keine Obergrenze“ für Flüchtlinge?
    – Euro-Rettungspolitik und Transferunion ?

    Bin mal gespannt 🙂

    Und die andere Frage: Warum sollte nur Werbefinanzierung die Unabhängigkeit der Presse verhindern? Warum nicht auch ein politischer Rundfunkrat? Und wie steht es mit den linken Sozialwissenschaften an den Unis, wo unsere Journalisten vielfach ausgebildet werden? (Damit hast Du vermutlich als Linker kein Problem).

  11. @Ron Ist das so schwer zu verstehen? Die Firmen, die in Medien werben, machen ihre Werbeaufträge durchaus von den Inhalten und der Art der Berichte in den Medien abhängig. Je nachdem, wieviel finanziellen Umfang ihre Werbeaufträge haben, bestimmen sie die Linie der Medien mit.
    Neben der deutlichen Linie, die die Redaktion des Spiegel fährt, schau einfach mal in die Zeitschrift und sieh dir die Werbeanzeigen (insbesondere die besonders großen) dort an. Die sind es, die mitbestimmen, wie und über was dort berichtet wird. Ok, selten ist es wohl so, dass diese Werbekunden im Vorfeld bestimmen (können). Aber im Nachzug, als Reaktion auf Artikel, bestimmen sie nicht unwesentlich mit. Besonders gut kann man diesen Einfluss in den USA sehen.

    @Roderich Es tut mir leid, aber wer sich darin verläuft eine derartige Schundpartei positiv zu beurteilen, hat für mich damit schon belegt, zu welchen intellektuellen Leistungen er fähig ist. Habe ich Lust immer und immer wieder nutzlose Diskussionen mit derart denkenden Menschen zu führen? Ich denke mal: Nein.
    Wer mit extrem Rechten kuschelt und völlig blödsinnige Verschwörungstheorien frönt, mag das unter Seinesgleichen gerne tun. Ich brauche diesen Müll nicht. Auch dann nicht, wenn ein solcher Verein sich zu einer Partei mausert. Eigentlich dann erst gerade nicht!
    Ich habe differenzierte Meinungen zu all diesen Themen, die du abfragst. Doch nicht eine mögliche oberflächliche Übereinstimmung mit Äußerungen der AfD wird mich dazu bringen, mit der braunen Pest zu liebäugeln.

    Du hast keinen wirklichen Schimmer von der Aufgabe und dem tatsächlichen Einfluss des Rundfunkrates, stimmt’s? Aber es lässt sich ja mit Überschriften so gut hetzen, gelle?
    Auch wenn es anstrengen mag: Ich sehe die Welt nicht schwarz-weiß. Auch dann nicht, wenn mir so manche dies unbedingt unterstellen wollen.
    Und damit: Zu dem Thema war es das von mir in Bezug auf dich.

  12. @Charlie: „Neben der deutlichen Linie, die die Redaktion des Spiegel fährt, schau einfach mal in die Zeitschrift und sieh dir die Werbeanzeigen (insbesondere die besonders großen) dort an. Die sind es, die mitbestimmen, wie und über was dort berichtet wird. Ok, selten ist es wohl so, dass diese Werbekunden im Vorfeld bestimmen (können). Aber im Nachzug, als Reaktion auf Artikel, bestimmen sie nicht unwesentlich mit.“

    Das interessiert mich. Könnten Sie bitte diese Aussage in Bezug auf den Spiegel an mehreren konkreten Beispielen verdeutlichen, wie Werbekunden (im Nachgang) Einfluss auf die Berichterstattung genommen haben? Danke.

  13. @Ron:
    Mich würde mal interessieren, wie Du „unabhängige Medien“ definierst. Beispiel
    Nikolaus Blome, lange wichtiger Redakteur beim Spiegel, war zumindest zeitweise Mitglied bei der „Atlantikbrücke“. Schreibt es dann noch unabhängig. Aus meiner Sicht nicht

  14. @Theo. Ehrlich jetzt? Denkaufgabe: Was wenn wichtige Werbekunden einer Zeitschrift aufgrund der Aussagerichtungen dieser Zeitschrift ihre Werbeaufträge fristlos kündigen? Kommt nicht vor? Aber ganz sicher kommt das so vor.
    Jede Redaktion lebt vom Umsatz = Auflagenstärke und Werbung. ZB Spiegel oder Stern oder Fokus: gut 50% der gesamten Zeitschrift besteht aus Werbung! Sehr leicht nachprüfbar. Fällt die Auflage, sinkt der erzielbare Werbesatz. Fehlen die Werbekunden, kann keine Auflage produziert und auch keine Löhne bezahlt werden.
    Beispiel? Wie lange wird wohl ein Pharmamulti in einer Zeitschrift werben, der in seinen Artikeln vor der Anwendung diverser Produkte seines Werbekunden warnt?
    In den USA und div. anderen „demokratischen“ Staaten beherrschen Parteien und dessen Angehörige einen nicht kleinen Teil der Medien im Land. Unabhängig, weil privatfinanziert? Aber ganz sicher nicht! Etcpp. Das ist dermaßen simpel zu verstehen, dass ich doch sehr verwundert bin, dass es hier anscheinend Leute gibt, die diese Milchmädchenrechnung nicht nachvollziehen können.
    – – – – –
    Was mich hier gerade wundert ist, dass gerade der „Spiegel“ als seriöses, unabhängiges Magazin als Beispiel angeführt werden soll. Dabei ist er bekanntermaßen beides nicht. Seine Agitationen gegen zB chr. Kirchen/Glaube, Israel, etcpp. sollten doch bekannt sein.

  15. @Matze: Ich meinte Unabhängigkeit schlicht in dem Sinn, dass ein Medienunternehmen nicht Organ einer Partei oder einer Regierung etc. ist und sich privat finanziert (also nicht über Gebühren, der der Staat einzieht, unterhält). Die FAZ gehört beispielsweise fast zu 100 Prozent einer Stiftung und ist in diesem Sinne unabhängig.

    Dass es keine inhaltliche Unabhängigkeit gibt, ist mir klar. Die FAZ hat ihr Profil, wie auch der Spiegel. Das darf auch so sein. Rudolf Augstein wollte z.B. nicht in erster Linie informieren, sondern die Republik verändern. Er vertrat, wenn man so will, ein ethisches oder „revolutionäres“ Anliegen (das einer linken Weltanschauung mehr oder weniger dicht verbunden war und ist). Natürlich haben auch die so genannten alternativen oder freien Medien ihre inhaltliche Anbindung.

    Mir ist so eine offene Verortung einer Zeitung oder eines TV-Kanals lieber, als ein Sender, der den Anspruch erhebt, die Interessen aller zu vertreten, dann aber doch bestimmte Interessen vertritt.

    Was Charly oben als selbstverständlich beschreibt, wäre übrigens ein eindeutiges Vergehen gegen das Presserecht. Das nämlich fordert (egal in welchem Bundesland) die Trennung von Werbung und redaktionellem Teil und verbietet eine verdeckte Einflussnahme. Ich will nicht ausschließen, dass es so etwas trotzdem gibt. Legal ist es aber nicht.

    Liebe Grüße, Ron

  16. @Charly: „Das ist dermaßen simpel zu verstehen, dass ich doch sehr verwundert bin, dass es hier anscheinend Leute gibt, die diese Milchmädchenrechnung nicht nachvollziehen können.“

    Das war nicht die Frage. Ich verstehe Ihren Gedankengang sehr wohl. Ich wollte nur fragen, ob Sie ihre Aussage an konkreten Beispielen festmachen können. Ein Beispiel: Aus meiner Sicht hatten die Medien kritisch über den Abgass-Skandal bei VW berichtet, obwohl VW ein großer Werbekunde von Zeitungen ist. (Ich erinnere mich an eine großen „Entschuldigung“-Anzeige von VW in einer Zeitung – an die ich mich leider nicht mehr erinnern kann – wenige Tage nach dem Skandal). Gerne dürfen Sie mich in Bezug auf VW korrigieren oder Ihre Beispiele bringen. Was den Spiegel angeht: Man kann auch als unabhängiges Magazin gegen Kirchen und Glaube agitieren.

  17. Roderich meint:

    @Charly,
    ich fordere Dich auf, Deine Beleidigungen gegen die AfD zurückzuziehen, speziell, wenn Du eine Sachdiskussion verweigerst.
    Zitate: „Schundpartei“; „Nutzlose Diskussionen“; „Wer mit extrem Rechten kuschelt und völlig blödsinnige Verschwörungstheorien frönt“; „ich brauche diesen Müll nicht“; „Du hast keinen wirklichen Schimmer“
    (Aber dann natürlich nachschieben „ich sehe die Welt nicht schwarz-weiß“) 🙂

    Ansosten würde ich Ron bitten, Dich zu sperren. Denn eine ideologische Hetze, egal ob von links oder von rechts, brauchen wir auf diesem Blog nicht.

  18. @ Ron,
    danke, aber sind nicht gerade die vielen einzelnen Personen in den Medien und auch in der Politik das Problem. Woher erfährt der einzelne auf die Schnelle z.B.
    wieviel Putin im „Neuen Deutschland“drin ist und wieviel Atlantikbrücke in der CDU? Wieviele meinungsgeleitete Akteure sind wo und in welcher Richtung?
    Der Normalbürger kann doch dies gar nicht auf die Schnelle erfassen, wie die Gewichtung wo ist. Es ist ja nicht offensichtlich, sondern jeder versucht sich möglichst ausgewogen zu geben.
    Der Mann auf der Strasse merkt dann, dass was nicht stimmt, ihm oft nicht alles erzählt wird, brüllt dann im Zweifelsfall „Lügenpresse“ und die Einschaltquoten und Verkaufszahlen gehen runter. Ist das dann noch verwunderlich ?

  19. @Matze: Nun, verwunderlich ist das nicht. Wer sich informieren will, sollte erst mal den Fernseher ausschalten. Das hilft schon.

    Liebe Grüße, Ron

  20. @Theo: Wie Ron schon richtig anmerkte, wäre ein solch offenes Vorgehen illegal. Doch deshalb anzunehmen, dass Medien (auch Stiftungen), die sich von Werbeträgern abhängig machen, trotzdem immer noch unabhängig sind, wäre doch sehr naiv. Was hier trägt, ist die faktische Abhängigkeit. Wenn solche Konzerne nach bestimmten Artikeln oder -serien für eine Zeit spürbar weniger Werbung schaltet, meinst du, dass merkt die Redaktion nicht? Eine halbwegs gute Redaktion wird auch wissen, welche Überzeugungen oder Werte ihre großen Werbekunden haben.
    Das worauf ich hier hinweisen will, ist der Fakt, dass die Regelungen unserer öffentlichen Medien im weltweiten Vergleich sehr gut sind und weitgehend echte freie Medien ermöglichen. Ob diese Medien dies dann auch so nutzen, das ist wieder die andere Frage.
    Letztlich bleibt, dass alle Medien und die Frage nach Objektivität, nach Unabhängigkeit, etc. eine recht komplexe Struktur bilden, die mit schwarz-weiß-Schlagwörtern niemals richtig bewertet werden können.

    @Roderich: Uhhh jetzt hab ich aber Angst …. Da vertraue ich doch, das Ron selbst zu entscheiden weiß, mit wem er hier diskutieren will oder nicht. Solche Repliken sind dermaßen typisch für diese Szene, dass ich dazu nur sagen kann: quod erat demonstrandum.

  21. @Charly
    Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, dass die Öffentlich-Rechtlichen Sender wirklich unabhängig sind. Dass es sehr enge Verflechtungen mit der Politik gibt, bestreitet niemand.

    Das Bundesverfassungsgericht hat 2014 den ZDF-Staatsvertrag in Teilen sogar für verfassungswidrig erklärt. Begründung: Die im Grundgesetz verankerte freie Berichterstattung der Medien sei durch die hohe Anzahl von Politikern und staatsnahen Personen im ZDF-Fernsehrat nicht gegeben. Glaubst Du denn ernsthaft, dass der ZDF-Fernsehrat und der ZDF-Verwaltungsrat (um mal beim ZDF zu blieben) keinen Einfluss nehmen (können)?

    Versteh mich nicht falsch: Man kann natürlich darüber diskutieren, ob das nun gut oder schlecht ist. Aber es steht außer Frage, dass die Öffentlich-Rechtlichen Sender eben nicht wirklich unabhängig sind. Beispielsweise sitzen von den Vertretern der Parteien natürlich nur Vertreter der sog. etablierten Parteien in den entsprechenden Fernsehräten. Ist es Zufall, dass über die AfD praktisch nur negativ berichtet wird? (Das ändert nichts daran, dass man die AfD natürlich auch kritisieren soll, aber das gilt für die anderen Parteien genauso!)

    Ich kann jedenfalls die AfD-Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen beim besten Willen nicht als wirklich unabhängig ansehen. Hätte denn ein kompetenter Journalist, der AfD-Sympathisant ist, ernsthafte Chancen, Chefredakteur oder Intendant zu werden? Sind ARD und ZDF so unabhängig, dass sie nur nach fachlicher Leistung und Qualifikation gehen und niemanden aufgrund seiner politischen (oder theologischen) Orientierung diskriminieren?

    Die Berichterstattung ist auch sonst extrem einseitig (z.B. über die Evangelikalen). Und über vieles wird auch (fast) gar nicht berichtet (z.B. über die libertäre Szene in Deutschland oder Evangelium21). Wenn es dagegen um Etabliertes geht, dann versagen die Öffentlich-Rechtlichen oft gnadenlos. Wann hast Du zuletzt ein Interview gesehen, wo Merkel wirklich mal gute, kritische Fragen gestellt wurden?

  22. @Adler: „Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, dass die Öffentlich-Rechtlichen Sender wirklich unabhängig sind. Dass es sehr enge Verflechtungen mit der Politik gibt, bestreitet niemand. “ – Jo, ich auch nicht.

    „Das Bundesverfassungsgericht hat 2014 den ZDF-Staatsvertrag in Teilen sogar für verfassungswidrig erklärt.“ – Wie man sehen kann, funktionieren also die demokratischen Kontrollorgane. 🙂

    „Glaubst Du denn ernsthaft, dass der ZDF-Fernsehrat und der ZDF-Verwaltungsrat (um mal beim ZDF zu blieben) keinen Einfluss nehmen (können)?“ – Öhm … der Rundfunkrat ist da um Einfluss zu nehmen.
    Ich zitiere mal Wikipedia:
    „Ein Rundfunkrat überwacht die Einhaltung des gesetzlichen Sendeauftrags. Zudem soll der Rundfunkrat im Sinne des vom Gesetzgeber erdachten Vielfaltssicherungskonzepts die Offenheit des Zugangs zum Programm der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten für verschiedene gesellschaftlich relevante Gruppen garantieren. Der Rundfunkrat bestimmt jedoch nicht die Programmplanung, diese ist Aufgabe des Intendanten. Der Rundfunkrat berät ihn lediglich im Hinblick auf die Programmgestaltung.“
    Sprich: Der Rundfunkrat hilft im Vorfeld Rahmenbedingungen zu setzen und reagiert dann zumeist auf bereits gesendetes. Seine Einflussmöglichkeiten sind durch das Gesetz geregelt. Wer ab und an mal „reinhört“ wenn der RR entscheiden soll, wird feststellen, dass dort dann zumeist reichlich diskutiert wird.
    Da der RR aus einem repräsentativen Querschnitt der Gesellschaft zusammengestellt wird, ist eigentlich nicht davon auszugehen, dass ein solcher frei und lustig Zensur betreibt. Schon mal nicht im Vorfeld. Das deshalb viel getan wird, um Einfluss auf die Besetzung des RR zu nehmen, liegt auf der Hand.

    „Aber es steht außer Frage, dass die Öffentlich-Rechtlichen Sender eben nicht wirklich unabhängig sind.“ – Hab ich auch nie behauptet. Ich sage hier die ganze Zeit, dass es eigentlich keine wirklich unabhängigen Medien gibt. Doch wenn man ein mögliches Maximum an Grundlage für solche bauen will, sind unsere ÖR-Sender im weltweiten Vergleich auf einer wirklich guten Basis.
    Warum können auch diese Sender nicht unabhängig sein? Weil alle Medien letztlich u.a. von der Weltsicht der Macher abhängig sind. Die Macher sind weder wirklich zu 100% objektiv (weil sie einfach Menschen sind), noch sind sie in der Lage ein Nachrichtenmedium zu schaffen, welches durch keinerlei weltanschaulicher Tendenz geprägt wäre.

    „Ist es Zufall, dass über die AfD praktisch nur negativ berichtet wird?“ – Also wenn ich Sprechern der AfD zuhöre – was ich getan habe und ab und an wieder tue – kann ich nicht erkennen, wo die negative Berichterstattung ungerechtfertigt wäre. Mag es also schlicht an dem Verhalten und den Äußerungen dieser Partei liegen? Das ist zu naiv, anzunehmen die negative Haltung gegenüber dieser Partei in unserer Gesellschaft läge nur an der Berichterstattung darüber.
    Doch einem Fakt stimme ich zu: Die Medienmacher sind (dazu gibt es Studien) überwiegend politisch links orientiert. So mag der Ton manches mal zu harsch sein, Doch Fakten bleiben nun mal Fakten.
    Btw.: Gerade erst wurde innerhalb der ÖR-Sender entschieden die AfD zunächst nicht weiter immer mit dem Zusatz: „rechtspopulistisch“ zu belegen.

    „Hätte denn ein kompetenter Journalist, der AfD-Sympathisant ist, ernsthafte Chancen, Chefredakteur oder Intendant zu werden?“ Ich hoffe und bete, dass dies oder mit ähnlichen politischen Hintergrund auch in Zukunft in D niemals mehr möglich wird. Doch ich befürchte, wenn das so weitergeht, wird man ihnen das nicht verweigern können 🙁

    „Wann hast Du zuletzt ein Interview gesehen, wo Merkel wirklich mal gute, kritische Fragen gestellt wurden?“ Oft. Fragt sich, wie man solche definiert.
    – – – – – –

    Mal eine Frage an die Diskutanten hier: Wann habt ihr denn das letzte mal aktiv an der Gestaltung des ÖR als Bürger teilgenommen? Habt ihr mal Redaktionen konstruktiv angeschrieben und sie auf vermeintliche Unstimmigkeiten in der Berichterstattung hingewiesen? Habt ihr schon mal eine Programmbeschwerde eingereicht?
    Bei den ÖR kann man hier mit Reaktionen rechnen (hab ich schon oft erlebt.). Bei den Privaten bekommt man ggf nicht mal eine Reaktion. Warum? Weil die ÖR verpflichtet sind in einem gewissen Rahmen auf Bürgerreaktionen zu antworten.
    Medien werden durch Nutzerreaktionen oft besser. Wenn diese im direkten Dialog geschehen. Aber so wie die AfD zB mit Medien umgeht, muss man nicht erwarten, dass die Medien mit der AfD besonders zuvorkommend umgehen.

  23. Roderich meint:

    Charly,

    Aber so wie die AfD zB mit Medien umgeht, muss man nicht erwarten, dass die Medien mit der AfD besonders zuvorkommend umgehen.

    Das verwechselt Ursache und Wirkung. Es gibt seit Jahren eine Art „Sperrfeuer“ der Mediokratie (der sich freiwillig gleichschaltenden unabhängigen Presse) gegen die AfD. (Mag sein, dass einige in der AfD im Umgang mit den Medien unprofessionell sind, aber wenn es klar ist, dass die Medien – so auch die ARD in den Talkshows noc immer – die AfD sowieso in die Pfanne hauen wollen, ist eine gewisse Vorsicht verständlich).
    Noch etwas: mir scheint, Du verwechselst Pegida mit AfD. Wir sollten uns bei der Auseinandersetzung mit der AfD an das offizielle Parteiprogramm halten. Da hast Du bislang noch nicht gezeigt, was Dir daran missfällt.
    (Es geht mir nicht darum, dass andere Meinungen blockiert werden sollen, aber Du kannst nicht hier die AfD schlechtmachen, und Dich dann der Diskussion verweigern, WAS genau schlecht sein soll. Bitte zeige es anhand des Grundsatzprogrammes der AfD; und bitte keine oberflächlichen Phrasen, sondern echte Begründungen).

    Dass die ARD nun aufgehört, immer zur „AfD“ das Wort „rechtspopulistisch“ zu sagen, („die rechtspopulistische AfD“), ist schon mal erfreulich, kommt aber reichlich spät und ist leider die Ausnahme. (Man sollte auch kein Lob erhalten, wenn man „aufhört, seine Frau zu schlagen“ – das ist selbstverständlich, dass man das nicht macht).
    Viele Medien machen das weiterhin (sogar Welt, FAZ etc.). Dass SPD, Grüne, Linkspartei „linkspopulistisch“ sind, wird allerdings dann nie dazugesagt.

    Wie Schopenhauer sagte, ist die Verwendung negativer Attribute eine petitio principii.

    Das mit dem Rundfunkrat ist eine gute Idee – da sollten wir die Möglichkeiten der Rückmeldung mehr nutzen. (Ob die ÖR dann wirklich eine persönliche Antwort geben, muss man sehen – aber man sollte es mehr probieren, da gebe ich Dir recht).

  24. Johannes Strehle meint:

    Die FAS hat am 10. 01. Unter der Überschrift „Wer meckert, fliegt raus“
    über das polnische Vorhaben berichtet,
    die öffentlich-rechtlichen Medien direkt dem Staat zu unterstellen.
    Untertitel: „Die Aufregung über Polen ist groß.
    Aber sind die öffentlichen Sender wirklich freier in allen anderen Ländern?“
    Aus diesem Anlass hat die FAS (vorbildlich) informiert über die Bedingungen in
    Polen (Reporter-ohne-Grenzen-Index der Pressefreiheit: Platz 18),
    Spanien (ROG-Index: Platz 33),
    Italien (ROG-Index: Platz 73),
    Österreich (ROG-Index: Platz 8),
    Großbritannien (ROG-Index: Platz 34),
    Frankreich (ROG-Index: Platz 38),
    Ungarn (ROG-Index: Platz 65) und
    Deutschland (ROG-Index: Platz 12).
    Fazit:
    „Das ist vielleicht das Beunruhigendste am deutschen Gebührenfernsehen:
    dass alle Bedingungen für eine kritische Berichterstattung gegeben sind.“
    Im Übrigen schätze ich die Medienkritiker der FAZ und FAS.

  25. Johannes Strehle meint:

    Ich würde selbstverständlich nie Mitglied einer Partei sein,
    wenn ich nicht im Großen und Ganzen mit dem Programm einverstanden wäre.
    Aber ich würde auch nie Mitglied einer Partei sein,
    wenn ich nicht mehr oder weniger mit dem Führungspersonal einverstanden wäre.
    Meine Frau und ich sind nach der Machtergreifung Petrys auf dem Parteitag
    in Essen aus der AfD ausgetreten. Ich war bei diesem Parteitag dabei.
    Ohne das Förderprogramm Angela Merkels und ihres Gefolges
    hätte die AfD heute nicht mehr Bedeutung als die NPD.
    So aber erfüllt sie eine wichtige Funktion: nämlich für Protestwähler.
    In Schweden mussten erst 25 Prozent der wahlberechtigten Bürger
    in Umfragen für die Schwedendemokraten votieren,
    bis der Block der selbstherrlich gewordenen etablierten Parteien
    mit Tränen in den Augen bereit war,
    die kritischen Bürger nicht länger zu ignorieren und
    den Kurs seiner Politik zu korrigieren.
    Ich finde, seit die AfD zum Machtfaktor geworden ist,
    berichtet und kommentiert die FAZ ziemlich neutral bis wohlwollend.
    Außerdem sorgt die AfD mit immer neuen Querelen dafür,
    dass sie in den Medien nicht zu kurz kommt.
    In Deutschland gibt es eine große parteipolitische Lücke
    zwischen der CDU und der AfD. Aber die rechtlichen und medialen Hürden
    für die neue Partei von Bernd Lucke sind hoch.
    Wenn mehr konservative Christen bereit wären,
    sich im Sinne von Abraham Kuyper und William Wilberforce
    politisch zu engagieren, wäre Deutschland weniger linkslastig.

  26. @Johannes Strehle

    Wenn mehr konservative Christen bereit wären, sich im Sinne von Abraham Kuyper und William Wilberforce politisch zu engagieren, wäre Deutschland weniger linkslastig.

    Das Problem in Deutschland ist aber, dass selbst viele konservative Christen linkslastig sind. Für viele ist der Staat eine Art Götze und der Hass gegen die freie Marktwirtschaft ist sehr groß. Viele Deutsche sind leider Freiheitshasser. Die deutschen Christen kapieren einfach nicht, dass wir längst im Sozialismus leben. Wer die Bibel wirklich ernst nimmt, der muss für die freie Marktwirtschaft kämpfen! Aber der Staatsglaube ist hier einfach zu stark.

  27. Roderich meint:

    @Adler,
    ja, das stimmt. Seit Bismarcks Sozialstaat (und schon eher) rufen wir immer nach dem Staat, um Probleme zu lösen. Da nimmt der Staat in der Tat für viele oft die Rolle ein, die früher die Vorsehung Gottes hatte.
    Die Folgen sind ja offensichtlich: Wirtschaft im Niedergang (bei unserer riesigen Staatsquote, enormer Bürokratie, hohen Regulierungen etc. gar kein Wunder).

    Es wäre ja schon schön, wenn wir mal eine Flat Tax von, sagen wir, 10-15 % hätten (ohne Ausnahmen, und nur eine Steuer). Sozusagen als erster Schritt.
    Die sehr komplizierten Steuerregeln, die vielen Ausnahmen, die Wirtschaftssubventionen etc. sorgen dafür, dass wir ständig noch mehr nach dem Staat und seinen Regelungen schauen, und sei es nur, um Schlupflöcher zu finden.

  28. Johannes Strehle meint:

    Ich habe heute meiner Frau über Abraham Kuyper vorgelesen.
    Zitate aus dem Buch von Kolfhaus (V Dr. Kuyper als Journalist und Schriftsteller)
    „Pressearbeit war für Kuyper nichts Fremdes.
    Er liebte sie und nannte die Presse eine Gabe Gottes.“
    „Vom 1. Januar 1871 bis 31. März 1872 ist das Wochenblatt unter seiner Leitung erschienen und wurde ihm ein willkommenes Werkzeug, seine Gedanken über Freiheit der Kirche, der Schule und des Volkes zu entwickeln und die Leser für diese hohen Ideale zu gewinnen und zu begeistern.“
    „Kuyper täuschte weder sich noch seine Leser über die Mühe des Weges: „Wir arbeiten auf lange Sicht. Uns ist es zu tun um den endlichen Sieg unseres Prinzips, nicht um den Scheintriumph des Augenblicks. Selbst wenn es sich herausstellt, dass die scharfe Betonung unseres Prinzips viele unserer eigenen Leute abschreckt, unsere Wählerzahl sinken lässt und die Zahl unserer Abgeordneten vermindert, so müssen wir uns dieses Verlustes für den Augenblick trösten, um in der Zukunft der Überwindung umso sicherer zu sein. Es geht uns nicht um die Frage, welchen Einfluss wir jetzt schon haben, sondern welche Macht wir nach einem halben Jahrhundert ausüben können; nicht das beschäftigt uns, wie wenige Männer wir jetzt haben, sondern wie viele Jugendliche als Männer für unsere Grundsätze auftreten werden. Wir wissen Geduld zu üben, daher fordern wir auch nur von denen Beistand, die mit uns auf der selben Lebenswurzel blühend jeden Sieg verachten, der um den Preis unserer Überzeugung erkauft werden muss.“
    „Jedoch erkannten die Freunde … immer deutlicher, dass es nicht genüge, nur durch eine Wochenschrift zum Volk zu reden und dass jetzt die Stunde gekommen sein möchte, Größeres zu wagen. War der Freisinn mächtig geworden durch seine konkurrenzlose Presse, so konnte diese Macht nur gebrochen werden, wenn auch der christliche Volksteil einen Mund erhielt in einer täglich erscheinenden Zeitung mit klaren evangelischen Grundsätzen. … Die Haupt-Vereinigung versprach, das große Werk zu wagen, wenn 5000 Freunde sich fänden, die für ein Jahr das Blatt abonnieren würden. Auf dem großen, aus dem ganzen Land besuchten Missionsfest zu Houdringen im August 1871 wurde der Aufruf in 10 000 Exemplaren verbreitet und damit war die Frage nach einem christlichen Tageblatt mit einem Schlag populär geworden. … Indem Kuyper dem Ruf folgte, betrat er die Kanzel, die ihn dem ganzen Volk vernehmbar machte. Aus dem Theologen und Pastor, der er doch immer blieb, wurde der erste Journalist der Niederlande, der unvergleichliche Organisator einer nach der Regierung strebenden Partei und der politische Vertrauensmann des holländischen Christenvolks. Seit dem 1. April 1872 ist sein Leben beinahe 50 Jahre mit „De Standaard“ verknüpft gewesen. Die Geschichte dieses Blattes, das durch ihn zu einer Großmacht im Leben seines Volkes wurde, ist auch die Geschichte seines Dienstes als christlicher Bekenner, als Politiker und Erzieher seines Volkes.“
    „Sehr klein und bescheiden waren die Anfänge, umbrandet von einem Meer des Spottes und der Feindschaft. Aber es war doch nun ein Lebenszentrum vorhanden, aus dem heraus täglich die Signale an die Peripherie gehen konnten … Jede Tagesfrage wurde im „Standaard“ in das Licht der biblischen Wahrheit gestellt in einem Stil, der dem Einfachsten zugänglich war und den verwöhntesten literarischen Geschmack entzückte. … Kuyper war ein Vorbild in der Kunst, in ganz kurzen Bemerkungen das Wesentliche der Dinge zu formulieren und große Gedankenkomplexe in scharf geschliffenen Sentenzen seinen Lesern unvergesslich einzuprägen. Was er schrieb, drang in das Haus des kleinen Mannes. Dass die sozialistische und irreligiöse Aufhetzung sich nicht tiefer in das holländische Volk einfraß, ist nächst dem Vorhandensein einer bekennenden Gemeinde und der christlichen Schule dem „Standaard“ und den ihm allmählich in Stadt und Land heranwachsenden Helfern und Kampfgenossen, der zahlreichen von ihm beeinflussten Provinzpresse zu verdanken. … Vor Kuypers Auftreten war in den Dörfern und in den untern Volksschichten der Städte kaum Interesse für Politik gewesen. Aus einer Gruppe von Menschen, die sich politisch und kulturell in sehr engen Grenzen bewegten, wurde unter Leitung des „Standaard“ eine große, alle wichtigen Lebensfragen verarbeitende Partei. Indem das Blatt seine Leser zur Hingabe ans Ganze erzog, lernten diese Kleinen, den Sinn und Wert auch ihres Lebens zu empfinden und zum Rhythmus des nationalen Lebens ihren Beitrag zu liefern. Die Gespräche im häuslichen Kreise stiegen auf ein anderes Niveau; in den christlichen Vereinen wurden ernste, allgemeine Probleme behandelt; erstaunlich reiche Bibliotheken sammelten sich in Handwerker- und Bauernfamilien an. Mit Bewusstsein strebte Kuyper danach, dass seine Leser die Wucht der Probleme ihrer Zeit begreifen und durchdenken möchten. Weil er wusste, was er wollte und warum er es wollte, konnte er in konkreter Form reden und die Dumpfheit des Denkens besiegen. … Das christliche Volk sollte so unterwiesen werden, dass es kein Spielball derer würde, die auf seine Unwissenheit spekulierten.“

  29. @Roderich

    Es wäre ja schon schön, wenn wir mal eine Flat Tax von, sagen wir, 10-15 % hätten (ohne Ausnahmen, und nur eine Steuer).

    Ja, das wäre super! Nur leider sind die Deutschen berühmt-berüchtigt dafür, neidisch zu sein auf Leute, die mehr verdienen, als sie selbst. Der Deutsche mag Reiche nicht, weil das zu sehr gegen sein Ego ist.

  30. Johannes Strehle meint:

    @ Adler
    „Ja, die Deutschen haben schon lange
    besonders ausgeprägte Probleme mit der Freiheit.
    Heinrich Heine schrieb Anfang des 19. Jahrhunderts:
    „Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib, er besitzt sie,
    und wenn er sie auch nicht mit absonderlicher Zärtlichkeit behandelt,
    so weiß er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen.
    Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut.
    Er glüht für sie, er flammt,
    er wirft sich zu ihren Füßen mit den überspanntesten Beteuerungen,
    er schlägt sich für sie auf Tod und Leben, er begeht für sie tausenderlei Torheiten.
    Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine alte Großmutter …“,
    die er hin und wieder sonntags im Pflegeheim besucht (meine Ergänzung).
    Und die weitere Geschichte dürfte diese besondere Prägung noch verstärkt haben:
    Die preußische Vorherrschaft an Stelle der Wiener.
    („Andere Staaten besitzen eine Armee,
    Preußen ist eine Armee, die einen Staat besitzt.“)
    Ich nehme an, dass viele der Deutschen
    mit mehr Mut, Initiative, Risikobereitschaft und weniger Versorgungsmentalität
    auswanderten.
    In der nationalsozialistischen Diktatur sind viele, denen Freiheit wichtig war, ermordet worden.
    Im Westen kam dann die Verdrängungsphase
    mit voller Konzentration auf das Wirtschaftswunder.
    Und dann der Marsch der 68er durch die Institutionen,
    der in die Dominanz der GRÜNEN mündete. Die 68er
    schätzen die Freiheit als die Freiheit der Andersdenkenden überhaupt nicht.
    Sie haben uns zwar vom Patriarchat befreit, aber es durch ein Matriarchat ersetzt.
    Im Osten folgte der 12-jährigen nationalsozialistischen Diktatur
    die 45-jährige sozialistische.
    Die Einheit brachte dann einen weiteren Schub dieser Mentalität
    für ganz Deutschland.
    Freiheit bedeutet (Eigen-)Verantwortung.
    Und die allgemein menschliche Neigung, Verantwortung abzuwälzen,
    ist bei den Deutschen besonders ausgeprägt.
    „Dass selbst viele konservative Christen linkslastig sind“, liegt daran,
    dass Denken nicht zu den Stärken der konservativen Christen gehört.
    Siehe http://theoblog.de/es-gibt-keinen-christlichen-geist-mehr/28661/#comments
    Die linken Sehnsüchte sind zwar mit den Hoffnungen der Christen verwandt,
    aber das linke Menschen-, Gesellschafts- und Weltbild ist unrealistisch.
    Deshalb bewirken alle Versuche, der Endstation Sehnsucht näher zu kommen,
    am Ende das Gegenteil. Nachdem die gewaltsame Version
    unendlich viel Schrecken und Leid über die Menschheit gebracht hat,
    läuft nun der Versuch mit der Softversion
    mit „Eroberung der Lufthoheit über den Kinderbetten“,
    Gesellschafts- und Bildungspolitik, Bevormundung und
    Druck der öffentlichen Meinung.

  31. @Johannes Strehle

    „Dass selbst viele konservative Christen linkslastig sind“, liegt daran, dass Denken nicht zu den Stärken der konservativen Christen gehört.

    Ja, leider ist das so. Viele Christen plappern einfach nur nach, was ihnen der Zeitgeist vorgibt. Sie sind zu faul und harmoniesüchtig, um selbst nachzudenken. Das Grundproblem ist, dass der Pietismus immer noch extrem stark die deutschen Evangelikalen prägt. Wir müssen endlich kapieren, dass der Pietismus ein Gegner ist, den wir bekämpfen müssen! Für viele (wenn auch nicht alle) Fehlentwicklungen ist der Pietismus (mit-)verantwortlich.

    Wir müssen den Kampf der Gedanken führen. Dazu müssen wir Anti-Pietisten sein!

  32. Roderich meint:

    dass der Pietismus ein Gegner ist

    Hmmm… Wenn man bei einer bestimmten Richtung manche Fehlentwicklungen sieht, ist es vermutlich effizienter, eine positive Alternative zu vertreten. (Sonst müsste man wohl fast Gegner von allen anderen Gruppen sein, und wäre plötzlich recht isoliert…). Ich glaube, Luther und Calvin haben zwar einerseits scharfe Kritik an den Problemen der kath. Kirche geübt, haben aber v.a. auch eine eigenes Positivprogramm gehabt: das klare helle Evangelium, den lebendigen gelebten Glauben.

    Also statt „Euer Quietismus und Eure quasi-dualistische Jesu-monistische anti-intellektuelle Einstellung ist unbiblisch“ würde ich lieber positiv sagen: „Wir brauchen eine gemeinsame Rückbesinnung auf die Souveränität Gottes über alle Lebensbereiche, und wir sollten den Verstand genauso wertschätzen wie Jesus und Paulus es taten“ etc.
    Dem würden wohl viele Pietisten heute zustimmen. Und ich fürchte, Leute sind nicht mehr so stark über bestimmte „Richtungen“ definiert; das ist leider eine der Negativfolgen der Postmoderne, die dazu führt, dass wir alle, auch unsere eigenen, Überzeugungen ohnehin relativieren.

    (Der Heilige Geist wirkt übrigens in vielen Pietisten; daher würde Er es wohl nicht so formulieren. 🙂 Gott hat auch den Pietismus verwendet, um eine zu rationalistische evangelische Kirche wieder zu erwecken, wenn ich auch zustimmen würde, dass gewisse Fehlentwicklungen vermutl. schon früh vorprogrammiert waren. Nehmen wir das Gute vom Pietismus, und lernen wir aus den Fehlern).
    Der Pietismus war übrigens z.T. recht nah dran an den Schwesterbewegungen „nadere Reformatie“ und Puritaner. (Wenn auch mit gewissen Unterschieden).

    Genaueres könnten dazu jetzt die Kirchenhistoriker sagen.

  33. Johannes Strehle meint:

    @ Adler und Roderich
    Zum Reformationstag ein Anschlag:
    Es ist wirklich Zeit für die kritische Aufarbeitung und Bewertung des Pietismus.
    Aber wer soll sie leisten? Es müsste jemand wie Francis Schaeffer
    („Das große evangelikale Desaster“) sein.
    Die Diener-Kontroverse markiert das nicht unerwartete Ableben des Patienten
    nach langem Dahinsiechen. Die Diener-Kritiker und ihre Vorläufer
    haben das Sterben so lange wie möglich verzögert,
    da sie weder bereit noch fähig waren,
    entweder eine Reformation zu betreiben
    oder dem Pietismus den Gnadenstoß zu versetzen.
    Jetzt üben sie sich in der Kunst der Einbalsamierung:
    Die Hülle muss erhalten bleiben. Diener ist immer noch
    Vorsitzender der sog. Evangelischen Allianz und
    bestärkter Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes.
    Das Thema Homosexualität ist nur ein ablenkendes Symptom für den Kern:
    Jeder soll selbst mit Gott klären, was Sünde ist.
    Das zu akzeptieren, nennt der Gnadauer Verband „Kultur der Barmherzigkeit“.
    „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“
    ist ein wichtiger staatlicher Grundsatz für Religionsfreiheit.
    Innerhalb einer Religion ist er Ausdruck ihrer Kapitulation.
    Dem Einfluss der Landeskirchen und der Universtäten
    hatten die Pietisten auf Dauer nichts entgegenzusetzen,
    zumal sie in der Irrationalität ihres Glaubens
    von Anfang an Seite an Seite marschierten.
    Ansonsten hinken sie als ewige Protestanten in eingespielten Ritualen mit
    und tragen zur finanziellen und institutionellen Stabilisierung der Kirchen bei.
    Inzwischen haben sie ihren Platz auf dem Markt der Möglichkeiten gefunden.
    Der Pietismus hat zwar viele Christen
    mit persönlichem Glauben und persönlicher Frömmigkeit hervorgebracht.
    Aber für die Überzeugung kritischer Außenstehender
    reicht diese Kombination samt institutionellem Traditionalismus
    genauso wenig aus wie für kritische Jugendliche, im Gegenteil.
    Wenn Jugendliche im Konfirmandenunterricht und in der Schule darauf stoßen,
    wie schwach die Argumente ihrer Eltern sind, bleibt für das weitere Leben
    ein emotionales und intellektuelles Trümmerfeld zurück.
    Die Glaubensstarken studierten dann Theologie und glaubten ihren Professoren.
    Hinzu kam: Da den Pietisten die theologische Grundlage
    für eine unabhängige Analyse des Zeitgeistes
    und die geistige Auseinandersetzung fehlte,
    praktizierten sie in der Zeit und Gesellschaft vor 1968
    eine mit Druck erzeugte Anti-Anpassung, die auf Äußerlichkeiten fixiert war.
    Seitdem haben sie nach und nach eine Wende zur Adaption vollzogen.
    Das Ergebnis: Die Pietisten von heute wissen nicht, was sie sagen sollen,
    wenn ihnen entgegen gehalten wird:
    Früher wart ihr dagegen, dass Frauen Hosen anziehen und kurze Haare haben,
    heute seid ihr gegen Homosexualität.
    Kurzum:
    Eine Variante für die nachhaltige Aushöhlung des Christentums ist der Pietismus.
    Und die Pfingstbewegung und die Charismatische Bewegung sind seine Kinder.

  34. @Johannes Strehle

    Es ist wirklich Zeit für die kritische Aufarbeitung und Bewertung des Pietismus.

    Es ist allerhöchste Zeit! Der Pietismus hat so viele Christen versaut, dass sie zu blöd sind, um überhaupt noch irgendwas zu peilen!

    Aber wer soll sie leisten? Es müsste jemand wie Francis Schaeffer sein.

    Genau so jemanden brauchen wir. Aber in Deutschland kannst Du lange suchen. Da gibt es fast nur noch Dummköpfe, Feiglinge, Schwächlinge, Heulsusen, Harmoniesüchtige, Einheitsfanatiker und Erzliberale.

    Und selbst wenn es so jemanden geben würde, eines ist doch klar: Die deutschen Christen würden ihm zuerst in den Rücken fallen!

    Ansonsten hinken sie als ewige Protestanten in eingespielten Ritualen mit und tragen zur finanziellen und institutionellen Stabilisierung der Kirchen bei.

    Dabei sind die Landeskirchen so ziemlich das Antichristlichste und Gottloseste, was Deutschland zu bieten hat. Wer in solchen Organisationen Mitglied bliebt, der macht sich mitschuldig!

    Eine Variante für die nachhaltige Aushöhlung des Christentums ist der Pietismus. Und die Pfingstbewegung und die Charismatische Bewegung sind seine Kinder.

    Ja, und die Pfingstbewegung und die Charismatische Bewegung müssen ebenfalls bekämpft werden! Diese Ketzer-Bewegungen haben so viele Irrlehren hervorgebracht und die Evangelikalen aufs Übelste verdorben. Schließlich kommt noch die Evangelische Allianz hinzu mit ihren Ökumene-Bestrebungen.

    Aber ich befürchte: In Deutschland ist es zu spät. Die Verblendung ist zu groß. Der Zug ist abgefahren!

  35. Roderich meint:

    @Adler,
    dann geh doch den Leuten mit gutem Beispiel voran: halte Predigten, die sowohl erbaulich und gewinnend sind, als auch seichte Theologie vermeiden.
    Kritisches Denken ist gut, aber eine reine Anti-Haltung wird Leute nicht gewinnen / bewegen können.

    Aber ich befürchte: In Deutschland ist es zu spät. Die Verblendung ist zu groß. Der Zug ist abgefahren!

    Zum Glück hat Luther das nicht gesagt, obwohl es damals große Verblendung gab, sondern er hat munter das Evangelium gepredigt. – Ob es irgendwo zu spät ist, liegt in Gottes Ermessen. (Denn für Gott ist nichts unmöglich).

  36. @Roderich

    Kritisches Denken ist gut, aber eine reine Anti-Haltung wird Leute nicht gewinnen.

    Ja, da stimme ich Dir absolut zu: Es reicht nicht nur dagegen zu sein. Wir dürfen uns nicht nur über Abgrenzung definieren, sondern wir müssen auch ganz klar sagen, wofür wir sind, nämlich z.B. für die biblische Unfehlbarkeit, für den Fünf-Punkte-Calvinismus, für den Cessationismus, für die freie Marktwirtschaft u.v.m.

    Aber daraus folgt dann eben immer auch die Abgrenzung: z.B. gegen Bibelkritik, gegen Arminianismus, gegen die charismatische Bewegung, gegen den Pietismus, gegen jeden Anti-Kapitalismus u.v.m.

    Luther hat munter das Evangelium gepredigt.

    Natürlich sollen wir das Evangelium verkündigen! Ich wollte ja nur sagen: Ich befürchte, dass es in Deutschland viel schlimmer ist, als viele Christen auch nur erahnen. Die Lage in Deutschland ist meiner Meinung nach hoffnungslos. Natürlich kann Gott Wunder schenken. Aber er muss es nicht tun.

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